Marktbericht 20:03 Uhr

Dax gibt nach Autoaktien im Rückwärtsgang

Stand: 22.04.2016, 20:03 Uhr

Nicht nur VW standen heute im Blick, auch andere Autoaktien waren unter Druck. Geht es aber der PS-Branche schlecht, ist auch im Dax kein Blumentopf zu gewinnnen. Das zeigen die Verluste des heutigen Handelstag deutlich.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Denn Autoaktien, allen voran das Daimler-Papier, sind im deutschen Leitindex schwer gewichtet. Da die Papiere der Branche heute alle mehr oder weniger kräftig nachgaben, verlor der Dax am Ende 0,6 Prozent und schloss bei 10.373 Punkten. "Im Dax stinkt es gewaltig nach Abgasproblemen", sagte Aktienanalyst Robert Halver von der Baader Bank.

Im Wochenvergleich gewann der Index damit aber trotzdem noch 3,2 Prozent. Insgesamt gab es keine panischen Reaktionen, im Gegenteil. Der Dax blieb den ganzen Tag in einer relativ schwankungsarmen Zone von rund 100 Punkten zwischen 10.324 und 10.422 Punkten, woran sich auch im Späthandel nichts mehr änderte. Der L/E-Dax schloss bei 10.370 Punkten.

VW mit Milliardenverlust

Den ganzen Tag über wartete die Börse auf Neues vom Wolfsburger Konzern, dessen Aufsichtsrat heute bereits am Morgen zusammen gekommen war. Es kam dann am Nachmittag auch wie erwartet. Der VW-Konzern weist für 2015 wegen des Abgasskandals den größten Verlust der Firmengeschichte aus.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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154,38
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Die im Dax-notierten Vorzugsaktien schlugen sich trotzdem einigermaßen tapfer, denn den Anlegern schwant ja schon seit längerem nichts Gutes. Die Aufarbeitung des Diesel-Abgasskandals hat heute jedenfalls einen ersten Höhepunkt erlebt und ein Stück mehr Klarheit gebracht.

Das wird an der Börse geschätzt, so dass die VW-Aktie heute mit einem Abschlag von 1,26 Prozent durchaus gnädig davon kam.

Daimler am Dax-Ende

Aber damit nicht genug. Größter Verlierer war Indexschwergewicht und VW-Branchenkollege Daimler, dessen Papier mit 5,12 Prozent deutlich höher verlor und damit am Dax-Ende stand. Die Anleger reagierten mit Verkäufen auf die Zahlen zum ersten Quartal. Demnach ist der Gewinn um rund ein Drittel auf 1,4 Milliarden Euro eingebrochen - trotz des Absatzrekords. Die Jahresprognose wurde jedoch bestätigt.

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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Börse 19.00 Uhr

Der Blick auf die Zahlen wurde von den Problemen des Konzerns in Amerika getrübt. Das US-Justizministerium will Daimler in Bezug auf Abgaswerte ebenfalls überprüfen. "Der Kursverfall bei Daimler ist ein Zeichen für die Furcht der Anleger vor einer Ausweitung der Affäre", sagte Joe Rundle, Chef-Händler der Brokerhauses ETX Capital. BMW-Aktien gerieten ebenso in Sippenhaft wie die Zulieferer.

630.000 Rückrufe in Deutschland

Um den Autotag perfekt zu machen, meldete sich auch das Verkehrsministerium aus Berlin noch zu Wort. Auf dessen Druck hin müssen 630.000 in Deutschland zugelassene Fahrzeuge in die Werkstätten zurückgerufen werden. Betroffen sind die Hersteller Mercedes, Audi, Opel, Volkswagen und Porsche. Dabei müsse die Technik zur Abgasreinigung bei bestimmten Temperaturen geändert werden. Illegale Software wie bei VW wurde vom Kraftfahrtbundesamt aber nicht gefunden. "Es ist wie befürchtet klar geworden, dass das Abgasproblem nicht nur Volkswagen allein betrifft", fasste Patrick Casselman, Analyst bei BNP Paribas Fortis, den Absturz der Autowerte zusammen.

Wall Street leicht im Minus

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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26.743,50
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Der US-Markt steht nach zahlreichen Berichten aus dem Unternehmenssektor weiter leicht in der Minuszone. Der Leitindex Dow Jones verliert rund 0,15 Prozent. "Es ist immer noch ein sehr vorsichtiges Umfeld", sagte der Chefökonom des Beratungshauses Raymond James, Scott Brown, angesichts durchwachsen ausgefallener Quartalsbilanzen wichtiger Unternehmen. Der Dow bliebt aber weiter auf hohem Niveau um die Marke von 18.000 Punkten - und damit in Sichtweite des Rekordhochs vom Mai 2015 bei 18.351 Zählern.

Ölpreise ohne klare Richtung

Volatil ging es heute auch auf dem Ölmarkt zu. Aktuell steigt der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent um 1,1 Prozent auf etwas über 45 Dollar. Gegen Mittag waren die Kurse nach freundlicher Eröffnung ins Minus gedreht, ehe es im späten Geschäft doch noch etwas bergauf geht. Dem Ölmarkt fehlt im Moment die klare Richtung. Einerseits fällt die Produktion in Amerika, andererseits können sich die Förderländer nicht auf eine Deckelung der Produktion leisten.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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78,76
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"Offensichtlich versucht man, das Thema zumindest verbal am Köcheln zu halten, um den Ölpreis zu unterstützen", meint Eugen Weinberg, Rohstoffexperte bei der Commerzbank. Weinberg rechnet aber damit, dass auch ohne eine Einigung das Überangebot am Ölmarkt in der zweiten Jahreshälfte "spürbar zurückgehen" wird.

Euro im Abwärtstrend

Die Gemeinschaftswährung gibt nach einem schwachen April-Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft im Euroraum nach und steht aktuell bei 1,1243 Dollar am Tagestief. Der Index sank im April um 0,1 auf 53,0 Punkte, wie das private Forschungsinstitut Markit mitteilte.

Vor allem in Frankreich stottert der Konjunkturmotor weiter. Die Daten signalisieren nach Einschätzung von Chris Williamson, Chefvolkswirt beim Analysehaus Markit, nur ein "schleppendes Wirtschaftswachstum". Frankreich bleibe die "Hauptwachstumsbremse" für die Eurozone. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs des Euro gegen Mittag auf 1,1263 (Donnerstag: 1,1355) Dollar festgesetzt.

BASF will Unternehmensteile verkaufen

Die Ludwigshafener wollen ihr Geschäft mit dem Kunststoffvorprodukt Polyolefin-Katalysatoren an das US-Unternehmen W.R. Grace & Co. verkaufen. Der Deal umfasst neben Technologien, Patenten und Marken auch Produktionsanlagen in Pasadena (USA) und Tarragona in Spanien, wie die BASF SE am Freitag mitteilte. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. Betroffen sind rund 170 Mitarbeiter. Polyolefine sind ein Oberbegriff für Kunststoffe, aus denen Folien, Plastiktüten, Benzintanks und andere Produkte hergestellt werden.

Merck empfohlen

Die Papiere des Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzerns Merck lagen mit deutlichem Abstand an der Dax-Spitze. Merrill Lynch hat den Wert mit einem Kursziel von 98 Euro zum Kauf empfohlen. Die Analysten verweisen dabei auf das tiefste Bewertungsniveau seit zwei Jahren. Vor diesem Hintergrund erschienen die Chancen der Wirkstoffpipeline und der hohe Anteil relativ sicherer Gewinne außerhalb des Pharmageschäfts nun umso attraktiver, hieß es.

Condor im Visier der Lufthansa

Die Lufthansa strebt Unternehmensinsidern zufolge eine Partnerschaft oder Übernahme der deutschen Ferienfluglinie Condor an, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Die Verhandlungen mit dem Eigentümer Thomas Cook liefen seit Monaten. Lufthansa-Aktien behaupteten sich und legten gegen den Markt 0,49 Prozent zu.

Ströer kann sich nicht wirklich befreien

Die gestern eingebrochenen Ströer-Aktien fuhren heute Achterbahn. Jeweils kräftige Erholungsbewegungen konnten nicht verteidigt werden, am Ende verlor das MDax-Papier 0,38 Prozent auf 43,83 Euro. Ströer äußerte sich wie angekündigt am Mittag zu dem Bericht des Research-Dienstes Muddy Waters und wies die Vorwürfe zurück. Gleichzeitig berichtete das Unternehmen von einem guten Jahresstart.

Muddy Waters hatte dem Werbevermarkter vorgeworfen, Ströer sei "nicht das Unternehmen, wofür es der Markt hält". Die Aktivisten behaupteten unter anderem, dass das organische Wachstum, der operative Cash Flow und der freie Cash Flow signifikant unter den von Ströer berichteten Angaben lägen.

General Electric nach Zahlen im Minus

Die Aktie des Siemens-Erzrivalen liegt an der Wall Street im Minus. Zwar verringerte der US-Industriekonzern seinen Verlust unter dem Strich deutlich von 13,6 Milliarden auf 98 Millionen Dollar, fundamental litt das Geschäft aber wegen der Schwierigkeiten der Kunden aus der Öl- und Gasindustrie.

Der Umsatz legte trotzdem um sechs Prozent zu auf 27,6 Milliarden Dollar zu. Die Zuwächse kamen aber hauptsächlich an der Konsolidierung von Sparten des übernommenen französischen Alstom-Konzerns. GE befindet sich derzeit im Umbau und stößt seine Finanzsparte ab. Zukünftig will sich der Riese auf sein industrielles Kerngeschäft konzentrieren.

McDonald's legt zu

McDonald's: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Der Hamburgerbrater hat zum Jahresauftakt den Gewinn um mehr als ein Drittel auf 1,1 Milliarden Dollar gesteigert. Vor allem die Tatsache, dass das Frühstück nun länger angeboten wird, brachte in Amerika neue Kunden. Die Aktie kann die gute Eröffnung aber nicht verteidigen und liegt mittlerweile leicht im Minus.

Weitere Neuigkeiten aus Amerika

Die Fluggesellschaft American Airlines hat im ersten Quartal wegen niedriger Treibstoffpreise mehr verdient als erwartet. 700 Millionen Dollar blieben in den Büchern. Gut lief es auch beim Mischkonzern Honeywell. Erlöst wurden mit 9,52 Milliarden Dollar 3,4 Prozent mehr. Der Nettogewinn stieg um 6,3 Prozent auf 1,19 Milliarden Dollar. Der Mittelfristchart ist übrigens ein Traum! Baumaschinenhersteller Caterpillar leidet hingegen unter der Konjunkturabkühlung in vielen Ländern der Welt. Der Nettogewinn brach im ersten Quartal um mehr als 70 Prozent auf 494 Millionen Dollar ein.

rm

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