Aufwärtstrend in Gefahr

Stand: 13.05.2009, 20:05 Uhr

Die Börsen sind in eine Schwächephase eingetreten, zumindest sieht es zur Wochenmitte danach aus. Enttäuschende Quartalszahlen aus der Bankenszene und schwache US-Konjunkturdaten sorgten am Mittwoch für Ernüchterung.

Die Unkenrufe werden lauter. Gerade schien der Dax sich in Richtung der 5.000er Marke aufzumachen, wird er jäh ausgebremst. Am Mittwochabend ging eine Serie schlechter Nachrichten auf die Marktteilnehmer ein. Am Abend trudelte noch eine Studie der Deutschen Bank ein, in der dem Dax eine Rutschpartie bis auf 4.000 Punkte vorher gesagt wird.

Soweit war es am Mittwoch zwar noch nicht, doch ein Minus von rund 2,5 Prozent ließ Anleger am Aufschwung der vergangenen Wochen zweifeln. Im späten Handel sackte der Late-Dax um ein weiteres halbes Prozent ab.

Finanztitel im Ausverkauf

Am Morgen hatten zunächst hatten unerwartet hohe Quartalsverluste der niederländischen ING Bank Finanztitel unter Druck gesetzt. Am Nachmittag sorgten dann überraschend gefallene Einzelhandelsumsätze im April in den USA für weitere Besorgnis.

Am Ende eines verlustreichen Handelstages hielten sich vor allem "defensive" Titel wie Fresenius, Linde und die Deutsche Telekom im Plus. Finanztitel verloren dagegen durch die Bank deutlich, allen voran Papiere der Commerzbank, die auch darunter litt, dass die Zukunft der Tochter Eurohypo weiterhin unklar ist. Das Bundesfinanzministerium jedenfalls dementierte, dass eine rasche Fusion der Eurohypo mit der Hypo Real Estate geplant ist.

Am Abend wurde bekannt, dass die Deutsche Bank einen Bereich der Dresdner Bank, die inzwischen zur Commerzbank gehört, kaufen wird. Es handelt sich um Teile des Wertpapierleihe Geschäfts. Die Nachricht hatte keine kursbewegende Wirkung. Auch die Deutsche Bank-Aktie lag zum Handelsschluss deutlich im Minus.

Allianz trotz Lob im Minus
Das galt auch für Allianz-Papiere, obwohl viele Bankanalysten ihre Kaufempfehlung für das Papier nach Bekanntgabe der endgültigen Quartalszahlen bekräftigt hatten. Bereits Ende April hatte das Unternehmen angekündigt, ein operatives Ergebnis von 1,4 Milliarden Euro und einen Umsatz von 27,7 Milliarden Euro im ersten Quartal erzielt zu haben.

ThyssenKrupp verordnet sich neue Struktur

Bis zum Handelsende wurden auch die Stahltitel ThyssenKrupp und Salzgitter im Dax mit deutlichen Abschlägen gehandelt. Am Dienstag hatte ThyssenKrupp angekündigt, das Jahr 2009 mit einem Verlust abschließen zu müssen. Am Mittwoch wurde bekannt, dass der Aufsichtsrat dem Konzernumbau zugestimmt hat. Mit einer Straffung der Organisation sollen Millionenbeträge eingespart werden.

Lufthansa hofft auf Bodenbildung

Die Hoffnung auf eine "Bodenbildung" im Rückgang bei der Luftfracht brachte Cargo-Chef Carsten Spohr auf einer Messe in München zum Ausdruck. Die Abwärtsspirale sei erst einmal gestoppt, so Spohr. Die Kranich-Aktie verlor dennoch rund fünf Prozent.

K+S und Eon mit Gewinnrückgang
Trotz ordentlicher Quartalsergebnisse rutschte auch die Aktie des Düngemittelherstellers K+S ins Minus. Das Unternehmen hatte einen operativen Gewinneinbruch um 23 Prozent gemeldet. Der Energiekonzern Eon hat dank Zukäufen im ersten Quartal 26 Milliarden Euro und damit 14 Prozent mehr umgesetzt als vor einem Jahr. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) war allerdings leicht rückläufig. Für Analysten war dies keine große Überraschung. Eon- und K+S-Aktien hielten sich am Mittwoch im am Dax-Mittelfeld.

Tui will eins bleiben
Auf einer turbulenten Hauptversammlung hat sich das Management des Reisekonzerns erneut gegen eine Zerschlagung ausgesprochen. Tui-Chef Michael Frenzel sagte, ein solcher Schritt "zerstöre Werte". Zuvor war bekannt geworden, dass der Großaktionär John Fredriksen seine Beteiligung auf 18 Prozent ausgedehnt hat. Der Reeder strebt gegen den Willen des Vorstandes in den Aufsichtsrat bei Tui. Die Aktie im MDax schloss am Mittwoch rund sieben Prozent im Minus.

QSC in der Gewinnspur
Der Kölner Internet-Konzern überzeugte die Anleger am Mittwoch mit seinen Quartalszahlen, die Aktie schloss rund zehn Prozent über Vortagesniveau. Aus einem Verlust von 4,1 Millionen Euro im vergangenen Jahr hat das Unternehmen einen Gewinn in Höhe von 1,8 Millionen Euro erzielt. Damit übertraf QSC die Erwartungen der Analysten. Auch im Gesamtjahr soll die Gewinnzone erreicht werden.

UI und Freenet in der Ertragskrise
Auch die beiden anderen Internetanbieter im TecDax, Freenet und United Internet, legten ihre Quartalsbilanzen vor. Freenet verdiente im ersten Quartal 10,6 Millionen Euro und damit deutlich weniger als vor einem Jahr. Der Umsatz stieg wegen der Debitel-Übernahme aber deutlich auf 912 Millionen Euro. United Internet musste ebenfalls einen Gewinnrückgang bilanzieren. Das Ergebnis fiel auf 37,8 Millionen Euro, teilte der TecDax-Konzern mit. Der Umsatz stieg leicht auf 423 Millionen Euro.

Gagfah allein zuhause
Die Aktie des MDax-Unternehmens plumpste um fast 13 Prozent abwärts. Der Immobilienkonzern hat das erste Quartal mit einem operativen Ergebnis von 89,7 Millionen Euro und damit 25 Millionen Euro weniger als vor einem Jahr abgeschlossen. Gagfah plant, in diesem Jahr die Mieten um bis zu zwei Prozent zu erhöhen, und Wohnungsbestände im Wert von 500 Millionen Euro zu verkaufen.

Tognum brummt noch
Am anderen Ende der MDax-Rangliste hielt sich die Aktie des Dieselmotorenherstellers Tognum rund drei Prozent im Plus. Dabei brach der Umsatz im ersten Quartal um ein Viertel, der Gewinn um ein Drittel ein. Für 2009 rechnet Tognum unverändert mit bis zu 20 Prozent weniger Umsatz und einer einstelligen Umsatzrendite. Analysten zeigen sich dennoch positiv überrascht.

Bertrandt hält sich wacker
Der Automobilzulieferer hat im zweiten Quartal seines Geschäftsjahres einen vergleichsweise moderaten Umsatzrückgang von 104 auf 97,6 Millionen Euro hinnehmen müssen. Das Ergebnis vor Steuern sank von 11,7 auf 8,2 Millionen Euro. Die Aktie hält sich mit leichten Verlusten.

Rational köchelt für moderaten Rückgang
Um knapp vier Prozent abwärts ging es mit der Aktie des Großküchen-Zulieferers. Rational hofft, im laufenden Geschäftsjahr mit einem "moderaten Umsatzrückgang" über die Runden zu kommen. Im ersten Quartal sank der Umsatz um acht Prozent auf 73,3 Millionen Euro.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr