Marktbericht 20:08 Uhr

Dax hinkt anderen Börsen hinterher Anleger ziehen die Notbremse

Stand: 04.11.2015, 20:08 Uhr

Die Ausweitung des VW-Skandals hat den Dax am Mittwoch ausgebremst. Das deutsche Börsenbarometer verlor deutlich – im Gegensatz zu anderen europäischen Börsen. Als weiterer Bremsklotz erwies sich die Wall Street.

Die US-Börsen drehten nach anfänglichen Gewinnen ins Minus. Der Dow lag zwei Stunden vor Handelsschluss 0,3 Prozent tiefer. Schuld daran war Fed-Chefin Janet Yellen. Sie nährte Spekulationen auf eine baldige Zinswende in den USA. Eine Anhebung im Dezember sei durchaus im Bereich des Möglichen, sagte sie am Mittwoch vor einem Kongressausschuss.  Denn die Wirtschaft laufe derzeit gut. Allerdings sei, so Yellen, noch keine Entscheidung darüber gefallen, ob die Geldpolitik Ende des Jahres tatsächlich gestrafft werde.

Nahende Zinswende wird wahrscheinlicher

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
Audio

Börse 20.15 Uhr

Die anhaltende Erholung am US-Arbeitsmarkt erhöht die Chancen für eine baldige Zinswende. Die US-Firmen haben im Oktober mehr neue Stellen geschaffen als erwartet. Insgesamt entstanden 182.000 Jobs, wie der private Arbeitsvermittler ADP am Mittwoch mitteilte. Volkswirte hatten nur mit 180.000 neuen Stellen in der Privatwirtschaft gerechnet. Das ist ein gutes Omen für die offiziellen US-Arbeitsmarktdaten, die am Freitag veröffentlicht werden.

Euro auf Dreimonats-Tief

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1245
Differenz relativ
+0,21%

Die ADP-Daten setzten dem Euro hart zu. Die Gemeinschaftswährung sackte auf bis 1,0850 Dollar ab. Eine leichte Aufhellung der Unternehmensstimmung und ein schwächer als erwarteter Rückgang der Erzeugerpreise in der Eurozone konnten den Euro nicht nennenswert bewegen. Auch Äußerungen des EZB-Präsidenten Mario Draghi vom Dienstagabend beeinflussten den Kurs kaum, weil Draghi lediglich bereits getroffene Aussagen erneut bekräftigte. "Wir sind bereit und fähig alle Instrumente einzusetzen", hatte Draghi gesagt.

Andere europäische Börsen behaupten sich

Im Sog der schwachen Wall Street weitete der Dax seine Verluste aus. Er ging mit einem Abschlag von einem Prozent auf 10.845 Punkten aus dem Tag. Besser hielten sich die anderen Börsen in Europa. Der EuroStoxx50 gab nur 0,1 Prozent nach. Der französische Cac40 schloss gar 0,25 Prozent höher. Auch an der Londoner Börse ging es nach oben.

VW-Skandal wird immer schlimmer

Dass der Dax anderen Börsen hinterhinkte, lag vor allem an VW. Die VW-Aktien stürzten um über neun Prozent ab. Zeitweise fielen sie unter 100 Euro. Im Sog von VW büßten Daimler zwei Prozent und BMW rund 1,2 Prozent ein. Der Abgasskandal bei VW erreichte wegen eingeräumter Unregelmäßigkeiten bei CO2-Werten und Kraftstoffverbrauch eine neue Dimension. Auch Benziner sind unter den betroffenen Fahrzeugen. Analyst Stephen Reitmann von der Société Générale schätzt die Gesamtkosten für VW durch den Skandal inzwischen auf 32 Milliarden Euro.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
50,41
Differenz relativ
-0,69%
BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
72,53
Differenz relativ
-1,13%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
145,84
Differenz relativ
-0,15%

Beiersdorf auf Rekordhoch

Zum Spitzenreiter im Dax avancierte Beiersdorf mit einem Plus von fast drei Prozent. Die Aktie erreichte ein Rekordhoch von 88 Euro. Der Konsumgüterhersteller hat seine Prognose für das Gesamtjahr angehoben. Der Konzern rechnet mit einem deutlichen Anstieg der Ebit-Marge über das Vorjahresniveau von 13,7 Prozent. Bisher hatte Beiersdorf nur ein leichtes Plus in Aussicht gestellt. Das Ebit stieg im dritten Quartal um 55 Prozent auf 242 Millionen Euro.

Neue Millionen-Strafe für die Deutsche Bank

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,67
Differenz relativ
-3,19%

Die Deutsche Bank muss wegen Verstößen gegen US-Sanktionsrecht 258 Millionen Dollar (238 Mio Euro) zahlen. Einen entsprechenden Vergleich, der zudem die Kündigung von sechs involvierten Mitarbeitern und die Verpflichtung eines externen Aufsehers vorsehe, gab die New Yorker Finanzaufsicht DFS am Mittwoch bekannt.

Norma spürt nichts von VW-Krise

Im MDax führte Norma die Liste der Gewiner an. Die Aktie schoss um über fünf Prozent in die Höhe. Der Auto- und Industriezulieferer hat im dritten Quartal seinen Umsatz um knapp ein Drittel auf 218,3 Millionen Euro in die Höhe geschraubt. Von VW-Krise keine Spur! Das hessische Unternehmen bestätigte seine Prognose.

Axel Springer verdient deutlich mehr

Die Aktie von Axel Springer gewann rund 0,6 Prozent. Der Medienkonzern hat im dritten Quartal seinen Gewinn wegen des sehr gut laufenden Internetgeschäfts kräftig gesteigert. Das Betriebsergebnis wuchs knapp ein Drittel auf 129 Millionen Euro. Selbst im Printgeschäft konnte die Rendite deutlich verbessert werden.

Hannover Rück hält sich wacker

Hannover Rück: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
123,90
Differenz relativ
-1,12%

Der weltweit drittgrößte Rückversicherer Hannover Rück hat im dritten Quartal seinen Gewinn um ein Prozent auf 254 Millionen Euro verbessert. Das gelang trotz hoher Sonderbelastungen wie den Explosionen in der chinesischen Hafenstadt Tianjin und dem Erdbeben in Chile. Die Aktie stieg zeitweise auf ein Rekordhoch, schloss dann aber im Minus.

Evonik auf Kurs

Der Spezialchemiekonzern Evonik hat von Juli bis September von einer hohen Nachfrage nach Tierfutter-Eiweiß profitiert. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte um 31 Prozent auf 653 Millionen Euro zu. Die Jahresziele wurden bestätigt, die Gewinnprognose könnte sogar übertroffen werden. Die Aktie war dennoch zweitgrößter Verlierer im MDax.

Schlechter Tag für SGL

Der angeschlagene Kohlenstoffspezialist SGL Group rechnet für das kommende Jahr mit einem deutlichen Rückgang für das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit). Grund sind die weiter sinkenden Preise für Grafitelektroden. Daher will SGL diesen Bereich nun bis Mitte 2016 abspalten. Das wäre ein halbes Jahr früher als bisher geplant. Die Aktie brach um 12 Prozent ein und war SDax-Schlusslicht.

Rational bleibt optimistisch

Deutlich besser schlug sich die Rational-Aktie. Sie legte 2,5 Prozent zu und zählte zu den größten SDax-Gewinnern. Dabei hat der Großküchen-Ausstatter im dritten Quartal schlechter abgeschnitten als erwartet. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank um drei Prozent auf 42,2 Millionen Euro. Grund für den Rückgang waren Wechselkurseffekte und hohe Kosten für den Ausbau des Vertriebs. Ein Analyst von Hauck & Aufhäuser bescheinigte Rational dennoch ein grundsolides Geschäft. Rational-Chef Peter Stadelmann zeigte sich optimistisch für das vierte Quartal, das immer stark sei, und bestätigte die Jahresprognose.

Freenet punktet

Aus dem TecDax meldete Freenet nach Xetra-Schluss Quartalszahlen. Dank gestiegener Kundenzahlen verdiente das Mobilfunkunternehmen mit 97,3 Millionen Euro etwas mehr als erwartet. Der Umsatz lag ebenfalls über den Prognosen. Er stieg um knapp vier Prozent auf 790,1 Millionen Euro.

Drillisch überzeugt nicht

Der Mobilfunkanbieter Drillisch hat im dritten Quartal sein bereinigtes Ebitda um 59 Prozent auf 35,3 Millionen Euro in die Höhe geschraubt. Gleichzeitig bestätigte Drillisch seine Prognose für das Gesamtjahr. Die Aktie schloss um über drei Prozent tiefer.

Morphosys forscht ziemlich teuer

Morphosys-Aktien brachen zeitweise zweistellig ein. Das Biotechunternehmen hat im dritten Quartal seinen Nettoverlust auf 8,3 Millionen Euro im Jahresvergleich mehr als verdreifacht. Grund waren hohe Forschungskosten. Der Umsatz schrumpfte um fast ein Drittel auf 11,3 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr bekräftigte der Vorstand seine Prognosen.

Vossloh macht Kasse

Der Verkehrstechnikkonzern Vossloh hat sein spanisches Lokomotivbaugeschäft verkauft. Käufer ist die Schweizer Stadler Rail. Stadler zahlt 48 Millionen Euro in bar und übernimmt Verbindlichkeiten in Höhe von 124 Millionen Euro. Das beflügelte die Vossloh-Aktie. Sie stieg um über ein Prozent.

Grammer unter Druck

Der Sitzhersteller Grammer hat im dritten Quartal wegen der Krise auf vielen Nutzfahrzeugmärkten weniger verdient. Das Ebit brach um 58 Prozent auf 5,1 Millionen Euro ein. Zudem belasteten hohe Kosten für Neuanläufe und den Aus- und Umbau der weltweiten Produktion.

Braas Monier leidet unter China

Der Dachziegel- und Schornstein-Hersteller Braas Monier spürt Gegenwind durch einen schwächeren chinesischen Immobilienmarkt. Der Umsatz ging im dritten Quartal leicht zurück. Das Ebitda legte immerhin noch um zwei Prozent auf 68,8 Millionen Euro zu.

Nanogate gibt positiven Ausblick

Der Oberflächenspezialist Nanogate hat seine Prognose für 2015 angehoben. Das Unternehmen rechnet nun mit einem Umsatz von mindestens 84 Millionen Euro. Bislang hatte das Ziel von 80 Millionen gelegen. Das Ebitda soll über neun Millionen Euro erreichen.

ING übertrifft Erwartungen

Aus dem Ausland meldete die niederländische Bank ING Zahlen. Sie konnte ihren Gewinn im dritten Quartal um knapp 15 Prozent auf 1,06 Milliarden Euro verbessern. Das Geldhaus profitierte unter anderem von einer geringeren Belastung durch faule Kredite auf dem Heimatmarkt. Analysten hatten mit weniger Gewinn gerechnet. Die Aktie zog um zwei Prozent an.

Ausblick von Barry Callebaut schmeckt Anlegern nicht

Wegen des schrumpfenden Schokoladenmarkts stutzt der weltgrößte Kakao- und Schokoladenhersteller Barry Callebaut seine Wachstumsprognose. Der neue Vorstandschef Antoine de Saint-Affrique erwartet mittelgfristig ein Absatzwachstum von vier bis sechs Prozent - statt bislang sechs bis acht Prozent. Im Geschäftsjahr 2014/15 lag das Absatzplus bei 4,5 Prozent. Die Aktien brachen um mehr als acht Prozent ein.

Time Warner enttäuscht

Beim US-Unterhaltungsriesen Time Warner sprudeln die Gewinne. Der Überschuss kletterte dank der Ertragskraft des Bezahlsenders HBO von 0,97 auf 1,04 Milliarden Dollar. Der Umsatz stieg um rund fünf Prozent auf 6,56 Milliarden Dollar. Bei der Gewinnprognose für 2016 blieb Time Warner hinter den Erwartungen zurück. Die Aktien sackten um sechs Prozent ab.

Mega-Börsengang in Japan

In Japan stand der Börsengang der japanischen Post im Mittelpunkt. "Die Monster-Rally in den USA erweist sich als wahre Stimmungsrakete", sagte ein Analyst mit Blick auf die hohen Kursgewinne in den vergangenen Wochen in New York.

nb

Tagestermine am Dienstag, 13. November

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 10/18, 7:00 Uhr
Grammer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Bauer: Neun-Monats-Zahlen, 7:00 Uhr
1&1 Drillisch: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Cewe Stifung: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Evotec: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 14:00 Uhr)
Innogy: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Tom Tailor: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
United Internet: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Ströer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Areal Bank: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Hello Fresh: Q3-Zahlen, 7:15 Uhr
Medigene: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
VTG: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
HHLA: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Uniper: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Jenoptik: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Nordex: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Bayer: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Bilfinger: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
OHB: Neun-Monats-Zahlen, 8:00 Uhr
Vodafone: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Home Depot: Q3-Zahlen, 15:00 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
Nemetschek: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Italien: Frist der EU-Kommission zur Überprüfung des Haushaltsentwurfs läuft aus
Deutschland: Verbraucherpreise 10/18 (endgültig), 8:00 Uhr
Deutschland: Insolvenzen 8/18, 8:00 Uhr
Deutschland: Erwerbstätigkeit Q3/18, 8:00 Uhr
Großbritannien: Arbeitslosenzahl 10/18, 10:18
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen 10/18, 11:00 Uhr