Aufwärts immer, abwärts nimmer!

Stand: 13.10.2008, 20:05 Uhr

Nach dem Absturz der vergangenen Woche wartet auch die neue Börsenwoche mit Superlativen auf. Diesmal geht die Schleuderfahrt nach oben. Sind die Anleger gerettet oder nicht mehr zu retten?

Wer zum Xetra-Schluss gedacht hatte, die Kaufwelle würde abebben, sah sich im späten Parketthndel getäuscht. Der Late-Dax legte dank haussierender US-Börsen noch eine Schippe drauf und schloss bei 5.125 Punkten. Ein denkwürdiges Plus von 13,5 Prozent. Bereits zum Schluss des Computerhandels hatte der Dax mit einem Tageszuwachs von 518 Zählern oder 11,4 Prozent den stärksten Anstieg seiner Geschichte verzeichnet.

Offenbar zeigen die Milliarden-Rettungspakete für den Finanzsektor, die dieseits des Atlantik geschnürt werden nun langsam Wirkung. Dazu kommt offenbar bei vielen Investoren die Hoffnung, dass es dem Ausverkauf an den Börsen in der vergangenen Woche nun ein Boden gefunden sein könnte.

Milliardenpakete unterwegs

Bereits am Freitag soll Bundeskanzlerin Angela Merkel das Rettungspaket für den deutschen Finanzsektor in Kraft treten. Es umfasst einen Bürgschaftsrahmen von 400 Milliarden Euro. Zusätzlich sind bis zu 80 Milliarden Euro für direkte Beteiligungen des Staates an Banken im Haushalt bereit gestellt. Im Gegenzug soll es für Bankinstitute allerdings strenge Auflagen geben. In ersten Stellungnahmen haben die großen deutschen Banken das Paket begrüßt.

Morgan Stanley aus Japan gerettet
Der Dax hatte bereits deutlich im Plus eröffnet und sich am Nachmittag dank fester US-Börsen noch weiter nach oben gearbeitet. Am Nachmittag wurde dann sogar die Marke von 5.000 Punkten zurück erobert. Bis zum Handelsschluss um 20 Uhr notierten auch die US-Börsen massiv in der Pluszone. Der Dow Jones-Index der Standardwerte legte um mehr als sieben Prozent zu. Wie in Deutschland galoppierten auch hier die Banken-Aktien nach vorn. Die Aktie der US-Großbank Morgan Stanley schoss gar um mehr als 60 Prozent nach oben, nachdem bekannt wurde, dass die japanische MFUG dem Institut eine Finanzspritze von neun Milliarden Dollar setzen wird.

HRE und Banken olé
In Deutschland markierte die Aktie der Hypo Real Estate mit knapp 40 Prozent Kurzplus das positive Extrem im Dax. Auch die Versicherer Münchener Rück, Allianz, die Deutsche Börse und die Commerzbank verbuchten klar zweistellige Kurszuwächse. Auch Indexschwergewichte wie ThyssenKrupp und Eon starten eine beispiellose Aufholjagd.

Die Daimler-Aktie könnte von dem Gerücht profitiert haben, dass die ehemalige US-Chrysler vor einer Fusion mit General Motors (GM) steht. GM-Aktien legten in New York ebenfalls massiv zu.

Infineon begehrt
Auch die Aktie des Chip-Herstellers Infineon war am Montag gefragt. Das Unternehmen verkauft seinen Anteil an der Taiwaner Inotera an den US-Konkurrenten Micron. "Der Preis war angesichts des Marktumfelds gut", sagte ein Händler. Bei Qimonda sollen nun zunächst viele Stellen wegfallen.

Volkswagen abgestuft
Als einziger Dax-Wert lag die VW-Aktie am Montag zeitweise im Minus. Nach Händlerangaben hat eine Kurszielsenkung des Titels durch die Citigroup einen Anlass zum Ausstieg für einige Investoren geboten. Die Analysten haben ihr Ziel für den Autobauer von 100 auf 70 Euro zurück genommen. Mit dem derzeitigen Niveau der Aktie haben freilich beide Werte nicht viel zu tun, die VW-Aktie notiert bei 340 Euro.

BMW macht dicht
Wegen der gesunkenen Nachfrage muss auch der Münchner Konzern Ende Oktober seine Produktion drosseln. Damit folgt das Unternehmen der Konkurrenz von VW, Daimler und Opel, die Kürzungen angekündigt haben. Auf die Aktie hatte dies am Montag allerdings keine negativen Auswirkungen.

Kursexplosionen in der zweiten Reihe
Auch in der zweiten und dritten Reihe deutscher Aktien waren am Montag enorme Kursgewinne zu bestaunen. Der MDax gewann wie der Dax rund elf Prozent. Der TecDax nahm ein Plus von mehr als 13 Prozent mit aus Handel, im Kleinwerte-Segment SDax sind es am Ende zehn Prozent. Aktien der geschundenen Aareal Bank im MDax gewannen mehr als 30 Prozent, beim Kaufhauskonzern Arcandor waren es knapp 30 Prozent. Nach Angaben von Marktteilnehmern war bei diesen Titeln die angespannte Kreditsituation zuletzt besonders groß.

Im TecDax tat sich Solarkonzern Conergy mit 32 Prozent Plus hervor. Der SDax sah die Wiederauferstehung von Aktien der IKB und der Beteiligungsgesellschaft Arques , die mehr als 50, bzw. über 40 Prozent Kursplus verbuchten.

Tui zieht Schlussstrich
Rund 18 Prozent Kurszuwachs schafft die Aktie des MDax-Neulings Tui am Montag. Das Unternehmen hat die Mehrheit an der Reederei Hapag- Lloyd an eine Hamburger Investorengruppe verkauft. Tui bleibt über ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Hamburger Konsortium zu einem Drittel an der Containerreederei beteiligt. Der Transaktion liegt ein Unternehmenswert von Hapag-Lloyd einschließlich Schulden von 4,45 Milliarden zugrunde. Nach Angaben des Unternehmens liegt der Buchgewinn durch den Verkauf bei einer Milliarde Euro. Die Nettoverschuldung soll um 3,3 Milliarden Euro sinken.

Deutz im Abseits
Der Motorenbauer hat seinen Ausblick für das 2008 wegen einer deutlich schwächeren Auftragslage zurück genommen. Deutz rechnet mit weniger verkauften Motoren als im Vorjahr. Die Umsatzrendite vor Zinsen und Steuern (Ebit-Marge) soll nur noch rund zwei Prozent liegen statt der zuletzt prognostizierten sechs Prozent. Außerdem soll der Umsatz nur noch um maximal zwei Prozent wachsen. Bisher hatte das Unternehmen ungefähr fünf Prozent prognostiziert. Die Aktie gehörte im SDax zu den wenigen klaren Verlierern.

HCI rechnet mit Verlusten
Der Fondsanbieter HCI Capital hat zum zweiten Mal im laufenden Jahr seine Prognose nach unten korrigiert. Das Unternehmen rechnet 2008 nun mit einem Verlust von neun bis 13 Millionen Euro. Bisher hatte das SDax-Mitglied ein ausgeglichenes Ergebnis in Aussicht gestellt. Auch die Prognose für das platzierte Eigenkapital von bisher 880 Millionen Euro ist hinfällig. Das Hamburger Unternehmen rechnet nun nur noch mit 650 bis 750 Millionen Euro. Die Aktien des SDax-Unternehmens schlossen dennoch deutlich im Plus, ebenso wie die des Mutterkonzerns MPC.

Pulsion mit Gewinnwarnung
Der Medizindienstleister aus dem Prime Standard muss ein "enttäuschendes" drittes Quartal bilanzieren. Der Umsatz rutschte gegenüber dem Vorjahr um zwei Prozent ab, das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) wird nur mit Mühe in der Pluszone bleiben. Auf Gesamtjahressicht rechnet das Unternehmen nicht mehr damit, die Vorjahreswerte beim Ergebnis erreichen zu können. Die Aktie verlor zweistellig.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr