Autoaktien retten den Tag

Detlev Landmesser

Stand: 26.11.2008, 20:22 Uhr

Ähnlich wie vor einem Monat machte die VW-Aktie am Mittwoch Furore und zerrte den Dax ins Plus. Die Wall Street ignorierte unterdessen bis zum Abend erfolgreich miserable Konjunkturdaten.

Der L-Dax schloss 1,6 Prozent über dem Vortag bei 4.579,17 Punkten. Am Nachmittag hatte die VW-Aktie ihren Tagesgewinn plötzlich auf bis zu 27,1 Prozent ausgebaut. Zum Xetra-Schluss blieb ein Plus von 15,3 Prozent, was dem Dax 39 Indexpunkte einbrachte. Dafür gab es keinen fundamentalen Grund. Schließlich teilte Großaktionär Porsche mit, er werde seine Mehrheit an VW voraussichtlich nicht mehr in diesem Jahr auf über 50 Prozent erhöhen. Offenbar löste diese vollendete Tatsache, auf die viele Leerverkäufer bereits gesetzt hatten, genau wie in den turbulenten Tagen im Oktober einen so genannten Short Squeeze aus, bei dem sich Leerverkäufer mit VW-Aktien eindecken mussten, um ihre Verluste zu begrenzen.

An der Wall Street setzten nach schwachem Start doch wieder Käufe ein, obwohl die US-Börsen am Donnerstag wegen des "Thanksgiving Day" geschlossen sein werden. Auch in New York machten Autoaktien mit zweistelligen Kurssteigerungen Furore. Die Hoffnung auf Staatshilfen trieb die Aktie von General Motors um über 60 Prozent und die von Ford um mehr als 30 Prozent nach oben. Der US-Kongress hatte die Konzerne aufgefordert, spätestens am 2. Dezember überzeugende Pläne für eine Rettung vorzulegen. Daraufhin will der Kongress über staatliche Hilfen beraten.

US-Daten extrem schwach

Zuvor hatte ein ganzer Schwung überaus schwacher US-Konjunkturdaten auf der Tendenz gelastet. Besonders der Einbruch der Auftragseingänge für langlebige Güter im Oktober trübte das Bild. Die Aufträge für Investitionsgüter gingen zum Vormonat um 6,2 Prozent zurück. Das war der stärkste Rückgang seit zwei Jahren. Volkswirte hatten im Schnitt nur mit minus 3,0 Prozent gerechnet.

Die US-Konsumausgaben sanken derweil im Oktober mit 1,0 Prozent zum Vormonat so stark wie seit sieben Jahren nicht mehr. Auch der Konsumklimaindex der Uni Michigan, der Chicagoer Einkaufsmanagerindex sowie die Zahl der Neubauverkäufe lagen unter den Erwartungen.

Dass der Euro trotz dieser miserablen Daten in die Knie ging, begründeten Devisenhändler mit Zweifeln am Erfolg des von der EU geplanten Konjunkturpaketes, das über 200 Milliarden Euro schwer werden soll. Die Gemeinschaftswährung stürzte zeitweise um mehr als zwei US-Cent auf unter 1,2830 Dollar ab.

Beschleunigter Preisrückgang
Eine Weile wurde der Dax auch durch Nachrichten zur Preisentwicklung gestützt. So sanken die Importpreise im Oktober mit minus 3,6 Prozent gegenüber dem Vormonat so stark wie noch nie. Nach Meinung von Bundesbankpräsident Axel Weber gibt es wegen der schwachen Wirtschaftsentwicklung in der Eurozone "Spielraum für weitere Zinssenkungen". Der Währungshüter deutete an, dass der Euro-Leitzins bis Mitte 2009 auf 2,5 Prozent sinken könnte.

Autos erholt
Auch die anderen Autotitel lagen gut im Rennen. Die Daimler-Aktie konnte sogar einen zwischenzeitlichen Absturz wieder gutmachen, nachdem der Konzern über Schwierigkeiten bei den Verkaufsverhandlungen mit Cerberus über seinen verbliebenen Chrysler-Anteils von 19,9 Prozent berichtet hatte. Die Forderungen von Cerberus überstiegen den Wert der Investitionen von Cerberus in Chrysler, hieß es in der Ad-hoc-Mitteilung von Daimler.

Die BMW-Aktie zeigte sich ebenfalls erholt. Marktbeobachter verwiesen auf Medienberichte, nach denen die französische Regierung die Mehrwertsteuer für Autos möglicherweise senken wird.

Porsche folgt der Branche
Auch bei Porsche laufen die Geschäfte deutlich schlechter als im Vorjahr. In den ersten vier Monaten des Geschäftsjahres 2008/09 sank der Umsatz von 2,36 auf rund zwei Milliarden Euro. Der Absatz ging um 5.500 auf 25.200 Einheiten zurück. Eine Prognose für den Rest des Geschäftsjahres wollte der Sportwagenbauer noch nicht abgeben. Die Porsche-Aktie hielt sich dennoch gut. "Offenbar konnte Porsche den Absatzeinbruch in Nordamerika und Deutschland auf anderen Märkten zum Teil ausgleichen; wir hatten mit deutlich schlechteren Zahlen gerechnet", sagte LBBW-Analyst Frank Biller.

Eon wendet EU-Kartellstrafe ab
Die EU-Kommission hat ihr Verfahren gegen den Eon eingestellt und damit den Weg für den Verkauf seiner Höchstspannungsnetze frei gemacht. "Zum ersten Mal in der Geschichte des europäischen Kartellrechts veräußert ein Unternehmen bedeutende Vermögenswerte, um Wettbewerbsbedenken auszuräumen", sagte EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes. Die Behörde war dem Verdacht nachgegangen, Eon habe seine Marktstellung missbraucht, um den Strompreis in die Höhe zu treiben. Der Energiekonzern hatte Ende Februar eingelenkt und zugesagt, seine Höchstspannungsnetze in Deutschland zu verkaufen.

Siemens und Bayer schließen Vergleiche
Die Siemens-Aktie tendierte schwächer als der Markt. Der Konzern hat mit dem Insolvenzverwalter der Pleite gegangenen ehemaligen Handy-Tochter BenQ Mobile einen Vergleich in Höhe von brutto 300 Millionen Euro geschlossen. Nach Abzug noch offener Forderungen bleibt ein Betrag von rund 255 Millionen Euro, für den Siemens nach eigenen Angaben vorgesorgt hat.

Bayer hat einen Streit mit dem US-Justizministerium wegen angeblich unerlaubter Marketingmethoden beigelegt. Der Chemie- und Pharmakonzern zahlt 97,5 Millionen Dollar. Damit sei kein Schuldeingeständnis verbunden, betonte Bayer. Der Betrag sei durch Rückstellungen gedeckt.

Lufthansa expandiert in Italien
Auch die Lufthansa-Aktie schaffte im Verlauf ins Plus. Der Dax-Konzern baut in Italien eine neue Fluggesellschaft auf, die "Lufthansa Italia" heißen soll. Die neue Gesellschaft soll ab Februar 2009 vom Flughafen Mailand-Malpensa Flüge innerhalb Europas anbieten.

Neue Kooperation für Morphosys
Der Morphosys-Aktie konnte von einer Meldung des Biotech-Unternehmens nicht profitieren. Morphosys will mit dem belgischen Branchenkollegen Galapagos langfristig zusammenarbeiten. Ziel ist es, Medikamente gegen Knochen- und Gelenkserkrankungen zu entwickeln.

Highlight meldet Gewinnsprung
Der Schweizer Medienkonzern Highlight hat in den ersten drei Quartalen seinen Überschuss um 37 Prozent auf 22,9 Millionen Franken nach oben geschraubt. Der Umsatz sank um drei Prozent auf 359 Millionen Franken. Dass die Aktie des Medienunternehmens, das die deutsche Constantin Film kontrolliert, am Mittwoch deutlich unter Druck geriet, konnten sich Händler kaum erklären. "Es gibt einen Abgeber, der scheinbar unbedingt raus muss", meinte ein Marktteilnehmer.

Lycos Europe wird liquidiert
Das Ende einer Neuer-Markt-Story: Der Internetportal-Betreiber Lycos Europe soll abgewickelt werden. Das Domaingeschäft, das Geschäft mit Internet-Shopping sowie das dänische Portalgeschäft sollen verkauft werden. Die restlichen Geschäfte sollen "geordnet" abgewickelt werden. Hauptaktionäre sind Bertelsmann und Telefonica.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 20. Juli

Unternehmen:
Faurecia: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Hermès: Q2 Umsatz, 07:00 Uhr
Rémy Cointreau: Q4-Zahlen
Thales: Q1 Umsatz, 07:30 Uhr
Stanley Black & Decker: Q2-Zahlen, 12:00 Uhr
General Electric: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Schlumberger: Q2-Zahlen, 13:00 Uhr
Honeywell: Q2-Zahlen, 14:30 Uhr

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise für Juni, 01:30 Uhr
Deutschland: Juli-Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Deutschland: Erzeugerpreise im Juni, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Euro-Zone im Mai, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Farnborough: Fortsetzung der Internationalen Messe für die Luft- und Raumfahrt (bis 22. Juli)