Auf dem falschen Fuß erwischt

Stand: 25.02.2010, 20:05 Uhr

Schwache Daten vom amerikanischen Arbeitsmarkt drückten die Börsen am Donnerstag tief in die Minuszone. Dazu kamen neue Sorgen um EU-Mitglied Griechenland. Dass außerdem fünf Dax-Unternehmen Quartalszahlen präsentierten, ging dabei fast unter.

Auch der späte Parketthandel stand am Donnerstag unter Verlustzeichen. An der New Yorker Wall Street konnte sich der Dow Jones-Index noch nicht von den Tiefschlägen des Nachmittags erholen. Auch der Late-Dax schloss damit rund 1,5 Prozent unter dem Vortagesschluss.

US-Arbeitsmarkt schwächelt
Der Aktienmarkt in Deutschland machte am Nachmittag eine Kehrtwende nach unten, als aus den USA neue Arbeitsmarktdaten bekannt wurden. Eine überraschend hohe Zahl von Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe von 496.000 sorgte für Zweifel an der Konjunkturerholung der weltgrößten Volkswirtschaft.

Neue griechische Sorgen
Zudem reagierten die Märkte hochgradig nervös auf die Aussagen von Ratingagenturen, dass EU-Mitglied Griechenland vor einer weiteren Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit stehen könnte, sollte das Land keinen harten Sparkurs einschlagen. Die Verstrickung der US-Investmentbank Goldman Sachs in dubiose Kreditgeschäfte mit Griechenland will die US-Notenbank klären. Das sagte am Abend Fed-Chef Ben Bernanke vor dem US-Senat.

BASF mit blendendem Q4

Bis zu den Hiobsbotschaften aus Übersee hatten die Anleger ganz unterschiedlich auf Quartalszahlen von fünf Dax-Konzernen reagiert. Klar positiv gesehen wurde die Geschäftsentwicklung des Chemie-Giganten BASF, der im vierten Quartal eine Verdreifachung des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern (Ebit) und Sondereffekten auf 1,479 Milliarden Euro geschafft hat. BASF will allerdings seine Dividende für 2009 von 1,95 auf 1,70 Euro je Aktie verringern. Die Aktie hielt sich als einziger Dax-Wert klar im Plus.

Allianz steigert Gewinn, Telekom bietet Dividende

Allianz: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
186,70
Differenz relativ
+0,21%
Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
13,90
Differenz relativ
+0,94%

Der Versicherer hat 2009 Jahr seine Umsätze um fünf Prozent auf 97,4 Milliarden Euro gesteigert. Der Gewinn stieg um 13 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro. Damit waren Anleger am Donnerstag zufrieden. Nicht so mit der Telekom: Der Ex-Monopolist musste die Telekom einen Gewinnrückgang um drei Viertel auf 353 Millionen Euro bekanntgeben. Außerdem fiel der Ausblick auf 2010 eher mager aus. Da half auch nicht die Ankündigung, bis zum Jahr 2012 eine stabile Dividende zahlen zu wollen. Die T-Aktie verlor rund ein Prozent.

Henkel besser als RWE

Der Konsumgüterkonzern Henkel ist in der Krise offenbar gut aufgestellt. 2010 sollen das bereinigte Betriebsergebnis und das bereinigte Ergebnis um mehr als zehn Prozent wachsen, teilte der Konzern zusammen mit seinen Jahreszahlen mit.
Dagegen scheinen die Zeiten für den Versorger RWE schwierig zu werden. Der Überschuss und das Betriebsergebnis in den Jahren 2010 bis 2012 sollen nur noch um fünf Prozent wachsen. Bislang war hier deutlich mehr erwartet worden. RWE-Aktien verloren 2,5 Prozent.

Verdacht gegen Leoni

Negative Nachrichten gab es zum MDax-Mitglied Leoni, das mit Kursverlusten von rund vier Prozent am Ende des Index der zweiten Reihe notierte. Die EU ermittelt gegen den Autozulieferer nach Angaben des Unternehmens wegen möglicher kartellrechtlicher Verstöße. Die Untersuchungen beträfen die Bordnetzsparte des Unternehmens.

Sky mit Bildstörung

Der Bezahlsender Sky Deutschland hat im vierten Quartal sein negatives Ebitda auf 82 Millionen Euro ausgeweitet. Der Umsatz von Sky ging um sechs Prozent auf 230 Millionen Euro zurück. Die Zahl der Abonnenten wuchs im Berichtszeitraum weniger als erhofft, die Aktie büßte rund ein Prozent ein.

Fielmann hebt Dividende an

Deutlich besser als der Gesamtmarkt hielt sich die Aktie von Fielmann. Die Optikerkette hat 2009 953 Millionen Euro umgesetzt, ein Plus von 5,5 Prozent. Der Gewinn stagnierte bei 114 Millionen Euro. Die Dividende soll um fünf Cent auf 2,00 Euro je Vorzugsaktie steigen.

Solartitel verdunkelt

Im TecDax verlieren die Solartitel Q-Cells und Solarworld deutlich. Während nach einer Verkaufsempfehlung durch die DZ Bank unter Druck geriet, reagierte die Solarworld-Aktie allergisch auf den Rückgang des Ergebnisses vor Zinsen und Steuern (Ebit) um ein Drittel auf 152 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Netto verdiente Solarworld mit 59 Millionen Euro sogar 60 Prozent weniger als im vergangenen Jahr.

Centrotherm auf Wachstum gepolt

Zunächst nur leicht im Minus, am Ende doch fünf Prozent unter Vortagesniveau notierte die Centrotherm-Aktie. Der Solar-Anlagenbauer hat 2009 einen Ebit-Rückgang hinnehmen müssen - und zwar von 55,7 auf 52,7 Millionen Euro. Die Erlöse expandierten allerdings mit einem Plus von 36 Prozent auf 509 Millionen immer noch ziemlich stark. Sie sollen 2010 weiter auf bis 580 Millionen Euro wachsen.

GfK mit Ergebniseinbruch

Auch Papiere des Marktforschungsunternehmens GfK im SDax kamen deutlich unter Druck. Das Unternehmen will nach einem deutlichen Einbruch beim operativen Ergebnis 2009 seine Dividende von 46 auf 30 Cent je Aktie kürzen. Der Umsatz sank fünf um Prozent auf 1,16 Milliarden Euro.

KWS und der Weltmarkt

Der Saatguthersteller KWS leidet unter sinkenden Preisen auf dem Getreidemarkt. Das Unternehmen hat im ersten Geschäftshalbjahr einen Ebit-Rückgang auf minus 52 Millionen Euro verbucht. Auch der Umsatz schrumpfte um 15 Prozent auf 121 Millionen Euro. Die KWS-Aktie schloss leicht im Minus.

Brenntag macht sich börsenfein

Der Chemikalienhändler Brenntag will seine Aktie noch im ersten Halbjahr 2010 aufs Börsenparkett schicken. Der Eigentümer, der Finanzinvestor BC Partners, will Aktien im Wert von bis zu 1,5 Milliarden Euro platzieren. Erst am Dienstag hatte der Kabelbetreiber Kabel Deutschland seinen Börsengang angekündigt.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 19. September

Unternehmen
Manchester United: Q4-Zahlen
Adecco: Investor Day, 7 Uhr

Konjunktur:
Japan: Zinsentscheid der Bank von Japan
USA: Wohnbaubeginne, August, 14:30 Uhr
USA: Leistungsbilanz Q2, 14:30 Uhr