Aussicht auf Banken-Hilfen machen Mut

Stand: 06.10.2011, 20:02 Uhr

Die Hoffnung auf neue Kapitalspritzen für Europas Banken hat die Anleger auch wieder in Kauflaune versetzt. Zwar sorgte die Entscheidung der EZB, den Leitzins unverändert zu lassen, kurz für Enttäuschung, doch sorgte Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso wieder für Zuversicht.

Er schlug eine koordinierte Aktion der EU-Länder vor, um die Banken zu rekapitalisieren. Aber auch die EZB kündigte an, den Kreditinstituten in der Schuldenkrise mit neuen Milliardenhilfen unter die Arme greifen zu wollen. Dazu legt die Zentralbank ein 40 Milliarden Euro schweres Ankaufprogramm für Pfandbriefe und andere Anleihen auf.

Zudem können die Banken sich über neue langfristige Kreditlinien bei der EZB mit Liquidität versorgen. Auch ließ Trichet die Tür für eine spätere Leitzinssenkung offen. "Alles in allem schöpft man wieder etwas mehr Mut, dass man die Probleme in Bankensektor vielleicht doch noch in den Griff bekommen kann", sagte ein Händler.

Der Dax schließt auch am Abend mehr als drei Prozent fester als gestern, nachdem er bereits im elektronischen Handel 172 Punkten (3,15 Prozent) zugelegt hatte auf 5.645 Zähler. Der Euro kann sich bis zum Abend ebenfalls von seinem Tagestief lösen und klettert auf zuletzt 1,342 Dollar.

Bank of England kauft auf
Am Nachmittag hatte auch die britische Notenbank eine neue Runde von Staatsanleihenkäufen angekündigt. Wie die Bank von England Mittag mitteilte, will sie ab 10. Oktober ihre Staatsanleihenkäufe auf ein Volumen von 275 Milliarden Pfund ausweiten und auf diese Weise die Wirtschaft ankurbeln.

Die US-Standardwerte drehen im Handelsverlauf ebenfalls ins Plus, nachdem sie zunächst mit moderaten Verlusten gestartet waren. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow Jones-Index 0,8 Prozent höher bei 11.025 Punkten. Gestützt wird der Markt auch von den etwas besser als erwartet ausgefallenen Zahlen vom US-Arbeitsmarkt. Danach stiegen die wöchentlichen Erstanträge um 6.000 auf 401.000. Experten hatten einen Anstieg auf 410.000 erwartet.

Konjunktursensible Werte gefragt
Trotz der sich mehrenden Zeichen für eine wirtschaftliche Abkühlung stehen konjunktursensible Werte weit oben auf den Einkaufslisten der Anleger, angeführt vom größten Kursgewinner ThyssenKrupp. Auch HeidelbergCement, Metro und Linde legen überdurchschnittlich zu.

Allianz: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
176,84
Differenz relativ
+0,36%

Allianz bekräftigt Jahresziel
Zu den Favoriten im Dax gehört auch die Aktie der Allianz. Der Versicherungskonzern hält trotz der Turbulenzen an den Finanzmärkten an seinem Ergebnisziel für das laufende Jahr fest. Das operative Ergebnis werde in diesem Jahr voraussichtlich in der Spanne von 7,5 Milliarden bis 8,5 Milliarden Euro liegen, heißt es in einer Präsentation von Allianz-Chef Michael Diekmann zu einer Analystenveranstaltung heute in London. In Staatsanleihen der hochverschuldeten EU-Staaten habe der Konzern nur begrenzt Geld angelegt.

Deutsche Börse hofft auf Zustimmung
Die Aktie der Deutschen Börse muss dagegen zeitweise Verluste hinnehmen. Grund sind Bedenken der EU-Kommission gegen die geplante Fusion mit der New Yorker Börse. Der Eschborner Börsenbetreiber spielte die Bedenken herunter und betonte, die EU-Kommission stelle die Fusion nicht in Frage. Man arbeite weiter daran, die Fusion mit der NYSE Euronext bis zum Jahresende abzuschließen.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
19,42
Differenz relativ
+0,21%

Credit Suisse drückt Lufthansa
Auf der Liste der Verlierer steht auch die Lufthansa. Die Experten von Credit Suisse hatten die Aktie von "Outperform" auf "Neutral gesenkt" und das Kursziel deutlich von 13,25 Euro auf 9,75 Euro gesenkt. Die Investoren halten die Analyse für plausibel, aktuell fällt das Papier um mehr als ein Prozent zurück und kostet rund 9,40 Euro.

Dexia vom Handel ausgesetzt
Die Aktien des vor der Zerschlagung stehenden Finanzkonzerns Dexia sind am Nachmittag nach Gerüchten über eine bevorstehende Verstaatlichung von Teilen der Bank und einem weiteren heftigen Kurssturz bis auf Weiteres in Paris und Brüssel vom Handel ausgesetzt worden. Die Papiere der belgisch-französischen Bank hatten zuletzt bei 0,845 Euro notiert, ein Minus von 17 Prozent im Vergleich zu gestern.

Gagfah belastet
Für die Gagfah-Aktie gab es heute ein nervöses Auf und Ab, das schließlich mit einem Minus von 1,5 Prozent endet. Das Papier reagierte auf das Bekanntwerden einer BaFin-Anzeige. Der Verwaltungsrat von Gagfah bestätigte, die Börsenaufsicht BaFin habe Anzeige wegen des Verdachtes auf Insiderhandel gegen fünf Personen erstattet. Gagfah teilte mit, man habe den Sachverhalt geprüft, es seien aber keine Tatsachen bekannt geworden, die den Verdacht einer Straftat begründeten.

Maschmeyer hat ein Herz für Mifa
Der Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer steigt ins Fahrradgeschäft ein. Maschmeyer habe knapp 29 Prozent der Anteile der Mitteldeutschen Fahrradwerke (Mifa) erworben. Beim derzeitigen Börsenkurs von 5,20 Euro sei das Aktienpaket etwa zwölf Millionen Euro wert. Die Aktie legt nach anfänglichem Zögern kräftig zu.

Gerresheimer legt eine Schippe drauf
Die Aktie des Pharmazulieferers Gerresheimer kann dagegen 4,5 Prozent zulegen, nachdem das Unternehmen wegen der gut laufenden Geschäfte seine Umsatzprognose für 2011 erhöht hat und jetzt ein Wachstum von sieben bis acht Prozent erwartet. Zuvor war das Management von einem Plus von sechs bis sieben Prozent aus.

Schon wieder Chefwechel bei Solar Millennium
Der kriselnde Solarkraftwerkhersteller Solar Millennium kommt nicht zur Ruhe. Gut eineinhalb Jahre nach dem überraschenden Rücktritt des Managers Utz Claassen hat heute nun auch dessen Nachfolger Christoph Wolff das Handtuch geworfen. Er hatte die Führung erst zu Jahresbeginn übernommen und sich zum Ziel gesetzt, das Unternehmen in ruhigeres Fahrwasser zu bringen. Die Aktie legt wegen des Rückzugs aus den USA knapp 14 Prozent zu.

Microsoft treibt Yahoo-Kurs
Spekulationen über ein mögliches Interesse von Microsoft an Yahoo haben den Kurs des Internet-Urgesteins um bis zu zehn Prozent in die Höhe getrieben. Medienberichten zufolge erwägt Microsoft ein Gebot für Yahoo, nachdem zuletzt auch der chinesische Suchmaschinenbetreiber Alibaba Interesse an Yahoo bekundet hatte.

Auch Italiens Banken runtergestuft
Die Ratingagentur Moody's hat nun auch die Bonität der beiden größten italienischen Banken gesenkt. Danach wurden die Intesa SanPaolo und die Unicredit von "Aa3" auf "A2" heruntergestuft. Moody's hatte am Dienstag die Kreditwürdigkeit des italienischen Staates um drei Stufen schlechter bewertet.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr