Aufwärtsimpulse aus den USA

Stand: 05.11.2009, 20:10 Uhr

Während viele Anleger erst von den US-Arbeitsmarktdaten am morgigen Freitag eindeutige Vorgaben für die weitere Entwicklung an den Märkten erwarten, sorgten bereits überraschend starke Konjunkturdaten aus den USA für eine erste Belebung.

Der Dax beendet den Abendhandel mit einem Aufschlag von gut 45 Punkten (0,83 Prozent) bei 5.487. Deutlich kräftiger nach oben geht es in New York. Dort klettert der Dow Jones-Index bis zum Abend um 1,7 Prozent (rund 170 Punkte) auf 9.970.
Ausgelöst wurde die Rally von überraschend guten Konjunkturzahlen.

Die am Nachmittag bekanntgegebene Produktivität der US-Wirtschaft schnellte im dritten Quartal auf den höchsten Stand seit sechs Jahren hoch. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fiel niedriger aus als befürchtet. Zudem haben auch die robusteren Zahlen des weltgrößten Netzwerkausrüsters Cisco, der als eines der wichtigsten Stimmungsbarometer für die Technologiebranche gilt, zu der Hausse an der Wall Street beigetragen.

Grünes Licht kommt auch von den Notenbanken. Sie halten an der Politik des billigen Geldes fest. EZB-Chef Jean-Claude Trichet bezeichnete das derzeitige Zinsniveau von einem Prozent als angemessen. Die Rückkehr zu positiven Inflationszahlen wird in den kommenden Monaten erwartet. Auch werde sich die Konjunktur in der Eurozone 2010 schrittweise erholen.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,23
Differenz relativ
+0,81%
Münchener Rück: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
184,40
Differenz relativ
+1,32%

Commerzbank größter Verlierer
Das teilverstaatlichte Institut ächzt zunehmend unter faulen Krediten. Die Risikovorsorge kletterte von 993 Millionen im zweiten Quartal auf nunmehr 1,05 Milliarden. Mit einer Entspannung ist erst ab 2011 zu rechnen.

Ergo drückt Münchener Rück
Auch die MüRü-Aktie wird von Quartalszahlen belastet. Der Überschuss des weltgrößten Rückversicherers blieb hinter den Erwartungen zurück. Grund ist eine unerwartet hohe Steuerlast, aber auch Belastungen durch den Erstversicherer Ergo. Händler hoben zudem die leicht gesenkte Gewinnerwartung als tendenziell negativ hervor.

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
13,98
Differenz relativ
+0,47%
Deutsche Post: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
30,56
Differenz relativ
+1,33%

Telekom bekräftigt
Der Bonner Konzern hat dank drastischer Sparmaßnahmen und der Beteiligung an der griechischen OTE Umsatz und Nettoergebnis unerwartet steigern können. Mit Erleichterung nahmen die Anleger auch auf, dass der Vorstand die Prognose für 2009 bekräftigte. Einige Experten hatten nach einem durchwachsenen Halbjahr befürchtet, die Telekom könnte ihre im Frühjahr gesenkten Jahresziele verfehlen. Die Aktie legt deshalb kräftig zu.

Auch Post bessert sich
Es gebe "noch keine Anzeichen einer umfassenden konjunkturellen Erholung", sagte Post-Vorstandschef Frank Appel bei Vorlage der Quartalszahlen. "Weil unser Kostenmanagement Früchte trägt, behaupten wir uns erfolgreich in der Krise." Die Sparanstrengungen müssten aber weiter forciert werden. Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern jetzt ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von mindestens 1,35 Milliarden Euro, statt der zuvor angepeilten 1,2 Milliarden Euro angehoben.

Escada geht an Mittal-Familie
Der insolvente Damenmodehersteller Escada hat heute einen Kauf- und Übertragungsvertrag mit einem Trust der indischen Unternehmerfamilie Mittal unterzeichnet. Durch den Vollzug der Vereinbarung gehen alle wesentlichen zum operativen Geschäftsbetrieb der Escada gehörenden Vermögensgegenstände sowie Anteile an Tochtergesellschaften auf den Trust über. Die operativen Geschäfte sollen weitergeführt werden.

Metro profitiert von Unilever
Die Metro-Aktie profitiert von überraschend positiven Zahlen des Konkurrenten Unilever. Der weltweit drittgrößte Konsumgüterkonzern hat sein Verkaufsvolumen im dritten Quartal um 3,6 Prozent gesteigert und damit die Markterwartungen übertroffen.

ProSiebenSat.1 enttäuscht
Größter Verlierer im MDax ist die ProSiebenSat.1-Aktie. Händler nannten als Grund die stark gesunkenen Umsätze und den hohen Nettoverlust von 12,7 Millionen Euro im dritten Quartal negativ hervor. Auch der weiterhin fehlende Ausblick auf das Gesamtjahr kam am Markt nicht gut an. Um sich vom Werbemarkt unabhängiger zu machen, will der Sender nun nach und nach kostenpflichtige Spartenkanäle aufbauen.

SGL brechen ein
Der Kohlenstoffspezialist erwartet keine rasche Erholung seines Geschäfts. Spätzyklische Branchen wie das Graphit-Geschäft würden erst jetzt von der Krise erfasst, sagte SGL-Chef Robert Koehler. Daher erwarte SGL nun einen weiteren Geschäftsverlauf in etwa auf dem Niveau des ersten Halbjahres 2009, zuvor war das Unternehmen von einem besseren zweiten Halbjahr ausgegangen.

Postbank bleibt 2009 rot
Die Postbank kommt in diesem Jahr nicht mehr aus den roten Zahlen. Der Vorstand erwartet gar weitere Wertberichtigungen und Belastungen durch faule Kredite. Im dritten Quartal schlug besonders die Pleite des US-Mittelstandsfinanzierers CIT negativ zu Buche.

Gildemeister wieder zuversichtlich
Der Werkzeugmaschinenbauer Gildemeister hat zwar unerwartet schwache Zahlen vorgelegt. Konzernchef Rüdiger Kapitza gibt sich dennoch hoffnungsvoll. Er erwartet zum Jahresabschluss Bestellungen von rund 400 Millionen Euro. Für 2010 rechnet er mit einem Plus um zehn bis 15 Prozent. Die Anleger greifen zu.

Wacker Chemie sehr vage
Dagegen bleibt Wacker Chemie bei seiner vagen Prognose für das Gesamtjahr 2009. In der Geschäftsentwicklung im dritten Quartal sieht Konzernchef Rudolf Staudigl jedoch ein "ermutigendes Signal für eine Wende des wirtschaftlichen Umfelds zum Besseren".

Rofin-Sinar an TecDax-Spitze
Die Aktien von Rofin-Sinar sind zeitweise um mehr als 15 Prozent hochgesprungen. Der Laserspezialist hat mit seinen Zahlen zum vierten Geschäftsquartal die Erwartungen der Analysten übertroffen und rechnet mit einer steigenden Nachfrage. Ein Börsianer sprach von "sehr starken Zahlen". Unterm Strich lag der Gewinn im Berichtszeitraum bis Ende September bei 5,3 Millionen Euro, nach einem Verlust von 4,9 Millionen im Vorquartal.

Drägerwerk spart sich reicher
Der Medizintechnik- und Sicherheitstechnikanbieter hat dank seines Sparprogramms und Aufträgen im Zusammenhang mit der Bekämpfung der Schweinegrippe sein Vorsteuerergebnis verbessert. Analysten zufolge ist es aber noch zu früh, um von einer erfolgreichen Restrukturierung zu sprechen. Drägerwerk hob allerdings seine Jahresprognose leicht an und schließt erstmals einen Nettoverlust gänzlich aus.

Software AG mit neuem Ausblick
Auch die Software-Aktie legt kräftig zu. Deutschlands zweitgrößter Softwarehersteller hat im dritten Quartal die Gewinnerwartungen übertroffen und einen neuen Jahresausblick gegeben. Die Darmstädter stellen für 2009 einen Umsatz zwischen 835 und 845 Millionen Euro in Aussicht.

Deutz immer schlechter
Der Kölner Motorenbauer Deutz hat auch im dritten Quartal weiter Verluste eingefahren. Der Ebit-Fehlbetrag erhöhte sich im Jahresvergleich sogar drastisch von 2,4 auf 17,3 Millionen Euro. Damit verfehlte das Traditionsunternehmen die Markterwartungen deutlich.

Singulus mit noch mehr Verlust
Der Spezialmaschinenbauer hat im vergangenen Quartal wegen hoher Abschreibungen mehr Verlust als Umsatz geschrieben. Der Fehlbetrag wuchs auf 41,5 Millionen Euro an. Trotz der zuletzt anhaltenden Auftragsflaute macht Singulus einen Silberstreif am Horizont aus. Angeblich haben erste Großkunden wegen neuer Blu-Ray-Maschinen angeklopft.

Süss MicroTec beruhigt
Das im Prime Standard notierte Unternehmen Süss Microtec, ein Anbieter von Prozess- und Testlösungen für den Halbleitermarkt, hat in den ersten neun Monaten wieder ein ausgeglichenes Ergebnis erwirtschaftet, nach herben Verlusten im Vorjahr. Auch die Nettoliquidität hat sich zum 30.September auf 15,3 Millionen Euro verbessert.

Aus GPC wird Agennix
An der Stelle von GPC Biotech werden künftig Agennix auf dem Kurszettel der Frankfurter Wertpapierbörse stehen. Wie Agennix am Nachmittag mitteilte, wurde die Verschmelzung mit GPC ins Handelsregister eingetragen. Daraufhin sei der Handel mit GPC-Aktien eingestellt worden. Der Handel mit den neuen Aktien mit dem Börsenkürzel AGX wird voraussichtlich am morgigen Freitag aufgenommen.

Biotest spürt Preisverfall
Das im SDax notierte Pharmaunternehmen Biotest bekommt den Preisverfall bei wichtigen Produkten verstärkt zu spüren. Deshalb stieg das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) in den ersten neun Monaten lediglich um drei Prozent auf 45,2 Millionen Euro. Fürs Gesamtjahr rechnet Biotest jetzt mit einem Ergebnis auf Vorjahresniveau von 55 Millionen stagniert.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 16. August

Unternehmen:

Carlsberg: Halbjahreszahlen, 7:00 Uhr
Swisscom: Q2-Zahlen, 7:15 Uhr
Aegon: Halbjahreszahlen, 7:30 Uhr
Wirecard: Halbjahreszahlen (endg.), 7:30 Uhr
Henkel: Q2-Zahlen, 7:30 Uhr
Sixt: Q2-Zahlen (endg.), 7:30 Uhr
Walmart: Q2-Zahlen, 12:00 Uhr
Nvidia: Q2-Zahlen, 22.20 Uhr

Konjunktur
Japan: Handelsbilanz 07/18, 01:50 Uhr
EU: Handelsbilanz 06/08, 11:00 Uhr
USA: Philadelphia Fed Index 08/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Baubeginne und -genehmigungen, 14:30 Uhr