Begrenzte Verluste dank Ölpreis-Rally

Angela Göpfert

Stand: 15.10.2009, 20:04 Uhr

Trotz der großen Enttäuschung über die Quartalszahlen der US-Großbanken Goldman Sachs und Citigroup: Der Dax konnte sich im späten Parketthandel etwas erholen. Denn an der New Yorker Börse stützte die Ölpreis-Rally den Dow Jones.

Zu Parkettschluss in Frankfurt notierte der US-Leitindex in New York nur noch knapp 0,1 Prozent tiefer und damit wieder über der wichtigen 10.000-Punkte-Marke, die er erst am Mittwoch zum ersten Mal seit 14 Monaten wieder zurückerobert hatte.

Positive Konjunkturdaten beflügeln Ölpreis
Das späte Aufbäumen im Dow Jones war vor allem den schwer gewichteten Energietiteln wie ExxonMobil und Chevron geschuldet, die von der Ölpreishausse profitierten. Der Preis für ein Barrel der US-Referenzsorte stieg auf über 77 Dollar und damit auf ein neues 14-Monatshoch. Tags zuvor waren die Öl-Lagerbestände in den USA überraschend gesunken.

Auch der neu aufgeflammte Konjunkturoptimismus stützte den Ölpreis: Der an den Börsen viel beachtete Empire-State-Index war überraschend auf ein Fünf-Jahres-Hoch gestiegen. Positive Signale gab es darüber hinaus vom US-Arbeitsmarkt. Nicht zuletzt tat der anhaltende Dollarverfall, welcher heute den Euro auf ein neues 14-Monatshoch von 1,4967 US-Dollar trieb, sein Übriges, um den Ölpreis zu befeuern.

Goldman Sachs: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
194,45
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-0,59%
Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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10,31
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+7,30%

US-Banken (konnten nur) enttäuschen
Dank der leichten Erholung an der Wall Street machte auch der Dax im späten Parketthandel ein paar Punkte gut auf 5.836 Zähler. Den Xetra-Handel hatte er noch bei 5.830 Punkten beendet - ein Minus von 0,4 Prozent im Vergleich zum Vortag. Kurz vor Veröffentlichung der Quartalszahlen von Goldman Sachs und Citigroup hatte er noch bei 5.869 Zählern ein neues Jahreshoch markiert.

Die US-Bankhäuser konnten zwar mit ihren Zahlen die Analystenerwartungen übertreffen. Nach dem außerordentlich gut ausgefallenen Quartalsbericht von JP Morgan tags zuvor lag die Messlatte der Anleger aber offensichtlich zu hoch, was die Titel und den gesamten US-Bankensektor ins Minus zog. Die Papiere der europäischen Wettbewerber zeigten sich hingegen nur mäßig beeindruckt. Die Aktie der Deutschen Bank legte gar gegen den Trend 0,7 Prozent zu.

Alphabet A: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.030,00
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-0,49%

IBM, AMD, Google und Lazard auf dem Rückzug
Die US-Berichtssaison dürfte die Anleger weltweit auch weiterhin in Atem halten: Am Freitag legen unter anderen General Electric und Bank of America vor. Bereits nach US-Börsenschluss am Donnerstag präsentieren die Technologiegiganten IBM und AMD und der Internetriese Google ihre Quartalszahlen. Alle drei Titel tendierten vor der Veröffentlichung der Ergebnisse tiefer.

Auch Aktien von Lazard gingen in die Knie - der Grund: Die Wall-Street-Legende Bruce Wasserstein ist im Alter von 61 Jahren gestorben. Der Chef der US-Investmentbank Lazard galt als der einflussreichste "Dealmaker" seiner Zeit. Nun ist unklar, wie es mit Lazard weitergehen soll.

Infineon trägt rote Laterne
Größter Dax-Verlierer war die Infineon-Aktie mit einem Minus von 3,7 Prozent: Marktbeobachter sprachen von Gewinnmintnahmen, nachdem der Titel seinen Wert seit März mehr als verzehnfacht hatte.

Hohe Abschreibung bei Siemens?
Die Siemens-Aktie präsentierte sich ebenfalls schwach. Auf den Münchner Konzern könnte wegen des schwachen Geschäfts beim Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens Networks eine Abschreibung in Milliardenhöhe zukommen. Abschreibungen auf dieses Joint Venture hatten den finnischen Handyhersteller im dritten Quartal unerwartet in die roten Zahlen gedrückt. Nokia-Aktien büßten mehr als elf Prozent ein.

Versorger weiter nicht gut gelitten
Die Versorger-Titel Eon und RWE setzten ihre jüngste Talfahrt fort. "Der Markt preist weiter die Vorschusslorbeeren für eine schwarz-gelbe Regierung aus", sagte ein Händler. Zudem wirkte noch eine negative Branchenstudie vom Vortag nach, in der sich Analysten skeptisch zu den Aussichten für den Strom- und Gasmarkt der EU geäußert hatten. Auch Aktien von Iberdrola präsentierten sich schwach.

Preisfrage drückt K+S
Papiere von K+S zählten nach einer Herunterstufung durch Morgan Stanley auf "Underweight" ebenfalls zu den größten Dax-Verlierern. Preisverhandlungen für Kali in China könnten ungünstig für die Branche ausgehen, vermuteten die Analysten.

Henkel VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
109,10
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-0,82%
Ceconomy ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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7,15
Differenz relativ
+0,11%
Deutsche Post: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
28,16
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+0,36%

Analystenliebling an Dax-Spitze
Größter Gewinner im Dax war die Henkel-Aktie. Die Citigroup hatte die Bewertung des Titels mit "Buy" und einem Kursziel von 36 Euro aufgenommen. Auch Aktien der Deutschen Post und Metro bekamen durch positive Analystenstimmen Auftrieb. So glauben etwa die Experten von JP Morgan, bei Metro beginne das Sparprogramm bereits zu wirken.

ThyssenKrupp verkauft Werft an Araber
Auch die ThyssenKrupp-Aktie fuhr ein weit überproportionales Kursplus ein: Der Stahlkonzern will die Mehrheit an der Hamburger Traditionswerft Blohm + Voss an das Schiffbauunternehmen MAR Group aus Abu Dhabi verkaufen.

Gute Zahlen von Südzucker
Im MDax gewannen Südzucker-Aktien nach Quartalszahlen 1,7 Prozent. Der Konzern konnte die Erwartungen der Analysten bei Umsatz und Gewinn übertreffen. Europas größter Zuckerproduzent profitierte dabei auch von starken Zuwächsen seiner Bioethanol-Tochter Cropenergies, die am Vortag überraschend gute Zahlen vorgelegt hatte.

Nach anfänglichen Verlusten ging auch die Gerresheimer-Aktie mit einem Plus aus dem Handel. "Mit dem Quartalsbericht sollten jetzt alle negativen Nachrichten bekannt und im Kurs berücksichtigt sein", lautete die Behelfserklärung eines Analysten von Sal. Oppenheim. Konzernchef Axel Herberg sieht zudem Anzeichen dafür, dass im dritten Quartal 2009 die Talsohle bereits durchschritten wurde.

Analysten erklären Stada-Rally für beendet
Größter MDax-Verlierer waren indes Stada-Aktien mit einem Abschlag von 5,3 Prozent. Die Analysten der Commerzbank glauben, dass die Fundamentaldaten keinen weiteren Kursanstieg bei dem Generika-Titel rechtfertigten, und haben daher ihre Empfehlung von "Hold" auf "Reduce" gesenkt. Stada-Papiere hatten in den vergangenen Tagen nach einer Empfehlung von Bank of America/Merrill Lynch über zehn Prozent gewonnen.

Dialog-Hausse geht in Fortsetzung
Im TecDAx setzen Titel von Dialog Semiconductor ihre Wahnsinnsrally fort und gewannen 2,6 Prozent. Allein während der vergangenen fünf Tage hat der Titel Kursgewinne von über 40 Prozent angehäuft.

Dagegen verloren die zuletzt ebenfalls außerordentlich gut gelaufenen Papiere von Aixtron wegen Gewinnmitnahmen 5,7 Prozent. Daneben standen zahlreiche Solarwerte unter Druck.

Curasan gewinnt zweistellig
Jenseits der großen Indizes schossen die im General Standard notierten Anteilsscheine der Curasan AG um mehr als zehn Prozent in die Höhe. Der Konzern hatte die Zulassung für das Produkt ATR® erhalten - ein Einmalsystem zur Anreicherung körpereigener Wachstumsfaktoren um ein Vielfaches der üblichen Blutwerte.

Roche-Umsatzplus dank Tamiflu
Unter den ausländischen Titeln tat sich der Schweizer Pharmakonzern Roche mit einem positiv ausgefallenen Quartalsbericht hervor. Der Konzern verbuchte dank des Grippemittels Tamiflu ein deutliches Umsatzplus und schraubte daraufhin seine Jahresprognose für den Umsatz in die Höhe. Einzig die Roche-Aktie konnte davon nicht profitieren, sie schloss deutlich im Minus. Einige Experten verwiesen darauf, dass gute Nachrichten im Kurs schon größtenteils "eingepreist" seien.

ING setzt Kapital frei
Gegen den Trend gewannen Aktien von ING leicht hinzu. Der niederländische Finanzkonzern hat sein Privatkundengeschäft in Asien für rund eine Milliarde Euro an die singapurische Bank OCBC verkauft. ING bezifferte den Gewinn aus dem Verkauf auf 300 Millionen Euro. Zudem werden den Angaben zufolge 370 Millionen Euro an Kapital freigesetzt.

Carrefour mit Umsatzminus
Nach Börsenschluss in Europa meldete sich Carrefour zu Wort: Der französische Einzelhandelskonzern hat im dritten Quartal einen Umsatzrückgang um 2,8 Prozent auf 24 Milliarden Euro verbucht und zugleich die Gesamtjahresprognose für das operative Ergebnis bestätigt. Zudem gab Carrefour bekannt, sich vom russischen Markt zurückzuziehen.

Vollbremsung bei Harley Davidson
An der New Yorker Börse legten Aktien von Harley Davidson trotz eines desaströsen Geschäftsverlaufs im dritten Quartal zu. Nach einem Gewinneinbruch um 85 Prozent gibt der kriselnde US-Motorradhersteller seine beiden Traditionsmarken MV Agusta und Buell auf. Für die italienischen MV-Agusta-Maschinen sucht Harley nach nur gut einem Jahr im Konzern bereits wieder einen Käufer. Die US-Marke Buell wird ganz eingestellt.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 16. Juli

Unternehmen:
United Continental: Q2-Zahlen
America Movil: Q2-Zahlen, 22 Uhr

Konjunktur:
China: BIP Q2, 4 Uhr
China: Industrieproduktion, Juni, 4 Uhr
EU:Euro Zone-Handelsbilanz, Eurostat, Mai, 11 Uhr
USA: Empire State Index, Juli, 14:30 Uhr
USA: Einzelhandelsumsatz, Juni, 14:40 Uhr
Sonstiges:
Tokio Märkte wegen eines Feiertags geschlossen