Banken- und Bilanzenangst

Stand: 02.02.2009, 20:04 Uhr

Bald zeigt die Wirtschaftskrise ihre böse Fratze. Die Bilanzsaison beginnt und die Anleger befürchten Schlimmes. Am ersten Handelstag im Februar sind sie vorsorglich in Deckung gegangen, der Dax verlor kräftig.

Optimismus ist in diesen Tagen auf dem Börsenparkett Mangelware. Etwas Hoffnung kam am Montag Nachmittag auf, als der ISM-Einkaufsmanagerindex veröffentlicht wurde. Dieser war mit 35,6 Punkten etwas besser als erwartet, der darauf folgende Aufwind an den Aktienbörsen währte nur kurz.

Dies lag vor allem daran, dass zwei weitere amerikanische Konjunkturzahlen, Konsum- und Bauausgaben, schwächer als erwartet ausfielen. Dass US-Unternehmen mit ihren Zahlen enttäuschten, wie Mattel, der weltgrößte Spielzeughersteller, der mit einem halbierten Gewinn und stark schrumpfenden Umsatz kämpfen muss. Und dass die ewige Bankenmisere immer noch munter vor sich hinschwelt und böse Gerüchte am laufenden Band produziert.

Der Dax beendete den Handel am Montag mit einem Minus von 1,6 Prozent bei 4.270 Punkten. Der LDax schloss ein paar wenige Punkte höher, nachdem sich an der Wall Street ein kleines Zwischenhoch durchgesetzt hatte.

Kommt die Bad Bank oder nicht?
Dax-Bankaktien gehörten zu den großen Verlierern im Dax. Deutsche Bank-Aktien schlossen 6,6 Prozent tiefer, Commerzbankaktien 5,8 Prozent. Beobachter machten dafür ernstzunehmende Gerüchte verantwortlich, dass es eine staatliche Bad Bank wohl nicht geben wird. Kanzlerin Angela Merkel hatte dazu am Wochenende erklärt, dass die Probleme der Banken nicht nur auf Kosten der Steuerzahler gelöst werden dürften und deshalb eine zentrale Abladestelle für Wertpapiere sämtlicher Institute auf keinen Fall in Frage komme.

Ein weiteres Gerücht über einen erheblichen Finanzierungsbedarf des amerikanischen Versicherungskonzerns AIG lastete ebenfalls auf den Finanztiteln. Die Papiere des größten europäischen Versicherungskonzerns Allianz verloren 3,6 Prozent.

Hypo Real Estate geschüttelt
Deutliche Kursverluste gab es am Morgen bei der Hypo Real Estate. Händler erklärten diese mit Gerüchten über eine akut bevor stehende Verstaatlichung der angeschlagenen Bank. Die Bundesregierung erklärte daraufhin, es gebe keinen Zeitdruck. Am Nachmittag dann äußerte sich HRE-Großaktionär Flowers. Man sei bisher weder von Bundesregierung, Soffin oder anderer offiziellen Stelle angesprochen worden, teilte der Fonds mit. Dies beruhigte die Aktionäre, die Aktie ging mit einem Plus von 1,6 Prozent aus dem Handel.

MAN will mehr Kraftwerke
Der Maschinenbaukonzern und Lkw-Hersteller MAN will sein Kraftwerkgeschäft stärken. Bis 2017 soll der Umsatz der Sparte vervierfacht werden, erklärte MAN. Die Sparte MAN Diesel, zu der auch das Kraftwerksgeschäft gehört, hatte im vergangenen Oktober einen Großauftrag im Volumen von 750 Millionen Euro erhalten. MAN will den Marktanteil bei dieselbetriebenen Kraftwerken von 20 auf 40 Prozent ausweiten. MAN-Aktien verloren 6,8 Prozent.

Salzgitter senkt die Prognose
Aktien des Stahlkonzerns Salzgitter notierten mit einem Kursverlust von 2,3 Prozent unterdurchschnittlich. Der Konzern hatte die Prognose für die Röhren-Sparte gesenkt. Salzgitter-Manager Wolfgang Eging begründete dies mit der gesunkenen Nachfrage aus der Automobilindustrie.

Infineon überzeugt nicht
Infineon-Aktien gingen mit einem Minus von fünf Prozent aus dem Handel. Erfolglos hatte ein Infineon-Manager zuvor versucht, Optimismus zu verbreiten. "Ich bin überzeugt, in Kürze werden wir zur Nummer eins bei Autochips aufsteigen - vielleicht schneller als manche denken", sagte Vertriebs- und Technologievorstand Hermann Eul. Das half der Aktie nicht, Händler führten als Belastungsfaktor eine negative Einschätzung der Deutschen Bank an. Deren Analysten hatten am Morgen ihr Kursziel für die Aktie auf 0,55 Euro gesenkt.

Immer noch kein Kaufhof-Käufer
Der Verkauf der Metro-Tochter Kaufhof gestaltet sich weiterhin schwierig. Metro-Vorstandschef Eckhard Cordes sagte in der Süddeutschen Zeitung, dass der Konzern derzeit keine Gespräche über den Verkauf der Warenhauskette führe. "Wenn man den Kaufhof verkaufen will, benötigt man jemanden, der ihn bezahlen kann. Der ist im gegenwärtigen Kapitalmarktumfeld nicht in Sicht." Metro-Aktien verloren 2,5 Prozent.

Murdoch hat jetzt freie Hand bei Premiere
Der Premiere-Großaktionär News Corp darf Bezahlsender Premiere mehrheitlich übernehmen, ohne den freien Aktionären ein Pflichtangebot zu machen. Die BaFin hat dem von Rupert Murdoch kontrollierten Medienkonzern von dieser Pflicht befreit. Eine solche Entscheidung hatte Murdoch zur Bedingung dafür gemacht, dass er dem Fernsehsender weiteres Geld zur Verfügung stellt. "Mit der BaFin-Entscheidung ist der Weg zur Rettung von Premiere geebnet", sagte ein Experte. Die Premiere-Aktie gewann 3,7 Prozent.

Leoni will kurzarbeiten lassen
Der Autozulieferer Leoni bekommt die Krise in der Autobranche zu spüren. Der Hersteller von so genannten Bordnetzen und Kabeln hat für die meisten seiner 4.200 Mitarbeiter in Deutschland Kurzarbeit beantragt. Vor allem die Arbeiter in der Produktion seien betroffen, teilte die Firma mit. Im Stammwerk in Roth werde die Arbeitszeit im nächsten halben Jahr um ein Viertel gesenkt, hieß es. Die Aktie verlor 3,5 Prozent.

SGL verstärkt sein Autozulieferergeschäft
Von der Autokrise unbekümmert hat der Grafitspezialist SGL sein Geschäft mit der Autobranche ausgebaut. Der MDax-Konzern übernahm für einen nicht genannten Kaufpreis Fischer Composite Technology. Die Firma stellt unter anderem Autobauteile aus Karbonfasern her und erreichte zuletzt einen Jahresumsatz von zehn Millionen Euro. Die Anleger zweifeln den Sinn der Übernahme an, die Aktie ging mit einem Minus von 3,9 Prozent aus dem Handel.

MTU sieht sich gut gerüstet
Der ebenfalls im MDax notierte Triebwerkhersteller MTU sieht sich indes für die Wirtschaftskrise gut gerüstet. "Ich gehe davon aus, das wir unsere Ziele für 2008 erreicht haben", sagte MTU-Chef Egon Behle dem "Handelsblatt". Für das kommende Jahr rechnet Behle mit einem "stabilen Geschäftsvolumen in der Größenordnung des Vorjahres." Anleger halten diese Aussagen nicht für kursbewegend, die Aktie verlor 1,6 Prozent.

Dyckerhoff revidiert die Prognose
Deutschlands zweitgrößter Zementhersteller Dyckerhoff hat im vergangenen Jahr seinen Umsatz und sein Ergebnis leicht verbessern können. Für 2009 stellte der Konzern seine Aktionäre und seine Mitarbeiter allerdings auf härtere Zeiten ein. Die Aussichten seien schlechter als gedacht, teilte der SDax-Konzern bei der Vorlage seiner Jahreszahlen mit. Im November noch hatte Konzernchef Wolfgang Bauer noch erklärt, er rechne mit einer "spürbaren" Verbesserung. Die Prognosesenkung verunsicher, die Aktie gab 4,2 Prozent nach.

Ryanair macht Verluste
Das Billigflugunternehmen Ryanair hat im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2007/08 einen Nettoverlust von 101,5 Millionen Euro gemacht. Trotzdem zeigt der Trend bei den Iren nach oben. Das Unternehmen rechnet im vierten Quartal mit einem geringeren Minus als bisher gedacht. Im kommenden Fiskaljahr rechnet Ryanair sogar mit einem substanziellen Gewinn.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 20. August

Konjunktur
Deutschland: Erzeugerpreise 07/18, 8 Uhr
Deutschland: Monatsbericht der Bundesbank 08/08, 12:00 Uhr

Sonstiges:
Treffen der Handelsberater von EU und USA zur Beilegung des Handelsstreits.