Anleger zwischen Hoffen und Bangen

Stand: 01.10.2010, 20:22 Uhr

Der Aktienmarkt hat sich heute zwischen Hoffen auf einen Konjunkturaufschwung in China und dem Bangen um die US-Volkswirtschaft bewegt. Am Ende verabschiedete sich der Dax mit einem Minus ins Wochenende.

Der Deutsche Aktienindex notierte zum Schluss des elektronischen Xetra-Handels 0,3 Prozent tiefer bei 6.211 Punkten, der L-Dax konnte mit fünf Zählern mehr bei 6.216 schließen. Am Morgen hatten robuste chinesischen Konjunkturdaten die Anleger kurz zum Aktienkauf animiert. Doch dann drehte die Stimmung. Zu viele Anleger seien derzeit von der Bewegung nicht überzeugt, erklärten Händler. "Die Schwankungen sind hoch, daher halten sich immer mehr Anleger zurück. Und so sind die Umsätze gering, was zu noch größeren Schwankungen führt", erklärte ein Händler.

Die US-Konjunkturdaten fielen gemischt aus. Die Stimmung der Einkaufsmanager im verarbeitenden Gewerbe war pessimistischer als gedacht. Dafür steigerten die US-Bürger ihre Konsumausgaben im August etwas kräftiger als erwartet. Obendrein sank das von der Universität Michigan ermittelte Konsumklima im September nicht so stark gesunken wie zunächst ermittelt. Ein weiteres positives Signal kam von den Bauausgaben, die im August überraschend gestiegen waren.

Was macht die Fed?
Doch das konnte Anleger nicht beruhigten. Schließlich hatte US-Notenbankchef Ben Bernanke am Donnerstag die Erwartungen auf einen baldigen Schub schon mal gedämpft und erklärt, kurz- und mittelfristig stehe man mit Sicherheit vor sehr schwierigen Herausforderungen. Börsianer vermuten, dass die Fed noch einmal die Notenpresse anwerfen wird, um die Wirtschaft zu stützen.

Der einflussreiche Chef der Notenbank von New York, William Dudley, sagte am Freitag, "weitere Aktionen könnten wahrscheinlich nötig sein, sollten sich die Perspektiven am Arbeitsmarkt und beim Preisniveau nicht bessern". Dudley ist Stellvertreter von Fed-Chef Ben Bernanke im Offenmarktausschuss (FOMC) der Federal Reserve, dem Gremium, das über Leitzins und geldpolitische Strategie entscheidet. Das FOMC entscheidet das nächste Mal Anfang November über den Kurs der mächtigsten Zentralbank der Welt.

An der Wall Street sieht es heute ein wenig besser aus als in Deutschland. Zwar tauchte der Dow Jones zeitweise auch ins Minus, konnte sich dann aber wieder erholen. Zur Stunde notiert er 0,4 Prozent im Plus.

Die Dax-Gewinner
Im Dax gehören Beiersdorf, ThyssenKrupp, FMC und BASF zu den Gewinnern. Bei Beiersdorf währt der Höhenflug schon seit Mittwoch, als US-Konkurrent Procter & Gamble ein gewisses Interesse signalisierte. Laut Händlern setzten viele Börsianer darauf, dass Beiersdorf früher oder später ein attraktiver Übernahmekandidat sein könnte.

ThyssenKrupp haben Händlern zufolge am Freitag von steigenden Metallpreisen profitiert. An der Londoner Metallbörse LME kletterte der Preis für eine Tonne Kupfer auf ein Zwei-Jahreshoch von 8178 Dollar. Dies strahlte Börsianern zufolge auch auf Unternehmen der Metallbranche aus. Zum anderen sprachen Händler von einem charttechnischen Ausbruch.

Bei BASF und FMC sind die Kursgewinne damit zu erklären, dass Anleger zu Beginn des neuen Quartals offenbar wieder weniger konjunkturabhängige Werte kaufen. BASF bekommt außerdem gute Noten von Nomura, ebenso wie die im MDax notierte Aktie von Lanxess. FMC hatte außerdem Neuigkeiten. Die Finanzierung für die nächsten zweieinhalb Jahre sei in trockenen Tüchern. Einer der größten Kredite des Konzerns sei um 250 Millionen Dollar auf 2,57 Milliarden Dollar aufgestockt worden, teilte die Tochter des Gesundheitskonzerns Fresenius am Freitag mit.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Rückrufaktion belastet BMW
Eine weltweite Rückrufaktion vergällt den Anlegern dagegen das Interesse an BMW-Aktien, die mit einem Minus von zwei Prozent das Schlusslicht im Dax waren. Zu den Kosten wollte BMW keine Angaben machen. Händler erklärten, dass zudem viele Anleger bei BMW - wie auch bei Daimler - Kasse machten. Beide Autowerte hatten im September und im zweiten Quartal zu den größten Dax-Gewinnern gezählt.

Mit Enttäuschung aufgenommene Daten zum deutschen Einzelhandel im August belasteten die Metro-Titel, die zwei Prozent einbüßten. Die Aktien der Deutschen Bank notierten nach anfänglichen Kursgewinnen ebenfalls im Minus.

Auch die Titel der Deutschen Börse verloren. Der Börsenbetreiber gab heute Auskunft über die Geschäfte im September. Demnach sank der Umsatz im Kassamarkthandel leicht. Auf der elektronischen Plattform Xetra und dem Parketthandel Frankfurt seien mit 103,8 Milliarden Euro wurden rund drei Prozent weniger umgesetzt als im September 2009.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Commerzbank vor Kapitalerhöhung
Auch die Aktie der Commerzbank schloss schwächer. Laut einem Zeitungsbericht wird der Aufsichtsrat der Bank im Oktober über eine Kapitalerhöhung noch in diesem Jahr beraten. Die Commerzbank wolle damit bis zu vier Milliarden einnehmen, so die FAZ. Die Commerzbank ließ wissen, man habe derzeit keine konkreten Pläne für eine Kapitalerhöhung.

Wirecard bekommt Rückenwind
Im TecDax waren die Aktien von Wirecard nach positiven Analystenkommentaren gefragt. Zeitweise ging es bis zu sechs Prozent aufwärts bis auf 10,60 Euro. Sie waren damit so teuer wie seit Mai 2008 nicht mehr. Adrian Hopkinson von der WestLB sieht Aufwärtspotenzial und begründet das unter anderem mit dem Verkaufsstart einer neuen Prepaid-Karte. Gerade auf dem deutschen Heimatmarkt, wo im Vergleich zu anderen Ländern wie den USA noch relativ wenige Kredit- und andere Bezahlkarten im Umlauf seien, sei noch Wachstumspotenzial vorhanden. Hauck & Aufhäuser-Analyst Sascha Berresch verwies zudem auf optimistische Aussagen des Wirecard-Vorstands und die zuletzt gestiegene Kauflaune deutscher Verbraucher.

Solon bekommt Auftrag
Auch die Aktien von Solon legten heute kräftig zu. Der Solarkonzern gab am Morgen einen neuen Auftrag bekannt. Man werde im US-Bundesstaat Arizona ein Solarkraftwerk mit einer Leistung von 18 Megawatt planen und errichten.

Curasan korrigiert Prognose
Ein großes Kursplus verbucht die Aktie des Medizintechnikkonzerns Curasan. Die Firma hatte bisher immer einen Verlust für dieses Jahr erwartet, die letzten Schätzungen lagen bei zwei Millionen Euro. Jetzt korrigierte die Firma ihre Prognose: Man erwartet nun einen Gewinn, und zwar einen "deutlichen". Der Grund hierfür sei der gerade unterzeichnete Verkaufsvertrag für das von Curasan entwickelte Präparat "Mitem" an eine Firma namens Speciality European Pharma für einen nicht näher genannten Preis.

SMA sichert seine Unabhängigkeit
Der Solartechnik-Anbieter SMA Solar will seine Unabhängigkeit langfristig sichern. Dazu basteln die vier Unternehmensgründer an einem wirksamen Übernahmeschutz. Einen Teil ihrer Aktien übertrugen sie nun innerhalb ihrer Familien an die nächste Generation. Der SMA-Kurs reagierte kaum auf die Nachrichten.

Kyocera Mita kann Triumph Adler schlucken
Der Bürodienstleister Triumph Adler (TA) kann nun komplett in den Besitz des japanischen Konzerns Kyocera Mita übergehen. Dem sogenannten Squeeze-out nichts mehr im Wege. Das geht aus einer Entscheidung des Oberlandesgerichtes Nürnberg hervor.

Repsol zieht mit Chinesen an einem Strang
Im EuroStoxx avancierten Repsol mit einem Plus von sechs Prozent zum größten Gewinner. Der spanische Ölkonzern und der chinesische Konkurrent Sinopec gründen ein milliardenschweres Gemeinschaftsunternehmen, um die gigantischen Ölvorkommen unter dem Meeresboden in Brasilien zu erschließen. Davon profitierte die gesamte Branche. Die Aktien des britischen Gasproduzenten BG Group stiegen um über vier Prozent und damit an die Spitze des europäischen Stoxx50.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr