Anleger werden nervöser

Detlev Landmesser

Stand: 15.05.2009, 20:44 Uhr

Der Dax beendete die schwierige zweite Mai-Woche mit leichten Abschlägen. Dabei haben die neuesten Daten von der US-Konjunktur das Bild einer allmählichen Stabilisierung gefestigt.

Der L-Dax ging bei 4.717,53 Punkten ins Wochenende. Zeitweise hatte der deutsche Leitindex bis zu 1,1 Prozent eingebüßt. Um 13:00 Uhr hatte der Verfall der Dax-Futures an der Terminbörse Eurex den Dax zeitweise unter die 4.700-Punkte-Marke gedrückt.

Am Abend drifteten die New Yorker Aktienmärkte nach unten ab. Zu der Nervosität trug die zum Monatsende drohende Insolvenz des schwerkranken Autoriesen General Motors bei. Im Rahmen seiner Restrukturierung verkleinert GM sein US-Händlernetz um 40 Prozent. Insgesamt will die Opel-Mutter 2.600 der rund 6.200 Autohäuser loswerden. Der schwache US-Ölpreis, der am Abend mit 56,50 Dollar um zwei Dollar unter dem Vortag notierte, zog auch die amerikanischen Ölkonzerne ins Minus.

Zarte Konjunkturhoffnungen

Die wichtigste Zahl des Tages, die US-Industrieproduktion im April, war mit minus 0,5 Prozent an sich zwar wenig erbaulich, aber besser als von Experten erwartet. Der Konjunkturindex der Fed von New York, der Empire State Index, überraschte mit einem Mai-Wert von minus 4,6 Punkten ebenfalls positiv.

"Da sich die Stimmungslage in der US-Industrie weiter festigt, sind Hoffnungen auf eine allmähliche Konjunkturstabilisierung berechtigt", folgerte Helaba-Analyst Ulrich Wortberg. Postbank-Volkswirtin Fabienne Riefer erwartet "eine moderate konjunkturelle Erholung" in der zweiten Jahreshälfte.

Die amerikanischen Verbraucher hegen offenbar dieselbe Hoffnung. So hellte sich das von der Uni Michigan erhobene Konsumklima im Mai überraschend deutlich auf.

Goldpreis rückt vor
Auch die überraschend stabilen US-Verbraucherpreise waren ein positives Konjunktursignal. Die Kernrate ohne die schwankungsanfälligen Energie- und Lebensmittelpreise erhöhte sich im April um 0,3 Prozent. Volkswirte waren nur von 0,1 Prozent ausgegangen. Das stützte wiederum den Goldpreis, der zeitweise auf ein Sechs-Wochen-Hoch von 934,05 Dollar pro Feinunze kletterte.

Commerzbank-HV dauert noch bis Samstag
Unter starken Schwankungen legte die Aktie der Commerzbank am (ersten) Tag der Hauptversammlung deutlich zu. Natürlich war die nur dank des massiven Staatseingriffs vollzogene Übernahme der Dresdner Bank das wichtigste Diskussionsthema auf dem Aktionärstreffen in Frankfurt. Angesichts der langen Rednerliste aufgebrachter Aktionäre legte Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller am Abend den Abstimmungsprozess auf den Samstag. Die Zustimmung der Aktionäre zu dem Staateinstieg gilt aber als sicher, da angesichts der niedrigen Präsenz von zuletzt knapp über 38 Prozent allein schon die beiden Großaktionäre Allianz und Generali zusammen auf etwa zwei Drittel der Stimmen kommen.

VW vor MAN-Gebot?
Das Marktgerücht, Volkswagen könnte ein Angebot für MAN unterbreiten, ließ die MAN-Aktie um 3,6 Prozent zulegen. Beide Konzerne lehnten Stellungnahmen ab. VW ist mit 29,9 Prozent der Stimmrechte bereits größter MAN-Aktionär.

Verzichtet Lufthansa auf British Midland?
Am Abend berichtete die "Süddeutsche Zeitung" vorab aus ihrer Samstagsausgabe, die Lufthansa wolle die lange vereinbarte Übernahme der britischen Fluglinie BMI doch noch abblasen. Die wirtschaftliche Lage des Star-Alliance-Partners sei weit schlechter, als dies selbst der Lufthansa bis vor kurzem bekannt war, hieß es zur Begründung. Erst am Donnerstag hatte die EU-Kommission die Übernahme genehmigt.

Erfolg für Bayer-Medikament
Die Bayer-Aktie verhielt sich unauffällig. Dabei hat eine Studie vielversprechende Ergebnisse bei der Behandlung von fortgeschrittenem Lungenkrebs mit dem Bayer-Medikament Nexavar ergeben. Nexavar zählt zu den wichtigsten neuen Bayer-Präparaten. Das Medikament ist bereits zur Behandlung von Nieren- und Leberkrebs zugelassen.

Branchenbonus für K+S
Nach dem Kurseinbruch vom Donnerstag nahm die K+S-Aktie die Spitzenposition im Dax ein. Zunächst verwiesen Händler auf eine Kurszielerhöhung durch die WestLB, dann auf eine positive Analystenkonferenz des kanadischen Konkurrenten Potash, die die ganze Branche beflügelte.

Arcandor lehnt sich an den Bund an
Jetzt ist es raus: Arcandor will Staatsbürgschaften über 650 Millionen Euro aus dem staatlichen Deutschlandfonds beantragen. Außerdem bewerbe sich das Unternehmen um einen Kredit bei der staatseigenen KfW, teilte der MDax-Konzern mit. Die Aktie des angeschlagenen Handels- und Touristikkonzerns reagierte positiv, nachdem bereits entsprechende Medienberichte kursiert waren.

HHLA verfehlt Erwartungen
Schwächster MDax-Titel war HHLA. Der Hamburger Hafenkonzern verbuchte im ersten Quartal einen unerwartet starken Geschäftseinbruch, der Überschuss schmolz von 42 auf 18,7 Millionen Euro. Analysten hatten mit 22 Millionen gerechnet. Auch bei anderen wichtigen Kennziffern verfehlte der Konzern den Marktkonsens.

Bauer hat Tiefpunkt noch vor sich...
Die Bauer-Aktie wurde ebenfalls ans MDax-Ende durchgereicht. Zunächst hatte die Börse die Quartalszahlen des Bau- und Maschinenbaukonzerns mit einem Plus von bis zu 4,6 Prozent honoriert. Der Ausblick bleibt aber trübe. "Im Maschinenbau leben wir wie die meisten anderen Hersteller von Investitionsgütern zunehmend von der Hand in den Mund", erklärte Konzernchef Thomas Bauer. Laut den Analysten der Commerzbank steht dem Unternehmen der Tiefpunkt im zweiten Quartal bevor.

...SMA angeblich schon hinter sich
Im TecDax legte die Aktie von SMA Solar 3,6 Prozent zu. Der Solar-Wechselrichter-Hersteller wurde zwar zu Jahresbeginn von der Branchenkrise voll erfasst, das operative Ergebnis (Ebit) brach um über 75 Prozent auf 6,0 Millionen Euro ein. Doch der Ausblick auf das zweite Quartal machte Anlegern Mut. Hier geht das Unternehmen von einer deutlichen Belebung aus. Das beflügelte auch andere Solarwerte.

Medigene dampft Verlust ein
3,4 Prozent verlor dagegen die Medigene-Aktie. Dabei lieferte die Biotech-Firma durchaus positive Nachrichten. Sie konnte im ersten Quartal ihren Verlust um 78 Prozent überraschend deutlich auf 1,9 Millionen Euro verringern. Analysten hatten im Schnitt mit einem Minus von 3,8 Millionen Euro gerechnet. Vorstandschef Frank Mathias bestätigte zudem die Prognose.

Hoffnung für Escada
Wieder war die Escada-Aktie einer der auffälligsten Titel im SDax. Zeitweise lag sie mit 12,1 Prozent vorne. Laut dem "Handelsblatt" rückt die Rettung der angeschlagenen Modefirma näher. Für die verlustreiche Tochter Primera gebe es Interessenten, sagte Vorstandschef Bruno Sälzer, ohne Namen zu nennen. Der Manager räumte aber ein, "dass wir einen viel niedrigeren Preis erzielen werden, als wir es uns je vorgestellt haben".

VBH-Prognose wackelt
Aus dem SDax kam auch eine Reihe von Quartalsbilanzen. Die VBH-Aktie büßte 5,7 Prozent ein. Die schlechte Wirtschaftslage und der lange Winter setzen dem Bauzulieferer zu, das Vorsteuerminus belief sich auf minus 4,5 Millionen Euro nach plus 1,0 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Das Management plant zwar weiterhin ein "deutlich positives" Ergebnis für 2009, die bisherige Prognose eines Umsatzrückgangs von zehn Prozent sei aber möglicherweise nicht zu halten.

Koenig & Bauer tiefrot
Die Aktie von Koenig & Bauer schaffte es im Verlauf ins Plus. Dabei gab der Druckmaschinenhersteller einen Auftragseinbruch von 40 Prozent im ersten Quartal bekannt. Der Verlust fiel mit 33,3 Millionen Euro mehr als doppelt so hoch aus wie von Analysten erwartet. KBA will nun mit einem harten Sparkurs gegensteuern.

Homag in Ungnade
Auch der ebenfalls im SDax notierte Hersteller von Maschinen und Anlagen für die holzbearbeitende Industrie, Homag, meldete einen unerwartet hohen Quartalsverlust. Angesichts der Entwicklung im ersten Quartal sei die Prognose für das laufende Jahr recht ambitioniert, urteilten die Analysten der LBBW.

Medion robuster als gedacht
Gefragt war dagegen die Medion-Aktie. Das Quartalsergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) fiel mit 3,2 Millionen Euro besser aus als erwartet. Der Vorstand des Elektronikgroßhändlers stellt sich für das Gesamtjahr auf einen Umsatzrückgang in der Größenordnung von 15 Prozent ein. Das Ergebnis soll aber deutlich positiv sein.

Alstria glaubt an Stabilisierung
Die Alstria-Aktie gewann 2,3 Prozent - und das, obwohl der Büroimmobilienkonzern zu Jahresbeginn wegen Bewertungsverlusten im Portfolio tief in die roten Zahlen gerutscht ist. Das Alstria-Management versuchte aber, den Anlegern Mut zu machen: Man gehe von einer stabilen Geschäftsentwicklung im zweiten Quartal aus.

Borussia rückt von Jahresziel ab
Die Aktie der Borussia Dortmund fiel am Freitag wieder auf die Ein-Euro-Marke. Das vorzeitige Ausscheiden aus UEFA-Cup und DFB-Pokal hat dem Fußballbundesligisten die Bilanz verhagelt. Nach Ablauf der ersten neun Monate der laufenden Saison schreibt der börsennotierte Fußballverein bereits einen operativen Verlust von rund vier Millionen Euro. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hält daher das Ziel, die laufende Saison vor Zinsen und Steuern mit einem Plus abzuschließen, für wenig wahrscheinlich.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat