Marktbericht 20:03 Uhr

Dax legt am Nachmittag zu Anschub aus Amerika

Stand: 13.05.2016, 20:03 Uhr

Gute US-Konjunkturdaten drückten den Euro und halfen damit dem Dax. Nach einem solch versöhnlichen Ende zum Wochenschluss sah es lange nicht aus. Für 10.000 Punkte hat es trotzdem nicht ganz gereicht, gleichwohl bleibt die wichtige Marke in Reichweite.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.326,48
Differenz relativ
+0,88%

Wie so manche Sitzung in dieser Woche, hat sich der Dax zum Wochenschluss von seiner volatilen Seite gezeigt. Anders als am Vortag ging es im späten Geschäft dieses Mal bergauf mit den Kursen, so dass am Ende ein Tagesgewinn von 0,92 Prozent stand bei 9.952 Punkten. Das Tagestief lag bei 9.767 Zählern immerhin fast 200 Punkte tiefer.

Kurzzeitig sah es sogar so aus, als könne die 10.000-Punkte-Marke erreicht werden, beim Tageshoch von 9.979 Zählern war aber Schluss. Der MDax legte gut ein halbes Prozent zu auf 20.152 Punkte. Im Späthandel folgt der L/E-Dax der nachgebenden Wall Street und fiel auf 9.929 Punkte.

MDax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
26.325,51
Differenz relativ
+0,29%

Auslöser der besseren Nachmittagstendenz waren überraschend gut ausgefallene US-Wirtschaftsdaten, die den Euro drückten. "Die Konjunkturdaten aus den USA waren an der Börse der Lichtstreif am sonst wolkenverhangenen Horizont", sagte Stratege Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets.

Immerhin können sich die Akteure hierzuzlande sowie in der Schweiz und Österreich eine Pause vom volatilen Handelsgeschehen gönnen. Am Pfingstmontag bleiben die Börsen nämlich geschlossen.

Wohin geht die Reise?

Die Tagestendenz ändert aber nichts an der Tatsache, dass der Markt derzeit seine Richtung sucht, Bullen und Bären kämpfen einen harten Kampf. Hin und her macht Taschen leer, so lautet eine alte Börsenweisheit. Es gibt zwar keinen Ausverkauf, aber richtig voran geht es ebenfalls nicht. Auch zahlreiche Quartalsbilanzen, größtenteils aus der zweiten Reihe, ändern daran nichts.

Viele Dividendenabschläge

Zu beachten war heute, dass gleich fünf Dax-Werte mit Dividendenabschlag gehandelt wurden und damit zumindest optisch am Dax-Ende standen. Autobauer BMW zahlt 3,20 Euro, FMC 0,80 Euro, Adidas 1,60 Euro, Vonovia 0,94 Euro und SAP 1,15 Euro. Tagessieger waren Eon, auch Continental und die Deutsche Telekom (noch inklusive Dividende von 0,55 Euro) waren gesucht.

US-Konjunkturdaten besser als erwartet

Die ganze Woche gab es kaum wichtige Konjunkturzahlen, deshalb wurden die wichtigen US-Einzelhandelsumsätze aus dem April und das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan für den Mai mit Spannung erwartet. Die Daten zeigen, dass Amerikas Verbraucher optimistisch sind.

ARD-Börsenstudio: Mischa Erhard
Audio

Börse 19.00 Uhr

Nach zuletzt schwächeren Konjunkturdaten fielen die US-Einzelhandelsumsätze aus dem April mit einem Zuwachs von 1,3 Prozent besser aus als erwartet. Auch die Erzeugerpreise zogen leicht an.

"Die Umsätze im Einzelhandel weisen auf eine sehr freundliche Konsumentwicklung zu Beginn des zweiten Quartals hin. Auf Grundlage dieser Datenveröffentlichung gibt es keinen Grund, die Zinserwartungen weiter in die Zukunft zu verschieben", kommentierte Ulrich Wortberg von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).

Auch der Index des Verbrauchervertrauens der Uni Michgian für den Mai fiel mit 95,8 Punkten nach 89,0 Punkten im April besser als erwartet aus. Experten hatten nur einen Wert von 90,0 Punkten prognostiziert. Es war der höchste Stand seit knapp einem Jahr. Daten der privaten Verbraucher aber auch solche vom Arbeitsmarkt gelten in Amerika als besonders sensitiv. Denn die gesamte US-Wirtschaftsleistung hängt zu 70 Prozent vom privaten Konsum ab. Sie sind daher auch für die Zinspolitik der Notenbank von großer Bedeutung.

Zinsängste an der Wall Street

An der Wall Street geht es derweil bergab, auch die Technologiebörse ist mittlerweile ins Minus gerutscht. Der Leitindex Dow Jones hat seine Verluste ausgebaut und liegt über ein Dreiviertel Prozent im Minus. Die Kehrseite der besseren Wirtschaftsdaten sind nämlich neue Zinsängste, sprich die Sorge, dass die Notenbank früher als erwartet die Zinsen anheben könnte. Diese Spekulationen, die fast börsentäglich im Markt sind, haben durch die heutigen Konjunkturdaten wieder Auftrieb bekommen. Gleichzeitig meldeten einige Einzelhandelskonzerne rückläufige Einnahmen.

Am Rentenmarkt scheinen diese Sorgen aber nicht zu greifen. Renditen der zehnjährigen Staatsanleihe sind zuletzt gefallen und liegen aktuell bei 1,73 Prozent. Auch weist die Zinsstrukturkurve einen normalen Verlauf auf.

Der Euro sackt deutlich ab

Am Devisenmarkt steht der Euro nach den US-Daten unter Druck und fällt unter die Marke von 1,13 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,1348 (Donnerstag: 1,1389) US-Dollar fest.

Auf die guten Konjunkturdaten aus Deutschland und der EU vom Vormittag, wo das BIP im ersten Quartal 0,7 beziehungsweise 0,5 Prozent zugelegt hatte, hatte die Gemeinschaftswährung zuvor nicht reagiert. "Wenn überhaupt, dann hätten die Wachstumszahlen aus Deutschland den Euro beflügeln müssen", kommentierte Devisenexperte Lutz Karpowitz von der Commerzbank.

Am Ölmarkt schalten die Investoren nach den jüngsten Avancen heute einen Gang zurück. Der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent fällt am Nachmittag rund 0,3 Prozent, behauptet sich aber auf insgesamt gutem Niveau.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1764
Differenz relativ
+0,79%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
70,77
Differenz relativ
-0,31%
Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
78,69
Differenz relativ
-0,85%

Lufthansa-Piloten verhandeln wieder

Nach Börsenschluss erklärte die Pilotengewerkschaft Cockpit, dass man sich mit der Lufthansa auf die Wiederaufnahme der Tarif-Verhandlungen geeinigt habe. Hierfür sei zunächst ein Zeitrahmen bis Ende Juli vorgesehen. Damit kommt wieder Bewegung in die festgefahrenen Gespräche, die wei ein Damoklesschwert über der Gesellschaft hängen. Im Späthandel legte das Lufthansa-Papier leicht zu.

Viele Autos in Europa verkauft

Für die Autobranche läuft es gut. Im April stieg die Zahl der Neuzulassungen in der EU um 9,1 Prozent auf 1,27 Millionen Stück, wie der Herstellerverband Acea am Freitag mitteilte. Damit stieg der Absatz den 32. Monat in Folge. Das Verkaufsvolumen sei so hoch gewesen wie zuletzt im April 2008, hieß es. Auch für die Kernmarke VW lief es in Europa besser, wenngleich man hinter der Konkurrenz zurückbleibt. Weltweit stagniert der Absatz jedoch. Die Tochtergesellschaften des Konzerns entwickeln sich deutlich dynamischer.

TCI setzt VW unter Druck

Derweil hat der aktivistische britische Hedgefonds TCI das Land Niedersachsen aufgefordert, seine beiden Vertreter aus dem Aufsichtsrat zurückzuziehen. Man solle dem neuen Management erlauben, Maßnahmen zur Produktivitäts- und Effizienzsteigerung durchzuführen, hieß es zur Begründung. Im Kontrollgremium sitzen aktuell Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und Wirtschaftsminister Olaf Lies (beide SPD).

Nach Börsenschluss wurde noch bekannt, dass jeder Mitarbeiter eine Erfolgsprämie von 3.950 Euro erhalten soll. Auch darüber hatte es zuletzt streit bei VW gegegebn, nachdem sich der Vorstand trotz Abgasaffäre eine üppige Erfolgsbeteiligung genemigt hatte. Diese steht auf der Hauptversammlung am 22. Juni zur Abstimmung.

Bei Merck läuft es gut

Merck-Aktien zogen im Dax deutlich an, nachdem sich Life-Science-Chef Udit Batra in einem Interview zuversichtlich zur Geschäftslage des Konzerns äußerte. Vor allem der 17-Milliarden-Dollar schwere Zukauf des US-Laborausrüsters Sigma-Aldrich zahle sich aus. "Das erste Quartals ist gut gelaufen", sagte der 45-jährige in Indien geborene Amerikaner.

Er verantwortet den Life-Science-Bereich, zu dem rund 300.000 Produkte gehören. Batar geht davon aus, dass Merck schneller wachsen werde als der weltweite Life-Science-Markt, der pro Jahr etwa vier Prozent zulegt. Geografisch wächst der Markt vor allem in Asien, davon besonders in China.

Stada vor brisanter Hauptversammlung

Die Aktionäre des hessischen Pharmaunternehmens aus dem MDax stimmen am 9. Juni über einen Umbau des Aufsichtsrats ab. Geht es nach dem neuen Investor Active Ownership Capital (AOC), der fünf Prozent der Anteile hält, sollen drei der sechs Vetreter ausgetauscht werden. Stada setzte den Antrag heute auf die Tagesordnung der Aktionärsversammlung. einihen sollen nach dem willen von AOC deren Chef Klaus röhrig, der Ex-Hexal-Finanzvorstand Klaus-Joachim Krauth sowie Ulrich Wandscheider, bis vor kurzem Chef der Asklepios-Kliniken.

Auch ein Antrag auf Abschaffung der vinkulierten Namensaktien steht zur Abstimmung. Aufsichtsratschef Martin Abend, der bis 2018 gewählt ist, kritisierte die Art und Weise des Vorgehens von AOC. Gleichwohl denkt auch Abend über eine Neubesetzung des Kontrollgremiums nach. Stada-Aktien legten 2,65 Prozent zu.

Deutsche Euroshop kommt kaum von der Stelle

Der auf Einkaufszentren spezialisierte Immobilieninvestor Deutsche Euroshop hat im ersten Quartal einen leichten Gewinnrückgang um zwei Prozent auf 25 Millionen Euro hinnehmen müssen. Grund waren höhere Investitionen. Der Umsatz stieg um 0,3 Prozent auf 50,7 Millionen Euro. Die Gesamtjahresprognose wurde bestätigt. Die Aktie gab im MDax nach.

Deutsche Wohnen liegt auf Kurs

Wesentlich besser lief es da für das Papier des Indexkollegen Deutsche Wohnen, das Tagessieger im MDax war. Der zweitgrößte deutsche Wohnungsvermieter hat im ersten Quartal das operative Ergebnis (FFO I) aus der Vermietung um 42 Prozent auf 100,9 Millionen Euro gesteigert. Analysten hatten nur 93,6 Millionen Euro erwartet. Der zweitgrößte deutsche Wohnungsvermieter bestätigte seine Prognose für das Gesamtjahr.

Talanx besser als gedacht

Auch Talanx-Aktien waren gefragt. Deutschlands drittgrößter Versicherungskonzern Talanx hat im ersten Quartal zwar einen Gewinnrückgang um zwölf Prozent auf 222 Millionen Euro hinnehmen müssen. Analysten hatten aber mit einem Einbruch auf 189 Millionen Euro gerechnet. Die Prämieneinnahmen sanken überraschend deutlich um fast fünf Prozent auf 9,0 Milliarden Euro. Doch vor allem das Kapitalanlageergebnis fiel besser als erwartet aus.

Klöckner sieht keine Zerschlagungsgefahr

Der Aufsichtsratschef des Stahlhändlers aus dem SDax, Dieter Vogel, trat auf der Hauptversammlung entsprechenden Gerüchten entgegen. An den Märkten waren solche Vermutungen nach dem Einstieg des ebenfalls im Stahlhandel aktiven Familienunternehmers Friedhelm Loh aufgekommen, der inzwischen größter Einzelaktionär ist. Loh und seine Investmentfirma Swoctem halten 25,25 Prozent der Anteile und sind mit Abstand der größte Einzelaktionär. "Herr Loh hat nicht den Eindruck hinterlassen, als würde er die Beherrschung dieses Unternehmens als Zielsetzung haben", erklärte Vogel.

Bechtle Tagessieger im TecDax

Bechtle-Aktien legten 5,54 Prozent zu und waren damit Klassenbester im TecDax. Der IT-Dienstleister hat zum Jahresauftakt seinen Umsatz um 13 Prozent auf 705 Millionen Euro in die Höhe geschraubt. Der Vorsteuergewinn legte um ein Fünftel auf 26,9 Millionen Euro zu. Grund waren starke Geschäfte auf dem deutschen Heimatmarkt.

Tele Columbus schreibt Verluste

Der Kabelnetzbetreiber Tele Columbus hat seine Erlöse im ersten Quartal wegen Zukäufen mehr als verdoppelt auf 116 Millionen Euro. Das um Sondereffekte operative Ergebnis stieg von 24,4 auf 56,5 Millionen Euro. Unter dem Strich steht jedoch wegen der hohen Kreditzinsen und Abschreibungen ein Verlust von 18 Millionen Euro. Insgesamt kamen die Zahlen gut an, die Aktie legte über zwei Prozent zu.

Sixt wächst im Ausland

Der Autovermieter Sixt hat seinen operativen Konzernumsatz im ersten Quartal um 15 Prozent auf 465 Millionen Euro steigern können. Hier half die Expansion in Westeuropa und in den USA. Das Konzernergebnis vor Steuern legte um knapp elf Prozent auf 31,1 Millionen Euro zu. Die Sixt-Aktie kletterte auf ein Rekordhoch.

Donald Trump schießt sich auf Amazon ein

Amazon: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.655,10
Differenz relativ
+0,99%

Der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump hat Amazon ein "Monopol-Problem" bescheinigt. Zugleich warf er Firmenchef Jeff Bezos vor, als Besitzer der "Washington Post" die politische Meinung im Sinne Amazons zu beeinflussen. Von Amazon gibt es bisher keine Stellungnahme.

Apple investiert in China

Der Kultkonzern steigt mit einer Investitionssumme von einer Milliarde Dollar beim chinesischen Uber-Konkurrenten Didi Chuxing ein. Firmenchef Tim Cook bezeichnete die Beteiligung an dem Fahrdienst-Anbieter am Donnerstag als "Chance, mehr über den chinesischen Markt" zu lernen. China ist nach den USA für Apple der zweitwichtigste Absatzmarkt. Analyst Patrick Moorhead vom Berater Moor Insights & Strategy sagte, die Beteiligung zeige, dass sich Apple immer mehr auf Dienstleistungen konzentrieren wolle. Er verwies in dem Zusammenhang auf den Musik-Bezahldienst und das Online-Bezahlsystem des Konzerns. Cook wird China noch in diesem Monat besuchen.

rm

1/13

Alphabet zerrt am Börsen-Thron von Apple Die wertvollsten Konzerne der Welt

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 5 Jahre

Apple

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 21. September

Unternehmen:
Vossloh: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Frankreich: BIP, Q2 detailliert, 8:45 Uhr
London: Markit Einkaufsmanagerindex Euro-Zone (Industrie, Service, Composite) für September, vorläufig, 09:30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt: Bundesbank-Konferenz mit Blackrock-Vizechef Hildebrand und Deutsche-Börse-CEO Weimer