Marktbericht 20:02 Uhr

Dax legt wieder zu Anleger wischen Sorgen beiseite

Stand: 25.03.2014, 20:02 Uhr

Die Hoffnung auf sinkende Zinsen in der Eurozone sowie konjunkturstimulierende Maßnahmen in China hat die Furcht vor einer Eskalation des Konflikts mit Russland am Dienstag in den Hintergrund gedrängt.

Nach dem Einbruch am Montag um 1,7 Prozent hat der Dax am Dienstag diese Verluste wieder weitgehend wettgemacht. Er schließt 1,63 Prozent oder knapp 100 Punkte höher bei 9.338 Zählern. In der Spitze klettert der Leitindex sogar um 1,9 Prozent auf 9.372 Punkte. Am Ende notieren außer ThyssenKrupp und Commerzbank alle anderen Dax-Werte im Plus.

Befeuert wurden die Kurse von der überraschend guten Stimmung der Verbraucher in den Vereinigten Staaten. Die Verkäufe neuer Häuser sind zudem im Februar etwas weniger gefallen als erwartet. "Per saldo unterstützen die Zahlen das Szenario einer wirtschaftlichen Belebung. Zinserhöhungserwartungen bezüglich der Fed dürften sich tendenziell verfestigen", kommentierte Volkswirt Ralf Umlauf von der Helaba. In Deutschland erwarten Ökonomen für Anfang 2014, dass sich das Wachstum zum Vorquartal auf rund 0,8 Prozent in etwa verdoppelt.

ARD-Börsenstudio Hörfunk: Alexander Schmitt
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Börse 13.00 Uhr

Zudem hat Bundesbankchef Jens Weidmann in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Market News massive Wertpapierkäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB) nicht mehr kategorisch ausgeschlossen. EZB-Ratsmitglied Jozef Makuch sagte, die Notenbank sei darauf vorbereitet, bei Bedarf am Geldmarkt einzugreifen und damit eine Deflation zu verhindern. Eine Option seien zusätzliche Geldspritzen.

Kurszuwächse an der Wall Street

An der Wall Street hat der Dow-Jones-Index seine Mittagsschwäche überwunden und notiert 0,60 Prozent höher bei 16.372 Zählern. Unter den Einzelwerten standen die Papiere von Merck & Co im Blick. Der Pharmakonzern zieht Kreisen zufolge immer mehr Kaufinteressenten für sein Geschäft mit nicht verschreibungspflichtigen Arzneien an.

Nach Ansicht vieler Händler steht die Erholung der Aktienmärkte aber auf wackligen Beinen. "Das schnelle Geld hat den Dax für sich wiederentdeckt." Sollte sich der Konflikt zwischen Russland und dem Westen verschärfen, dürften sich spekulativ orientierte Investoren rasch wieder zurückziehen.

Auch von den Warnungen der Bundesbank vor negativen Folgen des Konfliktes mit Russland wollen die Anleger heute nichts wissen. Die anhaltenden politischen Spannungen hätten das "Potenzial für negative Vertrauenseffekte an den Märkten", sagte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret.

Draghi redet Euro rauf

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Kaum hatten Spekulationen auf eine Lockerung der EZB-Geldpolitik den Euro am Dienstag unter die Marke von 1,38 Dollar gedrückt, geht es am Abend wieder in die Gegenrichtung. EZB-Chef Mario Draghi hatte sich zum Euro bekannt und gesagt, der Wechselkurs sei zwar kein Ziel für die Geldpolitik. Er sei aber wichtig für Inflation und Wachstum. Daraufhin schoss der Euro in die Höhe und notiert am Abend bei 1,3840 Dollar, nachdem bei Börsenschluss (Xetra) in Frankfurt noch bei 1,3777 Dollar notiert hate.

Deutsche Bank: Kirch und kein Ende

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Staatsanwaltschaft München hat ihre Ermittlungen gegen die Deutsche Bank wegen mutmaßlichen Betrugs im Kirch-Prozess ausgeweitet. Es werde nun gegen weitere Mitarbeiter des Kreditinstituts und gegen Mitarbeiter von zwei Anwaltskanzleien ermittelt, sagte ein Sprecher der Behörde am Dienstag. Unter den Beschuldigten seien Rechtsanwälte, die die Deutsche Bank in dem Prozess um Schadenersatz für die Kirch-Erben vertreten hätten. Auch gegen Deutsche-Bank-Vorstand Stephan Leithner wird ermittelt. Die Anleger scheint das allerdings nicht zu beeindrucken: die Aktie legt um 1,2 Prozent zu.

Post und FMC an Dax-Spitze

Bei den Einzelwerten haben es die Papiere der Deutschen Post an die Dax-Spitze geschafft. Der Artikel der "Welt am Sonntag" über steigende Ergebnisziele für die Brief- und Paketsparte wirkt einem Händler zufolge weiter nach. Zudem hat JPMorgan die Einstufung für die Post auf "Overweight" belassen. Damit rückt das Rekordhoch der Aktie bei 27,24 Euro wieder in greifbare Nähe.

Auch die FMC-Aktien gehören am Dienstag zu den stärksten Dax-Werten. Ein Händler verweist auf einen Bericht aus den USA, wonach die Vergütungen aus dem staatlichen Medicare-Programm für ältere und behinderte Menschen für Dialyse-Behandlungen neu berechnet werden sollen. Anbieter wie DaVita HealthCare und die Fresenius-Tochter sollen höhere Beträge bekommen. Die Bayer-Aktie kann ebenfalls einen Großteil ihrer gestrigen Verluste wettmachen.

Jenoptik zeigt sich optimistisch

Im TecDax ist Jenoptik der stärkste Wert. Das Unternehmen hebt seine Dividende von 18 auf 20 Cent je Aktie an und will in diesem Jahr einen Gewinnsprung schaffen. Während der Umsatz zwischen fünf und zehn Prozent zulegen soll, soll das Betriebsergebnis um bis zu 20 Prozent ansteigen. 2013 war der Umsatz nur leicht auf 600 Millionen Euro gestiegen, das Ergebnis fiel sogar leicht auf 53 Millionen Euro.

Kontron liegt daneben

Einer der schwächsten TecDax-Werte ist dagegen die Aktie von Kontron. Die Umsatzentwicklung des Minicomputerherstellers im vergangenen Jahr und der Ausblick auf die Erlöse in diesem Jahr seien zwar in Ordnung, schrieb ein Händler. Die Profitabilität jedoch sei hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Auch Manz enttäuscht

Zu den größten Verlierern im TecDax gehört auch die jüngst erst wieder aufgestiegene Aktie von Manz. Dabei vermeldet der Maschinenbauer Neuaufträge im Geschäftsbereich Display mit einem Gesamtvolumen von rund 45 Millionen Euro. Nachdem der TecDax-Konzern bereits im Januar einen Neuaufträge im Bereich Display verzeichnete, belaufen sich die Auftragseingänge der letzten Monate in diesem Segment auf rund 95 Millionen Euro.

Evotec: Geld weg, Aktie steigt

Die Aktie des Biotech-Unternehmens Evotec kann dagegen mit einem leichten Zugewinn punkten... obwohl das Unternehmen im vergangenen Jahr einen Verlust in Höhe von 25,4 Millionen Euro eingefahren hat. Befeuert wird das Papier aber durch die starke Liquiditätsposition der Firma, die in diesem Sektor ein besonderes Plus darstellt. Ein Händler lobt auch den Ausblick, der ohne Meilensteine und Vorauszahlungen ein hohes prozentual einstelliges Umsatzwachstum in Aussicht stellt.

Stada kräftig erholt

Im MDax ist der Pharmahersteller Stada der mit Abstand stärkste Wert, nachdem das Papier am Vortag wegen der revidierten Jahresprognose eingebrochen war. Die meisten Analysten haben den fairen Wert der Aktie zwar gesenkt, ihre Einstufung aber auf "Hold" gelassen. Das ließ den Kurs wieder über die 30-Euro-Marke klettern.

Leoni kappt Dividende

Leoni: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Schlusslicht bei den mittelschweren Werten sind die Titel von Leoni. Der Vorstandsvorsitzende Klaus Probst verlängere seinen Vertrag um sechs Monate bis zum 30. Juni 2015 und scheide dann, kurz nach seinem 62. Geburtstag, auf eigenen Wunsch aus, teilte der Konzern mit. Probst hinterlässt seinem noch unbekannten Nachfolger die von ihm geprägte neue Strategie: stärkere Konzentration auf die Autoindustrie und eine gleichmäßigere Umsatzverteilung auf die Regionen Europa, Asien und Amerika. Außerdem wird Leoni nur noch einen Euro statt 1,50 Euro Dividende zahlen.

CTS Eventim zahlt mehr

Der im SDax notierte Online-Ticket-Verkäufer CTS Eventim will seine Dividende von 57 Cent auf nun 64 Cent anheben. Insgesamt sollen damit rund 30,7 Millionen Euro an die Anteilseigner ausgeschüttet werden. Der Konzern zahlt damit zum neunten Mal in Folge eine Dividende. Im abgelaufenen Geschäftsjahr erzielte CTS Eventim ein Konzernergebnis von 61,1 Millionen Euro (plus 8,6 Prozent) und ein Ergebnis je Aktie von 1,27 Euro (Vorjahr 1,17 Euro).

Aus zwischen Hornbach & Kingfisher

Die Baumarktkette Hornbach und ihr britischer Großaktionär Kingfisher trennen sich. Kingfisher verkauft seine Aktienpakete an der Hornbach Holding und der Hornbach Baumarkt-AG - insgesamt 21,2 Prozent - eigenen Angaben zufolge für rund 232 Millionen Euro. Die Unternehmerfamilie Hornbach übernimmt die bei Kingfisher liegenden 25 Prozent der nicht börsennotierten Stammaktien der Holding für rund 100 Millionen Euro. Die im Kleinwerteindex notierten Holding-Vorzüge sind künftig komplett im Streubesitz, bei den Baumarkt-Stammaktien liegt er bei knapp 24 Prozent.

Loewe-Aktie stürzt ab

Wie boerse.ARD.de bereits gestern betont hatte, ist die Loewe-Aktie praktisch wertlos. Das scheint heute auch einigen Investoren zu schwanen, denn das Papier knickt um mehr als 20 Prozent ein. Da es sich bei der Übernahme durch den Finanzinvestor um einen Asset Deal handelt, haben die Aktionäre davon nichts.

Berentzen: "Ergebnis versemmelt"

Düster sieht es auch für den Getränke-Hersteller Berentzen aus. Der Schnappsbrenner ist im vergangenen Jahr noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Der Konzern-Jahresfehlbetrag vergrößerte sich von 1,6 auf 7,3 Millionen Euro. Vor allem der Verlust der Pepsi-Lizenz und das schwierige Auslandsgeschäft auf dem chinesischen Markt seien für das negative Ergebnis verantwortlich, sagte ein Sprecher.

Biotest: Ergebnissprung und vorsichtige Prognose

Leicht enttäuscht reagieren die Anleger auf die Prognose von Biotest. Das Unternehmen hat zwar 2013 den Umsatz um 13,8 Prozent gesteigert, das Betriebsergebnis (Ebit) kletterte sogar um 20,4 Prozent. Doch die Aussichten für das laufende Jahr sind deutlich verhaltener.

Japanische Bank an US-Geschäft der RBS interessiert

Der japanische Finanzkonzern Sumitomo Mitsui ist an der Übernahme des US-Geschäfts der verlustreichen britischen Großbank Royal Bank of Scotland (RBS) interessiert, schreibt das "Wall Street Journal". Die beiden Unternehmen hätten sich bereits zu ersten Gesprächen über die RBS-Tochter Citizens getroffen. Allerdings liege eine Einigung noch in weiter Ferne. Einige Beobachter sähen die Wahrscheinlichkeit für einen Verkauf an Sumitomo bei unter 50 Prozent.

lg

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr