Aufbruchstimmung Fehlanzeige

Stand: 20.01.2009, 19:58 Uhr

Die Hoffnungen der Welt richten sich auf den neuen US-Präsidenten Barack Obama. An der Börse ist Hoffnung am Tag der Amtsübernahme Mangelware, die Kurse an Wall Street sinken weiter.

"Die entscheidende Frage ist jetzt, was Obama nun genau zur Rettung der Konjunktur tut", sagte ein Händler kurz nach der feierlichen Amtseinführung des US-Präsidenten. Auf dem Börsenparkett herrscht angesichts der Probleme der US- und Weltwirtschaft eher Tristesse als Aufbruchsstimmung vor.

Zum Schluss des deutschen Parketthandels hatte der Dow Jones-Index der US-Standardwerte seine Verluste sogar noch auf zwei Prozent ausgeweitet. Der Late-Dax schloss annähernd auf dem Niveau des Computerhandels und damit rund 1,7 Prozent unter dem Vortagesstand.

Neue Einschläge im Bankensektor

Nach erneuten Hiobsbotschaften aus dem Bankensektor kamen in den USA fast alle Branchenvertreter unter Druck. Überraschend schlechte Quartalzahlen der US-Bank State Street und eine Senkung der Bonität der Bank of Amercia durch die Ratingagentur Moody's sorgten für neue Kursturbulenzen. Auch Papiere der Commerzbank, der Deutschen Bank und der Allianz bauten im späten deutschen Handel ihre Verluste auf fünf bis sechs Prozent aus.

Autoaktien unter Kurzarbeits-Stress
Deutliche Verluste auch bei den Aktien der Autokonzerne. Auf die Absatzkrise im Auto-Geschäft hat nun auch VW mit Arbeitszeitmaßnahmen reagiert. Wie VW am Dienstag mitteilte, sind zwei Drittel der 92.000 Beschäftigen in Deutschland im Zeitraum vom 23. bis 27. Februar von Kurzarbeit betroffen. Zuvor hatte bereits BMW für 26.000 Mitarbeiter Kurzarbeit bekannt gegeben. Auch beim Lkw-Konzern MAN stehen Arbeitsmaßnahmen an. Für die Standorte München, Nürnberg und Salzgitter seien 42 Schließtage im ersten Halbjahr vereinbart worden, hieß es dazu.

Metro spart - Aktie wird belohnt
Die Sparpläne des Handelskonzerns verhalfen der Metro-Aktie einsam an die Dax-Spitze, die Aktie schloss mehr als sieben Prozent im Plus. Das Management will den Konzern tiefgehend umzustrukturieren und massiv sparen. In den kommenden Jahren sollen dazu unter anderem 15.000 der weltweit 300.000 Stellen abgebaut werden. Zudem sollen der Großhandel Cash & Carry, die Elektronikmärkte Media Markt und Saturn, die Lebensmittelkette Real und die Kaufhof-Warenhäuser künftig die Verantwortung für ihr operatives Geschäft übernehmen. Damit sollen "bis 2012 und darüber hinaus" 1,5 Milliarden Euro eingespart werden.

Telekom vergoldet "letzte Meile"
Als vergleichsweise krisenresistente Aktie erwies sich am Dienstag wieder einmal die T-Aktie, die gegen den Trend ein Prozent zulegt. Das Unternehmen will die Preise für die "letzte Meile" im Telekomnetz von 10,50 auf 13 Euro anheben, so Telekom in einer Pressemitteilung am Dienstag. Ein entsprechender Antrag sei an die Bundesnetzagentur unterwegs.

Infineon und Deutsche Börse am Ende
Die größten Dax-Verlierer waren am Dienstag die Aktien von Infineon und der Deutschen Börse, die zwölf, bzw. acht Prozent einbüßten. Kursbewegende Nachrichten aus den Unternehmen gab es dazu am Dienstag nicht.

SAP bleibt Prognose schuldig
Laut einem Medienbericht wird Henning Kagermann als Co-Chef des Software-Riesen bereits Ende Januar abtreten. Die Nachricht war am Dienstag nicht die einzige, die Beobachter verunsicherte. Laut dem Magazin "Capital" wird SAP auf der Bilanzpressekonferenz am 28. Januar keine konkrete Umsatzprognose abgeben. Die Aktie rutschte um 2,5 Prozent ins Minus.

K+S-Aktie sinkt mit Düngerpreisen
Um fünf Prozent bergab ging es mit den Papieren die Düngemittel-Konzerns. Die K+S-Aktie verliert, nachdem Analysten von JP Morgan die Titel auf "neutral" von zuvor "übergewichten" herab gestuft hatten. Das Kurzziel wurde von 70 auf 50 Euro gesenkt. Zur Begründung wurden sinkende Düngemittelpreise angeführt.

RWE wärmt sich bei Exxon auf
Mit kleinen Verlusten schlug sich die Aktie des Versorgers. RWE übernimmt nach eigenen Angaben das "Wärmegeschäft" des Ölmultis Exxon in Deutschland und will damit sein Nah- und Fernwärmegeschäft "deutlich steigern". Exxon versorgt hierzulande 70.000 Haushalte mit Wärme und hat 2007 rund 80 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet.

Schaeffler nimmt Conti-AR ins Visier
Die Aktie des Reifenherstellers und Autozulieferers Continental legt rund ein Prozent zu. Großaktionär Schaeffler hat am Dienstag Aufsichtsrats des Automobilzulieferers, Hubertus von Grünberg, zum Rücktritt aufgefordert. Dieser habe "gemeinsame Lösungen" im Unternehmensverbund "systematisch sabotiert". Laut Händleraussage kommt nun ein wenig Fantasie wegen einem möglichen Gewinnabführungs-Vertrag in die Conti-Aktie.

Fiat und Chrysler vor Notehe
Der italienische Autokonzern Fiat und der amerikanische Hersteller Chrysler wollen zusammenarbeiten. Wie Chrysler inzwischen bestätigt hat, soll Fiat dazu in einem ersten Schritt 35 Prozent der ehemaligen Daimler-Tochter übernehmen. Chrysler soll dafür Zugang zur Fiat-Technologie erhalten. Die Aktie von Daimler profitierte am Dienstag von der Nachricht und legte 2,5 Prozent zu. Die Deutschen sind noch mit 20 Prozent an Chrysler beteiligt.

Wincor ex Dividende
Vor allem optisch fällt der Kursverlust von WincorNixdorf im MDax auf. Die Aktie wird am Dienstag allerdings mit einem Dividendenabschlag von 2,13 Euro je Aktie gehandelt. Am Vortag hatte der Titel noch rund acht Prozent zugelegt, nachdem das Unternehmen gute Quartalszahlen präsentiert hatte.

Pfleiderer will die Krise nutzen
Der Holzverarbeiter aus dem MDax will in der Wirtschaftskrise angeschlagene Konkurrenten kaufen. Das sagte Vorstandschef Hans Overdiek der Nachrichtenagentur Reuters. Dazu habe man neben Kreditlinien über 600 Millionen Euro auch "gut gefüllte Kassen". Die Aktie legte am Dienstag mehr als zwei Prozent zu.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
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USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
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