Marktbericht 20:00 Uhr

Kursturbulenzen an den Börsen Anlegern flattern die Nerven

Stand: 13.06.2013, 20:05 Uhr

An den Börsen droht der Rally allmählich der Treibstoff auszugehen, befürchten Anleger.  Die Spekulationen über eine Drosselung der Liquiditätszufuhr durch die Fed halten an. Das drückte am Donnerstag erneut den Dax nach unten. Entlastung kam von der Wall Street.

Noch am Vormittag hatte es nach einem sehr düsteren Tag an den europäischen Aktienmärkten ausgesehen. Der Dax sackte zeitweise um gut zwei Prozent auf unter 8.000 Punkte ab. Erst im Laufe des Nachmittags beruhigte sich die Situation etwas. Nachdem die Wall Street ins Plus gedreht war, reduzierten sich die Kursverluste an den Börsen. Der Dax schloss nur noch 0,6 Prozent tiefer bei 8.095 Punkten. Im späten Parketthandel setzte sich die Erholung fort. Der L-Dax beende den Tag bei knapp 8.112 Punkten. Die Börsen in Paris und London retteten sich gar ins Plus.

Nikkei bricht ein

Am frühen Morgen hatte noch ein heftiger Kursrutsch in Japan die Stimmung belastet. Der Nikkei-Index brach am Donnerstag um über sechs Prozent ein. Überraschend hatten die japanischen Währungshüter zuletzt angekündigt, die Geldschleusen nicht noch weiter zu öffnen. Hinzu kam die Senkung der Wachstumsprognose der Weltwirtschaft durch die Weltbank - von 2,4 auf 2,2 Prozent.

US-Konjunkturdaten überraschend gut

Am Nachmittag hellte sich dann die Stimmung etwas auf - dank der USA. Überraschend gute Konjunkturdaten trieben die Wall Street ins Plus. Zwei Stunden vor Handelsschluss notiert der Dow 0,8 Prozent höher. Der US-Einzelhandel konnte im Mai die Umsätze um 0,6 Prozent steigern. Experten hatten nur mit einem Plus von 0,4 Prozent gerechnet. Auch die Arbeitsmarktdaten fielen vielversprechend aus. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe gingen unerwartet um 12.000 auf 334.000 zurück. Volkswirte hatten eine Stagnation vorausgesagt.

VDax auf Siebeneinhalb-Monats-Hoch

Die Konjunkturdaten waren gut, aber nicht so extrem gut, dass sie die Angst vor einem Kurswechsel der US-Notenbank neu schürten. Dennoch bleibt die Nervosität hoch. Der V-Dax kletterte im Tagesverlauf auf den höchsten Stand seit siebeneinhalb Monaten. "Das Fed-Sentiment hält die Märkte weiterhin im Würgegriff", meint Börsenbrief-Autor Marcel Mußler.

Euro auf Achterbahnfahrt

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1313
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+0,13%

An den Devisenmärkten sorgten die anhaltenden Spekulationen um ein Ende der Geldschwemme für Turbulenzen. Der Euro kletterte zunächst auf fast 1,34 Dollar, rutschte dann aber wieder auf 1,3344 Dollar ab. Der Yen legte gegenüber dem Dollar weiter zu. Die Wirkung der ultralockeren Geldpolitik in Japan verpufft allmählich. Der Ölpreis zog nach den US-Daten wieder an. Die Nordsee-Sorte Brent verteuerte sich um 0,3 Prozent auf 103,80 Dollar. Der Goldpreis hingegen fiel um fast ein Prozent auf 1.376 Dollar.

Versorger obenauf

Zu den wenigen Dax-Gewinnern zählten die Versorgerwerte. Eon setzte sich mit einem Plus von 1,4 Prozent an die Spitze, RWE legte 0,3 Prozent zu. Ein Händler verwies bei Eon auf einen möglicherweise bevorstehenden Verkauf der Anteile am britischen Urananreicherungsunternehmen Urenco. Laut Medien hat die koreanische Electric Power Interesse.

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
18,76
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+0,75%

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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8,97
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+3,39%

Vorschusslorbeeren für Adidas

Adidas: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
205,60
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-0,48%

Die US-Bank JP Morgan machte der Aktie von Adidas Beine. Sie gewann gut ein Prozent. JP Morgan hat die Aktie von "Neutral" auf "Overweight" hochgestuft und das Kursziel von 75 auf 95 Euro angehoben. Ein Jahr vor der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien lege die Dynamik der Marke mit den drei Streifen zu, meinte die zuständige Analystin. Zudem verbessere sich die Profitabilität von Adidas.

PPR zieht Notbremse bei Puma

Puma: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
450,50
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+1,24%

Beim Adidas-Konkurrenten Puma sieht es dagegen weniger gut aus. "Wir haben interne Schwächen, die korrigiert werden müssen", sagte der Chef des französischen Luxus- und Lifestyle-Konzerns Kering (früher PPR), François-Henri Pinault, in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Er will bei Puma hart durchgreifen. "Wildwuchs und die geographische Zersplitterung" sollen bekämpft werden. Strukturen müssten jetzt "vereinfacht und vereinheitlicht" werden. Die Aktie von Puma stieg leicht.

Neue Brasilien-Probleme bei ThyssenKrupp

Dax-Schlusslicht war ThyssenKrupp. Die Aktie büßte über zwei Prozent ein, zeitweise betrug das Minus gar fünf Prozent. Neue Probleme in Brasilien setzen der Aktie zu. Einer von zwei Hochöfen im brasilianischen Werk wurde außer Betrieb genommen. Dadurch sei die Produktion auf weniger als die Hälfte der normalen Kapazität gesunken. Jetzt scheint fraglich, ob der brasilianische Stahlkonzern CSN an seinem Angebot für das defizitäre Stahlwerk festhält.

DuPont senkt Gewinnprognose

BASF: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
69,17
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-0,59%

Die kleine Gewinnwarnung des US-Chemieriesen Dupont konnte Konkurrent BASF kaum etwas anhaben. Die Aktie schloss 0,7 Prozent im Minus. DuPoint hat aufgrund des verregneten Frühjahrs in Europa seine Halbjahres-Prognose gekürzt. Der Konzern rechnet mit einem Rückgang beim Gewinn je Aktie von rund zehn Prozent. Im April hatten die Amerikaner noch ein Minus von sieben bis neun Prozent prophezeit.

Rhön-Barriere gefallen

MDax-Spitzenreiter war die Aktie von Rhön-Klinikum. Sie gewann über fünf Prozent, zeitweise betrug das Plus gut zehn Prozent. Die von den Aktionären gestern beschlossene Satzungsänderung schürte neue Übernahmefantasie. Künftig gilt für alle wichtigen Unternehmensentscheidungen nicht mehr eine 90-Prozent-Hürde, sondern nur noch die gesetzlich vorgeschriebene Grenze von 75 Prozent. An der Hürde war 2012 der geplante Kauf von Rhön durch den Gesundheitskonzern Fresenius gescheitert. Großaktionär B. Braun sowie weitere Anteilseigner wollen jedoch die Beschlüsse der Hauptversammlung anfechten. Damit droht ein langer juristischer Kleinkrieg.

EADS-Chef rechnet mit Orderflut in Paris

Vier Tage vor der Luftfahrtsachau in Paris-Le Bourget zeigte sich EADS-Chef Tom Enders zuversichtlich. Er rechne mit mehreren hundert Bestellungen für die EADS-Tochter Airbus. Gleichzeitig bekräftigte Enders die kürzlich bei Airbus von 700 auf 800 Bestellungen erhöhte Prognose für das laufende Jahr. Die EADS-Aktie schloss leicht im Plus. Am Freitag startet der neue A350 seinen Jungfernflug.

HeidelDruck auf der Jagd nach "dunklen Ecken"

Nach fünf verlustreichen Geschäftsjahren in Folge verschärft Heidelberger Druck nochmals seinen Sparkurs. Statt 180 sollen jetzt mehr als 200 Millionen Euro weniger ausgegeben werden, kündigte der Druckmaschinenhersteller an. Vorstandschef Gerold Linzbach sucht nach eigenen Angaben "dunkle Ecken", um die Rentabilität zu verbessern. Im kommenden Jahr will Heidelberger Druck wieder dauerhaft schwarze Zahlen schreiben. Die Anleger schöpfen Hoffnmung. Die Aktie stieg um fast zwei Prozent.

Koenig & Bauer senkt Jahresziel

Dagegen brachen die Aktien von Koenig& Bauer um sechs Prozent ein. Der Druckmaschinenhersteller hat sein Gewinnziel für das laufende Jahr kassiert. Statt eines kleinen Anstiegs wird jetzt nur noch ein Ergebnis auf dem Niveau des Vorjahres erwartet. Viele Kunden hielten sich wegen der Wirtschaftsflaute in Europa zurück,warnte Koenig & Bauer.

Schlappe für CTS Eventim

Zweitgrößter SDax-Verlierer nach Koenig & Bauer war CTS Eventim mit einem Minus von über fünf Prozent. Der Ticketvermarkter hat vor Gericht eine Niederlage erlitten und bekommt keinen Schadenersatz vom weltgrößten Konzertveranstalter Live Nation. Der Internationalen Schiedsgerichtshof urteilte, dass der US-Konzern einen Kooperationsvertrag rechtmäßig gekündigt habe und wies die Schadenersatzforderungen von CTS Eventim zurück.

Chef von Royal Bank of Scotland geht

Im Ausland stand die Aktie der Royal Bank of Scotland (RBS) stark unter Druck. Sie büßte über drei Prozent ein. Nach dem überraschenden Rücktritt von Konzernchef Stephen Hester hat die Bank den Ausstieg aus dem Aktiengeschäft mit Kleinanlegern und Derivaten-Geschäften angekündigt. Angeblich sollen rund 2.000 Stellen gestrichen werden.

nb

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr