Bären bekommen mal wieder Recht

Detlev Landmesser

Stand: 22.02.2008, 20:29 Uhr

Am Ende dieser bewegten Woche siegten dann doch die "Bären". Die Investoren beiderseits des Atlantiks ergingen sich in den üblichen Krisen- und Rezessionsängsten.

Der L-Dax ging 1,44 Prozent tiefer bei 6.782,70 Punkten ins Wochenende. Das Tagestief lag bei 6.762 Punkten und damit 2,06 Prozent unter dem Schlusskurs von Donnerstag. Die US-Indizes drehten nach einem positiven Start alsbald ins Minus, ohne dass es viele Neuigkeiten gegeben hätte. Wichtige US-Konjunkturdaten standen nicht an.

Zu den größten Verlierern an der Wall Street gehörten Fannie Mae und Freddie Mac. Merrill Lynch hatte ihre Bewertungen für die Hypothekenfinanzierer von "Neutral" auf "Verkaufen" heruntergenommen. Die Investmentbank begründete den Schritt mit einer weiteren Verschlechterung der Kreditbedingungen und der Lage an den Finanzmärkten.

RWE-Zahlen verstimmen

Am deutschen Markt kostete die RWE-Aktie den Dax über 22 Indexpunkte. Der Versorgertitel brach um bis zu 7,1 Prozent ein. Der Energiekonzern hat 2007 sein operatives Ergebnis um knapp 15 Prozent auf 6,52 Milliarden Euro nach oben geschraubt - was unter den Prognosen der Analysten lag. Die hatten mit 6,89 Milliarden Euro gerechnet. Die Erlöse stagnierten bei gut 42 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr will RWE das betriebliche Ergebnis mindestens halten. Der Nettogewinn soll dagegen um mehr als zehn Prozent wachsen. Im Schlepptau stand auch die Eon-Aktie unter Druck.

Deutsche Börse vorn
An der Dax-Spitze lag der Hausherr: Die Aktie der Deutschen Börse zog um 1,8 Prozent an und machte damit den Vortagesverlust wieder wett. Der Bilanzvorlage in dieser Woche folgten auch am Freitag noch einzelne positive Analystenkommentare.

VW startet mit Rekordabsatz
Besser als der Dax hielt sich die VW-Aktie. Der Autokonzern hat im Januar weltweit 485.000 Fahrzeuge ausgeliefert. Das waren elf Prozent mehr als im Vorjahr und so viele wie nie zuvor im ersten Monat eines Jahres.

Investorensuche von HRE verunsichert
Die Aktie von Hypo Real Estate büßte 2,8 Prozent ein. Der Immobilienfinanzierer sucht mit Hilfe der US-Investmentbank JPMorgan Chase neue Investoren, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Zahlreiche Fonds seien im Dezember und Januar ausgestiegen, daher schaue sich der Münchner Konzern nun nach langfristig orientierten Investoren wie zum Beispiel Pensionsfonds um, sagte "eine mit der Situation vertraute Person" zu Reuters.

Infineon-Chef vor Ablösung?
Rund 1,8 Prozent verlor die Infineon-Aktie. Offenbar wackelt der Stuhl von Vorstandschef Wolfgang Ziebart. Teile des Aufsichtsrats suchten einen Nachfolger, berichtete die "Süddeutsche Zeitung". Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen. Ziebart war wegen der Verluste von Infineon in die Kritik geraten.

Adidas verliert Aushängeschild
Adidas musste im Konkurrenzkampf mit seinem US-Rivalen Nike eine Niederlage einstecken. Nike werde ab 2011 die französische Fußball-Nationalmannschaft ausrüsten, teilte der Verband des Vize-Weltmeisters mit. Nike werde 320 Millionen Euro für den gut sieben Jahre laufenden Vertrag zahlen. Hinzu kämen Produkte im Wert von 2,5 Millionen Euro pro Jahr und Bonuszahlungen bei internationalen Erfolgen. Der französische Fußballverband nimmt durch den Wechsel mehr als vier Mal so viel ein wie unter den alten Bedingungen bei Adidas. Die Franken hatten die französische Auswahl seit den 1970er Jahren gesponsert. Der aktuelle Vertrag läuft Ende 2010 aus. Die Adidas-Aktie ging 1,2 Prozent tiefer aus dem Xetra-Handel.

Rückendeckung für Boss
Besser erging es der im MDax notierten Vorzugsaktie des Modeherstellers Hugo Boss. Die UBS hat ihre Einstufung für das von "Neutral" auf "Buy" hochgenommen. Die Analysten begründeten ihre Hochstufung mit dem zuletzt starken Kursrückgang. Das Kursziel wurde allerdings von 49 auf 43,50 Euro gesenkt.

Arques mit lukrativen "Exit"
Die Aktie von Arques Industries konnte ihr Tagesplus nicht halten. Die Beteiligungsgesellschaft hat den Bauzulieferer Missel verkauft. Über den Verkaufspreis habe Arques mit der slowenischen Kolektor Gruppe Stillschweigen vereinbart, teilte das Unternehmen aus Starnberg mit. Arques habe über die Dauer des Missel-Engagements 13 Millionen Euro erwirtschaftet. Es ergebe sich ein bilanzieller Gewinn im einstelligen Millionenbereich, sagte ein Sprecher auf Nachfrage.

Bleibt Freenet auf DSL-Geschäft sitzen?
Im TecDax gehörte Freenet zu den schwächeren Titeln. Die Vodafone-Tochter Arcor und Telecom Italia sind laut einem Bericht der "Börsen-Zeitung" nicht am DSL-Geschäft von Freenet interessiert, das zum Verkauf steht.

Goldman lässt Q-Cells fallen
Die Aktie von Q-Cells litt unter einem Kommentar von Goldman Sachs. Die US-Investmentbank hat das Papier von "Hold" auf "Sell" abgestuft und das mit einer "überzogenen Bewertung" begründet. Die aktuellen Margen dürfte der Konzern wegen des weltweit steigenden Angebots nicht halten. Diese Entwicklung sei im Kurs noch nicht eingepreist. Das Kursziel wurde von 46,50 auf 43,30 Euro reduziert.

Fuchs Petrolub bleibt auf Rekordkurs
Im Parketthandel konnte sich die Vorzugsaktie von Fuchs Petrolub deutlich erholen. Der Mannheimer Schmierstoffhersteller meldete am Abend für 2007 zum sechsten Mal in Folge das beste Ergebnis der Firmengeschichte. 2007 stieg der Umsatz um 3,2 Prozent auf 1,37 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) kletterte um rund 21 Prozent auf gut 195 Millionen Euro. Nach Steuern sprang der Gewinn auf von 97 auf gut 120 Millionen Euro. Davon sollen die Aktionäre mit einer Dividendenerhöhung von 50 Prozent auf 1,50 Euro je Vorzugsaktie profitieren. Für das laufende Jahr erwartet das SDax-Unternehmen weitere Zuwächse bei Umsatz und Ergebnis. "Beim Ebit werden sich allerdings die hohen Wachstumsraten der Vorjahre nicht fortsetzen lassen", teilte Fuchs mit.

Tipp24 zahlt erstmals Dividende
Der Internet-Lottovermittler Tipp24 hat im vergangenen Jahr hauptsächlich wegen des Wegfalls eines einmaligen Steuervorteils einen Gewinnrückgang von 16 Prozent auf 6,3 Millionen Euro verbucht. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) legte dagegen um 23,5 Prozent auf 8,9 Millionen Euro zu. Der Umsatz stieg um 30 Prozent auf 45 Millionen Euro. Tipp24 will trotz des Gewinnrückgangs erstmals eine Dividende zahlen - 50 Cent je Aktie.

Aleo Solar expandiert nach China
Aleo Solar will zukünftig auch in China produzieren. Der Solarmodulhersteller hat ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem chinesischen Mischkonzern Sunvim gegründet. Das Investitionsvolumen bezifferte ein Sprecher mit 16 Millionen Euro, davon acht Millionen für Aleo. Die Produktion des Werks an der chinesischen Ostküste werde im Laufe des Jahres 2009 angefahren.

Wachwechsel bei Leica
Beim kriselnden Kamera-Hersteller Leica nimmt der österreichische Mehrheitseigentümer ACM das Ruder nun selbst in die Hand. Der bisherige Leica-Chef Steven Lee muss nach knapp anderthalb Jahren im Amt seinen Stuhl räumen. Nachfolger wird ACM-Geschäftsführer Andreas Kaufmann. "Der Aufsichtsrat glaubt, damit die Strategie der Leica Camera festigen zu können", begründete eine Sprecherin den Abgang von Lee. Ziel sei es, neue Märkte und Zielgruppen zu erobern. Leica gehört zu mehr als 95 Prozent der Beteiligungsgesellschaft ACM, die das Unternehmen von der Börse nehmen will.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 17. August

Unternehmen:

Grand City Properties: Q2-Zahlen, 7:00 Uhr
Volkswagen: Absatz 07/18
Maersk: Halbjahreszahlen
Schindler: Halbjahreszahlen, 6:30 Uhr

Konjunktur
Deutschland: Verarbeitendes Gewerbe 06/18, 8 Uhr
EU: Verbraucherpreise 07/08 endgültig, 11:00 Uhr
USA: Frühindikatoren 07/18, 16 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen 08/18 vorläufig, 16 Uhr