Anleger zeigen mehr Mut

Lothar Gries

Stand: 14.04.2008, 20:01 Uhr

Angespornt von einem leichten Kursplus an der Wall Street, zeigen sich auch die heimischen Anleger wieder optimistischer. Doch die Besserung ist fragil. Viel hängt von den Quartalszahlen der US-Banken ab, die in den kommenden Tagen erwartet werden.

Im Abendhandel hat der Dax seine Verluste weiter verringert. Dabei hatte es bis zum Nachmittag noch ganz düster ausgesehen. Die Gewinnwarnung von GE am Freitag und enttäuschende Quartalszahlen von Philipps sorgten für miese Stimmung und kräftig sinkende Kurse. Dem Dax gelang es zeitweise nur mit Mühe die psychologisch wichtige Marke von 6500 Punkten zu verteidigen.

Erst die besser als erwartet ausgefallenen US-Einzelhandelsumsätze im März brachten am Nachmittag etwas Entspannung. Der Kursrückgang im deutschen Leitindex verringerte sich bis zum Abend auf 18 Punkte, so dass der Dax bei 6571 Zählern aus dem Handel ging. Größter Verlierer ist der von den Exporten in die USA abhängige Autobauer BMW, gefolgt von TUI und SAP. Kräftig zulegen kann vor allem die Deutsche Börse nach den Kursverlusten der letzten Woche. Überdurchschnittlich abgeben müssen auch die Finanzwerte Deutsche Bank und Allianz. Auch in der zweiten und dritten Reihe kommt es zu deutlichen Verlusten. Größte Verlierer sind die Papiere des Modekonzerns Escada und der Software AG.

Gegen den Trend um 6,7 Prozent zulegen können die Papiere von K+S. Sie proftieren von einer positiven Preisprognose des russischen Kaliproduzenten Uralkali und stiegen auf ein neues Allzeithoch.

Hält Mordaschow bei Tui bald 20 Prozent?

Der russische Milliardär Alexej Mordaschow will seinen Anteil an dem Reise- und Reedereikonzern Tui offenbar auf 20 Prozent aufstocken. Der Investor wolle einigen Aktionären größere Aktienpakete abkaufen, berichtet das "Handelsblatt" vorab unter Berufung auf Finanzkreise. Tui lehnte eine Stellungnahme ab. Erst in der vergangenen Woche hatte der Stahlmagnat seinen Anteil auf gut zehn von fünf Prozent erhöht. Mit einem neuerlichen Aktienkauf will der Investor dafür sorgen, dass das Reisegeschäft des Unternehmens durch Zukäufe dauerhaft ausgebaut werde.

US-Bank Wachovia überrascht mit Verlust
Die Hypothekenkrise hat der viertgrößten US-Bank Wachovia überraschend deutlich die Bilanz verhagelt. Im ersten Quartal hat das Institut einen Verlust von 393 Millionen Dollar verbucht. Analysten hatten trotz der Belastungen infolge der Kreditkrise mit einem Gewinn gerechnet. Die in Charlotte im Bundesstaat North Carolina ansässige Bank will nun mit einer Kürzung der Dividende und einer Kapitalaufstockung ihre finanzielle Lage stabilisieren. Der Aktienkurs von Wachovia fiel nach Bekanntgabe der Zahlen im vorbörslichen Handel um zwölf Prozent.

Brasilien und China bescheren VW Absatzrekord
Angetrieben von einem starken Wachstum in China und Brasilien hat der VW-Konzern im ersten Quartal 2008 einen Absatzrekord erzielt. Der Autokonzern lieferte in den ersten drei Monaten dieses Jahres weltweit 1,57 Millionen Fahrzeuge aus. Das waren sieben Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. VW sprach vom erfolgreichsten ersten Quartal seiner Geschichte. Der Konzern sei auf einem guten Weg, auch im Gesamtjahr 2008 einen neuen Verkaufsrekord zu erreichen. Als Grund nannte VW etwa eine breitere Modellpalette. Die Aktie gibt nach.

Freenet legen nach Übernahmeangebot zu
Der Internetanbieter United Internet hat ein höheres Angebot für das Telekommunikationsunternehmen Freenet in Aussicht gestellt. United Internet (UI) wäre unter bestimmten Bedinungen bereit, die Offerte für das norddeutsche Unternehmen auf bis zu 14 Euro je Aktie zu erhöhen, sagte ein Unternehmenssprecher am Nachmittag. Die im TecDax notierte Aktie von Freenet legt um 6,3 Prozent zu.

Software AG mit Gewinnwarnung?
Die Aktien der Software AG sind am Montag Händlern zufolge von Spekulationen um eine Gewinnwarnung belastet worden. Die Papiere verlieren bis zum Xetra-Schluss 6,2 Prozent auf 46 Euro. "Wir hören, dass es Gerüchte um eine Gewinnwarnung bei Software AG gibt", sagte ein Händler. Das Unternehmen wollte dazu keine Stellungnahme abgeben.

Siemens kauft Aktien zurück
Der Technologiekonzern hat die erste Tranche seines Aktienrückkaufs abgeschlossen. Das Unternehmen habe für rund 2 Milliarden Euro eigene Anteilsscheine erworben, teilte Siemens am Nachmittag mit. Der Großteil der Papiere soll eingezogen werden. Insgesamt will der Konzern binnen drei Jahren bis zu 10 Milliarden Euro in den Aktienrückkauf stecken. Ziel ist es, die Kapitalstruktur zu optimieren. Die Aktie gibt leicht ab.

Deutsche Bank vor Kreditverkauf?
Deutschlands führendes Geldhaus will sich nach einem Bericht des "Wall Street Journal" von einem Kreditpaket in Höhe von 20 Milliarden Dollar trennen. Damit würde das Institut der Citigroup nacheifern, von der kürzlich ähnliche Pläne kolportiert wurden. Zudem hat das Institut nach einem Bericht der "Wirtschaftswoche" im ersten Quartal sein selbst gestecktes Ziel, das Ergebnis im Privat- und Firmenkundengeschäft auf 1,3 Milliarden Euro zu steigern, verfehlt. Die Bank ließ die Berichte unkommentiert.

Henkel hält an Prognose fest
Die Aktie des Konsumgüterriesen gehört zu den wenigen Gewinnern im Dax. Auf der Hauptversammlung des Unternehmens, der letzten für Vorstandschef Ulrich Lehner, hat Henkel seine Jahresprognose nochmals bekräftigt. Danach soll der Umsatz organisch um drei bis vier Prozent wachsen. Das operative Ergebnis (Ebit) soll überproportional gesteigert werden. Lehner übergibt sein Amt an seinen Nachfolger, den 46jährigen Dänen Kasper Rorsted.

Neben Henkel halten sich auch die Papiere der Deutschen Börse und Metro spürbar im Plus. Metro dürfte dabei möglicherweise von guten Quartalszahlen des französischen Konsumgüterkonzerns Danone profitieren.

Infineon leidet unter Philips
Nach enttäuschenden Quartalszahlen des niederländischen Elektronikriesen verliert die Chip-Aktie von Infineon 1,5 Prozent.

Siemens-Papiere leiden zwar auch unter den Philips-Zahlen, größere Verluste werden aber durch gleich zwei Großaufträge kompensiert. Bereits am Sonntag hatte der Konzern eine Milliardenorder von der belgischen Bahngesellschaft SNCB vermeldet, am Montag konnte der Konzern noch einen Kraftwerksauftrag aus Großbritannien in Höhe von 830 Millionen Euro bekannt geben.

Escada größter Verlierer im SDax
Escada sind am Mittag erneut unter Druck geraten und haben zweitweise bis zu zehn Prozent abgegeben. Händler verwiesen unter anderem auf eine Abstufung durch equinet von "Buy" auf "Sell" in Reaktion auf die Gewinnwarnung der Vorwoche. Operativ rechnet equinet-Analyst Ingbert Faust in den kommenden sechs Monaten mit keinen positiven Impulsen, die einen Kursumschwung bringen könnten. Ein Artikel der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS), demzufolge die Milliardäre Günter und Daniela Herz ein Engagement bei dem Modekonzern erwägen, locke dagegen keine starken Käufer an. Der Bericht sei bereits dementiert, betonte ein Börsianer.

Lufthansa und ThyssenKrupp hochgestuft
Nach Heraufstufungen sind auch die Papiere von ThyssenKrupp und der Lufthansa gefragt. Die US-Investmentbank Morgan Stanley hat ihr Urteil für die Lufthansa von "underweight" auf "equal-weight" nach oben korrigiert. ThyssenKrupp wurde am Morgen von Goldman Sachs auf "neutral" herauf gestuft.

Ron Sommer weist Vorwürfe zurück
Der frühere Telekom-Chef Ron Sommer hat Vorwürfe im Zusammenhang mit der Milliarden-Übernahme des US- Mobilfunkanbieters VoiceStream zurückgewiesen. Die Entscheidung für einen Kauf sei erst Mitte Juli 2000 nach dem sogenannten dritten Börsengang gefallen, sagte Sommer am Vormittag vor dem Frankfurter Oberlandesgericht. Der Manager räumte aber ein, dass er vor dem am 19. Juni 2000 erfolgten Börsengang Gespräche mit VoiceStream-Chef John Stanton geführt hat. "Das Treffen, das wir am 13. März in einem New Yorker Hotel hatten, war ein Abtasten vom Vorstand von VoiceStream und uns." Die Kläger werfen der Telekom vor, im Prospekt zur dritten Aktientranche nicht ausreichend über die Risiken des geplanten Zukaufs informiert zu haben.

H&R Wasag verkalkuliert sich
Der SDax-Konzern ist im ersten Quartal von einem höher als erwarteten Ölpreis überrascht worden. Das Unternehmen, das auf Weichmacher für die Reifenindustrie spezialisiert ist, geht deshalb für das erste Quartal 2008 vom einem Quartalsgewinn aus, der weniger als ein Viertel des Jahresergebnisses ausmachen soll. Nach wie vor rechnet das Unternehmen aber mit einem Umsatz von rund einer Milliarde und einem Vorsteuerergebnis von 50 bis 100 Millionen Euro für 2008.

ProSiebenSat.1 steigt in die Produktion ein
Die Senderkette will verstärkt ins TV-Produktionsgeschäft einsteigen. Nach Angaben des Mediendienstes "kress" will ProSiebenSat.1 über seine neue Tochterfirma Red Seven künftig Unterhaltungssendungen für die eigenen Kanäle produzieren. Damit will das MDax-Unternehmen offenbar unabhängiger von externen Zulieferern werden. Dem Kurs der Medienaktie bekommt dies am Montag nicht gut, sie verliert mehr als drei Prozent.

Gewinnmitnahmen bei Gerresheimer
Trotz guter Quartalszahlen muss die Aktie des Verpackungsherstellers aus dem Sdax bis zum Nachmittag ihre Gewinne wieder abgeben. Der Konzern hatte einen Umsatzanstieg um 18,2 Prozent auf 239,1 Millionen Euro bekannt gegeben. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag um 20,4 Prozent höher, bei 43 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr 2008 peilt Gerresheimer eine Umsatzsteigerung um 13 bis 15 Prozent und eine Ebitda-Erhöhung um mehr als 19 Prozent an.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat