Marktbericht 20:00 Uhr

Das Tagesthema: Grexit Athen hält Dax im Griff

Stand: 11.05.2015, 20:00 Uhr

Der Wochenstart verlief recht gemütlich. Die Investoren machten nach der Freitagsrally ein bisschen Kasse, besonders weit entfernte sich der Dax von der Marke der 11.700 Punkte allerdings nicht.

Der Dax schloss mit einem Abschlag von 0,3 Prozent auf 11.673,35 Punkten. Der L-Dax gab 0,3 Prozent auf 11.659,08 Punkte nach. Zum Wochenstart entschlossen sich die Anleger dafür, das Tempo raus- und ein paar Gewinne mitzunehmen. Anlass bot der griechische Schuldenstreit und die Sorge um die Reformbereitschaft der dortigen Regierung. Die immer noch unbeantwortete griechische Frage sorge nicht gerade für positive Aktienlaune, meint Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank.

Schuldenkrise als Chance

ARD-Börsenstudio Hörfunk: Alexander Schmitt
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Börse 20.15 Uhr

Der Athener Leitindex schloss 2,5 Prozent tiefer. Die Rendite der zweijährigen griechischen Staatsanleihen schossen um fast einen vollen Prozentpunkt in die Höhe auf 21,446 Prozent. Der EuroStoxx 50 verlor schließlich 0,7 Prozent auf 3.624,41 Punkte. Der Londoner Leitindex FTSE 100 ging 0,2 Prozent tiefer bei 7.029,85 Punkten aus dem Handel. In Paris rutschte der CAC 40 um 1,2 Prozent auf 5.027,87 Punkte ab.

Strukturelle Zweifel an Aktien, die zu nachhaltigen Gewinnmitnahmen animieren und sogar einen Crash nahelegen, seien aber nicht gerechtfertigt, so Halver: "Eher ist von einem reinigenden Gewitter, einer vorübergehenden Korrektur auszugehen", schreibt der Experte in seinem Wochenkommentar. Für Jens Klatt von DailyFX liegt in einer Lösung des Schuldenstreits die Chance für den Dax, sich zurück über 12.000 Punkte zu hangeln.

Der Euro fällt etwas zurück

"Neben Griechenland dürfte allerdings auch die weitere Euro-Entwicklung im Fokus bleiben, wenn am Mittwoch Konjunkturdaten dies- und jenseits des Atlantiks verglichen werden und die Erwartung an eine Divergenz der Eurozonen- und US-Geldpolitik schmälern können", kommentiert Andreas Paciorek von CMC Market.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Heute gab der Euro angesichts der Unklarheiten bezüglich Griechenlands leicht nach. "Unseres Erachtens hat sich längst eine geradezu fahrlässige Sorglosigkeit in der Griechenlandfrage breit gemacht, die in den kommenden Tagen auf den Prüfstand kommen könnte", schreiben die Devisenspezialisten der DZ Bank. Der Dow Jones lag am Abend 0,3 Prozent zurück.

Lufthansa schließt an der Dax-Spitze

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Lufthansa-Papiere gewannen kräftig dazu. Sie profitieren von einem positiven Analystenkommentar. Analyst Mark Manduca von der US-Investmentbank Merrill Lynch hob seine Einstufung für die Papiere der Fluglinie gleich um zwei Stufen von "Underperform" auf "Buy" und stockte sein Kursziel auf 16 Euro auf. Damit ergäbe sich ein Kurspotenzial von 20 Prozent. Grund für die Aufstockung: der Experte rechnet 2015/16 mit einem höheren Wachstum im Luftverkehr.

Großauftrag für ThyssenKrupp

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Israel hat vier Kriegsschiffe im Wert von insgesamt 430 Millionen Euro bei ThyssenKrupp bestellt. Die Korvetten sollten binnen fünf Jahren überstellt werden und zum Schutz von Gasfeldern im Mittelmeer eingesetzt werden, teilte das israelische Verteidigungsministerium mit, ThyssenKrupp bestätigte den Auftrag. Die Schiffe würden zusammen mit der Werft German Naval Yards in Kiel gebaut. Die Bundesrepublik übernimmt nach israelischen Angaben einen Zuschuss von 115 Millionen Euro.

Airbus und MTU: Aktien werden verkauft

Nach dem Absturz eines Militärtransporters vom Typ A400M in Spanien fielen die Aktien des deutsch-französischen Flugzeugbauers zurück. Auch der Triebwerksbauer MTU verlor. Der Absturz der zur Auslieferung an die Türkei bestimmten A400M ist ein herber Rückschlag für das europäische Rüstungsprojekt.

Talanx legt zu

Der Versicherer aus dem MDax hat im ersten Quartal sowohl das Konzernergebnis als auch die Bruttoprämien prozentual zweistellig erhöht und damit die Erwartungen übertroffen. Das Ebit stieg um 16,1 Prozent auf 643 Millionen Euro, die Prämien um 12,2 Prozent auf 9,4 Milliarden Euro. Die Aktie legte zu, konnte ihr Tageshoch aber nicht behaupten.

Gea gesucht

Nach guten Zahlen zum Jahresauftakt waren die Aktien des Anlagenbauers aus dem MDax ebenfalls gefragt. Das Unternehmen hat im ersten Quartal deutlich zugelegt. So lag der Auftragseingang organisch um 4,7 Prozent über dem Vorjahreswert.

Dividendenabschläge

Die beiden MDax-Unternehmen DMG Mori Seiki (0,55 Euro) und Wacker Chemie (1,50 Euro) wurden heute mit Dividendenabschlag gehandelt.

Bei QSC geht es besser

Das im TecDax gelistete IT-und Telekom-Unternehmen ist mit dem Jahresauftakt zufrieden und hat die Prognose für 2015 bestätigt. QSC-Aktien lagen an der TecDax-Spitze.

Wincor liegt vorne

Aktien von Wincor Nixdorf führten den TecDax an. Neue Nachrichten gebe es nicht, sagte ein Börsianer. Er sprach von einer reinen Gegenbewegung nach dem jüngsten Kursrutsch. Anfang April hatten vage Übernahmespekulationen die Wincor-Papiere zunächst auf ein neues Jahreshoch getrieben. Ein schwächerer Geschäftsausblick des Herstellers von Geldautomaten- und Kassensystemen leitete wenige Tage darauf jedoch einen massiven Kurseinbruch um zuletzt fast 30 Prozent ein.

Air Berlin nachbörslich mit Zahlen

Air Berlin: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Air Berlin hat im ersten Quartal 2015 einen Konzernumsatz von 793,7 Millionen Euro erzielt. Im Vorjahr hatte der Umsatz noch bei 761,8 Millionen Euro gelegen. Das operative Ergebnis (Ebit) betrug minus 159,9 Millionen Euro nach minus 182,8 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Unter demm Strich stand ein Minus in Höhe von 210,1 Millionen Euro - etwa so viel wie im Vorjahr.

Borussia Dortmund zieht Zahlen vor

Der einzige börsennotierte Fußballclub aus dem SDax hat überraschend sein Zahlenwerk für das dritte Geschäftsquartal vorgelegt. Die Ergebnisse waren eigentlich erst für den Freitag terminiert gewesen.

Devisenskandal: 5 Milliarden Dollar Strafe?

Fünf Großbanken stehen einem Bericht der "Financial Times" (FT) zufolge vor einer milliardenteuren Einigung im Devisenskandal. UBS, JP Morgan, Royal Bank of Scotland, Barclays und Citigroup dürften gemeinsam mehr als fünf Milliarden Dollar auf den Tisch legen müssen, schreibt das Blatt. Die Strafe für die UBS sei noch unklar. Die Schweizer Bank und das US-Justizministerium verhandelten noch immer über eine mögliche Strafanzeige. Es sei auch möglich, dass die Behörde ein bereits abgeschlossenes Strafverfahren in Zusammenhang mit dem Fehlverhalten im Zinsskandal neu aufrolle.

Chinas Smartphonemarkt schrumpft

Smartphonehersteller müssen sich auf schwierigere Zeiten in China einstellen. Erstmals seit sechs Jahren sank im ersten Quartal auf dem weltweit größten Absatzmarkt China die Nachfrage, zeigt eine Studie der Marktexperten IDC. Die Analysten sprechen von einer "Sättigung des Marktes". Von Januar bis März wurden der Studie zufolge im bevölkerungsreichsten Land der Erde 98,8 Millionen Smartphones verkauft, 4,3 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Dank seines iPhone 6 hat Apple die führende Position dort mit einem Marktanteil von 14,7 Prozent gefestigt.

Capital Stage bietet für Prokon - EnBW auch interessiert?

Aktien des Windkraftbetreibers Capital Stage gehörten im SDax zu den größten Gewinnern. Das Unternehmen bietet für den insolventen Konkurrenten Prokon. Übernommen werden sollen 94,9 Prozent, den Rest soll ein anderer Investor kaufen. Das "Handelsblatt" schreibt, der drittgrößte deutsche Energiekonzern EnBW wolle ebenfalls noch diese Woche ein Angebot vorlegen.

Masterflex gut gestartet

Der Kunststoffspezialist aus dem Regulierten Markt der Frankfurter Börse berichtet über ein gutes erstes Quartal. Der Umsatz mit speziellen Schläuchen und Verbindungssystemen stieg im Jahresvergleich um 4,8 Prozent auf 16,8 Millionen Euro. Das Ebit sackte hauptsächlich wegen gestiegener Personalkosten von 2,1 auf 1,7 Millionen Euro ab. Man sei aber zuversichtlich, dies im Jahr durch höhere Umsätze auszugleichen, erklärte das Unternehmen. Die Aktie legte zu.

Toshiba hat echte Sorgen...

Neue Unregelmäßigkeiten in der Toshiba-Bilanz haben Anleger aufgeschreckt. Toshiba hatte am Freitagabend seine Ergebnisziele für das Ende März ausgelaufene Geschäftsjahr zurückgezogen und die Dividende gestrichen. Eine interne Bilanzprüfung habe ergeben, dass Kosten bei Bauprojekten zu niedrig angegeben und Verluste aus derartigen Geschäften falsch verbucht worden seien.

... und Sharp auch

Der japanische Elektronik-Konzern Sharp will mit radikalen Kapitalmaßnahmen die Voraussetzung schaffen, um dringend benötigtes Geld von neuen Investoren zu bekommen. Das Mangement denkt über eine Kapitalherabsetzung nach. Diese gilt aus Voraussetzung, um Altlasten aus der Bilanz zu bekommen und in näherer Zukunft wieder Dividenden zahlen zu können. Die Anteilsscheine der jetzigen Eigentümer würden durch die Ausgabe von Vorzugsaktien allerdings deutlich verwässert.

Monsanto und Syngenta im Blick

Das Ringen um eine Übernahme von Syngenta durch den US-Saatgut- und Genpflanzen-Produzenten Monsanto ist nach Einschätzung von Börsianern noch nicht beendet. Viele Anleger gehen davon aus, dass die Amerikaner ihre Offerte für den Schweizer Agrochemiekonzern nachbessern werden. Das half der Syngenta-Aktie weiter.

Gewinnsprung bei Intesa Sanpaolo

Der Überschuss von Intesa Sanpaolo verdoppelte sich im ersten Quartal verglichen mit dem Vorjahreszeitraum auf 1,06 Milliarden Euro. Damit übertraf die Bank die Erwartungen von Analysten deutlich. Die Intesa-Aktie legte kräftig zu. Die Bank profitierte von der durch das billige Geld der Europäischen Zentralbank (EZB) ausgelösten Erholung der italienischen Wirtschaft. Deshalb konnte Intesa die Vorsorge für faule Kredite zurückfahren.

Seven Principles bricht ein

Prozentual zweistellig brach hingegen die Aktie des IT-Unternehmensberaters Seven Principles ein. Das Unternehmen weist im ersten Quartal einen kräftig ausgeweiteten Verlust von 4,1 Millionen Euro aus nach minus 0,5 Millionen Euro im Vorjahr. Als Grund wurden Umbaumaßnahmen genannt, die aber bis zum Ende des dritten Quartals abgeschlossen sein sollen. Der Umsatz sank von 24,9 auf 21,4 Millionen Euro.

Visa will Tochter zurück

Aktien des Kreditkartenunternehmens aus dem Dow Jones waren am Freitag besonders gefragt und legten 4,3 Prozent zu auf 69,47 Dollar. Die Agentur Bloomberg berichtete, der US-Konzern wolle seine ehemalige Tochter Visa Europe für bis zu 20 Milliarden Dollar zurückkaufen.

ts

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Unternehmen
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Konjunktur:
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