Auf Vier-Wochen-Hoch

Lothar Gries

Stand: 10.12.2008, 20:05 Uhr

Für die Anleger kommt es knüppeldick. Nach den dramatischen Kursverlusten der letzten Monate müssen sie sich nun auf einen Ausfall der Dividenden einstellen. Doch die Hoffnung auf Besserung ist ungebrochen. Das verhilft dem Dax auch am Abend zu einem weiteren Plus.

Im Abendhandel verfehlt der Leitindex nur knapp die Marke von 4800 Punkten. Der Dax legt dennoch 44 Zähler oder 0,93 Prozent höher als gestern und erreicht mit 4791 Punkten den höchsten Stand seit vier Wochen. Damit hat der Index binnen drei Handelstagen knapp zehn Prozent zugelegt.

Gedämpft wurde der Anstieg am Abend durch die anhaltende Unsicherheit im Ringen um das Rettungspaket für die US-Autoindustrie. Tatsächlich ist die Zukunft der Hersteller GM, Ford und Chrysler trotz der grundsätzlichen Einigung über milliardenschwere Hilfen noch immer ungewiss. Die besonders kritische Abstimmung des Rettungspakets im Senat wird nun erst am Samstag erwartet.

Der zwischen der Demokratischen Partei und der republikanischen Regierung abgestimmte Entwurf sollte Kongressmitgliedern zufolge zwar noch heute dem Repräsentantenhaus vorgelegt werden, in dem die Demokraten eine sichere Mehrheit haben. Unterhändler machten aber verschiedene Angaben zum Stand der Gespräche. Zum Handelsschluss in Frankfurt um 20 Uhr hatte der Dow Jones Index wegen der anhaltenden Unsicherheit sogar ins Minus gedreht, nachdem er am Nachmittag mit deutlichen Gewinnen gestartet war.

In Frankfurt waren besonders die Aktien von Adidas, HRE und MAN gefragt, ohne dass es zu diesen Werten kurrelevanten Nachrichten gab.

Größter Verlierer im Dax ist die Aktie von Infineon, dicht gefolgt von SAP. Auch die Titel der Deutschen Börse verlieren überdurchschnittlich. Grund ist eine Herabstufung durch Merrill Lynch. Deren Analysten haben das Kursziel des Börsenbetreibers von 80 auf 73 Euro angepasst.

SAP macht Rückzieher
Der Aufstand der deutschen Mittelstandskunden hat den Softwarehersteller SAP in die Knie gezwungen. Die Walldorfer bieten ihren Kunden weiterhin die Standardwartung an und verzichten auf den Zwangswechsel zum teureren Premiumservice. Bereits im Sommer hatte SAP 50 bis 60 Prozent der Kunden in Deutschland und Österreich die Verträge für Standardwartung gekündigt und für das Enterprise-Wartungspaket einen Preisanstieg von 17 auf 22 Prozent der Lizenzgebühren gefordert. Doch erst im Herbst bildete sich in Internet-Foren der SAP-Kunden der Widerstand, der SAP zur Aufgabe zwang. Die Aktie verliert 3,57 Prozent.

TUI will keine Dividende zahlen
Der Reise- und Schifffahrtkonzern TUI rechnet für das laufende Jahr wegen hoher Umstrukturierungskosten nur noch mit einem leicht positiven Nettoergebnis und will deshalb die Dividende ausfallen lassen. Über eine mögliche Sonderdividende aus dem Verkauf der Container-Reederei Hapag-Lloyd solle nach Vorliegen des Jahresabschlusses für 2009 entschieden werden, teilte der im MDax notierte Konzern am Abend mit. Die Aktionäre sollten wie bereits angekündigt angemessen am Erlös beteiligt werden. Bei dem um Sondereffekte bereinigten operativen Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf Unternehmenswerte (EBITA) rechnet das Unternehmen im Jahr 2008 weiterhin mit einer Steigerung.

EU und Berlin einig über Banken-Paket
Der Streit zwischen der Bundesregierung und der EU-Kommission über das deutsche Banken-Rettungspaket ist beigelegt. Nach Angaben des Finanzministeriums sind die letzten noch offenen Fragen geklärt. Mit einer endgültigen Genehmigung des nationalen Rettungsplanes von bis zu 480 Milliarden Euro in den nächsten Tagen sei auch der Weg frei für eine rasche Lösung im Fall der Staatshilfen für die Commerzbank, sagte eine Sprecherin. Ein Sprecher von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes bestätigte in Brüssel, man sei vorangekommen. Die Aktien der Commerzbank verlieren dennoch leicht.

Walter zieht nicht in Commerzbank-Vorstand
Dresdner-Bank-Chef Herbert Walter hat im Hinblick auf den für Januar beabsichtigten vollständigen Erwerb der Dresdner Bank durch die Commerzbank darum gebeten, mit der Mehrheitsübernahme von seinen Aufgaben als Vorstandschef der Dresdner Bank entbunden zu werden, teilte die Frankfurter Großbank am Nachmittag mit. Es sei vorgesehen, dass dann Commerzbank-Chef Martin Blessing den Vorstandsvorsitz der Dresdner Bank bis zur Verschmelzung beider Häuser übernehme. Walter werde entgegen der ursprünglichen Planung auch nicht in den Vorstand der Commerzbank eintreten. Walter sollte als einziger Top-Banker der Dresdner in den Vorstand der Commerzbank einziehen.

Continental streicht Dividende
Der vor der Übernahme durch das Familienunternehmen Schaeffler stehende Automobilzulieferer Continental hat die Gewinnprognose gesenkt und will die Dividende streichen. Damit soll der Abbau der Schulden erleichtert werden. Für 2007 hatte Conti noch eine Dividende von zwei Euro pro Aktie gezahlt. Auf Basis der jetzt vorliegenden Daten wird für das aktuelle Geschäftsjahr 2008 eine Ebit-Marge von 7,5 bis 8,0 Prozent als erreichbar angesehen.

Infineon vermeldet Kurzarbeit
Der Chipkonzern schickt die rund 2.400 Beschäftigten seines Regensburger Werkes Anfang 2009 für ein halbes Jahr in Kurzarbeit. Mit dem Schritt reagiert der Konzern auf die anhaltende Marktschwäche. Der Infineon-Vorstand hatte kürzlich nicht ausgeschlossen, dass auch andere Standorte von Kurzarbeit betroffen sein könnten. Der frühere Infineon-Chef Ulrich Schumacher wies derweil Spekulationen um einen Einstieg seines chinesischen Arbeitgebers Grace bei Qimonda zurück. "Wir werden uns nicht am Geschäft mit Standard-Speicherchips beteiligen", sagte der Manager. Ein Einstieg bei Qimonda komme nicht infrage. Die Aktien von Infineon können ihre Talfahrt vorerst stoppen.

Swatch brechen ein
Die Aktien der Swatch Group sind im Handelsverlauf zunehmend unter Druck geraten. Händler berichten von teilweise aggressiven Verkäufen durch ausländische Marktteilnehmer. Auslöser seien mehrere negative Studien zum europäischen Luxusgütersektor und insbesondere eine belastende Studie über Swatch von der US-Investmentbank Morgan Stanley.

Gerresheimer bestätigt Prognose
Das an der Börse unter Druck geratene SDax-Unternehmen hat am Nachmittag die Prognose für dieses Jahr bestätigt. Danach erwartet Gerresheimer unverändert einen Umsatzwachstum von neun bis elf Prozent und eine adjusted Ebitda-Marge von 19,5 Prozent. Auch im kommenden Jahr erwartet der Verpackungshersteller einen weiteren Umsatzanstieg. Die am Nachmittag um mehr als 23 Prozent eingebrochene Aktie konnte die Verluste bis zum Börsenschluss etwas verringern.. Negative Studien von Analysten hatten die Titel ins Minus gedrückt.

Sorgen am Modehimmel
Im MDax gehören Hugo Boss zu den größten Verlierern. Die Titel sacken um über drei Prozent ab. Händler verwiesen auf Sorgen um die Modebranche, die zuletzt von Escada geschürt worden waren. Der "Focus" hatte zum Wochenstart berichtet, dass der Modekonzern mit Banken im Gespräch über Finanzierungsmöglichkeiten stehe, da Liquiditätsprobleme bestünden. Auch wenn Escada diesen Bericht dementiert habe, blieben am Markt doch Unsicherheiten zurück.

Q-Cells auf 'Sell' herabgestuft
Die Aktien von Q-Cells sind nach der überraschenden Gewinnwarnung von gestern weiter unter Druck und verlieren mehr als vier Prozent. Heute werden die Titel von der ING von "Hold" auf "Sell" abgestuft und das Kursziel von 41,00 auf 19,60 Euro mehr als halbiert. Die Dynamik im Solarsektor beginne stark nachzulassen, schrieb Analyst Pierric Masson in einer am Mittag vorgelegten Studie. Auch wenn Risiken für den gesamten Erneuerbare-Energien-Markt existierten, sei die etwas ausgereiftere Windenergie-Branche doch zu favorisieren, so der Experte. Anders als Q-Cells erwarte er nicht, dass der Markt sich im zweiten Halbjahr wieder berappeln werde.

HeidelbergCement mit Merckle-Bonus
Mit einem Kursanstieg von über 20 Prozent ist die Aktie der Heidelberg Cement der mit Abstand beste Wert im MDax. Grund ist die Hoffnung auf eine baldige Einigung ihres Großaktionärs Adolf Merckle mit den Banken. Der in Finanznöte geratene Unternehmer will Anteile an seinen Beteiligungen wie HeidelbergCement, Ratiopharm und Phoenix als Sicherheit andienen. "Das könnte Bedenken über einen möglichen Verkauf vertreiben und den Aktienkurs stabilisieren", urteilte Heino Ruland von FrankfurtFinanz.

Arques geht auf Aurelius zu
Zwischen den Beteiligungsgesellschaften Arques und Aurelius könnte es doch noch zu einer einvernehmlichen Fusion kommen. "Man hat einen Weg gefunden, bei dem es ohne Kampf geht", zitierte das "Handelsblatt" aus Finanzkreisen. Arques und Aurelius wollten sich nicht dazu äußern.

Biotest baut Plasma-Gewinnung aus
Die im SDax notierte Biotest hat die eigenen Kapazitäten zur Rohstoffbeschaffung für das stark wachsende Geschäft mit Plasmaproteinen ausgebaut. Damit will das Unternehmen sicherstellen, jederzeit über ausreichend Rohstoffe für die Produktion zu verfügen, und sich zudem unabhängiger von der Preisentwicklung am Weltmarkt machen. Die Aktie steigt nach anfänglichen Verlusten um mehr als acht Prozent.

Rio Tinto auf Diät
In Großbritannien sprangen Rio Tinto zehn Prozent in die Höhe. Der britisch-australische Bergbaukonzern reagiert mit einem harten Sparkurs auf den Verfall der Rohstoffpreise und den weltweiten Konjunkturabschwung. 14.000 Stellen werden gestrichen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 17. Oktober

Unternehmen:
ASML: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Roche: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Zooplus: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Danone: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Abbott: Q3-Zahlen, 13:45 Uhr
US Bancorp: Q3-Zahlen, 14:00 Uhr
Carrefour: Q3-Umsätze, 17:45 Uhr
Alcoa: Q3-Zahlen, 22:10 Uhr

Konjunktur:
Acea-Kfz-Neuzulassungen 09/18, 08:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 09/18, 11:00 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen, 09/18, 14:30 Uhr
USA: Ölbericht (Woche), 16:30 Uhr
USA: FOMC-Sitzungsprotopoll 26.9., 20:00 Uhr