Anleger warten auf die Fed

Stand: 01.11.2010, 20:02 Uhr

Vor den US-Kongresswahlen am morgigen Dienstag und einer entscheidenden Sitzung der US-Notenbank Fed am Mittwoch verharren die Anleger in Wartestellung. Dabei sind die neuesten US-Konjunkturindikatoren besser ausgefallen als erwartet.

So ist der an den Finanzmärkten viel beachtete Konjunkturindex der US-Einkaufsmanager (ISM) im Oktober auf 56,9 von 54,4 Punkten im Vormonat gestiegen. Experten hatten im Schnitt mit einem Rückgang auf 54,0 Punkte gerechnet. Auch die Bauausgaben haben im September überraschend um 0,5 Prozent zugelegt.

Trotzdem ist an den Märkten von Freude keine Spur. "Viele Anleger wissen nicht so recht, was sie sich trauen sollen", sagte Robert Halver, Kapitalmarktexperte der Baader Bank. Für Verunsicherung sorgt besonders die von der amerikanischen Notenbank in Aussicht gestellte Geldspritze. Erweist sich die US-Konjunktur als zu robust, dürften die Gelder weniger üppig fließen als gehofft. Es wird aber erwartet, dass die Fed erneut Anleihe-Käufe ankündigen wird.

Wegen der allgemeinen Verunsicherung tritt der Dax heute auf der Stelle. Im Abendhandel rutscht der Leitindex bei 6.595 Zählern (-0,26 Prozent) leicht unter die psychologisch wichtige Schwelle von 6.600. Am Morgen war der Dax noch um gut ein Prozent auf 6.670 geklettert.

Auch an der Wall Street drehen die Kurse am Abend ins Minus. Bei Börsenschluss in Deutschland verliert der Dow Jones-Index 2,5 Punkte und fällt auf 11.115, nachdem er in den ersten Stunden nach der Eröffnung bis auf 11.244 Zähler geklettert war.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
74,32
Differenz relativ
+0,85%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
50,84
Differenz relativ
+2,13%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
152,36
Differenz relativ
+4,53%

Starke Autowerte
Dass der Dax sich oberhalb der Schwelle von 6.600 Punkten hält, ist in erster Linie ein Verdienst der BMW- Aktie, die in Erwartung starker Quartalszahlen um 2,8 Prozent zulegt. Aber auch MAN und Daimler steigen gegen den Trend. Dagegen stehend die Vorzüge von Volkswagen nach der Rally der vergangenen Wochen heute ganz oben auf der Verkaufsliste.

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
62,60
Differenz relativ
+2,59%

Analysten mögen Bayer
Nach den Kursverlusten am Freitag kann die Bayer-Aktie heute punkten. Befeuert werden die Papiere von einem Studienerfolg des Blutverdünnungsmittels Xarelto. Die Tablette schnitt ebenso gut ab wie ein seit Jahrzehnten genutztes Standardmedikament. Die Fachleute von Equinet erhöhten spontan ihr Kursziel für Bayer-Aktien auf 56 Euro. Auch die Analysten der UBS, der SocGen und der Commerzbank empfehlen das Papier zum Kauf.

HeidelbergCement leidet unter Gerüchten
Der Baustoffkonzern HeidelbergCement hat nach Ansicht von Experten im dritten Quartal einen Sprung beim Nettogewinn erzielt. Zudem sollte die im Dax notierte Gesellschaft weiterhin von ihrem Sparprogramm profitiert haben. Doch bevor die Heidelberger am Donnerstag die guten Nachrichten verkünden können, steht die Aktie heute unter heftigem Verkaufsdruck. Die Analysten von Societe Generale hatten vergangenen Freitag die Bewertung der Aktien mit "Sell" wiederaufgenommen. Einer der Gründe für die Verkaufsempfehlung war "die hohe Wahrscheinlichkeit einer Gewinnwarnung für 2010", hieß es in der Studie.

BVB-Aktie haussiert
Nach dem Sieg von Borussia Dortmund im Bundesliga-Spitzenspiel gegen Mainz und dem Sprung an die Tabellenspitze klettert die Aktie des Fußballvereins heute um knapp zehn Prozent auf 1,84 Euro. Damit notierte das Papier auf dem höchsten Stand seit März 2008. Analyst Sebastian Hein vom Bankhaus Lampe hatte bereits Anfang Oktober die Kombination aus sportlichem Erfolg und "maßvoller Investitionspolitik" gelobt. Daher hatte er sein Kursziel für die Papiere von 1,05 auf 1,40 Euro angehoben, sein Votum lautet nach wie vor "Halten".

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,32
Differenz relativ
+2,01%

Deutsche Bank noch nicht am Ziel
Deutschlands größte Bank weist Spekulationen zurück, sie stehe bereits unmittelbar davor, die Mehrheit an dem Bonner Institut auch ohne die Anteile der Postbank-Aktionäre zu übernehmen. Ein Sprecher der Deutschen Bank betonte, dass das Übernahmeangebot noch bis einschließlich Donnerstag gelte und danach eine weitere zweiwöchige Frist folge, in der der Aktionäre ihre Postbank-Anteile der Deutschen Bank andienen könnten. Erst danach wisse man, was Sache ist.

Sky im Rallyfieber
Die Aktien des im MDax notierten Bezahlsenders Sky Deutschland haben ihre jüngste Kursrally auch heute fortgesetzt und knapp zehn Prozent dazugewonnen. Der Höhenflug der Papiere des Bezahlsenders werde weiter von diversen Spekulationen getragen, sagten Börsianer. So setzten einige Anleger auf einen positiven Ausblick, wenn am 11.November die Quartalsbilanz vorgelegt wird.

Hochtief hofft jetzt auf Katar
Hochtief kann im Kampf gegen eine Übernahme durch den spanischen Rivalen ACS allenfalls auf indirekte Hilfe der Bundesregierung hoffen. Der Essener Baukonzern bemüht sich um das Emirat Katar als möglichen Investor, der eine Mehrheit von ACS blockieren könnte. Bei dem heutigen Treffen von Angela Merkel mit Katars Ministerpräsidenten Scheich Hamad waren seien weder Vertreter von Hochtief selbst noch von den Banken vertreten, die den Abwehrkampf organisieren, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Und ob die Kataris als Ankerinvestor oder gar als "weißer Ritter" zur Verfügung stehen, der ACS abwehrt, ist offen.

Air Berlin und Ryanair besser in Form
Deutlich zulegen kann die Aktie von Air Berlin. Die im SDax notierte Fluggesellschaft steigerte im dritten Quartal die Erlöse um mehr als ein Viertel auf 1,24 Milliarden Euro, der Nettogewinn erreichte 135,6 Millionen Euro. Auch bei Ryanair machte sich der Wirtschaftsaufschwung deutlich bemerkbar, doch die Anleger hatten offenbar noch mehr erwartet. Sie schicken die Papiere auf Talfahrt.

United Technologie will an die Börse
Nach dem Armaturenhersteller Jouyou strebt ein weiterer chinesischer Konzern an die Börse in Deutschland. Von heute an bietet der Stromgeneratorhersteller United Power Technology 5,75 Millionen Aktien zu 12 bis 16 Euro an. 92 Millionen Euro könnten dem Unternehmen durch den IPO zufließen, der Börsengang im Prime Standard ist am 12. November geplant.

Mehr Geld für Potash
Der australische Bergbaukonzern BHP Billiton wird sein Angebot für den kanadischen Düngemittelhersteller Potash kräftig aufstocken. Derzeit bietet BHP 130 Dollar je Potash-Aktie, jetzt könnte die Firma ihre Offerte um zehn Prozent anheben, schrieb die "Sunday Times". Der kanadische Konkurrent von K+S hatte alle bisherigen Angebote von BHP als zu niedrig abgelehnt. Die Aktie von K+S lässt sich davon wenig beeindrucken, notiert aber weiter über der Marke von 50 Euro.

Goldman drückt Solaraktien
Eine neue Studie von Goldman Sachs zu zwei Solarwerten im TecDax hat einen erheblichen negativen Einfluss auf die Kurse. Roth & Rau sowie Centrotherm rutschten nach Bekanntwerden der Studien an das TecDax-Ende, mit Kursverlusten von zeitweise mehr als drei Prozent. Die Fachmänner der amerikanischen Bank hatten beide Aktien von ihrer "Buy"-Liste genommen. Roth & Rau sowie Centrotherm werden bei Goldman Sachs jetzt nur noch mit "Hold" geführt.

Tagestermine am Donnerstag, 22. November

Unternehmen:
RemyCointreau: Halbjahreszahlen, 7.30 Uhr
Jost Werke: Neun-Monats-Zahlen
Siemens Healthineers: Geschäftsbericht.

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise 10/18, 00:30 Uhr
EU: Acea, Nutzfahrzeugzulasssungen 10/18, 8:00 Uhr
EU: EZB-Sitzungsprotokoll v. 25.10.2018
EU: Verbrauchervertrauen 11/18 (vorab), 16:00 Uhr.

Sonstiges:
USA: Feiertag (Thanksgiving), Börse geschlossen.