Bären gewinnen Oberhand

Stand: 26.01.2007, 20:20 Uhr

Nach einem wechselhaften Verlauf hat sich der Dax mit einem Minuszeichen ins Wochenende gestohlen. Anleger gehen im Vorfeld neuer Bilanzdaten lieber auf Nummer sicher.

Die in dieser Woche vorgelegten Zwischenberichte gaben Börsianern zufolge dem Markt noch keinen eindeutigen Hinweis auf die weitere Entwicklung der Unternehmensgewinne. "Derzeit gibt es einen Kampf zwischen den optimistischen Bullen und den pessimistische Bären", sagte ein Händler. Siemens und SAP hätten in dieser Woche das gemischte Bild treffend widergegeben: Siemens habe überzeugt, während SAP enttäuschte.

Der Deutsche Aktienindex ging am Freitag schließlich 0,4 Prozent leichter aus dem Xetrahandel bei 6.690 Punkten. Der L-Dax konnte ein bisschen Boden gut machen. Der Dow Jones liegt zur Stunde rund 0,2 Prozent im Minus, der Nasdaq-Composite nur 0,1 Prozent.

Kyrill kostet MüRü 600 Millionen
Erst nach Xetra-Schluss legte die Münchner Rück ihre vorläufige Schadensbilanz für "Kyrill" vor. Der Orkan wird den weltweit zweitgrößten Rückversicherer vor Steuern vermutlich 600 Millionen Euro kosten. Der größte durch den Wintersturm verursachte Einzelschaden sei die Havarie des Container-Frachters MSC Napoli vor der südenglischen Küste. Allein dafür rechne man mit einem niedrigen bis mittleren zweistelligen Millionenbetrag.

Swiss Re kommt vermutlich günstiger davon. Wie der weltgrößte Rückversicherer am Morgen mitgeteilt hatte, rechnet er vor Steuern mit einer Belastung von rund 140 Millionen Euro durch "Kyrill".

Zerschlagungsfantasie treibt Metro
Größter Dax-Gewinner war heute Metro. Die Aktie profitierte von Spekulationen über eine Zerschlagung. In der Spitze legte der Kurs mehr als vier Prozent zu auf 54,58 Euro, den höchsten Stand seit Februar 2001. Metro-Aufsichtsratschef Eckhard Cordes wies am Rande des Weltwirtschaftsforum in Davos entsprechende Spekulationen zurück. Der Markt spielte das Gerücht trotzdem weiter.

Analysten loben Lufthansa
Einen Teil ihrer Vortagesverluste von mehr als fünf Prozent glichen die Aktien der Lufthansa mit zwei Prozent plus wieder aus. Analysten hatten ihre Kauf-Empfehlungen bekräftigt, obwohl die Fluggesellschaft für das Passagiergeschäft im laufenden Jahr niedrigere Wachstumsraten angekündigt hatte.

Fantasie schiebt Commerzbank an
Wie schon so oft in den Vortagen kletterten auch die Papiere der Commerzbank. Hier trieben erneut vage Übernahmegspekulationen. Händler klassifizieren das mögliche Interesse von Merrill Lynch als typisches Freitagsgerücht ab.

BMW mit gutem Ausblick - Porsche enttäuscht
Unter den Autowerten lagen BMW vorn. Die Aktien verteuerten sich um bis zu 1,4 Prozent. Sie profitierten vom veröffentlichten Rekordumsatz und dem Ausblick auf das laufende Jahr.

Dagegen rutschte die Aktie von Porsche ab - trotz einer Verfünffachung des Gewinns im ersten Halbjahr 2006/07. Der Gewinnsprung war zwar überraschend hoch, aber das gelang vor allem dank VW. Auf der heutigen Hauptversammlung gab es allerlei Neuigkeiten. So schloss Porsche als VW- Großaktionär eine Abspaltung des Autobauers Audi vom VW-Konzern aus. Und man erklärte, dass man derzeit nicht über eine Aufstockung des VW-Anteil nachdächte.

Siemens schlägt SAP
Unter den Technologie-Aktien glänzten Infineon mit einem Kursplus von fast einem Prozent. Vorschusslorbeeren: Der Chiphersteller legt am Montag seinen Zwischenbericht vor.

Siemens-Aktien wurden am Tag nach der Hauptversammlung exDividende gehandelt. Der Abschlag beträgt von 1,45 Euro, insgesamt verloren die Titel heute 1,60 Euro. Die Wochenbilanz ist aber eindeutig besser. Siemens-Aktien, die in den vergangenen Jahren im Dax zu den Mauerblümchen zählten, haben diese Woche per Saldo fast vier Prozent dazugewonnen, was Händler vor allem auf die Geschäftszahlen und Neuigkeiten zum Konzernumbau zurückführten.

SAP-Aktien gaben dagegen auch am Freitag nach und verloren ein Prozent, womit sich das Wochenminus auf fast sechs Prozent belief. Der Hersteller von Unternehmenssoftware hatte die Anleger in dieser Woche mit seinem Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr bitter enttäuscht.

Schlusslicht: Deutsche Börse
Schwächster Wert im Dax war die Deutsche Börse mit zwei Prozent Kursminus. Händler verwiesen auf Berichte, nach denen die NYSE kurz vor einer Einigung mit der Tokioter Börse stehe. Die Deutsche Börse bliebe in diesem Fall mit ihren Japanplänen außen vor.

Altana enttäuscht
Der Bad Homburger Chemiekonzern Altana verliert leicht. Das Zahlenwerk des Bad Homburger Chemiekonzerns konnte keine Euphorie entfachen. Altana hat im vergangenen Jahr dank seiner Zukäufe den Umsatz gesteigert. Die Erlöse im fortgeführten Chemiegeschäft stiegen um 43 Prozent auf knapp 1,3 Milliarden Euro. Analysten hatten mit etwas mehr gerechnet.

Eon will nicht nachlegen
Im Bieterstreit um den spanischen Energiekonzern Endesa zeigte sich Eon siegessicher. Man will aber die Offerte nicht nachbessern. Der Konzern bietet bislang 34,50 Euro für jede Endesa-Aktie oder rund 37 Milliarden Euro.

MTU will vielleicht mehr ausschütten
Im MDax verbessert sich der Triebwerkehersteller MTU um mehr als zwei Prozent. Es gab positive Analystenkommentare und Aussagen des Finanzvorstandes. MTU will vielleicht die Dividende erhöhen.

Im MDax rückte außerdem Klöckner & Co in den Fokus. Der Stahlhändler baut durch einen Zukauf sein Frankreichgeschäft weiter aus. Man übernahm das Vertriebsunternehmen Tournier Holding. Einen Kaufpreis für die Firma nannten die Duisburger nicht.

DWS verringert Nordex-Anteil
Im TecDax verloren vor allem die Solar- und Windtitel deutlich. Conergy und Solarworld gaben zeitweise drei Prozent ab. Dabei gab es heute einen positiven Branchenbericht, wonach die Branche 2006 zweistellige Zuwachsraten erreicht hat. Nordex meldete nach Börsenschluss, dass die DWS ihren Anteil von fünf Prozent unterschritten hat.

Der SDax-Wert Demag Cranes wurde am Morgen von einer Großplatzierung belastet. Die HVB trennt sich von 675.000 Demag-Titeln, die Aktie erholte sich aber wieder.

DBAG kauft zu
In dem Kleinwerteindex sticht außerdem die Deutsche Beteiligungs AG hervor. Sie übernahm die Mehrheit an dem österreichischen Technik-Dienstleister MCE AG. Die Frankfurter Private-Equity-Gesellschaft erwarb 75 Prozent der Anteile von dem US-Finanzinvestor Andlinger & Company.

Grenkeleasing wächst nicht
Der ebenfalls im SDax notierte Leasingkonzern Grenkeleasing verliert rund 13 Prozent. Das Unternehmen hat in seinem Ausblick für 2007 keine Gewinnsteigerung in Aussicht gestellt. Erst 2008 rechnet Grenke wieder mit einem Gewinnwachstum.

Endor geht im Mai das Geld aus
Außerhalb der Indizes gab es heftige Kursbewegungen bei Endor. Der Kurs bricht rund 14 Prozent ein. Der Hersteller für Videospielezubehör, der erst seit Juni an der Börse notiert ist, präsentierte miserable Geschäftszahlen für 2006. Endor gab den Verlust der Hälfte des Grundkapitals bekannt. Nach jetzigem Kenntnisstand und ohne Kapitalmaßnahmen reicht die Liquidität nur noch bis Mai 2007.

Beim Börsengang im Juni war das Unternehmen noch als "Wachstumswert par excellence" gefeiert worden. Der Ausgabekurs lag bei 9 Euro. Mittlerweile ist die Aktie bis auf 1,27 Euro gefallen.

Maternus macht Kasse
Ein Kursplus von mehr als 30 Prozent feierte die im General Standard notiere Aktie der Maternus-Kliniken. Das Unternehmen gab den Verkauf von Beteiligungen bzw. einem Betriebsgrundstück bekannt. Dadurch flossen 17 Millionen Euro in die Kasse, womit ein Teil der Bankverbindlichkeiten in Höhe von 20,2 Millionen beglichen wird.

Amgen wird abgestraft
Unter den US-Werten stachen Amgen hervor, die mit rund fünf Prozent Kursminus zu den schwächsten Werten an der Nasdaq zählten. Das Biotechnologie-Unternehmen hatte im vierten Quartal den Gewinn kaum gesteigert und damit die Erwartungen der Wall Street Analysten verfehlt.

Bilanzpanne bei GM
Die Aktien von General Motors standen nicht ganz so schlecht da. Sie gaben rund ein Prozent ab, nachdem der Autobauer die Veröffentlichung seiner Bilanz verschoben hatte. Grund für die Verschiebung ist erneut ein Buchungsfehler.

Microsoft überrascht positiv
Microsoft-Aktien legten zeitweise rund zwei Prozent zu. Der weltgrößte Softwarekonzern hat zwar im zweiten Quartal aufgrund der Verzögerung bei der Auslieferung des neuen Betriebssystems Vista einen Gewinneinbruch um mehr als ein Viertel verzeichnet, doch Analysten hatten mit einem noch größeren Rückgang gerechnet. Auch beim Umsatz wurden die Erwartungen übertroffen.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"