Banger Blick nach Athen

Stand: 14.05.2012, 20:02 Uhr

Wieder einmal sorgt das Athener Polit-Chaos für schwache Märkte. Nicht nur Aktien, auch Rohstoffe und der Euro gingen auf Talfahrt. Auch der Dax kann sich dem Abwärtstrend nicht entziehen.

Fehlstart in die neue (Euro)-Woche. Der deutsche Leitindex Dax gab zwei Prozent ab und kam den ganzen Tag nicht aus der Minuszone heraus. Das Tagestief lag dabei bei 6.404, das Tageshoch bei 6.520 Zählern. Nachbörslich tat sich wenig, der L/E-Dax schloss nahezu unveräöndnert zum Xetra-schluss.

An den Finanzmärkten wird nach dem bisherigen Scheitern der Bemühungen um eine Regierungsbildung in Athen immer mehr das Schlimmste aller Szenarien diskutiert. Ein griechischer Staatbankrott und/oder der Austritt des Landes aus der Euro-Zone mit möglichweise unkalkulierbaren Folgen. Europäische Politiker erklärten mittlerweile, dass Griechenland ohne die Erfüllung der vereinbarten Auflagen keine weiteren Hilfen erhalten werde.

Spanien muss über sechs Prozent zahlen
Die Sorgen um Griechenland haben sich wie auch schon während dem vorherigen Höhepunkt der Griechen-Krise verheerend auf die Refinanzierung der anderen Euro-Wackelkandidaten Spanien und Italien ausgewirkt. Beide Länder müssen am Markt deutlich höhere Zinsen bezahlen, um sich neues Geld zu leihen. Spanische Geldmarktpapiere wurden dabei zu knapp drei Prozent versteigert, die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe stieg auf ungesunde 6,32 Prozent. Italienische Staatanleihen mit dieser Laufzeit rentierten mit 5,93 Prozent ebenfalls deutlich höher.

"Das Risiko, dass Griechenland aus dem Euro austritt, besteht. Und sollte das passieren, steigt auch wieder die Ansteckungsgefahr für Länder wie Italien und Spanien", sagte Markt-Stratege Alessandro Giansanti von der ING-Bank.

Sicherer Hafen Bundeanleihe
Im Gegenzug kann sich der Bundesfinanzminister freuen. Bundesanleihen legten deutlich zu, die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel auf nur noch 1,43 Prozent. Der Bund-Future erreichte mit 143,68 Prozent ein neues Rekordhoch. Investoren suchten wieder den sicheren Hafen Bundeswertpapiere, wie stets ein untrügliches Zeichen für neuen Euro-Stress.

Keine Gewinner
Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass es keinen einzigen Gewinner im Dax gab. Tagesverlierer waren HeidelbergCement, die über fünf Prozent abgaben. Auch die Finanzwerte Deutsche Bank und Allianz mussten Federn lassen, ebenfalls wie immer, wenn es in Europa kriselt.

Im TecDax war Solarworld größter Verlierer, nachdem mit dem deutschen Zellen- und Modulhersteller Sovello heute ein weiteres Solarunternehmen Insolvenz angemeldet hat.

Devisenmärkte spielen den "Grexit", Ölpreis fällt
Auch am Devisenmarkt gab es nur ein Thema: Den "Grexit", also den möglichen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone. Commerzbank-Devisenexperte Ulrich Leuchtmann erwartet dabei keine Lockerung der Sparauflagen für das Land. Der Euro ging im Tagesverlauf auf Tauchstation bis auf ein Tief bei knapp über 1,28 Dollar, das war der tiefste Stand seit vier Monaten. Aktuell steht die Gemeinschaftwährung nur knapp darüber. "Die große Unsicherheit in Athen hat den Eurokurs stark belastet", sagte Ralf Umlauf, Devisenexperte bei der Landesbank Hessen-Thüringen. Die Zukunft des Landes in der Eurozone sei sehr ungewiss.

Auch an den Rohstoffmärkten setzte sich vor allem der Verfall des Ölpreises fort. Der Preis für die US-Sorte WTI fiel erstmals seit Dezember wieder unter 95 Dollar je Barrel, für die Nordseesorte Brent ging es gut zwei Dollar auf 110,23 Dollar bergab. Auch der Kupfer- und Goldpreis gab nach, was aber auch mit der jüngsten Abschwächung der chinesischen Konjunktur zusammenhängt.

Wall Street gibt nach
Auch in New York beherrscht das Thema Griechenland und damit die Sorge vor einer Zuspitzung der Euro-Krise, das Geschehen, und drückt die Aktienkurse nach unten. Der Dow-Jones-Index steht aktuell gut ein dreiviertel Prozent unter seinem Vortagesstand bei 12.730 Zählern. Allerdings hat sich der Index mittlerweiulevon seinem bisherigen Tagestief bei 12.661 Zählern etwas gelöst.

"Die gestiegene Wahrscheinlichkeit, dass Griechenland der Euro-Zone 'Lebewohl' sagt, macht die ganze Region mit Blick auf mögliche Ansteckungsgefahren zu einem Reich des Unbekannten", sagte Aktienstratege Peter Boockvar von Millar Tabak. Daneben sind die US-Märkte auch durch schwache Konjunkturdaten aus China verunsichert.

Unter den Einzelwerten liegen besonders Finanzwerte schwächer im Markt. Gegen den Trend legten Aktien von Avon vier Prozent auf 21 Dollar zu. Der von der deutschen Milliardärsfamilie Reimann kontrollierte Parfümhersteller Coty will Avon übernehmen und hat die Offerte auf 24,75 Dollar pro Anteilsschein angehoben.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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9,61
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+1,23%

Deutsche Bank bangt
Deutsche Bank-Aktien bauten ihre Verluste aus und gaben zum Schluss deutlich über vier Prozent ab. Dem Institut droht Ende Mai zudem eine turbulente Hauptversammlung. Mehrere Anwaltskanzleien haben inzwischen dazu geraten, dem Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern. Der eher symbolische Akt soll einen Denkzettel an das Kontrollgremium wegen der langwierigen Suche nach einem neuen Vorstandschef darstellen.

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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17,84
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Bauer verlässt Infineon
Der Chef von Infineon, Peter Bauer, legt sein Amt aus gesundheitlichen Gründen im September nieder. Die Nachricht belastet die Aktie des Chip-Konzerns, die 3,3 Prozent verlor. Produktionsvorstand Reinhard Pioss folgt auf Bauer, der seit 2008 bei Infineon im Amt war und hat den Konzern neu ausgerichtet hat.

Fresenius ex Dividende
Das Minus bei der Aktie des Gesundheitskonzerns Fresenius ging zum Großteil auf das Konto eines Dividendenabschlags. Die Ausschüttung betrug 0,95 Euro je Anteilsschein, allerdings wäre das Papier auch ohne den Abschlag im Minus gelandet.

Eckdaten von Air Berlin
Überraschend hat die Fluglinie nach Börsenschluss bereits im Vorgriff auf das morgige Quartalsergebnis Eckdaten zum ersten Quartal vorgelegt. Danach stieg der Umsatz um vier Prozent auf 812 Millionen Euro. Der Fehlbetrag beim operativen Ergebnis sank im Jahresvergleich von 173 auf 153 Millionen Euro. Auch unter dem Strich stand ein verringerter Verlust von knapp 103 Millionen Euro nach 120 Millionen Euro im Vorjahr. Die Aktie war im Xetra-Handel gut gelaufen und 3,5 Prozent auf 1,97 Euro gestiegen. Im nachbörslichen Handel bewegte sich das Papier wenig.

Aurubis findet Anhänger
Im MDax hat sich die Aktie des Kupferproduzenten Aurubis am Ende nur noch knapp ins Plus gerettet. Nachdem das Unternehmen am Morgen Quartalszahlen über den Erwartungen vorgelegt hatte, empfahl etwa die DZ Bank den Titel zum Kauf. Wegen des konjunkturellen Abschwungs rutschte das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) zwar um 36 Prozent auf 97 Millionen Euro ab. Das war allerdings noch mehr als Analysten erwartet hatten. Für das Gesamtjahr rechnet Aurubis weiter mit einem Ergebnis auf Vorjahresniveau.

Celesio schreibt ab
Endgültige Zahlen des Pharmahändlers Celesio locken am Montag keine Investoren an. Wegen Abschreibungen auf seine Tochter Pharmexx hat das Unternehmen einen Verlust von 5,4 Millionen Euro eingefahren. Der Umsatz legte von 5,5 auf 5,64 Milliarden Euro zu. Das Unternehmen hatte in der vergangenen Woche Eckdaten präsentiert. Die Aktie gab gut drei Prozent nach.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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146,58
Differenz relativ
+1,81%

Porsche auf der Überholspur
Noch nie hat der Sportwagenhersteller so viele Neuwagen an seine Kunden übergeben wie im April. Weltweit waren es 12.588 Fahrzeuge, ein Plus von 7,2 Millionen Prozent. Haupttreiber war der Cayenne, der etwa jeder zweite verkaufte Porsche ist. Unter den Regionen rechnet das Unternehmen damit, dass zukünftig auch der chinesische Markt Fahrt aufnehmen wird, wo vor allem der Sportwagen-Klassiker 911 erst seit kurzem zu haben ist. Die Aktie der Porsche-Holding gibt in einem schwachen Gesamtmarktumfeld ebenso nach wie VW-Papiere. Lediglich ein Rechtsstreit verhindert derzeit noch die vollständige Übernahme von Porsche durch den VW-Konzern.

Gigaset überrascht positiv
TecDax-Spitzenreiter blieb mit rund einem Prozent Kurszuwachs zwar auch am Handelsende die Aktie des Telefonherstellers Gigaset, das Papier konnte aber sein Tageshoch nicht behaupten. Das Zahlenwerk des Unternehmens war zunächst gut angekommen, da es besser ausgefallen war, als von Analysten erwartet.

Xing vergrößert Community
Nicht gut an kommen dagegen Quartalszahlen des Internet-Netzwerks Xing. Zwar konnte Xing im ersten Quartal seine Mitgliederzahl weiter steigern. Der Umsatz kletterte um 13 Prozent auf 17,7 Millionen Euro, beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen erreichte Xing 4,8 Millionen Euro, nach 5,62 Millionen Euro im Vorjahres-Zeitraum. Die Aktie verlor knapp vier Prozent.

Praktiker: Investor springt ein
Bei Praktiker steht ein Chefwechsel an. Vorstandschef Thomas Fox muss dem Aufsichtsratsvorsitzenden Kay Hafner weichen, wie das Unternehmen am Sonntag mittteilte. Gleichzeitig stellt ein Investor der Baumarktkette ein Darlehen von 85 Millionen Euro zur Verfügung. Praktiker bemüht sich seit Monaten um eine Neuausrichtung. Die Aktie reagierte positiv und war Tagessieger im SDax.

Flatex kommt unter die Räder
Der Online-Broker freut sich über mehr Zuspruch von Kundenseite. Das Geschäftsjahr des im Freiverkehr notierten Unternehmens wurde mit einem annähernd verdreifachten Vorsteuerergebnis von 8,9 Millionen Euro abgeschlossen. Die Zahl der Kunden wuchs im Jahresvergleich um 22 Prozent auf 109.099. Die Aktie geriet nach moderatem Start trotzdem kräftig unter Druck.

Mologen in Phase II erfolgreich
Ein Studienerfolg trieb die Aktie des Biotech-Unternehmens aus dem Prime Standard am Montag um über 20 Prozent nach oben. Mologen macht nach eigenen Angaben Fortschritte mit einem Wirkstoff zur Krebsbekämpfung. In einer Darmkrebsstudie der Phase II habe die Substanz MGN1703 in einer ersten Auswertung gute Ergebnisse gezeigt.

Loewe-Aktien haussieren
Die Aktien des Herstellers von Luxusfernseheren haussierten über 32 Prozent auf sechs Euro, nachdem im Internet Gerüchte aufgekommen waren, dass sich Apple für eine Übernahme des oberfränkischen Unternehmens interessiert. Loewe erklärte allerdings, nicht über eine geplante Übernahme informiert zu sein.

Norma-Zahlen überzeugen nicht
Das im SDax gelistete Papier gaben deutlich über fünf Prozent ab und gehört damit zu den größten Tagesverlierern. Die Anleger konnten sich damit trotz eines leicht um 2,9 Prozent gestiegenen Betriebsergebnisses nicht mit dem Zahlenwerk des Unternehmens aus dem hessischen Maintal anfreunden. Der Umsatz stieg im ersten Quartal um 6,3 Prozent auf 159,7 Millionen Euro. Norma-Chef Werner Deggim sprach von gut gefüllten Auftragsbüchern. Norma ist Spezialist für Schlauch- und Rohrschellen und Zulieferer für die Industrie und Autohersteller.

Bei JP Morgan rollen Köpfe
Der Milliardenverlust im Eigenhandel der Bank zieht jetzt auch personelle Konsequenzen nach sich. Ina Drew, eine enge Vertraute von Bankchef Jamie Dimon, verlässt nach mehr als 30 Jahren Betriebszugehörigkeit die Bank. Sie war Leiterin der Eigenhandelssparte "Chief Investment Office" und galt als erfahrene und angesehene Risikokontrolleurin. Auch in London, wo der zwei-Milliarden-hohe Verlust angefallen war, sollen mehrere Händler das Haus verlassen.

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier