Anleger wechseln in die Lauerstellung

Stand: 31.07.2012, 20:02 Uhr

Wachsende Zweifel an einer großangelegten Rettungsaktion für die Euro-Zone haben die Gewinnserie der vergangenen Tage beendet. Auch an der Wall Street fürchten die Anleger jetzt eine Enttäuschung.

Der Dax verabschiedet sich knapp zwei Punkte tiefer in den Feierabend bei 6.772 Punkten, nachdem er im Tagesverlauf noch bis auf 6.835 Zähler angestiegen war.

An der Wall Street notiert der Dow Jones-Index bei Börsenschluss in Deutschland sogar 0,2 Prozent im Minus bei 13.043 Punkten. Die US-Notenbank Fed soll am morgigen Mittwoch bekanntgeben, wie sie der Wirtschaft auf die Sprünge helfen will. Bis dahin bleiben die Anleger in Deckung.

In Deutschland hatte am Nachmittag eine Mitteilung des Bundesfinanzministeriums der Rally der vergangenen Tage ein abruptes Ende bereitet. Laut Ministerium sehen die Regularien des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) keine Banklizenz vor, mit der eine Refinanzierung bei der Europäischen Zentralbank möglich wäre. Zudem gebe es in der Frage einer möglichen Banklizenz für den ESM keinerlei Gespräche.

Es könnte zu einer Enttäuschung kommen
Damit ist die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Schuldenkrise wieder vom Tisch. "Die Wahrscheinlichkeit einer Enttäuschung ist angesichts der entschlossenen Aussagen Draghis hoch", sagte Anlagestratege Franz Wenzel von Axa Investment Managers. "Die Märkte haben sich auf etwas recht großes eingestellt." Er halte es für möglich, dass einige Anleger unabhängig von einer möglichen EZB-Ankündigung am Donnerstag zumindest kurzfristig Kasse machten.

Draghi hatte am vergangenen Donnerstag gesagt, die Notenbank werde alles zum Erhalt der Währungsunion tun. Anleger werteten dies als Hinweis darauf, dass die EZB Staatsanleihen kriselnder Euro-Staaten wie Spanien und Italien in unbegrenztem Umfang aufkaufen wird, um einen weiteren Anstieg der Zinsen zu verhindern. Spekuliert wurde außerdem auf der Vergabe einer Banklizenz an den Euro-Rettungsfonds ESM. Dieser könnte dann bei der EZB Kredite aufnehmen und damit seine Wirkungskraft verbessern - ohne zusätzliche Geldspritzen der Mitgliedsstaaten.

Der Euro kann sich der schlechteren Stimmung an den Aktienmärkten entziehen. Bei Börsenschluss notiert die Gemeinschaftswährung über der Schwelle von 1,23 Dollar bei 1,2312 Dollar.

In Frankfurt sorgte vor allem die Deutsche Bank für Aufmerksamkeit.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Deutsche Bank setzt Rotstift an
Die Aktie der Deutschen Bank beendet den Handel nach einer Berg- und Talfahrt nur noch hauchdünn im Plus. Grund für die Achterbahnfahrt ist die Ankündigung des heimischen Branchenprimus, 1.900 Stellen streichen zu wollen, den Löwenanteil davon, 1.500, im Investmentbanking. In diesem Segment, das noch bis vor kurzem Dreiviertel der Gewinne der Bank erwirtschaftete, ist das Vorsteuerergebnis im zweiten Quartal um mehr als 60 Prozent eingebrochen.

Insgesamt will die Bank ihre Ausgaben um drei Milliarden Euro senken. Auch soll die Kernkapitalquote bis zum Frühjahr 2013 auf zehn Prozent gesteigert werden, was nach den dann verschärften Basel-III-Vorschriften einem Wert von mindestens acht Prozent entsprechen würde. Dieses Ziel will die Bank zunächst ohne Kapitalerhöhung erreichen.

UBS stürzt ab
Noch schlimmer hat es das Investmentbanking der UBS erwischt. Dort haben die Schweizer sogar einen Verlust von 130 Millionen Franken erlitten. Der Reingewinn sank auf 425 Millionen Franken von 827 Millionen im Auftaktquartal. "Das alles zeigt, dass das Geschäft von Banken überdacht werden muss - mit allen Konsequenzen", sagte Marktstratege Heino Ruland von Ruland Research. In Zürich stürzt die Aktie um 6,4 Prozent ab.

Pfizer in exzellenter Verfassung
Einsparungen haben dem weltgrößten Pharmakonzern Pfizer im abgelaufenen Quartal zu einem überraschend kräftigen Gewinnzuwachs verholfen. Im zweiten Jahresviertel erzielte das US-Unternehmen einen Nettogewinn von 3,25 Milliarden Dollar, ein Plus von 25 Prozent binnen Jahresfrist, wie Pfizer am Nachmittag mitteilte. Pfizer-Chef Ian Read bekräftigte zudem die Ergebnisziele des Konzerns für dieses Jahr. Kein Wunder, dass die Aktie im vorbörslichen New Yorker Handel im Plus notiert.

Fiat in den roten Zahlen
Der kriselnde italienische Autobauer Fiat hat nur dank guter US-Geschäfte der Tochter Chrysler den Sturz in die roten Zahlen vermieden. Fiat alleine hätte im zweiten Quartal einen Verlust von 246 Millionen Euro eingefahren, wie der Konzern am Dienstag in Turin mitteilte. Dem Unternehmen macht vor allem der Einbruch des italienischen Automarktes schwer zu schaffen.

Infineon macht Freudensprung
Größter Gewinner im Dax ist die Infineon-Aktie. Zwar sieht die vorgelegte Quartalsbilanz sehr schwach aus, der Gewinn schrumpfte um ein Viertel und der Umsatz stagnierte. Allerdings übertrafen die Zahlen die Erwartungen. Zudem hat der Halbleiterkonzern den kurzfristigen Ausblick bestätigt.

Ceconomy ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Metro stemmt sich gegen die Krise
Auch die Metro-Aktie gefällt. Anleger honorieren, dass der Handelsriese die Konsumflaute in Südeuropa besser meistert als erwartet. Eine Preisoffensive und florierende Geschäfte im deutschen Heimatmarkt sowie in Osteuropa und Asien ließen im zweiten Quartal die Umsätze steigen. Anleger sind zudem erleichtert, dass der Handelskonzern seine Prognose beibehalten hat.

Bayer legt Messlatte höher
Bayer kommt ebenfalls gut an. Das Papier kommt auf den höchsten Stand seit viereinhalb Jahren. Der Konzern hat seine Jahresziele heraufgesetzt. Die Quartalszahlen begeistern ebenfalls.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Commerzbank schlägt sich wacker
Nachdem Deutschlands zweitgrößte Bank vor einem Jahr wegen hoher Abschreibungen auf ihre griechischen Staatsanleihen operativ nur noch 51 Millionen Euro verdient hatte, erwartet sie nun ein Ergebnis von 450 Millionen Euro. Im gesamten ersten Halbjahr verdiente die Bank nach vorläufigen Berechnungen rund eine Milliarde Euro, nach 1,2 Milliarden im Vorjahr. Die Aktie legt leicht zu.

HeidelbergCement fällt trotzdem
Größter Verlierer im Dax ist die Aktie von HeidelbergCement. Erstaunlich, denn die Zahlen des Baustoffherstellers überzeugen. HeidelCement hat auf breiter Front die Preise erhöht und damit Umsatz sowie Ergebnis deutlich verbessert. Händlern zufolge haben die Anleger die Kursgewinne der vergangenen Tage zu Gewinnmitnahmen genutzt.

Dass die Aktien von Hugo Boss trotz positiv aufgenommener Zahlen deutlich abgesackt sind, begründen Händler mit zu hoch gesteckten Erwartungen. Die Papiere des Modekonzerns verlieren 5,5 Prozent und sind damit der schwächste Wert im MDax.

SGL abgestraft
Den Unmut der Anleger bekommt auch die Aktie von SGL zu spüren. Der Kohlenstoffspezialist hält nur noch ein operatives Ergebnis auf Vorjahreshöhe von 160 Millionen Euro für machbar. Das Carbongeschäft lasse keine Anzeichen der Besserung erkennen. Die Aktie bricht ebenfalls um 4,5 Prozent ein.

Wirecard: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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177,05
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Wirecard ohne Überraschung
Im TecDax gehört die Aktie von Wirecard zu den Verlierern nach überraschend vorgelegten Zahlen des Zahlungsabwicklers. Dabei sind alle relevanten Wachstumstreiber intakt, wie Thorsten Reigber von der DZ Bank schreibt.

Dialog an TecDax-Spitze
Spekulationen auf die baldige Vorstellung eines neues iPhone-Modells von Apple haben dagegen die Aktien des Apple-Zulieferers Dialog angeschoben. Mit einem Plus von fast sieben Prozent stehen sie an der Spitze des TecDax. Kreisen zufolge bereitet sich Apple auf eine Großveranstaltung am 12. September vor.

Praktiker auf unsicheren Wegen
Um 7,6 Prozent geht es mit der Praktiker-Aktie bergab. Vorstand und Aufsichtsrat der Baumarktkette lehnen ein Finanzierungsangebot ihres eigenen Großaktionärs ab, der Wiener Privatbank Semper Constantia. Es sei gegenwärtig nicht beabsichtigt, in Verhandlungen über den alternativen Finanzierungsvorschlag einzutreten, teilte Praktiker am Dienstag in Hamburg mit. "Dem Vorschlag unseres Großaktionärs können wir uns nicht anschließen", sagte Vorstandschef Kay Hafner. "Er ist vom Umfang her nicht ausreichend und bietet auch nicht die nötige Transaktionssicherheit."

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"