Marktbericht 20:13 Uhr

Zurückhaltung vor der US-Berichtssaison Anleger warten auf neue Signale

Stand: 08.10.2015, 20:13 Uhr

Nach den kräftigen Kurssprüngen der letzten Tage haben die Anleger eine Verschnaufpause eingelegt. Im Blickpunkt stand die Deutsche Bank, die vor einem Rekordverlust warnte. Am Abend gab's Neues zur US-Zinswende.

Wie aus dem veröffentlichten Sitzungsprotokoll der Fed hgervorgeht, rechnen viele Mitglieder der US-Notenbank noch in diesem Jahr mit einer Zinsanhebung. Die Währungshüter sorgen sich um die konjunkturelle Abkühlung in China und hielten es für klug, mehr Klarheit bezüglich der Konjunkturaussichten abzuwarten, hieß es im Protokoll zur Fed-Sitzung am 16. und 17. September weiter.

Warten auf Alcoa

Die neuen Erkenntnisse aus dem Protokoll gaben der Wall Street etwas Auftrieb. Der Dow lag zwei Stunden vor Handelsschluss 0,3 Prozent höher. In den letzten Tagen hatte er freilich schon gut vier Prozent zugelegt. Anleger warten auf neue Impulse aus der US-Berichtssaison, die nach Börsenschluss Alcoa einläutet. Die Alcoa-Zahlen geben stets auch Hinweise auf den Zustand der Weltkonjunktur.

Dax steigt den fünften Tag in Folge

An den europäischen Aktienmärkten wagten sich die Anleger ebenfalls kaum aus der Deckung. Der EuroStoxx50 stagnierte. Immerhin schaffte der Dax ein kleines Plus von 0,2 Prozent und schrammte nur ganz knapp an der psychologisch wichtigen Marke von 10.000 Punkten vorbei. Nach Kursgewinnen von über vier Prozent seiot vergangenen Freitag war eine Ruhepause angesagt.

August-Delle bei den deutschen Exporten

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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Börse 20.15 Uhr

Nicht einmal schwache Konjunkturdaten aus Deutschland und die Gewinnwarnung der Deutschen Bank konnten die stabile Börsenstimmung nachhaltig belasten. Dabei brachen die deutschen Exporte im August um 5,2 Prozent ein - so stark wie zuletzt im Krisenjahr 2009. Als Grund wurden die späten Sommerferien und die schwächere Nachfrage aus den Schwellenländern genannt.

Euro über 1,13 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Das Hin und Her der Fed gab dem Euro leichten Auftrieb. Die Gemeinschaftswährung kletterte am Abend wieder auf über 1,13 Dollar, gab dann aber wieder etwas nach. Die trüben Konjunkturdaten schüren Hoffnung auf weitere Geldspritzen der Notenbanken. Die Europäische Zentralbank (EZB) kündigte in ihrem am Mittag veröffentlichten Sitzungsprotokoll an, die Anleihenkäufe wegen der Winterflaute vorzuziehen. Die Käufe sollen verstärkt in den Monaten September bis November getätigt werden.

Deutsche Bank im Sog der Credit Suisse

Für den größten Gesprächsstoff an der Frankfurter Börse sorgte der angekündigte Rekordverlust der Deutschen Bank von rund sechs Milliarden Euro. Dennoch lagen die Aktien des deutschen Geldinstituts lange Zeit im Plus. Erst im Sog des Kurseinbruchs der Credit Suisse rutschten die Titel der Deutschen Bank 1,8 Prozent ins Minus und waren zweitgrößter Verlierer hinter Bayer. Laut einem Pressebericht bereitet die Credit Suisse eine große Kapitalerhöhung vor.

Lufthansa fliegt an die Dax-Spitze

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Gewinner des Tages war die Lufthansa-Aktie mit einem Plus von über vier Prozent - dank eines positiven Analystenkommentars. Die Hoffnung auf wieder besser laufende Geschäfte treibt den von Streiks und Wettbewerbsdruck gebeutelten Aktienkurs schon seit Wochen an. Seit Anfang September sing es um rund ein Viertel nach oben.

Razzia bei VW

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Autoaktien tendierten uneinheitlich. Während die Titel von BMW und Daimler zulegen, schloss VW 0,5 Prozent im Minus. Am Donnerstag wurde bekannt, dass der Autobauer auch in Europa die Abgaswerte manipuliert hat. VW bestätigte, die Abschaltsoftware in Europa eingesetzt zu haben, berichtete der Rechercheverbund aus ARD und Süddeutsche Zeitung. An mehreren Orten in Deutschland fanden Razzien statt. In den USA beteuerte US-Chef Michael Horn bei einer Anhörung im Kongress, nichts von gezielten Manipulationen des Autobauers bei Abgasmessungen in den USA gewusst zu haben.

UBS treibt Wincor-Aktie an

Die Aktie des Kassenautomaten-Hersteller war mit einem Plus von rund sechs Prozent klarer MDax-Spitzenreiter. Die Schweizer Großbank UBS hat die Aktie "neutral" auf "buy" hochgestuft und das Kursziel von 37 auf 45 Euro angehoben. Das kurzfristige Chance-Risiko-Profil der Aktie des Kassensystem- und Automatenherstellers habe sich verbessert, eine erfolgreiche Umsetzung des Kostensenkungsprogramms erscheine wahrscheinlicher.

Solides Wachstum von Gerresheimer

Positiv wqurden die Quartalszahlen des Verpacxkungsspezialisten aufgenommen. Die MDax-Titel gewannen 1,4 Prozent. Gerresheimer hat im dritten Quartal seine Umsätze um 6,2 Prozent auf 344 Millionen Euro gesteigert, "organisch" lag das Wachstum bei 3,1 Prozent. Netto verdiente das Unternehmen mit 18,2 Millionen genauso viel wie im Vorjahr.

CropEnergies hilft Südzucker

MDax-Schlusslicht war Südzucker mit einem Minus von vier Prozent. Der Zuckerkonzern steigerte sein operatives Ergebnis wie schon angekündigt um die Hälfte auf 77 Millionen Euro. Mit einem Reingewinn von 25 Millionen Euro lag das Unternehmen knapp unter dem Vorjahreswert. Die Ergebnisaufhellung bei Südzucker hat auch mit den besseren Geschäften der Tochter CropEnergies zu tun. Beim operativen Ergebnis (Ebitda) verzeichnte CropEnergies einen Anstieg von 13 auf 57 Millionen Euro.

Tom Tailor wird wieder entdeckt

Tom Tailor: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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+5,17%

Die Aktien der Modekette setzten am Donnerstag ihren Höhenflug fort. In der Spitze stiegen die Modetitel um fast 16 Prozent - so stark wie nie. Zum Xetra-Schluss schmolz das Kursplus auf knapp neun Prozent. Offenbar versuche ein Anleger diejenigen Investoren, die auf weitere Kursverluste von Tom Tailor gewettet hätten, aus dem Markt zu drängen (Short Squeeze), sagte ein Börsianer. Seit dem Rekordtief von 4,71 Euro am vergangenen Freitag hat sich der Kurs des SDax-Unternehmens um mehr als ein Drittel erholt.

Schaeffler schafft Sprung an die Börse

Am Freitag steht an der Frankfurter Börse ein weiterer Börsengang an: Der Autozulieferer Schaeffler kommt aufs Parkett. Allerdings musste das Familienunternehmen große Abstriche machen. Mit einem Preis von 12,50 Euro werden die neuen Aktien am unteren Ende der Spanne von 12 bis 14 Euro ausgegeben. Aus dem IPO nimmt Schaeffler 937,5 Millionen Euro ein. Ursprünglich war ein Erlös von 2,5 Milliarden Euro geplant. Wegen des Abgasskandals beim Großkunden VW dampfte Schaeffler aber seine Börsenpläne etwas ein. Privatanleger blieben beim IPO außen vor. Der Autozulieferer bot seine Aktien nur institutionellen Anlegern an.

Milliardenfusion im US-Tech-Sektor

Der Computer-Hersteller Dell und der Speicher-Spezialist EMC stehen möglicherweise vor einer Fusion. Beide Firmen loten nach Angaben mehrerer Medien eine Zusammenarbeit aus. Dell ist seit zwei Jahren nicht mehr börsennotiert, die EMC-Aktie, die auf eine Marktkapitalisierung von rund 50 Milliarden Dollar kommt, zog um rund vier Prozent an.

nb

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"