Aufholjagd geht weiter

Stand: 17.03.2010, 20:02 Uhr

Seit seinem Tief Anfang Februar hat der Dax mehr als zehn Prozent zugelegt. Auch heute steigt das Börsenbarometer weiter und klettert dabei erstmals seit Jahresbeginn über die Marke von 6.000 Punkten. Ist damit bald das Ende der Fahnenstange erreicht?

Der Dax habe durchaus Chancen das Jahreshoch von 6094 Punkten zu knacken, meinen Börsianer. Sollte der Leitindex diesen Wert vom Januar tatsächlich erreichen, könnte das nochmals einen ordentlichen Schub auslösen. Stützend wirke derzeit, dass die Börse gerade in die Hochzeit der Dividendensaison eintrete, die in diesem Jahr teils sehr attraktive Renditen verspreche. Allerdings benötige der Leitindex dafür die Hilfe der amerikanischen Börsen.

Danach dürfte es aber nach Einschätzung von Charttechnikern zu einer Konsolidierung kommen. Dabei könnte es Rückschläge bis auf das Oktoberhoch bei 5.888 Punkten geben. Wichtige Unterstützungslinien lägen auch bei 5.800 und 5.750/5.730 Punkten.

Im Abendhandel setzt der Dax seine Aufholjagd fort und schließt 54 Punkte höher als gestern bei 6.027. Gestützt wurde der Markt heute von der Wall Street. Dort klettert der Dow-Jones-Index bis zum Handelsschluss in Frankfurt um rund 50 Punkte auf 10.732, nachdem er zuvor schon fast 80 Punkte dazu gewonnen hatte. Händler verweisen auf die jüngste Entscheidung der Notenbanken, die Zinsen vorerst unangetastet zu lassen. Zudem will die japanische Notenbank, weitere Milliarden in den Finanzkreislauf pumpen. Sie verdoppelte heute ihre im Dezember eingerichtete Liquiditätshilfe für die Banken auf 20 Billionen Yen (rund 160 Milliarden Euro).

Siemens weckt Fantasie
Zweitgrößter Dax-Gewinner hinter MAN ist die Siemens-Aktie. Berichten zufolge will Konzernchef Peter Löscher eine vierstellige Zahl von Stellen der IT-Sparte SIS abbauen, um sie auf einen Verkauf vorzubereiten. "SIS wird zwar nicht zum ersten Mal neu ausgerichtet und die Börsenpläne sind alles andere als neu, die Aussicht auf einen baldigen Börsengang passt jedoch genau zur aktuell positiven Börsenstimmung", kommentierte ein Marktbeobachter.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
82,67
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BMW: Aktionäre wenig begeistert
Die von BMW vorgelegten Wachstumspläne stoßen bei Anlegern auf keine Gegenliebe. Das Unternehmen will zwar nach zwei Jahren mit schmalen Gewinnen deutlich mehr Geld verdienen. In diesem Jahr sollen mehr als 1,3 Millionen Fahrzeuge verkauft und ein besseres Ergebnis erzielt werden. Zuwächse soll es vor allem in Asien geben. Doch noch ist kein Ende der allgemeinen Absatzkrise in Sicht.

Telekom-Pläne begeistern wenig
Die Pläne der Deutschen Telekom in den nächsten fünf Jahren in neuen Wachstumsfeldern den Umsatzschwund im traditionellen Telefon-Geschäft zu kompensieren, stoßen bei den Anlegern auf taube Ohren. Die Aktie schließt nur mit einem hauchdünnen Plus. Der Konzern will vor allem in den Bereichen mobiles Internet, Breitband-Versorgung und IT-Dienstleistungen wachsen, sagte Telekom-Chef Rene Obermann.

Verkaufsgerüchte drücken Metro
Spekulationen um Anteilsverkäufe durch Großaktionär Otto Beisheim haben die Aktie von Metro belastet und ans Dax-Ende geschoben. Die Papiere verlieren mehr als zwei Prozent. Die Titel waren so billig wie seit knapp zwei Jahren nicht mehr. "Angeblich will Beisheim seine Beteiligung von derzeit rund 13 Prozent zurückfahren, es gibt aber keine Details", sagte ein Börsianer. Ein Sprecher der Beisheim-Gruppe wollte sich zu dem Gerücht nicht äußern.

Unicredit überrascht
Unerwartet starke Quartalszahlen lassen die Aktien der Unicredit kräftig steigen. Die Papiere steigen zeitweise um mehr als sieben Prozent. Damit sind sie mit Abstand die größten Gewinner im EuroStoxx 50. Analyst Matthias Dürr von der DZ Bank bestätigt die Aktie mit "Kaufen". Das Konzernnettoergebnis der italienischen Bank im vierten Quartal habe sowohl die Markterwartungen als auch seine eigenen übertroffen. Der Hauptgrund seien niedrigere Kosten und eine geringere Risikovorsorge gewesen.

Porsche enttäuscht
Die Porsche-Aktie muss dagegen Federn lassen. Das Unternehmen hat laut LBBW-Analyst Frank Biller die Erwartungen beim operativen Ergebnis und auch bei der Nettoverschuldung verfehlt. Auch die Commerzbank belässt ihr Urteil auf "Reduce". Porsche hat in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2009/10 ein operatives Ergebnis von 329 Millionen Euro erreicht, knapp 40 Millionen weniger als erwartet.

Reitzle redet Linde hoch
Die Aktie des Industriegasekonzerns Linde profitiert dagegen von den optimistischen Aussagen ihres Vorstandschefs Wolfgang Reitzle. Der erwartet, mit Blick auf die aktuellen Konjunkturprognosen, im Geschäftsjahr 2010 den Konzernumsatz und das Konzernergebnis im Vergleich zum Vorjahr zu steiger. Die Dividende für 2009 will der Konzern mit 1,80 Euro je Aktie stabil halten.

Solon atmet etwas auf
Die Aktien des Berliner Solarmodulherstellers Solon sind heute zeitweise um mehr als zehn Prozent in die Höhe gesprungen, nachdem bekannt wurde, dass das Unternehmen vom Bund und den Ländern Berlin und Mecklenburg-Vorpommern eine Ausfallbürgschaft in Höhe von 146 Millionen Euro bekommt. Die Bürgschaft diene dazu, das im vergangenen Jahr eingeleitete Restrukturierungsprogramm abzusichern und die Konzernfinanzen neu zu ordnen. Bis zum Handelsschluss muss die Aktie einen Großteil ihrer Gewinne wieder abgeben.

SMA-Finanzchef ist zurück
Trotz eines gegen ihn laufenden Ermittlungsverfahrens hat SMA-Finanzvorstand Pierre-Pascal Urbon seine Arbeit beim Solartechnikkonzern wieder aufgenommen. Er habe seinen Urlaub beendet, den er vor fünf Wochen angetreten hatte, wie SMA mitteilte. Vorstand und Aufsichtsrat begrüßten seine Rückkehr und gingen weiter von der Unschuldsvermutung aus, hieß es. Urbon war Firmenangaben zufolge "im privaten Bereich" ins Visier der Behörden geraten. Die Aktie legt kräftig zu.

Dürr macht Hoffnung
Der Anlagenbauer Dürr rechnet wieder mit einem anziehenden Geschäft, nach Verlusten im vergangenen Jahr. Laut Vorstandschef Ralf Dieter dürfte der Umsatz um sieben Prozent steigen. Beim Nachsteuerergebnis erwartet der Lackierspezialist eine schwarze Null. Rückenwind verspricht sich der Autozulieferer nun vom gut laufenden Chinageschäft. Die Anleger reagieren vorsichtig. Die im SDax notierte Aktie bleibt unverändert.

Lanxess trotz Optimismus unter Druck
Die Aktie des im MDax notierten Spezialchemiekonzerns Lanxess notiert trotz eines optimistischen Ausblicks der Unternehmensführung im Minus. Nach dem Nachfrageeinbruch 2009 erwartet Lanxess für 2010 ein deutlich verbessertes Ergebnis. Im Laufe des Jahres werde die Prognose wie branchenüblich noch präzisiert. Der Konzern setzte dank starker Geschäfte in Asien sowie einer hohen Nachfrage im Kautschuk-Geschäft im vierten Quartal seine Erholung fort.

Wirecard am TecDax-Ende
Unter Druck geraten ist die Aktie des Zahlungsverkehrsabwicklers Wirecard. Auslöser waren Händlern zufolge Vorwürfe gegen eine Privatperson, die angeblich illegal Millionen Dollar über die Wirecard-Banktochter transferiert haben soll. Wirecard wies die Behauptungen zurück und sagte, es gebe lediglich Verwürfe gegen eine Privatperson, die aber mit Wirecard nichts zu tun habe.

Drägerwerk schüttet mehr aus
Der Medizin- und Sicherheitstechnik-Unternehmen Drägerwerk erhöht die Dividende trotz des letztjährigen Gewinneinbruchs. Die Ausschüttung legt von 0,35 auf 0,40 Euro je Vorzugsaktie zu. Die Aktie reagiert kaum.

DBAG kann sich freuen
Die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) ist im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2009/10 in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Der Quartalsgewinn lag bei 9,3 Millionen Euro nach einem Vorjahresverlust in ähnlicher Höhe. Hauptgrund für den Ergebnisumschwung war der Kursanstieg der wichtigsten Beteiligung, des SDax-Mitglieds Homag. Die Aktie der DBAG kann davon allerdings nicht profitieren.

Amadeus kommt gut an
Das Zeitarbeitsunternehmen Amadeus Fire kommt kurz vor der Wiederaufnahme in den SDax bei den Anlegern gut an. Der Grund: Das Unternehmen will eine Dividende je Aktie von 1,45 Euro zahlen. Zeitweise stiegen die Papiere sogar um bis zu acht Prozent, mussten einen Großteil ihrer Gewinne dann aber wieder abgeben.

Elmos wieder optimistisch
Nach einem Verlust von 12,2 Millionen Euro im vergangenen Jahr sieht sich der Halbleiterhersteller Elmos 2010 wieder auf dem Weg der Besserung. Für das Gesamtjahr erwartet das Unternehmen ein Umsatzwachstum von über 15 Prozent. Das Ebit und der Cash Flow sollen 2010 positiv sein. Zudem werden die Investitionen im Verhältnis zum Umsatz deutlich niedriger ausfallen als 2009.
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A.S. Creation abgestraft
In die entgegengesetzte Richtung entwickeln sich die Papiere des Tapetenherstellers A.S. Creation aus dem Prime Standard. Der Gewinn des Unternehmens ist um 16 Prozent auf 7,5 Millionen Euro gesunken, die Dividende wird von 1,40 auf 1,20 Euro gekürzt. Für 2010 erwartet A.S. Creation einen Umsatzanstieg, eine Ergebnisprognose traut man sich aber nicht zu.

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