Anlegern geht Puste aus

von Notker Blechner

Stand: 08.09.2009, 20:06 Uhr

Goldpreis auf über 1000 Dollar, Euro auf Jahreshoch - davon ließ sich der Dax kaum beeindrucken. Erst als der erhoffte starke Rückenwind von der Wall Street ausblieb, schmolzen die Kursgewinne. Für Schlagzeilen sorgten die Banken und die Telekom.

Die Erholungstour geht weiter. Bereits den dritten Tag in Folge schloss der Dax mit einem Plus. Doch am Ende des Xetra-Handels blieb nur ein Mini-Plus von 0,3 Prozent - bei einem Stand von 5.481 Punkten und dünnen Umsätzen. Im späten Parketthandel schmolzen die Gewinne noch weiter. Der L-Dax schloss bei 5.473 Zählern. Schrumpfende Kursgewinne an den US-Börsen bremsten den Dax. Am Mittag hatte der Dax noch bis 0,7 Prozent zugelegt.

Gold über 1000 Dollar, Öl über 71 Dollar

Steigende Rohstoffpreise sorgten an den Börsen für keine Beunruhigung. Im Gegenteil: die Entwicklung wird allgemein als gutes Signal interpretiert. "Hohe Rohstoffpreise deuten auf eine gesunde Wirtschaft hin, und daher folgen ihnen die Aktienmärkte auf dem Fuße", sagte Analyst Andre Bakhos von der Princeton Financial Group. Der Preis für ein Fass Öl der Sorte WTI verteuerte sich um mehr als fünf Prozent auf 71,50 Dollar - das ist der höchste Stand seit Ende August. Der Goldpreis übersprang erstmals seit Februar die magische Marke von 1.000 Dollar.

Auch der starke Euro ließ die Anleger kalt. Am Dienstag kletterte er erstmals seit Dezember 2008 wieder auf über 1,45 Dollar. Dabei könnte der Anstieg der Gemeinschaftswährung die gerade wieder in Fahrt gekommene deutsche Exportwirtschaft ausbremsen. Im Ferienmonat Juli exportierten die deutschen Unternehmen zwei Prozent mehr ins Ausland. Damit setzt sich der positive Trend vom Juni fort.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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6,64
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Einstiegsgelegenheiten bei Banken?
Im Fokus der Anleger standen am Dienstag die Bankentitel. Die Aktien der Commerzbank schlossen mit einem Plus von über fünf Prozent als Spitzenreiter im Dax. "Finanztitel werden als Hoffnungswerte gefragt", erklärte Andreas Lipkow von der Wertpapierhandelsbank MWB Fairtrade. Investoren sehen vor allem bei der Commerzbank wieder Einstiegsgelegenheiten. In der vergangenen Woche hatte Commerzbank-Vorstand Michael Reuther angekündigt, dass die Bank Nummer eins unter den Investmentbanken in Deutschland werden wolle. Morgen wird Vorstandschef Martin Blessing die langfristige Strategie der Commerzbank, die Roadmap 2012, auf dem Banken-Kongress des "Handelsblatt" in Frankfurt erläutern.

Ackermann bläst zum Angriff
Am Montag präsentierte sich Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann auf dem Kongress und zeigte sich überraschend vorsichtig. Der reumütige Schweizer versprach, als Konsequenz aus der Krise den eingeschlagenen Risikopfad nicht verlassen zu wollen, selbst wenn dies Marktteilnehmer forderten. Gleichzeitig besann er sich auf die Wurzeln der Bank und verlangte: "Wir müssen im Heimatmarkt alles tun, um den Marktanteil zu erhöhen." Wenn eine Bank zuhause genug verdiene, sei sie nicht gezwungen, risikoreiche Investments andernorts einzugehen. Fast gebetsmühlenartig beschwörte Ackermann seine Hoffnung auf ein Ende der Finanzkrise. Er sehe für die Finanzmärkte "ein Licht am Ende des Tunnels", erklärte er. Er räumte ein, dass er das Gleiche schon vor einem Jahr gesagt habe, dann aber eine Woche später die US-Investmentbank Lehman zusammenbrach. Gewisse Dinge könne man halt nicht voraussehen, meinte Ackermann achselzuckend.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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47,37
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BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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74,27
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Premiumautobauer hoffen auf 2010
Auch in der Autobranche werden kleine Hoffnungssignale verbreitet. Die Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers prophezeit den Premiumautobauern im nächsten Jahr eine Steigerung der Produktion um sechs Prozent. Noch aber ist ein Ende der Talfahrt nicht zu sehen. Im August verkaufte 13 Prozent weniger Fahrzeug. Im Juni hatte das Minus noch auf einem einstelligen Niveau gelegen. Bei BMW verlangsamte sich hingegen der Absatzrückgang den fünften Monat in Folge auf knapp minus zehn Prozent. Auch die VW-Tochter Audi setzte sieben Prozent weniger Fahrzeuge ab. Zur Absatzfinanzierung will BMW nun eine Anleihe mit einem Volumen von 1 bis 1,5 Milliarden Euro begeben. Daimler- und BMW-Aktien büßten rund ein Prozent ein.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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19,42
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Luftfahrtbranche vor Erholung?
Für Europas Luftfahrtbranche schließlich gibt es ebenfalls einen Hauch von Hoffnung: Nach Ansicht von Airbus könnte die Talsohle bereits erreicht sein. Ab 2010 werde es mit dem Flugverkehr wieder aufwärts gehen, prophezeite ein Airbus-Manager in Hongkong. Eine Verlangsamung des Abwärtstrends im europäischen Flugverkehr hat der europäische Branchenverband ACI festgestellt. Die Passagierzahlen in Europa sind im Juli im Jahresvergleich um 4,3 Prozent zurückgegangen. In den ersten sechs Monaten war der Passagierverkehr noch um durchschnittlich 9,6 Prozent eingebrochen. Auch der Frachtverkehr zeige Erholungstendenzen, teilte der ACI mit. Das gab der Lufthansa-Aktie kräftig Auftrieb.

Airberlin und TuiFly verbünden sich

Neues gab es auch von den beiden Fluggesellschaften Air Berlin und Tuifly. Sie haben sich auf ein Bündnis verständigt. Air Berlin wird wie geplant das so genannte City Carrier Geschäft von Tuifly übernehmen, Tuifly wird sich im Gegenzug über eine Konzerngesellschaft der Tuitravel mit 9,9 Prozent an Air Berlin beteiligen oder alternativ 15 Millionen Euro an die im SDax-notierte Air Berlin zahlen. Damit rückten beide Unternehmen von ihrem ursprünglichen Plan einer Überkreuzbeteiligung von bis zu 20 Prozent ab. Die AirBerlin-Aktien stiegen um knapp 1,4 Prozent, die Titel von Tui kletterten um fast sieben Prozent nach oben. Auch ein Zeitungsbericht über die Einigung auf ein Sparpaket bei der Hapag Lloyd half der Tui-Aktie.

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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15,11
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Deutsch-französischer Telekomdeal auf der Insel
Die Aktie der Deutschen Telekom legte um fast zwei Prozent auf 9,63 Euro zu. Der Bonner Konzern bestätigte Marktgerüchte, wonach die britische Mobilfunktochter T-Mobile UK mit Orange UK von France Telecom zusammengeschlossen werden solle. Es seien "exklusive Verhandlungen zur Zusammenlegung der T-Mobile UK und der Orange UK" in einem neuen Gemeinschaftsunternehmen aufgenommen worden, teilten beide Unternehmen mit. Damit würde der führende Mobilfunkbetreiber in Großbritannien entstehen. Analysten begrüßten den Deal.

Milliardenverluste bei ThyssenKrupp?

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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15,61
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Uneinheitlich zeigten sich die Stahlwerte. Während Salzgitter kräftig zulegte, gab ThyssenKrupp ein Prozent nach. Laut einem Pressebericht vom Abend droht ThyssenKrupp ein Vorsteuerverlust von mehr als zwei Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2008/2009. Restrukturierungskosten von 1,5 Milliarden Euro würden die Bilanz belasten, hieß es. Außerdem sickerte aus der Presse durch, dass ThyssenKrupp angeblich die Nordseewerke in Emden an Siag Schaaf verkauft.

BASF macht einen Standort dicht
BASF bündelt indes sein Geschäft mit dem Kunststoff Polyamid 6 in Europa. Künftig soll der Kunststoff nur noch in Antwerpen und Ludwigshafen hergestellt werden. Der Standort im thüringischen Rudolstadt wird dichtgemacht. Die BASF-Aktie schloss über ein Prozent im Plus.

Analysten treiben Douglas und ProSieben an

Positive Analysten-Kommentare haben im MDax zahlreiche Titel angetrieben. So gab eine Kaufempfehlung von Goldman Sachs der Douglas-Aktie kräftig Schwung. Sie gewann über vier Prozent. Auch ProSiebenSat.1 war mit einem Plus von über fünf Prozent unter den Top-Gewinnern. Hier wirkte ein positiver Kommentar von der Citigroup zu den Zuschauerzahlen des Senders.

Zwiespältige Kapitalerhöhungen

Ein großes Thema bei den MDax-Firmen sind Kapitalerhöhungen. Beim Stahlhändler Klöckner & Co kam die Kapitalerhöhung offenbar gut an. Es gab eine starke Nachfrage nach neuen Aktien von KlöCo. Folglich gewannen die Titel von KlöCo über sechs Prozent und gehörten zu den MDax-Gewinnern. Spekulationen über eine Kapitalerhöhung halfen dagegen der Aktie von HeidelbergCement nicht. Im Gegenteil: Sie drücken die Aktie tief ins Minus. HeidelCement war Schlusslicht im MDax. Laut Presseberichten will der Zementhersteller die stolze Summe von 1,5 Milliarden Euro einsammeln.

Morphosys kommt im Anti-Krebs-Kampf voran
Das Biotechnologieunternehmen Morphosys hat einen klinischen Meilenstein in einem therapeutischen Krebsprogramm mit dem Pharmakonzern Bayer Schering bekannt gegeben. Bayer Schering habe alle notwendigen Anträge für den Beginn einer klinischen Studie der Phase 1 mit einem Wirkstoff, der auf der von Morphosys entwickelten Antikörperbibliothek basiert, eingereicht. Dies sei ein wichtiger Meilenstein innerhalb der Zusammenarbeit der beiden Firmen, so Morphosys weiter. Die Commerzbank stufte Morphosys hoch von "Hold" auf "Buy". Die Aktie von Morphosys legte sieben Prozent zu.

Singulus im Höhenflug
Nur ein Titel stieg noch stärker im TecDax: die Aktie des Maschinenbauers Singulus. Sie gewann fast neun Prozent. Börsianer sagen, das Papier profitierte weiterhin von der optimistischen Prognose des Firmenchefs Roland Lacher vom Wochenende. Dagegen drückte ein negativer Analystenkommentar die Bechtle-Aktie deutlich ins Minus. Die Bank of America/Merrill Lynch stufte den Titel auf "underperform".

Staatsunterstützung für Jenoptik
Die Bundesregierung und die Bundesländer Thüringen und Nordhein-Westfalen gewähren dem Technologiekonzern Jenoptik eine Staatsbürgschaft von 55 Millionen Euro. Mit diesen Hilfen will Jenoptik kurzfristige Verbindlichkeiten in langfristige umwandeln.Die Aktie der TecDax-Firma legte zeitweise vier Prozent zu, am Ende blieb jedoch nur ein klitzekleines Plus.

Neuer Großaktionär bei Gerresheimer
Änderungen in der Aktionärsstruktur gab am Dienstag Gerresheimer bekannt. Die Investmentgesellschaft Sageview ist neuer Großaktionär des Verpackungsherstellers. Sageview halte inzwischen mehr als zehn Prozent an Gerresheimer. Der Investor wolle weiter zukaufen, plane aber nicht, auf die Besetzung des Managements Einfluss zu nehmen. Die Aktien von Gerresheimer reagierten auf die Nachricht zunächst mit kräftigen Kursaufschlägen, am Ende notierten sie rund ein Prozent höher.

Steigt Commerzbank bei Gea aus?
Bei Gea will angeblich die Commerzbank aussteigen. Händler berichteten von einer laufenden Platzierung von über neun Millionen Aktien an dem Maschinenbauer. Im späten Parketthandel gab Gea deutlich nach.

Erneuter Rückschlag für Bwin
Der Online-Sportwettenanbieter Bwin hat eine neuerliche Schlappe vor dem Europäischen Gerichtshof erlitten. Die Richter bestätigten in einem Urteil das Glücksspielmonopol des Anbieters Santa Casa in Portugal. Betrug und andere Straftaten könnten dank des Monopols bekämpft werden. Trotzdem will Bwin sein Internetangebot in Portugal aufrechterhalten. Die Bwin-Aktie verlor rund vier Prozent.

Warten auf GM und Apple

In Detroit in den USA ist der Verwaltungsrat von General Motors (GM) zusammengetreten, um über das Schicksal von Opel zu entscheiden. Laut Insidern ist offenbar der Opel-Verkauf an Magna oder RHJ kein Thema mehr. Es gehe nur noch um die Frage "Behalten oder Vertagen". Die Anzeichen verdichten sich, dass die GM-Spitze eine Festlegung erneut vermeidet und erst im Oktober nach der Bundestagswahl entscheiden will. Die Sitzung des GM-Verwaltungsrats dauert bis einschließlich Mittwoch.

Am Mittwoch um 19 Uhr MESZ wird auch Apple ein Geheimnis lüften. Auf einem "Special Event" soll die neue Generation von iPods vorgestellt werden. Möglicherweise tritt dabei Apple-Chef Steve Jobs erstmals nach seiner halbjährigen Auszeit wieder auf. Bislang hatte Marketing-Chef Phil Schiller ihn vertreten.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr