Marktbericht 20:05 Uhr

Dax kann Tageshoch nicht halten Anleger zwischen Baum und Borke

Stand: 02.09.2014, 20:05 Uhr

Die Anleger blicken verstärkt auf die EZB, von der sie am Donnerstag neue Lockerungsschritte erwarten. Gleichzeitig bleiben sie angesichts vieler Unsicherheitsfaktoren aber auch vorsichtig. In der Summe hat es deshalb am Dienstag nur zu einem moderaten Aufschlag beim Dax gereicht.

Der Dax hat sich am Dienstag im Zuge aufkommender Zinshoffnungen erholt und schloss in einem zunehmend nervösen Handelsverlauf unter Tageshoch 0,3 Prozent höher bei 9.507 Punkten. Es war ein zähes Ringen zwischen Bullen und Bären, das Tageshoch von 9.578 Zählern am Morgen konnte der deutsche Leitindex nicht behaupten.

Auch ist es ihm nicht gelungen, die bei 9.519 Punkten liegende 200-Tage-Linie, ein wichtiger charttechnischer Widerstand, zu knacken. Im Späthandel ging es weiter bergab, der L/E-Dax folgte der schwächeren Wall Street und beendete den Handel bei 9.483 Punkten.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Auch oder gerade die Rückkehr der US-Investoren nach dem gestrigen Feiertag in Amerika hatte nicht für den erwarteten Schwung gesorgt. Insgesamt hielten sich die Anleger vor der am Donnerstag anstehenden EZB-Ratssitzung eher bedeckt. Denn die Erwartungen an die Notenbank und deren Chef Mario Draghi sind hoch, was auch Enttäuschungspotenzial berge, erklärten Marktbeobachter.

Der Blick nach vorne

Damit bleibt es vor zahlreichen weiteren wichtigen Entscheidungen in dieser Woche spannend. Denn nicht nur die EZB-Sitzung, auch wichtige US-Konjunkturdaten wie das Beige Book der Fed am Mittwoch oder die Arbeitsmarktdaten für den August am Freitag stehen auf der Agenda. Über allem schwebt weiter der Ukraine-Konflikt, dessen Ausgang immer ungewisser zu werden scheint und der somit eine ständig offene Flanke für die Märkte bleibt.

US-Anleger an der Seitenlinie

Trotz guter Konjunkturzahlen fehlen derzeit auch an der New Yorker Börse die Impulse. Die führenden Standardwerte-Aktienindizes sind mittlerweile ins Minus gefallen. Der S&P 500 hatte zuvor bei 2.006 punkten sogar ein neues Rekordhoch markiert, ist aber mittlerweile unter die Marke von 2.000 Punkten zurückgefallen. Die Nasdaq hat ihre anfänglichen Gewinne ebenfalls abgegeben, hält sich aber etwas besser.

Zwar werden die besseren Konjunkturdaten honoriert, gleichzeitig steigen aber auch die Aussichten auf schnellere Zinserhöhungen durch die Fed, erklärte ein Börsianer.

Am Nachmittag fiel der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe im August mit 59,0 nach 57,0 Punkten ebenso besser aus wie die Juli-Bauausgaben, die um 1,8 Prozent zulegten. Experten hatten beim Einkaufsmanagerindex ein leichtes Minus auf 56,8 Punkte und bei den Bauausgaben einen moderateren Anstieg von nur einem Prozent prognostiziert.

"Der deutliche Anstieg und das inzwischen sehr hohe Indexniveau sprechen dafür, dass sich die Wachstumsdynamik im Jahresverlauf weiter beschleunigen wird. Insofern liefert die Verfassung der US-Wirtschaft kein Argument, die Zinserhöhungserwartungen in die Zukunft zu verschieben", kommentierte Johannes Jander von der Landesbank Hessen-Thüringen.

Der Dollar ist der Star

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Euro hat heute weiter Boden verloren, er markierte im Handelsverlauf ein neues Zwölf-Monats-Tief bei 1,3111 Dollar. Aktuell steht die Gemeinschaftswährung bei 1,3119 Dollar nur knapp darüber. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3115 nach 1,3133 Dollar am Vortag fest. im späten Geschäft hat er etwas Boden gut machen können und notiert aktuell bei 1,3130 Dollar.

Der Dollar gewinnt stetig an Stärke, denn Amerikas Volkswirtschaft erholt sich und die Märkte rechnen mit höheren Zinsen. Auch zum japanischen Yen ist der Greenback auf Kletterkurs. Am Nachmittag treiben die guten US-Konjunkturdaten den Kurs bis auf 105,20 Yen, das ist der höchste Stand seit Januar.

Ein Nebeneffekt dieser Dollar-Stärke ist, dass der deutsche Aktienmarkt für US-Investoren uninteressanter wird. Amerikanische Investoren sind nämlich die größten ausländischen Besitzer deutscher Aktien.

VW und Commerzbank gefragt

Im Dax gab es mehr Gewinner als Verlierer. Zu den größten Gewinnern gehörten VW. Die Aktie des Wolfsburger Autobauers profitierte davon, dass Exane BNP Paribas das Papier als Outperformer einstuft. Der jüngste Kursrücksetzer sei eine Einstiegsgelegenheit. Das Kursziel wurde auf 210 Euro angehoben.

Gesucht waren auch Commerzbank, die mit einem Plus von 1,48 Prozent als Tagessieger durchs Ziel gingen sowie Chiphersteller Infineon. Letzerer profitierte von einem positiven Analystenkommentar von Bernstein, der den Müchenern erhebliches Optimierungs- und damit Gewinnpotenzial zubilligt.

K+S standen am Ende, die Aktie verlor 0,71 Prozent. Das Kasseler Unternehmen gilt als möglicher Abstiegskandidat aus dem Dax. Die Deutsche Börse gibt morgen die neuen Indexzusammensetzungen bekannt.

Autoabsatz stagniert

Der Automarkt in Deutschland macht derweil im August Pause. Die PKW-Nachfrage stagnierte mit 213.000 Neuzulassungen im Jahresvergleich. Seit Jahresbeginn stieg der Absatz damit um rund drei Prozent auf nunmehr knapp über zwei Millionen Fahrzeuge. Dies teilte der Verband der Automobilhersteller (VDA) am Mittag mit.

VDA-Präsident Matthias Wissmann zeigt sich für das Gesamtjahr moderat zuversichtlich. "Mit Blick auf den Auftragseingang gehen wir von einem weiterhin stabilen Autojahr 2014 aus", sagte Wissmann. Er zeigte sich optimistisch, dass das Jahresziel von rund drei Millionen Neuzulassungen erreicht wird. Im vergangenen Jahr waren hierzulande 2,95 Millionen Autos neu auf die Straßen gerollt.

Lufthansa-Chef bekräftigt seine Position

Erstmals hat sich Firmenchef Carsten Spohr auf einer Management-Tagung öffentlich zum Pilotenstreik geäußert. Er betonte, Lufthansa müsse sich die Piloten, denen er ansonsten gute Arbeit bescheinigte, auch leisten können. Damit hält er an seiner Verhandlungsposition im Tarifpoker fest.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Er will das Unternehmen entlasten und dazu das Pensionsalter der Flugzeugführer erhöhen. Die Marge im extrem wettbewerbsintensiven Markt liegt derzeit nur bei 2,2 Prozent. Vor allem die Rückstellungen für die Übergangsrente schlagen mit 1,2 Milliarden Euro zu Buche. Die Pilotengewerkschaft Cockpit hält sich weitere Streiks offen.

DIC-Asset schnell am Ziel

DIC Asset: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Kaum fünf Stunden nach der Emissionsankündigung ist die Anleihe des Immobilienunternehmens aus dem SDax bereits bei Investoren platziert. Das Orderbuch wurde daher vorzeitig geschlossen. Der Kupon für das Papier mit einer Laufzeit von fünf Jahren liegt bei 4,625 Prozent. Das Volumen beträgt 125 Millionen Euro, angestrebt waren mindestens 100 Millionen Euro.

Mit dem Geld sollen bestehende Verbindlichkeiten abgelöst werden, insbesondere die erste Anleihe mit einem Zinskupon von 5,875 Prozent, die vorzeitig zurückgezahlt werden soll. Firmenchef Ulrich Höller wertete die schnelle Platzierung als großen Vertrauensbeweis der Investoren. Die Aktie reagierte jedoch kaum.

Tipp24 zieht Gewinnwarnung zurück

Die kurioseste Nachricht kam aber heute von Tipp24. Der Online-Lottoanbieter Tipp24 zog seine Gewinnwarnung vom Wochenende zurück. Es habe eben doch keinen Jackpot-Gewinn von 44 Millionen Euro gegeben. Zuvor war man davon ausgegangen, dass der Gewinn doch mit hoher Sicherheit eingetreten. Das durcheinander hat jetzt auch die Finanzaufsicht Bafin auf den Plan gerufen. "Wir werden schauen, ob ein Fall von Marktmanipulation vorliegt", sagte ein Sprecher der Behörde am Dienstag. Die Aktie gab nach den Vortagesverlusten weitere 2,2 Prozent nach.

CTS Eventim und der Rio-Effekt

Die Aktie von CTS Eventim gehörte im SDax zu den größten Gewinnern mit einem Plus von 3,57 Prozent. Das SDax-Unternehmen wird exklusiver Ticketservice-Provider der Olympischen Spiele und der Paralympics in Rio de Janeiro im Jahr 2016.

Ganz überraschend komme das zwar nicht, da CTS Eventim bereits in der Vergangenheit Ticketing-Partner Olympischer Spiele gewesen sei, sagte ein Händler. Gut für die Stimmung der Aktionäre sei die Meldung dennoch.

Akzo vor Sieben-Milliarden-Dollar-Kauf?

Der niederländische Farben- und Chemiekonzern AkzoNobel soll sich angeblich für den US-Autolackhersteller Axalta interessieren. Akzo-Chef Ton Büchner sei angeboten worden, Axalta für mehr als sieben Milliarden Dollar zu übernehmen, meldete die Agentur Bloomberg, die sich auf Informationen von mit der Angelegenheit vertrauten Personen beruft.

Norwegian Cruise kauft zu

Die Aktie des Kreuzfahrtanbieters steigt an der Nasdaq deutlich. Das Unternehmen hat für drei Milliarden Dollar den kleineren Konkurrenten Prestige Cruises übernommen. Entsprechende Gerüchte gab es schon seit dem Wochenende.

Kampf um Family Dollar geht weiter

In Amerika geht derweil der milliardenschwere Kampf um die Übernahme des amerikanischen Discounters Family Dollar in eine neue Runde. Konkurrent Dollar General erhöhte sein Angebot jetzt auf 80 Dollar je Aktie in bar nach zuvor 78,50 Dollar. Zudem wolle man 1.500 Läden verkaufen, um die Sorgen der Kartellwächter zu zerstreuen.

Zuletzt hatte Family Dollar die fast neun Milliarden Dollar schwere Offerte wegen Kartellbedenken zurückgewiesen und stattdessen ein Angebot eines anderen Mitbewerbers im Volumen von 8,5 Milliarden Dollar den Vorzug gegeben. Den Family-Dollar-Aktionären kann das alles nur Recht sein, denn die im S&P-500-Index enthaltene Aktie hat seit Mai kräftig zugelegt.

rm

Tagestermine am Mittwoch, 19. Dezember

Unternehmen:
Softbank: IPO der Mobilfunktochter in Tokyo
Ceconomy: Q4-Zahlen, 07:00 Uhr, und Bilanz-PK, 10:00 Uhr
General Mills: Q2-Zahlen, 13:00 Uhr

Konjunktur:
USA: Zinsentscheid der Fed, 20:00 Uhr, PK mit Fed-Chef Powell, 20:30 Uhr
Japan: Außenhandel im November, 00:50 Uhr
Deutschland: Erzeugerpreise im November, 08:00 Uhr
Großbritannien: Verbraucherpreise im November, 10:30 Uhr
USA: Leistungsbilanz Q3, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im November, 16:00 Uhr
USA: Wöchentlicher Ölbericht, 16:30 Uhr