Aufkeimende Hoffnung

Stand: 06.08.2007, 20:05 Uhr

Ein winziges Plus rettete der Dax am Montag aus dem Computerhandel, am Abend wurden die Zuwächse schon größer. Die US-Börsen schienen die Hypothekenkrise erst einmal auszublenden und kletterten unverdrossen.

Bis zum Ende des deutschen Parketthandels um 20 Uhr hatte der Dow Jones-Index rund ein halbes Prozent zugelegt. Auch die Computerbörse Nasdaq schaffte den Sprung in die Pluszone. Die verbliebenen Anleger in Deutschland ließen sich nicht lange bitten, und beförderten den "Late-Dax" noch etwa ein halbes Prozent nach oben.

Ob der Abwärtstrend an den Weltbörsen gestoppt oder nur unterbrochen ist, werden erst die nächsten Handelstage zeigen. Am Vortag der US-Zinsentscheidung in den USA schaffte Wall Street - zumindest bis zum Ende des deutschen Handels - wieder einmal ein deutliches Plus.

Ölpreis im Rückwärtsgang

Dabei reißen die schlechten Nachrichten im Zusammenhang mit US-Immobilienkrediten nicht ab: Zum Wochenstart musste der US-Baufinanzierer American Home Mortgage (AHM) auch offiziell seine Pleite erklären. Immerhin gibt es eine kleine Entwarnung von der Ölfront: Der Preis für ein Barrel US-Leichtöl fiel am Montag um mehr als zwei Dollar auf 72,82 Dollar. Allerdings wird ein Rückgang des Rohstoffpreises in Zusammenhang mit einer schwächeren US-Wirtschaft gebracht.

Merck hoch-gelobt
Die Aktie des Darmstädter Pharmakonzerns Merck schaffte einen Kurszuwachs von knapp vier Prozent. Dies führten Händler einerseits auf eine "technische Erholung" bei dem Papier zurück. Zudem beflügelte ein positiver Kommentar der Investmentbank Cowen & Co., die den Titel auf "Outperform" hochgestuft hatte.

Infineon verliert CFO
Der Chip-Hersteller gab am Nachmittag die sofortige Trennung von Finanzvorstand Rüdiger Günther bekannt, wegen "nicht zu überbrückenden Differenzen", wie es hieß. Nun soll sein Vorgänger, Peter Fischl, aus dem Ruhestand reaktiviert werden. Infineon hatte am Morgen gemeldet, die Mehrheit an seiner konjunkturanfälligen Speicherchiptochter Qimonda innerhalb der kommenden anderthalb Jahre endgültig loswerden zu wollen. Bis zur Hauptversammlung 2009 solle die Beteiligung auf "deutlich unter 50 Prozent" reduziert werden. Die Infineon-Aktie schloss den Handel knapp vier Prozent im Minus.

Neuer Besitzer, neuer Chef bei Chrysler
Ebenfalls deutlich im Minus fand sich die DaimlerChrysler-Aktie wieder. Wie die ehemalige US-Tochter Chrysler mitteilte, steht dort ein Führungswechsel an: Tom LaSorda wird durch den ehemaligen Home Depot-Manager Robert Nardelli abgelöst. Der soll offenbar dabei helfen, den Absatz des Autobauers wieder anzukurbeln. Daimler hatte die US-Tochter Chrysler an den Finanzinvestor Cerberus verkauft.

BASF freut sich über Nachfrage
Der Chemiekonzern will seine Kapazitäten für ein Konservierungsmittel sowohl in China als auch am Stammsitz in Ludwigshafen deutlich ausbauen. Die steigende Nachfrage nach seinen Produkten, wurde auch mit einer steigenden Nachfrage nach BASF-Aktien belohnt, die am Montag knapp zwei Prozent zulegten.

MüRü meldet Gewinnsteigerung
Nur leichte Kursgewinne erreichte die Münchener Rück-Aktie am Montag. Dabei hatte der Konzern am Morgen einen Milliardengewinn für das zweite Quartal gemeldet. Der weltweit zweitgrößte Rückversicherungskonzern verdiente mit 1,535 Milliarden Euro mehr als erwartet. Gerechnet hatten die Analysten mit 1,51 Milliarden Euro. Der Konzern erhöhte auch seine Jahresprognose, die Aktie gewann ein halbes Prozent.

IKB-Aktie rappelt sich hoch
Im MDax stach am Montag die IKB-Aktie mit knapp zehn Prozent Kursplus heraus. Das bisher einzige Opfer der Hypothekenkrise in Deutschland erfreut sich nach einem Crash der Aktie nun wieder steigender Beliebtheit und legt um mehr als zwölf Prozent zu. Nach Auskunft von Marktteilnehmern könnte das Papier "das Gröbste" hinter sich haben. Zudem werde darauf spekuliert, dass die Großaktionärin KfW ihre Beteiligung an der IKB bald zum Verkauf stellen könne.

HeidelbergCement verfehlt Erwartungen
HeidelbergCement erhöhte ebenfalls das operative Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr. Im zweiten Quartal erwirtschaftete der größte deutsche Zementkonzern seinen Überschuss um etwa 70 Millionen Euro auf 691 Millionen Euro. Analysten hatten allerdings mit deutlich mehr Gewinn gerechnet, die Aktie verlor mehr als vier Prozent.

Gewinnmitnahmen bei Manz Automation
Der Technikanbieter für die Photovoltaik- und LCD-Industrie erzielte im ersten Halbjahr einen Umsatz von 28 Millionen Euro, nach 20 Millionen vor einem Jahr. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern kletterte um 63 Prozent auf 3,88 Millionen Euro. Manz verwies angesichts der positiven Geschäftsentwicklung auf die wachstumsstarke Solarbranche. Die Aktie büßte trotzdem nach Gewinnmitnahmen mehr als acht Prozent ein.

Curanum-Aktie unter Druck
Wegen der "unerwartet negativen Entwicklung im zweiten Quartal" hat der Pflegeheimbetreiber Curanum seine Geschäftsprognose gekappt. Der Überschuss im Jahr 2007 werde vermutlich nur 7,5 bis 9,6 Millionen Euro betragen, meldete das SDax-Unternehmen am Montagmorgen. Bisher hatte das Unternehmen zwölf Millionen Euro Gewinn in Aussicht gestellt. Die Aktie rutschte am Montag um mehr als 20 Prozent nach unten.

Bankenmonopoly um ABN Amro
Der Kampf um die niederländische Großbank geht weiter. Am Montag haben sich die Aktionäre des Finanzkonzerns Fortis mit großer Mehrheit für die Übernahme von ABN ausgesprochen. Gleichzeitig hat die britische Barcleys Bank eine offizielle Offerte in Höhe von 67 Milliarden Euro vorgelegt. Spätestens am 20. September wird Klarheit über die Zukunft des niederländischen Instituts herrschen; dann nämlich stimmen die Aktionäre von ABN über die beiden konkurrierenden Angebote ab.

Tagestermine am Dienstag, 20. November

Unternehmen:
Dermapharm: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Westwing: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Easyjet: Jahreszahlen, 8 Uhr
Porsche Automobil Holding: Q3-Zahlen
The Gap: Q3-Zahlen
BASF: Pressekonferenz zu aktuellen Entwicklungen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise gewerbliche Produkte, 8 Uhr
Deutschland: Baugenehmigungen, 8 Uhr
USA: Baubeginne, -genehmigungen, 14.30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"