Auf der Verliererstraße

von Detlev Landmesser

Stand: 04.07.2008, 20:26 Uhr

Wegen des amerikanischen Unabhängigkeitstages waren die europäischen Börsen am Freitag auf sich allein gestellt. Viel Positives kam dabei nicht heraus - was vor allem an einer neuen Branchenstudie über die Banken lag.

In dieser Studie veranschlagten die Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs den Bedarf europäischer Banken an neuem Kapital auf 60 bis 90 Milliarden Euro - und senkten ihre Kursziele unter anderem für die Deutsche Bank, Commerzbank und Postbank.

Die Genannten gehörten denn auch zu den größten Verlierern im Dax. Da half selbst ein eher beruhigender Ausblick der UBS auf ihr zweites Quartal wenig. Der Schweizer Finanzriese rechnet im schlimmsten Fall nur mit einem leicht negativen Ergebnis. Das ist allerdings wesentlich auf den Sondereffekt einer milliardenschweren Steuergutschrift zurückzuführen.

Auch die Entwicklung der deutschen Industrieaufträge konnte den Aktienmarkt nicht begeistern. Die Bestellungen sanken im Mai preis- und saisonbereinigt um 0,9 Prozent im Vergleich zum Vormonat, womit die deutsche Industrie das sechste Auftragsminus in Folge verzeichnete. 38 von Reuters befragte Volkswirte hatten dagegen im Schnitt mit einem Plus von 0,7 Prozent gerechnet.

Der L-Dax ging schließlich 1,2 Prozent tiefer bei 6.278,97 Punkten ins Wochenende.

Commerz bei Citi aus dem Rennen

Zugleich gab es Neues in Sachen Bankenkonsolidierung: Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters ist die Deutsche Bank der letzte verbliebene deutsche Kaufinteressent für die Citibank. Die Commerzbank, die sich die deutsche Privatkundentochter der Citigroup ebenfalls angeschaut hatte, sei wegen ihres gleichzeitigen Interesses für die Dresdner Bank nicht mehr im Rennen. Eine Entscheidung, wer den Zuschlag für die auf vier bis fünf Milliarden Euro taxierte Citibank erhalte, sei Ende des Monats zu erwarten.

Nichts Greifbares bei Infineon
Die Infineon-Aktie setzte sich mit einem Kursgewinn von bis zu 6,8 Prozent an die Dax-Spitze, wovon bis zum Xetra-Schluss nur noch knapp zwei Prozent Plus übrig blieben. Händler verwiesen auf neue, wenn auch vage Gerüchte über ein Übernahmeinteresse für den Chiphersteller. Andere Marktteilnehmer sprachen von einer technischen Erholung, nachdem der Dax-Titel an den letzten fünf Handelstagen 20 Prozent verloren hatte.

Merck erwartet Wachstum, Aktie fällt
Die Aktie von Merck büßte 1,9 Prozent ein. Dabei erwartet der Chemie- und Pharmakonzern für die Chemiesparte deutliche Zuwächse. Unter anderem soll das Geschäft mit Flüssigkristallen bis 2010 jährlich mit einer hohen einstelligen Rate zulegen, sagte Chemie-Chef Bernd Reckmann der "Financial Times Deutschland". Ein Analyst sah die Aussagen als "Bestätigung dessen, was erwartet werden konnte." Zudem verwiesen Händler auf die jüngsten Abstufungen durch Dresdner Kleinwort und zuletzt Morgan Stanley auf "Hold" und "Underweight".

Conti verliert über fünf Prozent
Schwächster Dax-Titel war die Continental-Aktie, die wieder unter 60 Euro rutschte. Händler verwiesen auf die angeschlagene charttechnische Lage und auf einen trüben Ausblick des italienischen Autozulieferers Brembo.

RWE hadert mit russischem Partner
Der Energieversorger RWE ist nach eigenen Angaben unzufrieden mit dem Verlauf der Entwicklung seines russischen Joint Ventures. Der Partner Sintez verlange immer mehr Konzessionen für die gemeinsame Übernahme des Stromerzeugers TGK-2, schreibt das "Handelsblatt". Sollte das Joint-Venture scheitern, würde dies den Eintritt des deutschen Versorgers in den russischen Markt erschweren. Die RWE-Aktie fällt etwa im Rahmen des Gesamtmarktes.

Schnäppchen Daimler?
Etwa vier bis fünf Milliarden Euro reichen beim derzeitigen Kursniveau, um bei Daimler größter Einzelaktionär zu werden. Dies provoziere Übernahmeversuche, schrieb die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Es sei nur eine Frage der Zeit, wann ein Investor aktiv wird, zitierte die Zeitung den Credit-Suisse-Analysten Arndt Ellinghorst. Im Juni steigerte der Autobauer seinen Pkw-Absatz leicht. Insgesamt wurden 119.300 Autos der Marken Mercedes-Benz, Smart und Maybach ausgeliefert und damit 1,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Während die Verkäufe bei dem City-Flitzer Smart um mehr als ein Drittel auf 13.300 anzogen, ging der Absatz der Marke Mercedes-Benz um 1,2 Prozent auf 106.000 Pkw zurück.

Beiersdorf-Chemiesparte zu verkaufen
Der im MDax notierte Kosmetikkonzern Beiersdorf will seine Chemiesparte Bode verkaufen. Man richte sich an ausgewählte Investoren, sagte eine Konzernsprecherin der "Financial Times Deutschland". Zur Begründung hieß es, Beiersdorf wolle sich mit der Hauptmarke Nivea auf Endverbraucherware für den Einzelhandel konzentrieren. Bode stellt unter anderem Desinfektionsmittel her, die in Krankenhäusern genutzt werden.

Neue Großaufträge für Hochtief
Hochtief hat in Polen Bauaufträge im Wert von mehr als 180 Millionen Euro erhalten. Größter der sieben Aufträge sei der 57 Millionen Euro schwere Bau einer Produktionsstätte für einen Glashersteller. Auch die australische Hochtief-Tochter Leighton hat sich Neuaufträge gesichert. Diese hätten ein Gesamtvolumen von über 340 Millionen Euro, teilte der Konzern mit.

Bosch will Ersol ganz
Der Elektrokonzern Bosch will Ersol komplett übernehmen. Man werde mit Ersol einen so genannten Beherrschungsvertrag abschließen und alle übrigen Aktionäre aus dem Solarunternehmen herausdrängen, kündigte Bosch an. Die Firma hat sich nach eigenen Angaben inzwischen 81,73 Prozent an Ersol gesichert. Die Angebotsfrist für die restlichen Ersol-Aktionäre begann am Freitag und läuft bis zum 8. August. Bosch bietet 101 Euro pro Aktie. Der TecDax-Titel Ersol legte am Freitag allerdings auf über 103 Euro zu. Den Squeeze-out kann Bosch voraussichtlich frühestens im kommenden Jahr durchführen, da ein Optionsvertrag mit einem Großaktionär zum Kauf eines Ersol-Pakets in Höhe von 5,69 Prozent erst im März 2009 fällig wird.

Masterflex muss Forderungen abschreiben
Der Kunststoffspezialist Masterflex muss umfangreiche Abschreibungen vornehmen. Insgesamt belasten die Abwertungen mit 8,1 Millionen Euro. 6,2 Millionen betreffen ein Darlehen, das Masterflex Anfang vergangenen Jahres einem Start-up-Unternehmen gewährt hatte. Dieses habe ein "neuartiges Hochtechnologieverfahren zur Beschichtung von Oberflächen entwickelt", so Masterflex. Allerdings hätten sich Erwartungen auf eine zügige Markteinführung des Verfahrens bisher nicht erfüllt. Die Aktie verlor zum Handelsstart bis zu 12,2 Prozent, erholte sich aber im Verlauf etwas.

15,50 Euro pro Computerlinks-Aktie
Der Finanzinvestor Barclays Private Capital hat sein Übernahmeangebot für den IT-Großhändler Computerlinks gestartet. Die Aktionäre hätten von Freitag an bis zum 8. August Zeit, ihre Anteile zu 15,50 Euro je Stück anzudienen, teilte Barclays mit. Der Kurs lag zum Xetra-Schluss bei 15,21 Euro. Das Angebot steht unter dem Vorbehalt einer Mindestannahmequote von 75 Prozent.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr