Bei deutschen Aktien greifen die Anleger noch zu

Stand: 09.11.2010, 20:02 Uhr

Bis auf 6.810 Punkte - einem neuen Jahreshoch - ist der Dax heute geklettert, angefeuert von überzeugenden Quartalszahlen und der Hoffnung auf einen anhaltenden Aufschwung. Am Abend kommt es zu einem leichten Dämpfer.

Der Dax beendet den Abendhandel 25 Punkte höher (0,4 Prozent) bei 6.780. Auf Xetra war der Leitindex noch um gut ein halbes Prozent auf 6.787 Zähler gestiegen.

Doch an der Wall Street kommt es am Abend nach einer fünfwöchigen Rally zu leichten Kursverlusten. Der Dow Jones-Index büßt am Abend knapp 60 Punkte ein (0,5 Prozent) auf 11.347. Große Aufmerksamkeit erhielt der Energiesektor, der durch die Übernahme von Atlas Energy durch Chevron bestimmt wurde. Der schwächere Dollar wirkte sich positiv auf die Entwicklung der Rohstoffpreise aus, was Unternehmen wie dem Aluminiumhersteller Alcoa oder dem Ölkonzern Exxon zugutekam

Es sieht so aus, als ob sich die hiesige Wirtschaft ganz gut halten kann", sagte ein Börsianer. Experten zufolge ist das Wachstumspotenzial des Dax inzwischen aber begrenzt. "Die Märkte sind überkauft, wir sehen hier eine Konsolidierung auf hohem Niveau", sagt Marktstratege Heino Ruland von Ruland Research.

Deutsche Post: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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28,40
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+0,71%
HeidelbergCement: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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70,88
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BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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80,01
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Deutsche Post glänzt, Munich Re enttäuscht
Die Papiere des Bonner Logistikunternehmens klettern um über vier Prozent und sind damit die stärksten Werte im Dax. Die Post hat im dritten Quartal Umsatz und Ergebnis kräftig gesteigert und bleibt auch für das kommende Jahr positiv gestimmt.

Als kräftige Stütze des Dax erweisen sich auch die Papiere von HeidelbergCement sowie der Autohersteller BMW und Daimler. Der Baustoffkonzern profitiert von den guten Zahlen des irischen Konkurrenten CRH. Die Aktien der Autobauer werden von den gestiegenen Absatzzahlen im Oktober befeuert.

Während die Aktie der Deutschen Post den Dax anführt, sorgt der verhaltene Ausblick des Rückversicherers Munich Re auf das kommende Jahr für Enttäuschung. Für das laufende Jahr hat der früher unter dem Namen Münchener Rück firmierende Konzern seine Ergebnisprognose von 2,0 Milliarden auf 2,4 Milliarden Euro angehoben. Dieses Niveau lasse sich im kommenden Jahr aber nicht halten, so Finanzvorstand Jörg Schneider. Folglich kommt es bei der in den vergangenen Wochen gut gelaufenen Aktie heute zu Gewinnmitnahmen.

Adidas: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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185,75
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Patrizia: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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16,84
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Patrizia hebt Gewinnprognose an
Die Immobiliengesellschaft Patrizia hebt ihre Gewinnprognose für dieses Jahr erneut an. Operativ, also vor Steuern und Effekten der Zinsabsicherung, werde nunmehr mit einem Ergebnis von zwölf bis 13 Millionen Euro gerechnet, teilte das Augsburger Unternehmen am Abend mit. Zuletzt war der Vorstand von zehn Millionen Euro ausgegangen. Nach den ersten neun Monaten kam Patrizia auf 8,2 Millionen Euro.

Analysten mögen Adidas
Die Aktie von Adidas gewinnt gut drei Prozent, nachdem die Fachleute von Nomura und JP Morgan das Kursziel für Papiere des Sportartikelherstellers erhöht hatten. Nomura-Analystin Allegra erhöhte ihre Gewinnschätzungen je Aktie um zwei Prozent für das Geschäftsjahr 2011 und sechs Prozent für 2012. Damit trage sie den neuen Umsatzzielen der Herzogenauracher Rechnung.

Barclays profitiert von besserer Konjunktur
Die britische Großbank Barclays hat von einer Entspannung bei faulen Krediten profitiert. Die Aktien der Bank steigen um 2,8 Prozent, nachdem Barclays im dritten Quartal wegen sinkender Kreditausfälle mehr verdiente. "In der Gesamtbetrachtung bewegt sich die Bank in Richtung des positiven Bereichs", sagte Richard Hunter, Leiter des Bereichs britische Aktien bei Hargreaves Lansdown Stockbrokers. Dies sei eine Reaktion auf den Umgang des Instituts mit der Krise und seine Zukunftsperspektiven.

Symrise runter, Aareal rauf
Größter Verlierer im MDax ist die Aktie des Duftstoffherstellers Symrise. Dabei hat die Firma die Erlöse in den ersten neun Monaten um 16,4 Prozent auf 1,21 Milliarden Euro gesteigert. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen kletterte sogar um 40 Prozent auf 267,7 Millionen. Analysten hatten allerdings noch mehr erwartet, so dass die Aktie unter Druck gerät.

Ganz anders bei der ebenfalls im MDax notierten Aareal Bank. Deren Papiere springen um mehr als fünf Prozent in die Höhe und sind einer der stärksten Werte im Index. Die Wiesbadener Immobilienbank hat das dritte Quartal mit einem auf 33 Millionen Euro verbesserten Konzernergebnis abgeschlossen. Der Konzern hob zudem die Prognose für "wichtige Kennzahlen" an. Gleichzeitig will Aareal die stille Einlage des Bankenrettungsfonds SoFFin "voll bedienen", also die anfallenden Zinsen zahlen.

Gildemeister gefällt
Überdurchschnittlich gefragt ist auch die Aktie des Maschinenbauers Gildemeister. Der Konzern hat, wie bereits gestern bekannt wurde, im dritten Quartal Ergebnis und Umsatz beträchtlich verbessert, auf 8,1 beziehungsweise 329,5 Millionen Euro. Außerdem will die Firma enger mit dem japanischen Großaktionär Mori Seiki zusammenrücken, der mit einem Anteil von 20 Prozent neuer Ankerinvestor werden soll.

Wincor Nixdorf mit hehren Zielen
Noch kräftiger bergauf geht es mit der Aktie des Geldautomatenherstellers Wincor Nixdorf. Der hat zwar im abgelaufenen Geschäftsjahr 2009/10 ein leicht geschrumpftes Ergebnis von 162 Millionen Euro und einen stagnierenden Umsatz erwirtschaftet. Die Aktionäre sind aber trotzdem zufrieden, denn der Wincor-Vorstand hatte im Vorfeld schwächere Zahlen kommuniziert. Die MDax-Firma kündigte für 2011 die Rückkehr zu alten Wachstumszielen an.

Qiagen traut sich weniger zu
Unbefriedigende Geschäftszahlen bescherten dem im TecDax notierten Biotechunternehmen Qiagen ein heftiges Auf und Ab. Einem Umsatzanstieg um sechs Prozent auf 274,3 Millionen Dollar stand ein Gewinnrückgang um drei Prozent auf 36,5 Millionen Dollar gegenüber. Die Firma verringerte zudem die Umsatzprognose und auch die Gewinnerwartung wurde revidiert.

Keine Krise mehr bei den Autozulieferern
Sehr gut laufen die Geschäfte derzeit bei den Autozulieferern. Zwei Vertreter der Branche legten heute Zahlen vor. Leoni erzielte ein Ebit von 39 Millionen Euro im dritten Quartal und hob erneut die Jahresprognose an. Auch Grammer schloss das dritte Quartal mit einem deutlichen Umsatz- und Gewinnanstieg ab und erwartet nun, dieses Jahr 20 Prozent mehr Umsatz zu machen als 2009. Die Aktie legt deutlich zu, während das Papier von Leoni unter Gewinnmitnahmen leidet.

SDax: Delticom, DIC Asset und Tom Tailor
Auch aus dem SDax legten heute drei weitere Firmen ihre Zahlen vor. Der Internetreifenhändler Delticom beendete das dritte Quartal mit einem Gewinn- und Umsatzplus um gut 30 Prozent. Dennoch kommt es bei der Aktie zu massiven Gewinnmitnahmen. Das liegt daran, so einige Händler, dass Delticom die bisherige Jahresplanung, den Umsatz um 15 Prozent zu steigern lediglich bestätigte, statt sie anzuheben.

Der Immobilienkonzern DIC Asset beendete das aktuelle Quartal mit einem leichten Gewinnschwund. Der Konzernüberschuss der ersten neun Monate sei auf 9,5 Millionen Euro geschrumpft, die Erträge hingegen legten etwas zu, auf 135,9 Millionen Euro. Die Aktie rutscht ab. Der Modehersteller Tom Tailor hob wegen guter Geschäfte in diesem Jahr seine Prognose etwas an. Jetzt erwartet die Firma ein Umsatzwachstum von zwölf Prozent sowie ein leicht zunehmendes Gewinne. Die Aktie ist ebenfalls unter Druck.

LPKF will Ergebnis verdoppeln
Der Anbieter von Laserschweißsystemen hat den Umsatz in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres um 76 Prozent auf 61 Millionen Euro gesteigert. Mit 15 Millionen Euro und einer Ebit-Marge von 24 Prozent lag das Ergebnis vor Zinsen und Steuern nach neun Monaten deutlich über den Erwartungen. Vorstandschef Ingo Bretthauer erwartet für das laufende Geschäftsjahr einen Rekordumsatz von 79 Millionen Euro und will das Ergebnis bei einer Ebit-Marge von 19 Prozent mehr als verdoppeln. Die Aktie leidet unter Gewinnmitnahmen.

Kleinere Bilanzen
Der österreichische Impfstoffhersteller Intercell überraschte mit einer Verlustmeldung. 28,7 Millionen Euro Miese habe man in den ersten neun Monaten 2010 gemacht, teilte die Firma mit, etwa doppelt soviel wie erwartet. Für das Gesamtjahr erwartet Intercell nun einen Fehlbetrag von 40 Millionen Euro. Die Internetfirma Xing meldete gute Zahlen: Das Ebit sei im dritten Quartal auf 4,46 Millionen Euro gestiegen und damit auf den höchsten Wert der Unternehmensgeschichte.

Ambac ist pleite
Regelrecht abgestürzt ist die Aktie des Anleiheversicherers Ambac. Gestern Abend meldete die Firma in den USA Insolvenz an. Der Konzern war durch die Finanzkrise, wie auch die anderen Branchenfirmen, unter Druck geraten, und hatte schon vergangene Woche gesagt, dass er mit seinen Gläubigern über eine Insolvenz verhandle.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 18. Juli

Unternehmen:
NovartisVW: Q2-Zahlen, 6:45 Uhr
Cassiopea: Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Software: Q2-Zahlen, 7 Uhr
ASML: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Akzo Nobel: Q2-Zahlen, 7:30 Uhr
Ericsson: Q2-Zahlen, 8 Uhr
Easyjet: Q3-Zahlen, 8 Uhr
Morgan Stanley: Q2-Zahlen, 13 Uhr
Abott Laboratories: Q2-Zahlen, 13:45 Uhr
American Express: Q2-Zahlen, 22 Uhr
Alcoa: Q2-Zahlen, 22:05 Uhr
Ebay: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
IBM: Q2-Zahlen, 22:30 Uhr

Konjunktur:
EU: Verbraucherpreise (endgültig), 06/18, 11 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen 06/18, 14:30 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung im Juni, 15:15 Uhr
USA: NAHB-Index Juli, 16:00 Uhr
USA: Rede von Fed-Chef Powell vor dem Bankenausschuss des Senats, 16:00 Uhr