Außer Telekom nichts gewesen?

von Karsten Leckebusch

Stand: 29.01.2007, 19:45 Uhr

Die Telekom bot zwar die Hauptnachricht für die Montagsbörse. Eine Gewinnwarnung zog den Kurs nach unten. Ansonsten gab es aber auch eine Menge gute Nachrichten, die Wall Street war freundlich, der Dax schloss deutlich im Plus.

Der Dax legte im Tagesverlauf 36 Punkte zu und beschloss den Handel mit einem Plus von 0,53 Prozent bei 6.726 Zählern. Die Stimmung auf dem Parkett war vor allem dank guter Unternehmensnachrichten gut, am Nachmittag sorgten steigende Kurse an der Wall Street dafür, dass der Dax noch weiter nach oben kletterte.

Saftige Verluste verzeichnete nur die Aktie der Deutschen Telekom. Gestern hatte der Konzern eine milliardenschwere Gewinnwarnung veröffentlicht. Der Überschuss werde dank fallender Nutzerzahlen für das Festnetz in diesem Jahr um bis zu 1,2 Milliarden Euro niedriger ausfallen als bisher geplant. Für die Aktionäre, die bereits vor knapp einem halben Jahr eine Telekomgewinnwarnung verdauen mussten, war das eine klare Verkaufsempfehlung. Die T-Aktie verlor vier Prozent.

Viele Gewinner

Ein Fusionsgerücht half der Aktie des Lkw-Herstellers MAN auf den Dax-Spitzenplatz. Das Papier verteuerte sich um 2,6 Prozent auf knapp 79 Euro, nachdem ein Gerücht aufgetaucht war, dass Volvo sich für MAN interessiere und ein Übernahmeangebot für 90 Euro pro MAN-Aktie durchrechnen ließe.

Die Allianz erzielte ein Kursplus von 2,3 Prozent. Der Konzern trennt sich von der Hälfte seiner restlichen Anteile an der Münchener Rückversicherung. Beide Konzerne waren über Jahrzehnte finanziell eng miteinander verbunden. Vor einigen Jahren hatten Allianz und Münchener Rück damit begonnen, diese Verflechtung zu reduzieren. Am Mittag schob die Allianz die Meldung nach, dass sie auch ihre Beteiligung an KarstadtQuelle von 7,64 auf 2,64 Prozent verringert habe.

Der Chiphersteller Infineon erfreute die Aktionäre mit einer guten Erstquartalsbilanz. Der Konzern hat dank guter Geschäfte der Speicherchiptochter Qimonda einen Quartalsgewinn von 120 Millionen Euro erwirtschaftet. Im Vorquartal stand noch ein Verlust von 36 Millionen Euro zu Buche. Infineon ist aufgrund stärkerer Nachfrage aus der Industrie auch für die kommenden Jahre optimistisch. Außerdem reduzierte der Konzern seine notwendigen Umbaukosten wegen der Benq-Pleite von 30 auf 10 Millionen Euro. Infineon schloss mit einem Plus von 0,7 Prozent.

Der Softwarekonzern SAP gewann knapp ein Prozent. Zuvor waren Gerüchte auf dem Parkett aufgetaucht, dass SAP von Erzkonkurrent Oracle übernommen werden könnte. Außerdem dürfte ein Teil der Kursgewinne eine Reaktion auf die Verluste der vergangenen Woche sein.

Schwaches MDax-Debüt
Das neue MDax-Mitglied Klöckner&Co. hat einen sehr bescheidenen Start im mittelschweren Index hingelegt. Die Aktie verlor 3,3 Prozent. Der Konzern ersetzt im MDax die Hypovereinsbank, die aus sämtlichen deutschen Indizes entfernt wurde, weil ihre Aktien jetzt zu mehr als 95 Prozent der italienischen Großbank Unicredit gehören.

Der Baukonzern Hochtief verteuerte sich, beflügelt von Zerschlagungsgerüchten, um vier Prozent. Die australische Bank Macquarie will nach Zeitungsberichten angeblich Hochtief übernehmen und danach in Einzelteilen wieder verkaufen. Der Hochtief-Konzernvorstand sagte, er wisse nichts davon.

Ebenfalls ein Gerücht half am Nachmittag der Aktie des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS zu einem Kursgewinn von 2,4 Prozent. Offenbar ist Russland daran interessiert, 20 Prozent der EADS-Tochter Airbus zu übernehmen, berichtet das französische Wirtschaftsmagazin "capital.fr". Demnach will sich der Leiter der russischen Industrieagentur, Boris Aljoschin, schon diese Woche mit Airbus Chef Louis Gallois treffen. EADS dementierte diese Pläne am Abend.

Die Aktien des Geldautomatenhersteller Wincor Nixdorf profitierten von deutlichen Ergebnis- und Umsatzzuwächsen im ersten Geschäftsquartal und legten 1,8 Prozent zu. Das Unternehmen erhöhte sein operatives Ergebnis um 18 Prozent auf 46 Millionen Euro, der Umsatz kletterte um 13 Prozent auf knapp 550 Millionen Euro. Wincor verwies auf Erfolge bei Leergutrücknahmesystemen.

Tec- und SDax
Im Technologieindex TecDax stiegen die Aktien von Jenoptik um etwa vier Prozent. Das Technologieunternehmen hat im vergangenen Jahr seine eigene Umsatzprognose übertroffen und geht für dieses Jahr von einem zweistelligen Umsatzwachstum aus. Noch besser schlossen die Aktien von Singulus. Die Papiere des Herstellers von DVD- und CD-Produktionsmaschinen verteuerten sich nach einer Hochstufung durch die Credit Suisse um sieben Prozent.

Der Anbieter von elektronischen Zahlsystem Wire Card verlor 1,7 Prozent, weil einige Aktionäre mit der Jahresprognose offenbar unzufrieden waren. Wire Card rechnet mit einem EBIT-Zuwachs um 50 Prozent in diesem Jahr und hat eine Quartalsbilanz vorgelegt, die in etwa den Erwartungen entsprach.

3,4 Prozent verlor der im SDax notierte Aufkäufer von Lebensversicherungen Cash Life. Das Unternehmen verbuchte 2006 einen leichten Ergebnisrückgang. Auch der Fotoentwickler Cewe Color gab 0,3 Prozent ab, weil Umsatz und Vorsteuergewinn 2006 deutlich gefallen waren.

Siemens und Nokia nähern sich an
Der neue Telekommunikationsausrüster von Siemens und Nokia nimmt verspätet Gestalt an. Beide Unternehmen teilten mit, dass die wesentlichen Entscheidungen zur Gründung des geplanten Joint Ventures getroffen seien. Nokia Siemens Networks sollte eigentlich am ersten Januar an den Start gehen, der Termin wurde wegen der Siemens-Schmiergeldaffäre jedoch verschoben.

Verizon verdient weniger
Der zweitgrößte amerikanische Telefonkonzern Verizon hat im vergangenen Jahr zwar mehr umgesetzt, aber weniger verdient. Das Unternehmen meldete einen Umsatzwachstum von fast 27 Prozent auf knapp 88 Milliarden Euro, sowie einen Jahresgewinn von 6,2 Milliarden Dollar, 1,2 Milliarden weniger als 2005. Verizon erzielte vor allem im Mobil- und Breitbandgeschäft steigende Umsätze.

Amitelo versechsfacht Gewinn
Die Schweizer Telefongesellschaft Amitelo hat im vergangenen Jahr dank einiger Firmenübernahmen ihren Vorsteuergewinn auf 7,1 Millionen Euro versechsfacht. Der Umsatz verdreifachte sich auf 74,2 Millionen Euro. 2007 will Amitelo den Aufwärtstrend fortsetzen und vor allem in Marokko stark wachsen. Die im Entry Standard notierte Aktie verteuerte sich um 5,4 Prozent.

Gas Natural will klein beigeben
Der spanische Energiekonzern Gas Natural will in der Übernahmeschlacht um Endesa offenbar nicht mehr für den zum Verkauf stehenden spanischen Versorger bieten. Die Zeitung "La Vanguardia" berichtet, dass der Verwaltungsrat der Konzerns noch in dieser Woche über die Beendigung des Übernahmeangebotes entscheiden werde. Bei einer Aufgabe von Gas Natural bliebe der Düsseldorfer Eon-Konzern einziger Kandidat für die Endesa-Übernahme.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"