Marktbericht 20:10 Uhr

Börsen auf Erholungstour Anleger wagen einen Schritt nach vorn

von Notker Blechner

Stand: 21.05.2014, 20:10 Uhr

Das nervöse Auf und Ab an den Börsen hat sich am Mittwoch fortgesetzt. Der Dax ging erst auf Talfahrt, bevor er am Nachmittag aufdrehte und klar im Plus schloss. Schützenhilfe kam von der Wall Street. Am Abend stand die Fed im Blickpunkt.

Die US-Notenbanker sollen bei ihrer letzten Sitzung über eine Normalisierung der Geldpolitik diskutiert. Das ging aus dem Protokoll hervor, das am Abend veröffentlicht wurde. Einige Teilnehmer waren der Ansicht, dass die Fed bei ihrer Herangehensweise an Zinserhöhungen klarer auftreten sollte. US-Notenbanker Charles Plosser hatte vor kurzem noch gewarnt, die Erholung der US-Wirtschaft könnte die Fed früher als angenommen zu einer Zinserhöhung zwingen.

Wall Street beflügelt Dax & Co

Das Protokoll ließ die Anleger relativ kalt. Die US-Börsen verteidigten ihre Kursgewinne. Knapp zwei Stunden vor Handelsschluss notierte der Dow 0,8 Prozent im Plus bei über 16.500 Punkten. Der S&P 500 rückte um 0,6 Prozent vor. Allerdings waren die Umsätze relativ gering.

Die Kauflaune an der Wall Street schwappte nach Europa über. Der EuroStoxx50 legte um 0,7 Prozent auf 3.187 Punkte zu. Der Dax stieg um 0,6 Prozent und scheiterte nur knapp an der Marke von 9.700 Punkten. Am Morgen war der deutsche Leitindex noch unter die 9.600 Zähler gerutscht.

Nervenspiel in der Ukraine

An der französischen und spanischen Börse fielen die Kursgewinne etwas moderater aus. Die portugiesische Börse rutschte gar um 0,5 Prozent ab. Anleger waren hin- und hergerissen zwischen der Aussicht auf weiter billiges Geld in Europa und der Ukraine-Krise. Russland bezweifelt die Rechtmäßigkeit der Präsidentenwahl in der Ukraine, die am Sonntag stattfindet.

Europa-Wahl im Blick

Zudem wirft die Europa-Wahl ihre Schatten. Die Angst vor einem Erfolg der Euro-Skeptiker bei der Europawahl setzte zuletzt den italienischen Anleihen zu. Die Renditen der italienischen Staatspapiere kletterten am Morgen auf ein Sechs-Wochen-Hoch, gaben am Nachmittag wieder deutlich nach. Sofern die Wahlen glimpflich verlaufen, dürften die Anleger rasch wieder bei den südeuropäischen Bonds zugreifen.

Euro gibt nach

Die Spekulationen um eine weitere Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) und eregänzende Maßnahmen zur Lockerung der Geldpolitik drückten den Euro auf 1,3667 Dollar. Bundesbank-Chef und Ratsmitglied Jens Weidmann erklärte allerdings in einem vorab veröffentlichten Interview mit der Süddeutschen Zeitung, dass noch keine Entscheidung über die künftige Geldpolitik gefällt sei. "Noch ist unklar , ob wir überhaupt handeln müssen", sagte er. Spekulationen auf eine näher rückende Zinserhöhung in Großbritannien gaben dem Pfund Auftrieb. Die britische Währung verteuerte sich um 0,5 Prozent auf 1,692 Dollar. Der Euro war mit 0,81 Pfund so billig wie zuletzt im Januar 2013.

Unruhen in Libyen treiben den Ölpreis

Der überraschende Rückgang der US-Lagerbestände und die Kämpfe in Libyen trieben den Ölpreis in die Höhe. Ein Barrel der Nordsee-Sorte Brent stieg um 0,3 Prozent auf über 110 Dollar, ein Barrel der US-Ölsorte WTI verteuerte sich um 0,8 Prozent auf 103,16 Dollar. Auch die Platin-Preise stiegen am Mittwoch. Wegen der anhaltenden Streiks in Südafrika kostete das Edelmetall je Feinunze 1,4 Prozent mehr als am Vortag.

Eon und RWE unter Strom

Gewinner des Tages waren die Versorger. Die Aktien von RWE führten mit einem Plus von 3,6 Prozent den Dax an, gefolgt von Eon. Die Royal Bank of Scotland hat Titel von RWE von "Underperform" auf "Sector perform" hochgestuft. Eon wurde sogar gleich um zwei Stufen von "Underperform" auf "Outperform" nach oben befördert. Am Nachmittag gab Eon bekannt, dass 37 Prozent der Aktionäre auf einen Teil der Bar-Dividende verzichtet und ihre Ansprüche in Aktien getauscht haben.

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,35
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+0,15%
RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
21,07
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Scania fast ganz in VW-Hand

Zu den Dax-Gewinnern zählten auch die Autoaktien, allen voran Daimler mit einem Plus von einem Prozent. Die VW-Titel legten 0,3 Prozent zu. Die Wolfsburger haben ihre Lkw-Tochter Scania im zweiten Anlauf fast vollständig unter Kontrolle gebracht. 35,25 Prozent der übrigen Aktionäre haben das Übernahmeangebot bis zum Ablauf der verlängerten Frist am vergangenen Freitag angenommen. Einschließlich bereits gehaltener Papiere kontrolliert VW damit 98,19 Prozent von Scania und kann so die ungeliebten Minderheitsaktionäre aus dem Unternehmen drängen.

Vorsicht Dividendenabschlag!

Am Dax-Ende notierte die Linde-Aktie mit einem Minus von zwei Prozent. Der Verlust ist aber vornehmlich dem Dividendenabschlag von 3,00 Euro je Aktie geschuldet. Im TecDax büßte die Telefonica-Deutschland-Aktie sogar fast sieben Prozent ein, der Konzern schüttet 0,47 Euro je Aktie an seine Anteilseigner aus. Auch Nemetschek und Centrotec notieren heute ex Dividende.

Siemens ziert sich

Die Siemens-Aktie schloss fast unverändert, nachdem sie zeitweise ins Plus gedreht war. Am Markt gab es Gerüchte über einen Rückzug des Konzerns aus dem Rennen um den französischen Alstom-Konzern. Doch offenbar wurde die Meldung, dass sich die Deutschen mehr Informatuionen zu Alstom anforderten., falsch interpretiert. Siemens werde sein Gebot für die Alstom-Energietechnik daher wohl erst Mitte nächster Woche vorlegen, hieß es aus Insiderkreisen.

Revolution bei SAP?

SAP

SAP: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
101,56
Differenz relativ
+2,28%

Auf der Hauptversammlung des Software-Konzerns SAP gab es große Worte. Firmengründer und Aufsichtsratschef Hasso Plattner sprach von einer Revolution, in der sich der Konzern befinde.Er meinte den Übergang ins Cloud-Geschäft. Vorstandschef Bill Mc Dermott verteidigte indes das Ende der Doppelspitze bei SAP. "Wir sind in einer neuen Ära, wo das Solo-Modell das richtige Modell ist", ergänzte er. Derweil kritisierten mehrere Aktionäre den jüngsten Aderlass im Vorstand. Die Aktie schloss ein Prozent höher.

Commerzbank deckt Manipulationsversuch auf

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,23
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+0,81%

Weltweit müssen Banken Millionen- bis Milliardenstrafen fürchten, weil ihre Devisenhändler fragwürdige Geschäfte betreiben. Nun ist auch der Commerzbank ein Manipulationsversuch in den eigenen Reihen aufgefallen. Prompt wurden zwei Devisenhändler suspendiert. "Wir gehen davon aus, dass es sich um einen Einzelfall handelt, von dem weder die Bank noch die betroffenen Mitarbeiter profitiert haben", sagte ein Konzernsprecher. Die Meldung schadete dem Commerzbank-Kurs nicht. Die Aktie stieg um zwei Prozent.

Nordex stockt Investitionen auf

Im TecDax war Nordex hinter SMA Solar und Xing drittgrößter Gewinner mit einem Plus von über drei Prozent. Beflügelt durch die gute Auftragslage und zuletzt wieder profitable Geschäfte will der Windkraftanlagenbauer bis 2016 rund 25 Millionen Euro in sein Rostocker Werk investieren. So soll die Rotor-Fertigung ausgebaut und auf die Produktion größerer und leistungsfähigerer Flügel vorbereitet werden. Die Nordex-Aktie war 2013 der Überflieger im Tec und hat seit Jahresbeginn weitere 40 Prozent zugelegt.

Moeller Maersk schiebtTui an

In Kopenhagen schoss die Aktie von Moeller-Maersk auf ein Sechseinhalb-Jahres-Hoch. Der weltgrößte Reedereikonzern hat im ersten Quartal einen überraschend mächtigen Gewinnsprung verbucht: Unterm Strich kletterte der Überschuss auf 1,2 Milliarden US-Dollar. Allein im Container-Geschäft konnte der Gewinn dank Einsparungen und einer höheren Nachfrage mehr alös verdoppelt werden. Die guten Moeller-Maersk-Zahlen beflügelten auch die Papiere der Tui.

Indus verdient mehr

Indus: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
53,60
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Aus dem SDax meldete Indus Quartalszahlen. Der Konzern verbesserte im ersten Quartal seine Profitabilität, die Ebit-Marge stieg von 9,3 auf 9,8 Prozent. Der Gewinn kletterte von 12,4 auf 13,3 Millionen Euro. Die Gesellschaft profitierte dabei von der milden Witterung sowie von der erstmaligen Einbeziehung der im Jahresverlauf 2013 erworbenen Beteiligungen. Die Aktie verlor rund 0,5 Prozent.

Wilex beendet Kooperation mit UCB

Die Aktie von Wilex kletterte um drei Prozent auf 85 Cents nach oben. Die Biotech-Firma hat die Zusammenarbeit mit UCB bei zwei klinischen Produkt-Kandidaten und drei präklinischen Antikörperprogrammen beendet. Alle übertragenen Rechte sowie Daten und Dokumente des Entwicklungsprogramms werden an UCB übergeben. Wilex erhält eine Schlusszahlung für entstandene Entwicklungskosten. UCB wiederum hat sich verpflichtet, nach Abschluss des Transfers auf die Rückzahlung des Ende 2010 gewährten Gesellschafterdarlehens von 2,5 Millionen Euro zu verzichten.

Luxus läuft wieder

Im Ausland waren vor allem Luxusaktien gefragt. Die Papiere von Tiffany zogen um neun Prozent an, die Burberry-Aktie gewann knapp zwei Prozent. Die Juwelier-Kette Tiffany hat dank starker Nachfrage in den USA im abgelaufenen Quartal gut die Hälfte mehr verdient. Der Überschuss lag bei 125,6 Millionen Euro. Besonders im hochpreisigen Segment lief es rund. Für das Gesamtjahr hob Tiffany die Gewinnprognose um zehn Cent auf 4,15 bis 4,25 Dollar je Aktie an.

Der britische Luxusmode-Konzern Burberry konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr 2013/14 sein Vorsteuerergebnis um acht Prozent auf 461 Millionen Pfund in die Höhe treiben. Das Traditionshaus profitierte von einer starken Nachfrage in den Schwellenländern. Der Konzern warnte allerdings davor, dass das starke Pfund sich demnächst negativ auf das Ergebnis auswirken könnte.

Grünes Licht für Kapitalerhöhung von Monte dei Paschi

Im Rampenlicht standen erneut die Banken. Spekulationen um Kapitalerhöhungen zogen portugiesische Bankaktien in die Tiefe. Die italienische Traditionsbank Monte dei Paschi brachte derweil seine fünf Milliarden Euro schwere Kapitalerhölhung unter Dach und Fach. Eine außerordentliche Aktionärsversamlung billigte den Schritt.

Das große Zittern in der Schweizer Bankenszene

Credit Suisse: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
13,10
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-0,27%

In der Schweiz hing der US-Steuerstreit wie ein Damoklesschwert über den Bankaktien. Die Tiotel von Julius Bär verloren 0,2 Prozent, die Aktien der Basler Kantonalkbank sackten um übner vier Prozent ab. Analysten befürchten, dass Julius Bär und der Basler Kantonalbank nach dem Deal der Credit Suisse nun ebenfalls eine deutlich höhere Buße als bislang erwartet ins Haus stehen könnte. Die Erleichterung über das Ende der Auseinandersetzung mit den US-Steuerbehörden währte für die Credit Suisse nur kurz. Die US-Ratingagentur Moody's reduzierte den Ausblick von "stabil" auf "negativ". Die Schweizer Großbank denkt nun über eine Verkleinerung ihres US-Geschäfts nach.

BNP Paribas droht Milliardenstrafe

Auch die BNP Paribas dürfte die neue härtere Gangart in den USA zu spüren bekommen. Laut Bloomberg droht der französischen Großbank eine Strafe von mehr als fünf Milliarden Dollar wegen mutmaßlicher Verstöße gegen US-Sanktionen. Zuletzt war von mehr als drei Milliarden Dollar die Rede gewesen. Die USA werfen BNP Paribas vor, Finanzgeschäfte unter anderem mit dem Iran und Sudan betrieben zu haben. Die Aktie stand stark unter Druck.

Schoeller-Bleckmann bleibt optimistisch

Der Ölfeldausrüster Schoeller-Bleckmann (SBO) kam unterm Strich im Auftaktquartal kaum vom Fleck: Der Nettogewinn kletterte um magere 1,7 Prozent auf 14,5 Millionen Euro, die Erlöse schrumpften sogar um knapp drei Prozent auf 112,4 Millionen Euro. Immerhin stieg der Auftragseingang im ersten Quartal um gut ein Fünftel auf 114 Millionen Euro. Zu den Kunden von SBO gehören die großen Ölbohrfirmen wie Baker Hughes, Halliburton und Schlumberger.

Schon wieder eine Rückrufaktion von GM

Die Rückruf-Serie bei General Motors findet kein Ende: Nun beordert der Opel-Mutterkonzern mehr als 2,4 Millionen Fahrzeuge alleine in den USA in die Werkstätten, die unterschiedliche Probleme haben - entweder mit den Sicherheitsgurten, dem Getriebe, dem Sicherungskasten oder den Airbags. Die millionenfachen Rückrufe wegen diverser Mängel seit Jahresbeginn gehen allmählich ins Geld: Allein im laufenden Quartal dürften dafür 400 Millionen Dollar anfallen.

Datenklau bei Ebay

Ebay: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
29,72
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Die Aktien von Ebay gaben an der Wall Street zeitweise deutlich nach. Der Online-Händler ist Opfer eines Hacker-Angriffs geworden. Datendiebe hätten sich zwischen Ende Februar und Anfang März Zugang zu einer Datenbank beschafft und persönliche Kundenangaben geklaut. Es gebe aber keine Anzeichen dafür, dass die Hacker Zugriff auf Kreditkarten gehabt hätten.

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Was die Kurse treibt Anlagestrategie

US-Leitzins vs Dax 1999-2014

Historisch beispiellose Geldflut

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 16. August

Unternehmen:

Carlsberg: Halbjahreszahlen, 7:00 Uhr
Swisscom: Q2-Zahlen, 7:15 Uhr
Aegon: Halbjahreszahlen, 7:30 Uhr
Wirecard: Halbjahreszahlen (endg.), 7:30 Uhr
Henkel: Q2-Zahlen, 7:30 Uhr
Sixt: Q2-Zahlen (endg.), 7:30 Uhr
Walmart: Q2-Zahlen, 12:00 Uhr
Nvidia: Q2-Zahlen, 22.20 Uhr

Konjunktur
Japan: Handelsbilanz 07/18, 01:50 Uhr
EU: Handelsbilanz 06/08, 11:00 Uhr
USA: Philadelphia Fed Index 08/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Baubeginne und -genehmigungen, 14:30 Uhr