Aufwärtstrend bleibt intakt

Stand: 20.07.2009, 20:02 Uhr

Die Börse kann zum Auftakt der neuen Woche an den Aufwärtstrend der vergangenen Tage anknüpfen. Vor allem die Hoffnung auf anhaltend gute Quartalszahlen sorgen für steigende Kurse. Doch das Wohl und Wehe in Europa hängt entscheidend von der Entwicklung der Wall Street ab.

Auch in New York können die Kurse am Montag weiter zulegen. der Dow Jones Index überstieg sogar die Marke von 8.800 Zählern. Gestützt werden die Kurse von der Aussicht auf eine Rettung der Mittelstandsbank CIT. Keine Hilfe war dagegen der Anstieg der vom privaten Forschungsinstitut Conference Board in Washington ermittelten Frühindikatoren der US-Wirtschaft.

Die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Rezession sorgte auch in Europa für steigende Kurse. Der deutsche Leitindex Dax beendete den Abendhandel wie bereits auf Xetra mit einem Plus von knapp einem Prozent auf 5.032 Punkte. Damit schließt der Dax erstmals wieder seit dem 12. Juni über der Marke von 5.000.

Unterdessen bleiben die Umsätze sehr dünn und ein Rückschlag sei jederzeit möglich, vor allem wenn die ersten schlechten Quartalsberichte kämen, sagt Marktstratege Wolfgang Duwe von der Bremer Landesbank. Ihn hat zwar nicht die Richtung, aber die Geschwindigkeit des Marktanstiegs überrascht.

Hauptthema des Tages war erneut der unendliche Konflikt zwischen VW und Porsche. VW-Stämme rutschten am Dax-Ende um 5,40 Prozent auf 236,50 Euro ab.

Zu den größten Gewinnern gehören ThyssenKrupp, Metro und Daimler. Auch Allianz und Deutsche Bank steigen kräftig. Konjunktursensible Werte wie K+S und Salzgitter legen ebenfalls überdurchschnittlich zu. Auch Eon steigen um mehr als zwei Prozent, nachdem Gerüchte aufkamen, dass Vizechef Johannes Teyssen Nachfolger von Vorstandschef Wulf Bernotat werden soll. Auch in der zweiten und dritten Reihe sowie im TecDax kommt es im Schnitt zu Kursgewinnen.

Wirtschaft beendet freien Fall
Tatsächlich scheint der freie Fall der deutschen Wirtschaft inzwischen gestoppt. Selbst die sonst so zögerliche Bundesbank sieht Anzeichen für eine deutliche Abschwächung der Rezession. Die Bremseffekte durch den Außenhandel hätten spürbar nachgelassen und der massive, weltweite Vertrauensschock verliere allmählich an Wirkung, heißt es im Monatsbericht für Juli. Insgesamt dürfte die gesamtwirtschaftliche Erzeugung im Frühjahr gegenüber dem Vorquartal nur noch leicht zurückgegangen sein, schreiben die Volkswirte der Notenbank.

Goldpreis profitiert
Die gute Stimmung an den Aktienmärkten sorgt auch auf den Rohstoffmärkten für steigende Preise. So kostet am Nachmittag ein Fass Rohöl wieder mehr als 64 Dollar. Gold profitiert von seiner Funktion als Absicherung gegen einen schwachen Dollar und ist auf den höchsten Stand seit fünf Wochen gestiegen. Die Feinunze Die Feinunze wurde am Nachmittag mit 952,75 (937,50) Dollar gefixt. "Vom rein technischen Blickwinkel aus betrachtet, könnten wir in den nächsten Tagen noch höhere Preise sehen", sagte Händler Alexander Zumpfe von Heraeus.

Wiedeking - Porsche nicht über den Tisch ziehen
Der angeschlagene Porsche-Chef Wendelin Wiedeking will das hoch verschuldete Unternehmen nicht kampflos dem Wolfsburger Autobauer VW überlassen. Wiedeking sagte der Monatszeitschrift "Cicero" (Augustausgabe), er werde "nicht zulassen, dass Porsche am Ende über den Tisch gezogen wird". Das sei er den Mitarbeitern und den freien Aktionären schuldig. Der Aufsichtsrat von Porsche soll Branchenkreisen zufolge am Donnerstag eine Grundsatzentscheidung über eine Verschmelzung mit Volkswagen treffen.

Magna gibt grünes Licht für Opel-Angebot
Der Aufsichtsrat des kanadisch-österreichischen Zulieferers Magna hat dem Übernahmeangebot für Opel zugestimmt. Damit kann die Geschäftsführung bis zum Ablauf der Frist desbisherigen Mutterkonzerns General Motors (GM) an diesem Montagnachmittag einen unterschriftsreifen Vertragsentwurf vorlegen. Die Offerte werde fristgerecht eingereicht, sagte ein Unternehmenssprecher .Magna will gemeinsam mit der russischen Sberbank bei Opel einsteigen und 500 Millionen Euro Eigenkapital einbringen.

Post hofft auf Briefgeschäft
Zu den größten Kursgewinnern im Dax gehört auch die Aktie der Deutschen Post. Das Briefgeschäft soll für den Konzern auch in diesem Jahr eine sprudelnde Milliardenquelle sein. Der Vorsteuergewinn in dem von Einsparungen betroffenen Segment soll 2009 1,38 Milliarden Euro erreichen, berichtet die Zeitung "Die Welt" und beruft sich auf Planungen des Vorstandes. Dieses Ergebnis läge zwar 300 Millionen Euro unter dem Vorjahreswert, wäre aber besser als das 25 Prozent schwächere Ergebnis, das Brief-Vorstand Jürgen Gerdes prognostiziert hatte.

Conti größter Gewinner im MDax
Die Conti-Aktie gewinnt im MDax mehr als zwölf Prozent. Grund ist die Aussage des Reifenherstellers und Automobilzulieferers, im zweiten Quartal überraschend ein positives Ergebnis vor Zinsen und Steuern von knapp 39 Millionen Euro erwirtschaftet zu haben. Wie der MDax-Konzern weiter mitteilte, brach allerdings der Umsatz im Jahresvergleich um fast ein Drittel auf 4,76 Milliarden Euro ein. Continental verwies auf den scharfen Sparkurs des Konzerns, betonte aber, dass das Marktumfeld trotz einer leichten Erholung schwierig bleibe.

Rhön-Klinikum enttäuscht
Trotz überraschend gestiegener Gewinnzahlen, notierte die Aktie des Klinikbetreibers Rhön-Klinikum schwächer. Am Morgen hatte das Unternehmen überraschend Halbjahreszahlen vorgelegt. Der Gewinn stieg um 6,3 Prozent auf 65,8 Millionen Euro, teilte das MDax-Unternehmen mit. Der Umsatz erhöhte sich auf 1,14 Milliarden Euro. Die Firma meldete weiter, sie wolle ihr Kapital um rund 460 Millionen Euro erhöhen. Rhön Klinikum hatte bereits mehrfach zuvor angekündigt, für den Kauf neuer Krankenhäuser eine Kapitalerhöhung durchführen zu wollen. Jetzt sollen Aktionäre vom 22. Juli bis zum 4. August die neuen Aktien im Verhältnis drei zu eins angeboten bekommen.

Arcandor will keinen neuen Piepenburg
Nach dem Rücktritt des Generalbevollmächtigten Horst Piepenburg will Arcandor keinen neuen Sanierungsexperten im Auftrag des Vorstands mehr ins Boot holen. Man werde nicht mehr auf die Suche nach einem neuen Generalbevollmächtigten gehen, sagte ein Sprecher des Essener Handels- und Touristikunternehmens am Mittag und bestätigte damit einen Bericht des "Handelsblatts". Nach Informationen der Zeitung will Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick den angeschlagenen Handelskonzern weiter führen. Dem Unternehmen droht nun die Zerschlagung. Aktionäre halten nicht viel von dieser Perspektive. Die Aktie ist der größte Verlierer im MDax.

Deutsche Wohnen geht es besser
Die im SDax notierte Deutsche Wohnen geht gestärkt aus ihrem Restrukturierungsprozess hervor. Deutlich gesunkenen Kosten stünden höhere Mieten und gestiegene Wohnungsverkäufe von 33,4 Millionen Euro gegenüber, teilt das Unternehmen heute mit. Genauere Zahlen will Deutsche Wohnen am 27. August mitteilen. Die Aktie steigt stärker als der Index.

CIT gerettet
Die drohende Pleite der großen US-Bank CIT ist offenbar abgewendet. Wie das "Wall Street Journal" berichtet, hat sich der Mittelstandsfinanzierer mit seinen Gläubigern geeinigt und eine Finanzierung über drei Milliarden Dollar gesichert. Eine Sanierung sei nun auch ohne den Weg über den Gläubigerschutz möglich, schreibt die Zeitung. Ohne die Übereinkunft hätte die Bank schon heute Insolvenz beantragen müssen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 20. August

Konjunktur
Deutschland: Erzeugerpreise 07/18, 8 Uhr
Deutschland: Monatsbericht der Bundesbank 08/08, 12:00 Uhr

Sonstiges:
Treffen der Handelsberater von EU und USA zur Beilegung des Handelsstreits.