Auf der Suche nach Orientierung

Stand: 11.07.2012, 20:00 Uhr

Vor der Veröffentlichung des jüngsten Sitzungsprotokolls der US-Notenbank ist der Dax am Mittwoch auf der Stelle getreten. Börsianer sprachen von einem insgesamt lustlosen Handel und erhoffen sich mehr Klarheit darüber, ob die Fed demnächst zu einer weiteren Geldspritze bereit ist.

Die Veröffentlichung des Sitzungsprotokolls der Fed ist für den Abend geplant. Bis dahin hielten sich die Anleger mit Engagement am Aktienmarkt zurück.

Der Dax beendet den Handel 0,2 Prozent höher bei 6.454 Punkten. Nach einem verhaltenen Auftakt kletterte das Börsenbarometer am frühen Nachmittag bis auf 6.496 Punkte, nachdem bekannt wurde, dass Spanien ein 65 Milliarden Euro schweres Sparprogramm auflegen will. Trotzdem muss der deutsche Leitindex seine Gewinne bereits nach wenigen Minuten wieder vollständig abgeben. Bis zum Handelsschluss dümpelt das Börsenbarometer dann orientierungslos vor sich hin.

Laut Analyst Gregor Kuhn von IG Markets belastet zudem die Ungewissheit über das ausstehende Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Vereinbarkeit von Fiskalpakt und ESM mit dem deutschen Grundgesetz.

Der Euro büßt bis zum Börsenschluss seine anfänglichen Gewinne ebenfalls wieder ein und notiert am Abend bei 1,222 Dollar. Zuvor hatte das neue spanisches Spar- und Reformpaket die Gemeinschaftswährung kurz auf 1,23 Dollar getrieben.

Auch an der Wall Street bleiben die Anleger vor der Veröffentlichung des jüngsten Sitzungsprotokolls der Fed in Deckung. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow Jones-Index 0,3 Prozent tiefer bei 12.620 Punkten.

ThyssenKrupp mit neuer Brasilien-Fantasie
Größter Gewinner im Dax sind die Aktien von ThyssenKrupp. Laut Händler Andreas Lipkow von MWB Fairtrade wirkte vor allem die Hochstufung durch Macquarie von "Neutral" auf "Outperform" vom Vortag nach. Zudem verwies er ebenso wie ein anderer Börsianer auf die anhaltenden Spekulationen um den Verkauf eines verlustreichen Stahlwerks des Konzerns in Brasilien.

Analysten mögen Telekom
Zu den Favoriten im Dax gehören die Aktien der Deutschen Telekom. Bernstein-Telekom-Analystin Robin Bienenstock sieht gute Chancen, dass die Tochter T-Mobile USA künftig das iPhone verkaufen darf.

Münchener Rück auf neuen Pfaden
Überdurchschnittlich zulegen kann auch die Münchener Rück. Der Konzern überlegt als Ausweg aus dem aktuellen Anlagenotstand, künftig Kredite an Unternehmen zu vergeben. "Das Thema wird bei uns diskutiert", sagte Finanzvorstand Jörg Schneider in einem Pressegespräch. Von einem Angriff auf das Kerngeschäft der Banken wolle Schneider aber nichts wissen.

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,22
Differenz relativ
+0,10%
RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
19,17
Differenz relativ
-0,67%

Versorger ebenfalls gefragt
Die Aktien der beiden Versorger Eon und RWE entwickeln sich ebenfalls besser als der Gesamtmarkt. Die britische Investmentbank HSBC hatte sich zuvor zur Versorgerbranche geäußert. Für Eon hob Analyst Adam Dickens das Kursziel von 19,00 auf 20,00 Euro an und beließ die Einstufung auf "Overweight". Für RWE hob der Experte das Kursziel ebenfalls um einen Euro auf 29,00 Euro an, blieb hier aber bei seinem "Underweight"-Votum.

Adidas: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
199,15
Differenz relativ
-0,82%

Adidas: Anleger machen Kasse
Einer der schwächsten Werte im sind die Aktien von Adidas, die 1,7 Prozent nachgeben. "Die Aktien sind im Vorfeld der Fußball-EM und von Olympia so nach oben getrieben worden, da nehmen einige jetzt schlicht ihre Gewinne mit", sagte ein Händler. Die Anteilsscheine haben seit Jahresbeginn rund 15 Prozent an Wert gewonnen.

Gerresheimer nicht zu bremsen
Dagegen klettern die Aktien des Verpackungsspezialisten Gerresheimer um 3,6 Prozent und sind damit größter Gewinner im MDax. Grund: Das Unternehmen erhöht nach einem guten Geschäftsverlauf im zweiten Quartal erneut die Prognose. Bereits nach dem ersten Quartal hatte das Unternehmen die Latte höher gelegt. Man erwarte 2012 nunmehr ein Umsatzwachstum von neun bis zehn Prozent, das sind zwei Prozentpunkte mehr als bisher.

Fraport: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
63,56
Differenz relativ
-1,76%

Fraport zählt mehr Passagiere
Nur mäßig voran geht es mit der Aktie von Fraport. Dabei hat der Flughafenbetreiber im Juni auf seinem Heimatflughafen 5,4 Prozent mehr Passagiere abgefertigt als im Vorjahr. Inklusive der Auslandsbeteiligungen lag das Plus bei 3,9 Prozent.

Rückwärts ging es allerdings mit der umgesetzten Frachtmenge. Das Fracht- und Luftpostaufkommen ging in Frankfurt als Folge der konjunkturellen Abschwächung um 3,4 Prozent zurück. Fraport-Aktien tendieren wenig verändert, halten sich damit aber besser als der MDax.

EADS auf Sinkflug
Unter Druck ist heute die Aktie des Flugzeugbauers EADS. Das Papier verliert 4,7 Prozent gehört damit zu den schwächsten Werten im MDax. Dabei kann sich die Tochter Airbus derzeit vor neuen Bestellungen kaum retten. Allerdings gibt es angeblich Absatzprobleme beim Großraumflugzeug A 380.

Centrotherm vor dem Aus?
Um 76 Prozent in die Tiefe gerauscht ist die Aktie des Maschinenbauers Centrotherm. Das für die Solarindustrie arbeitende Unternehmen hat am späten Abend einen Antrag auf Einleitung eines Schutzschirmverfahrens sowie einen Insolvenzantrag gestellt.

Alno von Bauknecht gerettet
Wesentlich besser läuft es hingegen beim Küchenhersteller Alno. Konkurrent Bauknecht, der zum US-Konzern Whirlpool gehört und 18,8 Prozent der Anteile hält, garantiert die notwendige Kapitalerhöhung. Auch Banken, allen voran die Commerzbank, verzichten auf Forderungen. Damit ist Alno nach den Worten von Firmenchef Max Müller praktisch völlig entschuldet.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat