Marktbericht 20:08 Uhr

Dax rudert zurück Anleger zwischen Hoffen und Bangen

Stand: 07.03.2016, 20:08 Uhr

Die EZB-Sitzung am Donnerstag hat zu Wochenbeginn die Börsenentwicklung überschattet. Anleger bezweifeln, ob "Super Mario" Draghi die hohen Erwartungen erfüllt. Der Dax gab leicht nach. Etwas Hilfe kam von der Wall Street.

Der Dow drehte nach einem schwachen Start ins Plus und notiert zwei Stunden vor Handelsschluss 0,3 Prozent höher bei über 17.000 Punkten. Der breiter gefasste Index S&P 500 überwand die psychologisch wichtige Marke von 2.000 Punkten.

Öl kostet wieder über 40 Dollar

Den nötigen Halt gaben die wieder anziehenden Ölpreise. Erstmals seit Dezember kletterte der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent über 40 Dollar. Am Abend kostete ein Barrel 40,70 Dollar - fünf Prozent mehr als am Freitag. Die US-Sorte WTI verteuerte sich auf 37,75 Dollar je Barrel.

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
70,27
Differenz relativ
+0,89%
Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
73,15
Differenz relativ
+1,15%

Dax verringert Verluste

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.561,42
Differenz relativ
-0,98%

Die etwas freundlichere Wall Street linderte die Kursverluste an den europäischen Aktienmärkten. Der Dax schloss 0,5 Prozent tiefer, nachdem er zeitweise über ein Prozent im Minus gelegen war. Der EuroStoxx50 ging mit Abschlägen von 0,6 Prozent aus dem Handel. Die dreiwöchige Erholungsrally ist ins Stocken geraten.

Kann "Super Mario" liefern?

ARD-Börsenstudio Hörfunk: Alexander Schmitt
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Börse 20.15 Uhr

Die Ungewissheit über den künftigen Kurs der EZB schreckte die Investoren ab. "Es besteht die Gefahr, dass der Markt mehr erwartet als die EZB überhaupt liefern kann", sagte Ian Williams vom Brokerhaus Peel Hunt. Die meisten Experten rechnen damit, dass die EZB die Zinsen für Einlagen bei der Notenbank auf minus 0,5 Prozent senkt.

EZB dürfte Anleihenkäufe ausweiten

Zudem könnte die EZB die Anleihenkäufe nochmals ausweiten, um die Deflationsgefahr abzuwenden. Laut einer Umfrage unter Händlern stehen die Chancen bei 68 Prozent, dass die Kaufsumme von aktuell 60 Milliarden Euro monatlich aufgestockt wird.

Verfehlt "Super Mario" erneut wie Mitte Dezember die Erwartungen, könnte es auf dem Frankfurter Börsenparkett ziemlich ungemütlich werden, warnt Christian Henke vom Brokerhaus IG. Die Notenbanker könnten es sich nicht leisten, die Märkte erneut zu enttäuschen, sagen die Experten von Capital Economics.

Euro wieder über 1,10 Dollar

Der Euro legte eine Berg- und Talfahrt hin. Bis zum Nachmittag fiel er auf 1,0939 Dollar, bevor er am Abend wieder die Schwelle von 1,10 Dollar durchbrach. Spekulationen um eine weitere geldpolitische Lockerung durch die EZB hatten den Euro zeitweise unter Druck gebracht. Aus Deutschland kamen indes ermutigende Konjunkturdaten. Zwar erhielt die deutsche Industrie im Januar den zweiten Monat in Folge weniger Aufträge, doch fiel der Rückgang mit 0,1 Prozent gering aus. Ökonomen hatten mit minus 0,3 Prozent gerechnet.

Gold glänzt immer heller

Anleger flüchteten erneut in den sicheren Hafen Gold. Das gelbe Edelmetall verteuerte sich um knapp ein Prozent auf bis 1.273 Dollar, dem höchsten Stand seit einem Jahr. In Euro gerechnet kletterte der Goldpreis auf 1.163 Euro je Feinunze. Die Preise für Platin stiegen auf den höchsten Stand seit mehr als vier Monaten.

K+S auf Erholungstour

Im Dax kletterte K+S an die Spitze mit einem Plus von über zwei Prozent. Die Aktie ist in den letzten zehn Tagen um fast 20 Prozent nach oben geklettert - trotz Hiobsbotschaften. Am Donnerstag der vergangenen Woche verbannte die Deutsche Börse K+S aus dem Dax. Am Freitag wurden K+S-Chef Norbert Steiner und Aufsichtschef Ralf Bethke angeklagt, weil der Konzern über Jahre Trinkwasser mit Salzabwasser verunreinigt haben soll.

BASF im Dilemma

BASF: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
82,79
Differenz relativ
-1,32%

Ebenfalls im Plus konnte sich BASF behaupten. Spekulationen auf ein mögliches Gegengebot für den US-Rivalen Dupont hatten die Papiere des weltgrößten Chemiekonzern zeitweise ins Minus gedrückt. Die Ludwigshafener könnten die Mega-Fusion zwischen DuPont und Dow Chemical durchkreuzen.

Commerzbank feiert "Martinstag"

Bei der Commerzbank verpuffte die Freude über die Einigung auf einen neuen Vorstandschef relativ schnell. Die Kursgewinne schmolzen von über zwei Prozent auf 0,4 Prozent zusammen. Martin Zielke folgt auf Martin Blessing, der Ende April auf eigenen Wunsch ausscheidet. "Dass Zielke der neue Chef, war am Montag keine Überraschung mehr", sagte ein Händler. Investoren erwarten keinen Strategieschwenk bei der Commerzbank.

BMW-Aktie im Minus zum 100. Jubiläum

Von der Feststimmung bei BMW liessen sich die Anleger nicht anstecken. Die Aktie verlor knapp ein Prozent. Die Münchener feierten am Montag ihr 100-jähriges Firmenjubiläum. Unter dem Motto "The next 100 years" richtete BMW den Blick nach vorn und zeigte, wie sich die Mobilität entwickeln könnte. So wurde mit dem "BMW Vision Next 100" ein Konzeptfahrzeug vorgestellt, das komplett autonom fahren kann.

VW rutscht wieder ab

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
144,66
Differenz relativ
-2,26%

Freud und Leid in der Autobranche standen am Montag eng zusammen. Am Dax-Ende rangierte VW mit einem Minus von über drei Prozent. Händler führen das Kursminus auf Gewinnmitnahmen zurück. In den letzten fünf Handelstagen hatten die Titel knapp 17 Prozent an Wert gewonnen. Als zusätzliche Belastung erwiesen sich auch Medienberichte, wonach die VW-Führung bereits Monate vor dem Bekanntwerden der Abgas-Affäre in den USA von den Software-Manipulationen gewusst haben soll.

Neue "Short-Attacke" gegen Wirecard

Im TecDax weitete Wirecard am Nachmittag seine Verluste aus und rutschte ans Indexende mit einem Minus von fast vier Prozent. Händler sprachen von einer neuen dubiosen "Short-Attacke". Offenbar seien bereits wieder Short Seller aktiv am Markt, die auf fallende Kurse setzten. Händler verwiesen auf neue Vorwürfe von Zatarra. Der selbst erklärte Research-Dienst, zu dem kaum etwas bekannt ist, hatte bereits Ende Februar einen Kurssturz bis auf 31,88 Euro ausgelöst.

Indus bleibt auf Shopping-Tour

Die Beteiligungsfirma Indus will auch im laufenden Jahr überdurchschnittlich zulegen. Zukäufe sollen für Rückenwind sorgen. Es sind Investitionen von über 100 Millionen Euro geplant. 2015 steigerte Indus den Umsatz um zehn Prozent auf 1,388 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis (Ebit) stieg um sieben Prozent auf 136 Millionen Euro. Die im SDax notierte Indus-Aktie büßte 0,7 Prozent ein.

Deag wird Jahrhunderthalle los

Um über vier Prozent nach oben ging's mit der Aktie der Deutschen Entertainment AG (Deag). Der Konzertveranstalter hat sich von seiner restlichen Beteiligung an der Jahrhunderthalle in Frankfurt-Höchst getrennt. Dadurch fließen der Firma 6,9 Millionen Euro in die Kassen. Auf Ein-Jahres-Sicht hat sich der Kurs der Deag nahezu halbiert.

Senvion sorgt für frischen Wind an der Börse

Der Hamburger Windradbauer Senvion, die ehemalige Repower, will seine Aktien am 18. März erstmals an der Frankfurter Börse notieren lassen. Ab Montag sollen die Aktien zu einem Preis zwischen 20 und 23 Euro institutionellen Anlegern im Rahmen einer Privatplatzierung angeboten werden. Verkäufer sind die Finanzinvestoren Centerbridge und Arpwood, die 29,9 Millionen Papiere anbieten. Dies entspricht einem Streubesitz von etwa 46 Prozent. Der Unternehmenswert liegt bei bis zu 1,53 Milliarden Euro.

Österreichische Post verkauft Trans-o-flex

Die österreichische Post trennt sich von ihrer deutschen Logistik-Tochter Trans-o-flex, die einen Jahresumsatz von rund 500 Millionen Euro erzielt. Über den Verkaufspreis wurde Stillschweigen vereinbart. Im vergangenen Jahr steigerten die Österreicher nach vorläufigen Zahlen den Umsatz um 1,6 Prozent auf 2,4 Milliarden und das operative Ergebnis (Ebit) um 2,6 Prozent auf 198 Millionen Euro.

Finanzchef von EDF wirft hin

Um fast zehn Prozent stürzte am Montag der Kurs des französischen Versorgers EDF ab. Angeblich wegen der hohen Kosten für den Bau neuer Atomkraftwerke trat Finanzchef Thomas Piquemal zurück. Xavier Girre übernimmt den Posten beim finanziell angeschlagenen Ex-Strommonopolisten.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr