Begeisterung ist etwas anderes

Detlev Landmesser

Stand: 16.03.2007, 20:13 Uhr

Ängstlich sind die Börsianer zwar nicht, aber nervös allemal. Auch am Freitag ließen sich die Sorgen um den US-Hypothekenmarkt nicht ganz verdrängen. Am Abend bröckelten die Kurse in Amerika wieder.

Im Schlepptau der zunächst gut aufgelegten Wall Street hatte der Dax zeitweise 0,4 Prozent im Plus notiert. Die US-Börsen drifteten dann aber ins Minus. Händler führten dafür die anhaltenden Sorgen um den US-Hypothekenmarkt an, ohne dass es von dieser Seite neue Hiobsbotschaften gegeben hätte. Der L-Dax ging mit 6.580,74 Punkten ins Wochenende.

Insgesamt konnten die jüngsten US-Konjunkturdaten die Sorgen etwas dämpfen. So legte die Industrieproduktion im Februar um 1,0 Prozent zum Vormonat zu, während Volkswirte nur mit plus 0,3 Prozent gerechnet hatten. Auch die Kapazitätsauslastung lag mit 82,0 Prozent über den Erwartungen. Offensichtlich waren die Börsianer auch erleichtert, dass die Verbraucherpreise im Februar in der Kernrate - ohne Energie- und Nahrungsmittelkosten - wie erwartet um moderate 0,2 Prozent zum Vormonat zulegten. Dagegen trübte sich die Stimmung der Verbraucher unerwartet deutlich ein: Mit 88,8 Punkten lag der März-Wert des entsprechenden Indikators der Uni Michigan unter den erwarteten 90 Zählern.

Der "dreifache Hexensabbat", der Verfall von Aktien- und Indexoptionen sowie Futures, hat ebenfalls deutliche Spuren im Dax-Chart hinterlassen. Um 13:00 Uhr liefen die Futures und Optionen auf den Dax aus. Zum Xetra-Schluss um 17:30 Uhr wurden noch die Optionen auf Einzelaktien abgerechnet. Die Terminmarkt-Akteure versuchen an diesen Tagen, die Kurse der Basiswerte zu ihrem Vorteil zu beeinflussen.

VW wird für Chinesen billiger

Wieder gehörte die VW-Aktie zu den besten Dax-Titeln. Der Autohersteller will seine Verkäufe in China mit deutlichen Preissenkungen ankurbeln. Der Verkaufspreis des Modells Santana 3000 werde um rund elf Prozent gesenkt, teilte das VW-Gemeinschaftsunternehmen Shanghai Volkswagen Automotive mit. Auch der Preis des Polo werde deutlich fallen.

Russen liebäugeln mit Telekom
Russland ist weiter an einem Einstieg bei der Deutschen Telekom interessiert. Das bestätigte der russische Telekommunikationsminister Leonid Reiman auf der CeBIT. Er sei zuversichtlich, dass Gespräche über eine Beteiligung des russischen Mischkonzerns Sistema bei der Telekom noch erfolgreich sein könnten, sagte Reiman dem "Handelsblatt".

Eon lässt nicht locker
Eon-Chef Wulf Bernotat versucht laut einem Pressebericht die Blockade seines 41 Milliarden Euro schweren Angebots für den spanischen Energiekonzern Endesa zu brechen. Eon wolle den spanischen Mischkonzern Acciona zum Verkauf seines 21-Prozent-Anteils bewegen, berichtete das "Handelsblatt".

Klein wird Postbank-Chef
Mit einer ungewöhnlich jungen Führungsspitze will die Deutsche Postbank ihr erfolgreiches Geschäft fortsetzen. Der 43-jährige Wolfgang Klein wird wie geplant neuer Chef des Dax-Unternehmens, beschloss der Aufsichtsrat formell am Freitag. Neuer Finanzvorstand wird der erst 33-jährige Marc Heß. Klein löst zum 1. Juli dieses Jahres Wulf von Schimmelmann (60) ab, der sich aus persönlichen Gründen nach acht Jahren vorzeitig als Vorstandschef zurückzieht.

Schatten über Siemens-Kooperation
Die Schmiergeld-Affäre im Hause Siemens belastet den Start des neuen Gemeinschaftsunternehmens mit Nokia zum 1. April und kostet den Technologieriesen viel Geld. Wie ein Siemens-Sprecher dem "Handelsblatt" sagte, gibt das Unternehmen zusätzliche Vermögenswerte in Höhe von 300 Millionen Euro in das Joint Venture, weil die internen Ermittlungen den Start des Netzwerk-Unternehmens um drei Monate verzögert haben. Zudem stehe Siemens für alle Folgen gerade, die sich aus dem Skandal ergeben könnten.

Commerzbank vor Milliardenverkauf?
Die Commerzbank verkauft laut einem Zeitungsbericht ihre britische Fondstochter Jupiter an den US-Finanzinvestor TA Associates und das Jupiter-Management. Der Vollzug der Transaktion solle noch am Freitag bekannt gegeben werden, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf Finanzkreise. Erwartet werde ein Verkaufspreis von gut einer Milliarde Euro. Bis zum Handelsschluss gab es keine Nachricht; die Aktie tendierte seitwärts.

Rheinmetall werden hochgelobt
Im MDax rangierte die Rheinmetall-Aktie weit vorn. Die Deutsche Bank änderte ihr Anlageurteil von "Hold" auf "Buy". Das Kursziel erhöhten die Analysten kräftig von 54 auf 73 Euro. Der Ausblick des Industriekonzerns sei so vielversprechend wie nie zuvor, meinten die Analysten.

Elliott stockt bei Techem auf
Die Techem-Aktie legte leicht zu. Der US-Hedgefonds Elliott hat nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" seinen Anteil an dem Energiedienstleister auf deutlich mehr als zehn Prozent aufgestockt. Zuletzt hatte die Beteiligung bei 5,6 Prozent gelegen.

Merck gibt Stada einen Korb
Nach einem Bericht der indischen "Economic Times" hat die Merck KGaA das Gebot von Stada für die zum Verkauf stehende Generika-Sparte von Merck zurückgewiesen. Die Stada-Aktie nahm es gelassen: Zwar ist die Zurückweisung eine strategische Enttäuschung, meinte ein Händler. Andererseits habe es aber auch Befürchtungen gegeben, dass Stada durch eine derart große Transaktion seine finanzielle Situation überstrapazieren könnte.

Milliarden-Auftrag für EADS-Konsortium?
Die EADS-Aktie legte über zwei Prozent zu. Ein Konsortium um den europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzern steht nach Medienberichten vor dem Abschluss eines milliardenschweren Beschaffungsauftrags der britischen Armee. Wie die französische Zeitung "La Tribune" berichtet, sieht der über 27 Jahre laufende Vertrag mit Großbritannien die Lieferung von rund 15 Airbus-Maschinen vom Typ A330-200 vor, die zu Tankflugzeugen umgerüstet werden sollen. Das Volumen des geplanten Auftrags belaufe sich auf 18,5 Milliarden Euro.

Solarworld verwöhnt Aktionäre
Die Solarworld-Aktie gewann knapp ein Prozent. Der Solarkonzern will zum dritten Mal in Folge die Dividende anheben. Die Anteilseigner sollen für das Jahr 2006 20 Cent je Aktie erhalten nach 12,5 Cent im Jahr zuvor, kündigte das Bonner Unternehmen an. Im vergangenen Jahr hatte Solarworld inklusive eines Sonderertrages einen Nettogewinn von 130 Millionen Euro verbucht, nach 52 Millionen Euro im Vorjahr.

160 Euro pro Repower-Aktie?
Nachdem der französische Staatskonzern Areva sein Angebot für den Windanlagen-Hersteller Repower aufgestockt hat, will der Mitbieter, die indische Suzlon-Gruppe, offenbar nachziehen. Denkbar sei ein Angebot von etwa 160 Euro pro Aktie, meldete die indische Wirtschaftszeitung "Economic Times". Areva hatte seine Offerte am Vortag auf 140 Euro pro Aktie erhöht.

Wyser-Pratte mag den SDax
An der SDax-Spitze notierte die Aktie von Cewe Color. Schon am Donnerstag hatte die Nachricht den Kurs beflügelt, dass der streitbare US-Investor Guy Wyser-Pratte bei dem Fotodienstleister eingestiegen ist. Pratte hält 3,32 Prozent, bestätigte das Unternehmen am Freitag. Bisher haben sich die Hedgefonds MarCap (zuvor M2 Capital) und K Capital Partners mit einem gemeinsamen Anteil von 17 Prozent bei Cewe Color eingekauft. MarCap wirft dem Management Versagen vor, will Vorstand und Aufsichtsrat ablösen und verlangt zudem die Ausschüttung einer Sonderdividende.

Dyckerhoff verdreifacht Dividende
Dyckerhoff will nach einem Gewinnsprung seine Dividende mehr als verdreifachen. Je Aktie sollen die Eigner 66 Cent erhalten, teilte der Zementkonzern mit. Für 2005 hatten die Wiesbadener 20 Cent Dividende ausgeschüttet. Der Löwenanteil der Dividende fließt nach Italien: Dyckerhoff gehört zu über 96 Prozent dem italienischen Zementhersteller Buzzi Unicem. Im vergangenen Jahr hat Dyckerhoff dank eines starken Geschäfts in Osteuropa und in den USA den Nettogewinn auf 150 (Vorjahr 59) Millionen Euro gesteigert. Der Umsatz legte dabei nur um sieben Prozent auf 1,42 Milliarden Euro zu.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 17. Oktober

Unternehmen:
ASML: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Roche: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Zooplus: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Danone: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Abbott: Q3-Zahlen, 13:45 Uhr
US Bancorp: Q3-Zahlen, 14:00 Uhr
Carrefour: Q3-Umsätze, 17:45 Uhr
Alcoa: Q3-Zahlen, 22:10 Uhr

Konjunktur:
Acea-Kfz-Neuzulassungen 09/18, 08:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 09/18, 11:00 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen, 09/18, 14:30 Uhr
USA: Ölbericht (Woche), 16:30 Uhr
USA: FOMC-Sitzungsprotopoll 26.9., 20:00 Uhr