Marktbericht 20:00 Uhr

Angst vor China-Crash Ausverkauf am Aktienmarkt

Stand: 27.07.2015, 20:00 Uhr

Der Kurseinbruch in China hat den Investoren einen Schreck eingejagt. Zum fünften Mal in Folge geht der Dax mit Verlusten aus dem Handel. Vor Kurzem träumten Investoren noch von 12.000 Punkten, jetzt müssen sie mit 11.000 zufrieden sein.

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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Börse 19.00 Uhr

Der Dax schloss mit einem Abschlag von 2,6 Prozent auf 11.056,40 Punkten. Kein einziger Titel schaffte den Sprung in die Gewinnzone. Der EuroStoxx 50 büßte 2,4 Prozent auf 3.513,10 Punkte ein. Der Pariser Leitindex CAC 40 fiel um 2,6 Prozent auf 4.927,60 Punkte. Für den FTSE 100 ging es um lediglich 1,1 Prozent auf 6.505,13 Punkte nach unten, weil die dort stark gewichteten Rohstoffwerte vergleichsweise wenig nachgaben. Der L-Dax gab um 2,4 Prozent auf 11.050,13 Punkte nach.

Alle reden über China

Das Thema des Tages war die Lage in China. "Viele Investoren fürchten inzwischen, dass die Konjunktur im wichtigen Exportland China deutlich einknicken könnte," sagte ein Händler. Und jetzt auch noch der erneute Einbruch am angeschlagenen Aktienmarkt. Der Kursrutsch an Chinas Festlandsbörsen lasse nichts Gutes für die westlichen Finanzplätze erwarten, sagte Händler Andreas Lipkow vom Vermögensverwalter Kliegel & Hafner.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der Dow Jones lag am Abend 0,8 Prozent im Minus. Die kräftigen Kursverluste in China gäben vor allem für internationale Konzerne mit einem hohen Umsatzanteil ausländischer Kunden Anlass zur Sorge, sagte ein Aktienstratege. Nachdem die Berichtssaison der US-Unternehmen bereits Risse im Gewinnbild aufgezeigt habe, könnten die Erträge nun noch stärker belastet werden, so der Marktteilnehmer.

Euro heute ein Teuro

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Gegen das Störfeuer aus China half auch der unerwartet starke Ifo-Index nicht. Eigentlich wirkte er sogar negativ, denn er sorgte dafür, dass der Euro sich verteuerte. Das wiederum belastet den Dax, da ein schwächerer Euro für die deutsche Exportwirtschaft günstig ist. Schließlich werden dadurch die hiesigen Produkte außerhalb der Eurozone billiger.

Deutsche Auto-Titel im China-Sog

Autowerte gehörten zeitweise zu den größten Verlierern im Dax. Die Deutsche Bank hat BMW von "Buy" auf "Hold" abgestuft und das Kursziel von 118 auf 105 Euro gesenkt. Die Schwäche in China tue weh, schrieb Analyst Tim Rokossa in einer Branchenstudie.

Für VW-Vorzüge senkte er das Kursziel von 280 auf 260 Euro, beließ die Einstufung aber auf "Buy". Für den Autozulieferer Dürr senkte er das Kursziel von 83 auf 72 Euro. Der Lackieranlagenhersteller sei unter den von ihm beobachteten Autozulieferern am stärksten von China abhängig. Die Dürr-Aktie war der größte MDax-Verlierer. Auch für Kuka ging es abwärts.

Deutsche Börse kauft und kauft

Für 725 Millionen Euro will die Deutsche Börse die Devisenhandelsplattform 360T übernehmen und dadurch mittelfristig Erlössynergien im zweistelligen Millionenbereich realisieren. Die Transaktion soll durch Eigen- und Fremdkapital finanziert werden. Und das ist noch nicht alles.

Die Deutsche Börse baut ihr Angebot im boomenden Index-Geschäft durch zwei Zukäufe aus. Die Frankfurter übernehmen die bisher zusammen mit der Schweizer Börse SIX betriebenen Firmen Stoxx und Indexium für 650 Millionen Franken (614 Millionen Euro) ganz, wie Deutschlands größter Börsenbetreiber heute mitteilte. Beide Unternehmen hatten bereits Ende Juni erklärt, über einen entsprechenden Deal zu verhandeln. Das Index-Geschäft verspricht wegen der steigenden Beliebtheit börsennotierter Indexfonds (ETFs), die etwa auf dem Dax oder dem EuroStoxx basieren, hohes Wachstum.

Deutsche Bank: Neuer Skandal im Bankenbezirk

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Acht Mitarbeitern der Deutschen Bank steht laut einem "Spiegel"-Bericht in Kürze eine Anklage wegen Umsatzsteuerbetrugs ins Haus. Sie sollen einer internationalen Verbrecherorganisation beim Handel mit Luftverschmutzungsrechten geholfen und den deutschen Staat um mindestens 136 Millionen Euro an Steuereinnahmen gebracht haben.

Lufthansa: Auf dem Weg zum Billigflieger?

Die Deutsche Lufthansa hat heute ihr neues Tarifsystem für Europaflüge offiziell vorgestellt. Nach dem Vorbild von Billigfliegern enthält das günstigste Ticket ab dem 1. Oktober nicht mehr das Recht, einen Koffer kostenlos aufzugeben.

Aareal und Allianz finanzieren Immo-Deal

Die Immobilienbank Aareal hat bei einer großen Finanzierung die Allianz an Bord geholt. Es gehe um die Finanzierung eines pan-europäischen Büroimmobilien-Portfolios im Volumen von 630 Millionen Euro, teilten beide Seiten mit. Allianz Real Estate, die Immobiliensparte von Europas größtem Versicherer, übernimmt dabei einen Anteil von 365 Millionen Euro. Kreditnehmer ist die Firma NorthStar Realty Finance, die das Portfolio im Gesamtwert von gut einer Milliarde Euro bereits im Frühjahr erworben hatte. Die elf Gebäude befinden sich in sieben Ländern, darunter Deutschland, Frankreich und Großbritannien.

Teva baut Marktmacht aus

Der weltgrößte Generika-Anbieter Teva kauft für 40,5 Milliarden Dollar die Nachahmer-Medikamente des Botox-Herstellers Allergan. Der Abschluss der Übernahme wird für das erste Quartal 2016 erwartet. Ihre Übernahmepläne für den US-Pharmakonzern Mylan gaben die Israelis dafür auf.

Übernahmephantasie hält Stada im Plus

Das weckte neue Übernahmephantasien im Sektor. Die Stada-Aktie war einziger Gewinner im Nebenwerteindex MDax. Offenbar spekulieren einige Anleger darauf, dass Teva nach dem Scheitern der Mylan-Übernahme nun andere Kandidaten, wie etwa Stada, unter die Lupe nimmt. Eine Kurszielerhöhung durch HSBC tut ihr Übriges.

Morphosys: Rätselraten über Kursrutsch

Morphosys: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Im TecDax verloren Morphosys-Aktien deutlich. Händler vermuteten, dass ein Investor eine größere Position Morphosys-Aktien abgestoßen hat. Die am Morgen vorgelegten Geschäftszahlen für das zweite Quartal seien jedenfalls nicht so schlecht, dass sie solch einen Kursrutsch rechtfertigen würden.

Kering: Puma Flop, Gucci Top

Kering: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Der französische Kering-Konzern kann sich wieder über besser laufende Geschäfte bei seiner Luxusmarke Gucci freuen. Allerdings lastet die Ertragsschwäche der Sporttochter Puma im ersten Halbjahr auf dem Gewinn. Am Ende sank das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis bei der Konzernmutter um 5,4 Prozent auf 773,2 Millionen Euro. Damit schnitt der Konzern aber dennoch besser ab, als die meisten Analysten es erwartet hatten. Der bereinigte Nettogewinn aus fortgeführtem Geschäft verringerte sich um 13 Prozent auf 489 Millionen Euro.

Bei Ryanair regiert der Optimismus

Ryanair ist nach einem Umsatzplus von zehn Prozent im abgelaufenen Quartal zuversichtlich fürs laufende Geschäftsjahr. Der Gewinn werde im Jahr zu Ende März 2016 am oberen Ende der Prognose von 940 bis 970 Millionen Euro liegen, teilte Europas größter Billigflieger mit.

UBS: Analysten bass erstaunt

Die UBS hat im zweiten Quartal dank eines Gewinnsprungs in der Vermögensverwaltung überraschend gut abgeschnitten. Die größte Schweizer Bank steigerte den Überschuss um 53 Prozent auf 1,2 Milliarden Franken. Analysten hatten durchschnittlich einen Gewinn von 817 Millionen Franken erwartet.

Fiat Chrysler: Rekordstrafe wegen Rückruf-Politik

Fiat Chrysler: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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-0,63%

Wegen fehlerhafter Rückrufe ist der Autobauer Fiat Chrysler in den USA zu einer Rekordstrafe von 105 Millionen Dollar verdonnert worden. Das italienisch-amerikanische Unternehmen einigte sich am Sonntag mit der Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA auf eine Reihe von Sanktionen.

TNT mit Umsatzplus

TNT Express hat kurz vor der Übernahme durch den amerikanischen Konkurrenten FedEx ein Plus bei Umsatz und Betriebsergebnis erzielt. Im zweiten Quartal seien die Erlöse um 6,2 Prozent auf rund 1,76 Milliarden Euro gewachsen, meldete der niederländische Logistikkonzern.

Philips lässt schwachen Jahresauftakt hinter sich

Hoffnungsschimmer für den mitten in der Aufspaltung steckenden niederländischen Elektrokonzern: Philips hat seinen Umsatz dank besserer Geschäfte in den USA, Indien sowie Europa gesteigert. Das Nettoergebnis kletterte im zweiten Quartal auf 274 Millionen Euro nach 243 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Canon senkt Prognose

Canon hat wegen der schwachen Nachfrage nach kompakten Digitalkameras die Jahresprognose gesenkt. Nach einem Gewinnminus von 16 Prozent im zweiten Quartal werde für das Gesamtjahr nur noch mit einem Nettoergebnis von umgerechnet rund 1,8 Milliarden Euro gerechnet, teilte der japanische Konzern mit.

Grippesaison kommt Reckitt zugute

Eine heftige Grippesaison hat Reckitt Benckiser im ersten Halbjahr zu einem Umsatzplus von fünf Prozent verholfen. Nun werde auf Jahressicht mit Zuwächsen bei den Erlösen von vier bis fünf Prozent gerechnet, berichtete die britische Firma, die auch Sagrotan-Produkte sowie Dobendan-Halzschmerztabletten anbietet.

Neuer Sanofi-Cholesterinsenker vor Verkaufsstart

Der französische Pharmakonzern Sanofi kann seinen neuen Cholesterinsenker schon bald in den weltweit wichtigsten Märkten verkaufen. Die US-Gesundheitsbehörde FDA gab dem Medikament Praluent ihren Segen, die EU-Gesundheitsbehörde empfiehlt ebenfalls die Zulassung. Das teilten beide Behörden am Wochenende mit.

Novartis: FDA hebt den Daumen

Der schweizerische Pharmakonzern Novartis hat in den USA die Zulassung für die Anwendung von Odomzo bei Hautkrebs erhalten. Die Food and Drug Administration (FDA) habe dem Medikament die Freigabe für die Behandlung von lokalem fortgeschrittenem Basalzellkarzinom erteilt.

ts

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 24. September

Unternehmen:
Manchester United: Q4-Zahlen, 8:00 Uhr
Total: Strategie-Update, 8:00 Uhr
Roche: Business-Update, 17:00 Uhr
Nike: Q4-Zahlen, 22:15 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Großhandelspreise 8/18, 8:00 Uhr
USA: FHFA-Index 7/18, 15:00 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen 09/18, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Hong Kong/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen