Bankenpleite belastet den Dax

Stand: 26.09.2008, 20:03 Uhr

Eine weitere sehr volatile Börsenwoche ist beendet. Am Freitag belastete die Pleite der US-Bank Washington Mutual und die Ungewissheit um das Kredit-Rettungspaket. Der Dax schloss 1,8 Prozent im Minus.

Am Ende Woche blieb die Gewissheit, dass die Finanzkrise noch lange nicht vorbei ist. Mehr noch, sie forderte am Freitag ein weiteres, sehr prominentes Opfer. Mit der Washington Mutual, einer Traditionsbank aus Seattle, ging ein weiteres Institut pleite. Die Bank verspekulierte sich mit Hypothekenkrediten, machte Milliardenschulden, ihr Bankrott ist der bisher größte Bankenzusammenbruch der US-Geschichte.

Immerhin, und das ist die gute Nachricht, übernahm JP Morgan Chase für 1,9 Milliarden die verwertbaren Reste von WaMu, darunter das Bankengeschäft. JP Morgan finanzierte die Übernahme durch eine Kapitalerhöhung.

Die belgische Bank Fortis war am Freitag ebenfalls unter besondere Beobachtung. Gerüchte um ein drohendes Liquiditätsproblem der Bank ließ den Aktienkurs einbrechen und nötigten den Vorstandschef, zum Zustand des Instituts Stellung zu nehmen. Nur in einem "extremen Szenario", so Fortis-Chef Herman Verwilst, werde sich die Bank von Kernbereichen trennen.

Die Finanztitel im Dax litten sichtlich unter der neuen Pleite in den USA und den Fortis-Gerüchten. Aktien von Hypo Real Estate verloren fast zehn Prozent, die Commerzbank verbilligte sich um mehr als sieben Prozent.

Hundert Punkte in einer Woche
Der Dax beendete den Handelstag mit einem Minus von 1,8 Prozent bei 6.064 Punkten. Der L-Dax passte sich der leichten Erholung an der Wall Street an und legte bis 20 Uhr noch knapp 20 Zähler auf 6.083 Punkte zu. Auf Wochensicht bleibt beim Dax ein Minus von etwas über 100 Punkten.

Auch von leicht negativen Konjunkturdaten wurde der Handel in Frankfurt belastet. Das US-BIP ist im zweiten Quartal nicht, wie erwartet, um 3,3 Prozent gewachsen, sondern nur um 2,8 Prozent, wie das US-Handelsministerium am Nachmittag mitteilte. Außerdem legte das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan legte im September zwar von 63,0 auf 70,3 Punkte zu, Volkswirte hatten allerdings mit 71,0 Punkten gerechnet.

Infineon und der RIM-Effekt
Die Aktie von Infineon gab 5,3 Prozent ab. Gestern nach Börsenschluss hatte der Blackberry-Hersteller RIM mit seinem Quartalsbericht enttäuscht. Der Gewinn stieg zwar um 70 Prozent, der Ausblick enttäuschte jedoch. RIM rechnet mit steigenden Kosten, die Aktie verlor zeitweise mehr als 25 Prozent. Der schwache RIM-Ausblick zog auch die Infineon-Aktie in Mitleidenschaft.

K+S und die Düngemittelpreise
Aktien der Düngemittelfirma K+S verloren im Tagesverlauf 6,7 Prozent. Händler verwiesen auf stark gesunkene Preise für ein Produkt der Konkurrenzfirma Yara. K+S-Aktien sind erst seit Anfang dieser Woche im Dax notiert. Seit ihrem Hoch Mitte Juli hat die Aktie fast die Hälfte ihres Wertes verloren.

Arcandor nicht gefragt
Die Aktien des Handels- und Reisekonzerns Arcandor verloren 23,6 Prozent. Der mögliche Verkauf von Anteilen an der profitablen Tochter Thomas Cook wird von Analysten äußerst negativ gesehen. UniCredit-Analyst Volker Bosse sagte: "Wenn der Anteil von Arcandor unter 50 Prozent rutscht, würde das bedeuten, dass sie Thomas Cook nicht mehr voll konsolidieren können". In diesem Fall werde der Konzern nicht mehr in der Lage sein, seine Umsatz- und Ergebnisziele zu erreichen.

Konsortium bietet für Hapag Lloyd
Das Hamburger Konsortium zur Übernahme der Reederei Hapag-Lloyd hat dem Mehrheitsbesitzer Tui ein verbindliches Kaufangebot gemacht. Zur Höhe des Angebots machte das Konsortium, bestehend mehreren Unternehmern, Banken, Versicherern und der Stadt Hamburg, keine Angaben. Eine Reederei aus Singapur hatte ebenfalls eine Offerte angekündigt. Tui will sich bis Mitte Oktober entscheiden. Die Tui-Aktie, seit Montag im MDax notiert, verlor 0,8 Prozent.

Conergy verlängert Finanzierung
Der im TecDax notierte Solarkonzern Conergy hat sich mit zwei Banken auf die Verlängerung einer bestehenden Zwischenfinanzierung geeinigt. "Eine Ausweitung der Laufzeit war sinnvoll, um dem Unternehmen größere zeitliche Flexibilität bei der Umsetzung der geplanten Kapitalerhöhung zu geben", teilte Conergy mit. Die Aktie konnte sich dem Markttrend jedoch nicht entziehen, sie verlor im Tagesverlauf 7,5 Prozent.

MTU will Kosten senken
Der Triebwerkehersteller MTU will seine Kosten senken. Bereits in zwei Jahren will das MDax-Unternehmen 25 bis 30 Millionen Euro sparen. 2011 sollen die Kosten dann um 50 Millionen Euro gesenkt werden, teilte MTU am Freitag mit. "Der Fokus liegt auf Vereinfachungen des Produktdesigns, Optimierungen von Prozessen, Verbesserungen von Technologien und Materialien sowie Einsparungen beim Einkauf", sagte MTU-Chef Egon Behle ziemlich vage. Zugleich bestätigte Behle die Umsatzprognose für 2008 in Höhe von 2,8 Milliarden Euro. Die Aktie schloss 4,6 Prozent schwächer.

Symrise kauft in den USA zu
Der Duft- und Geschmacksstoffe-Hersteller Symrise kauft die zwei US-Konkurrenten Manheimer Fragrances und Intercontinental Fragrances für rund 100 Millionen Dollar. Ab 2009 Jahr sollen die Übernahmen sich positiv auf den Konzerngewinn auswirken. Die Aktie stieg um 2,4 Prozent.

Koenig & Bauer senkt Gewinn- und Umsatzprognose
Der Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer hat seine Erwartungen für Gewinn und Umsatz gesenkt. Bisher hatte das SDax-Unternehmen einen Vorsteuergewinn von etwa 63 Millionen Euro erwartet. Nun rechnet Koenig & Bauer mit einem Verlust. Der Umsatz werde etwa 1,5 Milliarden Euro betragen, rund 100 Millionen weniger als 2007. Die Aktie verlor 11,1, auch die Papiere des MDax-Konkurrenten Heidelberger Druck gaben 4,6 Prozent ab.

Estavis verbucht Umsatzeinbruch
Die Aktie des Immobilienunternehmens Estavis verlor 9,8 Prozent. Das im Prime Standard gelistete Unternehmen hat im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatzeinbruch um 28 Prozent auf 147,5 Millionen Euro verbucht. Unter dem Strich gab es einen Verlust von 6,7 Millionen Euro nach einem Gewinn von 8,8 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Auch Aktien anderer Immobilienunternehmen verloren heftig. Im SDax sackte die Aktie von Deutsche Wohnen ohne Nachrichten um 15 Prozent ab.

Deutsche Bahn will IPO durchdrücken
Die Deutsche Bahn will ihre Tochter DB Mobility Logistics trotz der Kapitalmarktturbulenzen am 27. Oktober an die Börse bringen. 24,9 Prozent der Anteile will die Bahn am Kapitalmarkt anbieten. Die Finanzmarktkrise wird nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters den Erlös aus dem IPO aber deutlich schmälern. Nach Informationen "mehrerer mit den Plänen vertrauen Personen" müsste die Bahn mit einem Abschlag von 10 bis 15 Prozent rechnen. Banken bewerten DB Mobility Logistics mit etwa fünf Milliarden Euro, mit Abschlag blieben noch 4,25 bis 4,5 Milliarden übrig. Im April hatte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee noch gesagt, Banken hielten einen Erlös von acht Milliarden Euro für möglich.

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr