Marktbericht 20:03 Uhr

Über zwei Prozent zugelegt Anschub aus Amerika treibt den Dax

Stand: 08.07.2016, 20:03 Uhr

Der Dax hat sich zum Ende einer turbulenten Börsenwoche von seiner Gönnerseite gezeigt. Auslöser waren gut aufgenommene Arbeitsmarktdaten aus Amerika, die die anhaltenden Brexit-Ängste zumindest heute in den Hintergrund drängten.

Denn die vielbeachteten monatlichen Daten vom US-Arbeitsmarkt, die "Mutter aller Konjunkturzahlen", hat dieses Mal die Anleger inspiriert und dem Dax einen kräftigen Schluck aus der Pulle beschert. Am Ende legte das führende deutsche Börsenbarometer 2,24 Prozent auf 9.629 Punkte zu. Auch nachbörslich behauptete der L/E-Dax mit 9.623 Punkten das erhöhte Niveau.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Im Wochenvergleich bleibt der Index gleichwohl mit 1,5 Prozent im Minus nach einem Schlussstand von 9.776 Punkten am vergangenen Freitag. Es war erneut ein Tag mit hoher Volatilität, das Tagestief lag bei 9.389 Zählern immerhin über 250 Punkte unter dem Tageshoch bei 9.655 Zählern. Die Anleger bleiben also nervös, von Entwarnung oder sommerlicher Ruhe vor der beginnenden Urlaubszeit kann jedenfalls keine Rede sein.

Robuster US-Arbeitsmarkt

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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Börse 17.00 Uhr

Im Juni wurden in Amerika insgesamt 287.000 neue Stellen geschaffen. Erwartet worden war nur ein Zuwachs von 180.000 neuen Arbeitsplätzen. Ganz einheitlich war das Bild aber nicht. Die Arbeitslosenquote stieg von 4,8 auf 4,9 Prozent und die durchschnittlichen Stundenlöhne lagen mit einem Wachstum von nur 0,1 Prozent unter den Erwartungen von plus 0,2 Prozent.

Wie immer begann die Diskussion um den künftigen Zinskurs der Fed nach dem deutlichen Stellenzuwachs postwendend, zumal die Daten im Vormonat Mai enttäuschend gewesen waren. "Zinserhöhungserwartungen werden etwas wiederbelebt", kommentierte Marktanalyst Ralf Umlauf von der Helaba.

"Das ist ein Zeichen der Stärke", meinte auch Brian Jacobsen, Portfoliostratege von Wells Fargo Management. "Wir müssen abwarten, wie der Brexit und der starke Dollar weggesteckt wird, aber es gibt Grund zu glauben, dass die Fed nun anfängt, über eine Zinserhöhung im Dezember nachzudenken."

Im Gegensatz zu den Anlegern scheint aber für die Notenbank die Sitiuation nach dem Brexit-Votum derzeit sehr viel mehr Beachtung zu finden als die Lage am Arbeitsmarkt. "Die Folgen des britischen Brexit-Votums werden auch auf den Fluren der Washingtoner Notenbank zum Gesprächsthema Nummer eins", sagte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank. Insgesamt haben sich die Zinserwartungen trotz der heutigen starken Job-Daten zwar etwas erhöht, sie bleiben aber gering.

Blick nach vorne

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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Die Börse behält also ihre Themen, zumal in den USA so langsam auch die Berichtssaison für das zweite Quartal in die Gänge kommt. Dabei wird wichtig sein, wie die US-Unternehmen den starken Dollar verkraften. Dieser wird nicht nur durch das Zinsszenario schon länger gestützt, sondern fungierte nach dem Brexit-Desaster zuletzt auch noch als sicherer Hafen.

Dow Jones über 18.000 Punkte

An der Wall Street liegt der Leitindex derzeit gut 1,25 Prozent im Plus bei 18.120 Punkten. Damit rückt das Rekordhoch bei 18.351 Punkten aus dem Mai 2015 wieder in den Blick der Investoren. Anders als in Europa hat der Dow Jones zwar zuletzt stagniert, dies aber auf hohem Niveau und stets in Sichtweite der Topstände. Gefragt sind derzeit vor allem Finanzwerte, die deutlicher zulegen.

Banken erholen sich

Auch bei uns haben sich die Bankwerte erholt. Im Dax gehörten Commerzbank zu den stärksten Aktien und auch das Deutsche Bank-Papier, das zuletzt auf eine Rekordtief bei 11,21 Euro gefallen war, legte 2,8 Prozent zu auf 11,75 Euro. Tagessieger waren ThyssenKrupp, die von einer positiven Analysteneinschätzung profitierten. Eine Stahlfusion mit Tata Steel könnte trotz Brexit Sinn machen, schrieben die Experten und bezifferten Synergieeffekte auf 400-600 Millionen Euro. Autoaktien wurden zudem von positiven Juni-Absatzzahlen aus China gestützt.

Etwas Luft holten heute auch die italienischen Banken, nachdem Notenbankpräsident Ignazio Visco die Gemüter angesichts eines Berges von 360 Milliarden Euro fauler Kredite etwas beruhigte. Es sei keine Notlage des kompletten Bankensystems, sagte Visco am Freitag auf einer Veranstaltung in Rom. Ein Großteil der Problemdarlehen gehöre zu Instituten, die finanziell gesund seien. Zudem hellte ein bestandener interner Stresstest der Banco Popolare die Stimmung auf. Der Eurostoxx-Banken-Index legte über fünf Prozent zu.

Ölpreise im Erholungsmodus

Die Ölpreise starteten zum Wochenschluss einen Erholungsversuch. Die Preise für die Nordseesorte Brent und die US-Sorte WTI zoegn leicht an. In den USA war die Fördermenge in der vergangenen Woche so stark gesunken wie seit 2013 nicht mehr. Am Vortag hatte noch die Enttäuschung über ungünstige Öllagerdaten überwogen.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Euro verliert, Pfund-Prognosen machen wenig Mut

Der Euro rutschte nach den US-Daten zum Dollar zunächst auf 1,10 Dollar ab, hat aber seine Verluste aber mittlerweile etwas eingedämmt. Aktuell liegt der Kurs bei 1,1037 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1070 (Donnerstag: 1,1080) Dollar fest.

Unabhängig vom Tagesgeschehen erwarten Analysten für das britische Pfund derweil weitere Verluste gegen den Dollar. Viele rechnen fest mit einer Senkung des Leitzinses der Bank of England, der Base Rate, um 25 Basispunkte auf dann 0,25 Prozent in der kommenden Woche. Andere Experten rechnen für das Pfund danach mit Marken um 1,20 Dollar, sogar eine Parität zum Dollar wird mittelfristig nicht mehr völlig ausgeschlossen.

VW droht Ungemach

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Nach Medienberichten droht dem VW-Konzern in Deutschland eine hohe Strafzahlung. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat danach ein Bußgeldverfahren gegen VW eingeleitet. Dabei geht es nach Angaben eines Sprechers der Behörde um die Abschöpfung des wirtschaftlichen Vorteils, den das Unternehmen mit dem Verkauf von elf Millionen Fahrzeugen mit manipulierter Dieseltechnologie erzielt hat.

Deutsche Börse/LSE: Grünes Licht aus USA und Russland

Die amerikanischen und russischen Behörden haben die geplante milliardenschwere Fusion von Deutscher und Londoner Börse (LSE) abgesegnet. Sie muss nun noch von den EU-Wettbewerbsbehörden und der Börsenaufsicht im hessischen Wirtschaftsministerium genehmigt werden. Und das ist die eigentliche Hürde.

Metro kauf in Frankreich zu

Der Handelsriese Metro bestätigte Meldungen, nach denen er sein Geschäft in Frankreich durch einen Zukauf ausbauen will. Metro kauft vom belgischen Handelskonzern Colruyt den Lieferservice Pro à Pro. Finanzielle Details wurden nicht bekannt gegeben. Insider beziffern das Transaktionsvolumen auf rund 200 Millionen Euro.

Metro sei auch durch den Zukauf in Frankreich "sehr gut für weiteres Wachstum aufgestellt", sagte der zuständige Manager Philippe Palazzi. Pro à Pro beliefert in Frankreich unter anderem Schulen und Restaurants mit Lebensmitteln, betreibt einen eigenen Online-Shop und beschäftigt rund 1700 Mitarbeiter. Das Metro-Papier gehört zu den größten Gewinnern im MDax.

Krones profitiert von Analystenempfehlung

Kräftig bergauf ging es auch mit der Aktie des Indexkollegen Krones. Das Papier des Herstellers von Getränkeabfüllmaschinen legte nach einer positiven Studie der DZ Bank 5,34 Prozent zu und führte den Index der mittelgroßen Werte an.

Krones sei ein solides Investment in unruhigen Zeiten. Der Grund sei die defensive Ausrichtung des Geschäfts mit dem starken Fokus auf die Getränkeindustrie, schrieb Analyst Thorsten Reigber. Der Experte stufte das Krones-Papiere von "Halten" auf "Kaufen" hoch und hob den fairen Wert von 105 auf 108 Euro an.

Beate Uhse will Anleihe bedienen

Das Hamburger Erotik-Unternehmen erklärte, man wolle die fälligen Zinsen für eine Anleihe im Volumen von 30 Millionen Euro in den kommenden 14 Tagen bezahlen. Es geht um mehr als zwei Millionen Euro, die dann noch innerhalb der Frist von 30 Tagen nach dem offiziellen Zinstermin geleistet werden würden. Die Mittel stammen aus dem Darlehen eines ungenannten Dritten und nicht aus der Liquidität der Firma. Das bekannte Unternehmen steckt in Zahlungsschwierigkeiten angesichts rückläufiger Umsätze und anhaltender Verluste.

US-Justiz knöpft sich Facebook vor

Facebook: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Der Online-Riese Facebook ist wegen seiner Steuerpraktiken ins Visier der US-Behörden geraten. Das Justizministerium will das Unternehmen durch eine gerichtliche Anordnung zwingen, bei einer Untersuchung des Finanzamts zu kooperieren. Facebook steht im Verdacht, seine Steuerlast durch dubiose Geschäfte mit einer irischen Tochtergesellschaft zu niedrig angegeben zu haben.

Mobileye deckt Tesla-Schwächen auf

Das auf Kameratechnologie spezialisierte israelische Unternehmen Mobileye, ein Zulieferer für den US-Elektroautobauer Tesla, hat erneut erklärt, dass das Autopilot-System nicht ausgereift sei. Es bestätigte damit Aussagen nach einem Unfall aus dem Mai, dem jetzt ein weiterer gefolgt ist.

"Der Tesla-Unfall ist mit einem seitlich kreuzenden Fahrzeug passiert. Solche Situationen können Mobileye-Systeme ab 2018 erkennen." Der Unfall ereignete sich nach Unternehmensangaben im Mai, als ein Lastzug im rechten Winkel vor dem selbstfahrenden Auto des Tesla-Modells S die Straße kreuzte. Möglicherweise habe der Autopilot die weiß gestrichene Seite des Lkw nicht vom taghellen Himmel dahinter unterscheiden können; die Bremsfunktion sei jedenfalls nicht ausgelöst worden.

rm

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 26. September

Unternehmen:
Deutsche Bank: Rede von Bank-Chef Sewing bei der Schmalenbach-Gesellschaft
Nestlé: Rede von Vorstandschef Schneider zum Thema "Nestle - current growth strategies in the food and beverage industry", 18:00 Uhr

Konjunktur:
USA: Zinsentscheid der Fed, 20 Uhr, Pk ab 20:30 Uhr
Deutschland: DIW-Konjunkturbarometer
USA Eigenheimabsatz, August, 16 Uhr

Sonstiges:
Hannover: Fortsetzung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September)