Marktbericht 20:09 Uhr

Dax fällt zurück Anleger vor US-Jobdaten vorsichtig

Stand: 31.08.2016, 20:04 Uhr

Die Investoren am Aktienmarkt bewegen sich derzeit extrem vorsichtig im Markt. Der Arbeitsmarktbericht in Amerika am Freitag wirft seine Schatten voraus. Interessant war es aber heute trotzdem, denn Ungewöhnliches wurde diskutiert.

Gerüchte um die beiden Dax-Banken überlagerten einen ansonsten enttäuschenden Handelstag. Der Index konnte nicht an die Gewinne des Vortages anknüpfen und blieb trotz zahlreicher Konjunkturdaten aus Amerika fast den ganzen Tag im Minus.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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12.210,55
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Am Ende schloss er bei 10.592 Punkten, ein Tagesverlust von 0,61 Prozent. Vor den morgigen Arbeitsmarktdaten aus Amerika bleiben die Anleger damit weiter vorsichtig. Von den Daten erhoffen sie sich Aufschluss darauf, wie und vor allem wann die Zinswende in Amerika weitergehen könnte.

Nur ein Bankenflirt?

Tagessieger im Dax waren Commerzbank, gefolgt von der Deutschen Bank. Auch die beiden Versicherungsaktien Allianz und Münchener Rück (letztere nach einer positiven Analystenstudie der UBS) legten zu und rundeten das positive Bild für die Finanzwerte ab.

Auslöser der ungewöhnlichen Nachfrage nach den Papieren war ein Bericht des "Manager Magazin", in dem von einer Annäherung der beiden deutschen Großbanken gesprochen wurde. "Wir brauchen weitere Zusammenschlüsse - auf nationaler Ebene, aber eben auch über die Landesgrenzen hinweg", betonte Deutsche-Bank-Chef John Cryan auf der Tagung "Banken im Umbruch" in Frankfurt.

Einer Ehe mit der Commerzbank erteilte der Brite allerdings eine Absage. Er stellte klar, dass man nicht nach Partnern im deutschen Markt suche. Insider berichteten allerdings von einem unverbindlichen 'Sommerflirt' der beiden führenden deutschen Geschäftsbanken.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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8,13
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-1,12%
Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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9,76
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-1,26%
Münchener Rück: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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184,35
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ARD-Börsenstudio Hörfunk: Alexander Schmitt
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Börse 19.00 Uhr

Die Manager seien sich aber einig gewesen, dass beide Banken erst einmal aufräumen müssten, bevor sie über weitergehende Schritte nachdenken könnten. Sie sind noch mitten in der Sanierung und stehen vor weiteren Sparprogrammen. Die Branche leidet unter den extrem niedrigen Zinsen und ächzt unter den strengen Eigenkapitalanforderungen der Aufseher. Fusionsgerüchte scheinen daher nicht abwegig.

Auch Credit Suisse-Verwaltungsratschef Urs Rohner äußerte sich auf einer Veranstaltung. Er bezeichnete eine Fusion mit der Deutschen Bank als "ein Ding der Unmöglichkeit". Dies würde schon an den Regulierern scheitern, die eher kleinere Einheiten wollten. Tagesverlierer im Dax waren übrigens ProSiebenSat.1 nach einer negativen Analystenstudie.

US-Konjunkturdaten uneinheitlich

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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25.669,32
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+0,43%

Auch an der New Yorker Börse wartet alles auf die morgigen 'payrolls', die Arbeitslosenzahlen aus den USA. Sie gelten als Schlüssel für die weitere Zinspolitik der Fed. An der New Yorker Börse geht es derzeit wie in Europa auch bergab, der Leitindex Dow verliert gut 0,3 Prozent.

Wenig Bewegung beim Euro

Die Gemeinschaftswährung hat sich heute wenig bewegt, bleibt aber wegen der anhaltenden Zinsfantasie in Amerika tendenziell unter Abwertungsdruck. Die Kursschwankungen waren mit weniger als einem halben Cent heute gering. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1132 (Dienstag: 1,1168) Dollar fest.

Der Euro hatte zuvor wenig auf die schwachen Inflationsdaten aus Europa reagiert. Im August lag die jährliche Inflationsrate unverändert bei 0,2 Prozent, wie die Statistikbehörde Eurostat in Luxemburg am Mittwoch mitteilte. Die EZB peilt eine Rate von knapp zwei Prozent an.

Gegen den japanischen Yen stieg der Greenback jedoch deutlicher gut ein halbes Prozent auf 103,42 Yen. Damit steht der Dollar so hoch wie noch nie in diesem Monat. Lediglich das britische Pfund behauptete sich nach einer Erholung des Verbrauchervertrauens in Großbritannien. Dieses war zuvor nach dem Brexit dramatisch zurückgefallen. Aktuell kostet das Pfund etwas mehr als 1,31 Dollar, nach dem Votum war der Kurs im Tief bis auf 1,2798 Dollar abgestürzt. Trotz der Erholung liegt das Pfund aber immer noch rund zwölf Prozent unter dem Niveau von vor der Abstimmung.

Ölpreise geben nach

Ein überraschend großer Anstieg der US-Lagerbestände hat dem Ölpreis am Mittwoch einen weiteren Schlag versetzt. Die richtungsweisende Sorte Brent aus der Nordsee weitete ihre Verluste aus und verbilligte sich um 2,6 Prozent auf 47,10 Dollar je Barrel. Das US-Öl WTI verlor zeitweise sogar 3,3 Prozent auf 44,83 Dollar.

Zuletzt waren die Spekulationen über eine mögliche Deckelung der Ölförderung ins Kraut geschossen und hatten den Preis angetrieben. Mittlerweile verlieren sich diese Spekulationen aber wieder. Opec- und Nicht-Opec-Staaten wollen sich Ende September in Algier treffen, um über die Förderquoten zu diskutieren.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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71,68
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+0,68%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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65,71
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VW ruft weiter Gasautos zurück

Die Wolfsburger rufen weitere Erdgas-Fahrzeuge in die Werkstätten, um die Gasflaschen auszutauschen. Nach den knapp 6000 Touran-Modellen, deren Rückruf im Juli angekündigt wurde, schreiben die Wolfsburger nun fast 30.000 Halter der Modelle Caddy und Passat an. Grund sei, dass die regelmäßige Überprüfung der Gastanks auf Dichtigkeit und Korrosion in einigen EU-Ländern nicht gewährleistet sei, teilte VW am Mittwoch nach Börsenschluss mit. Betroffen seien beim Stadtlieferwagen Caddy 23.400 Fahrzeuge der Modelljahre 2006 bis 2010. Beim Passat seien es rund 6240 der Modelljahre 2009 bis 2010.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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138,74
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Bekannt wurde noch, dass der Konzern bei seinen Gesprächen mit den US-Behörden über große Dieselmotoren voran kommt. Eine Einigung sei im Oktober möglich, sagte Audi-Vertriebschef Dietmar Voggenreiter heute gegenüber "Reuters". Spätestens Anfang November werde ein Abkommen mit den US-Behörden stehen. Das VW-Papier behauptete sich besser als der Markt.

RTL bringt Bertelsmann nach vorne

Das RTL-Fernsehgeschäft beschert dem nicht-börsennotierten und familiengeführten Medienriesen Bertelsmann einen dicken Gewinnschub. Bertelsmann, das 75,1 Prozent am MDax-Konzern RTL Group hält, vermeldete einen Gewinnsprung um rund 20 Prozent auf 482 Millionen Euro. RTL ist die größte der acht Bertelsmann-Sparten mit einem Umsatz von 2,9 Milliarden Euro. Für 2016 prognostiziert Bertelsmann-Chef Thomas Rabe einen Milliardengewinn auf Rekordniveau. Von Bertelsmann werden keine Aktien sondern nur zinsähnliche Genussscheine am Markt gehandelt.

Neuer Finanzchef bei K+S

K+S hat Thorsten Boeckers zum neuen Finanzchef ab dem 12. Mai 2017 ernannt. Der bisherige Leiter der Abteilung Investor Relations tritt die Nachfolge von Burkhart Lohr an, der Konzernchef Steiner ablöst.

Krones mit kleinerem Zukauf

Der Hersteller von Getränkeabfüllmaschinen aus dem MDax kauft für 30 Millionen Dollar in den USA zu. Übernommen wird das Unternehmen Trans Market, das mit rund 50 Mitarbeitern einen Umsatz von 30 Millionen Dollar erzielt. Mit dem Zukauf soll die Prozesstechnik in den USA gestärkt werden. Die bisherigen Eigner bleiben zu 20 Prozent beteiligt. Den Kauf stemmt Krones aus eigenen liquiden Mitteln.

Erneutes Analystenlob für Wirecard

Die Wirecard-Aktie, die lange Zeit an der TecDax-Spitze gelegen hatte, konnte ihre Tagesgewinne nicht verteidigen und schloss deutlich unter Tageshoch 0,2 Prozent höher. Zuvor hatte die britische Investmentbank HSBC das Kursziel für den Titel von 48 auf 55 Euro angehoben und die Einstufung auf "Buy" belassen. Bereits am Vortag hatte ein positives Analysten-Votum von Barclays die Wirecard-Aktie beflügelt.

Isra Vision mit starken Zahlen

Das Hightech-Unternehmen Isra Vision hat im dritten Quartal den Umsatz um zehn Prozent auf 84,3 Millionen Euro gesteigert, das Ebt zog um 15 Prozent auf 16,2 Millionen Euro an. Entsprechend verbesserte sich die Ebt-Marge von 17 auf 18 Prozent. Die Darmstädter gehen mit einem hohen Auftragsbestand von 85 Millionen Euro brutto (Vorjahr: 70 Millionen Euro brutto) in das vierte Quartal.

Steinhoff - sell on good news

Deutlich abgeben musste die Aktie des deutsch-südafrikanischen Möbel- und Einzelhandelskonzern Steinhoff. Das Papier war mit einem Tagesverlust von 7,53 Prozent deutliches Schlusslicht im MDax. Allerdings war das Papier zuvor gut gelaufen, nun nahmen die Investoren einen Teil der Gewinne wieder mit.

Die Konzernmutter der Poco-Märkte, ist vor allem dank ihrer Zukäufe im abgelaufenen Geschäftsjahr kräftig gewachsen. Das Unternehmen wies für sein bis Ende Juni laufendes Geschäftsjahr im fortgeführten Geschäft ein Umsatzplus von einem Drittel auf rund 13,1 Milliarden Euro aus. Das bereinigte operative Ergebnis stieg um 32 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Zu schaffen macht Unternehmen aber die Schwäche der Heimatwährung Rand. Negative Wechselkurseffekte durch das britische Pfund befürchtet Steinhoff auch durch das Brexit-Votum in Großbritannien, wo der Konzern unter anderem die Möbelkette "Benson Beds" besitzt.

Nanogate mit Umsatz- und Ergebnisplus

Die Nanogate AG hat im ersten Halbjahr nach vorläufigen Zahlen ihren Umsatz um mehr als 17 Prozent auf mehr als 51 Millionen Euro erhöht. Das Ebit legte weit überproportional um rund 30 Prozent auf gut 2,2 Millionen Euro zu. Zudem erwartet Nanogate, dass sich das Halbjahresergebnis mindestens verdoppeln dürfte.

Ryanair stellt Jahresprognose infrage

Ryanair: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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13,52
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Der Chef des Billigfliegers, Michael O'Leary, sagte am Mittwoch, das Brexit-Votum und die Zurückhaltung der Kunden angesichts zahlreicher Terroranschläge könnten Spuren in der Bilnaz hinterlassen. Das bisherige Jahresziel, ein Ergebniswachstum von rund 13 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro, komme nun ab Oktober auf den Prüfstand. Berits Ende Juli hatte sich Ryanair negativ geäußert, die Prognose aber noch bestätigt.

Verkaufserlös und Bauboom helfen Strabag auf die Sprünge

Der österreichische Baukonzern Strabag hat zur Jahresmitte dank eines Verkaufserlöses und des Baubooms in Deutschland seinen Verlust deutlich reduziert. Strabag-Chef Thomas Birtel zeigte sich am Mittwoch zuversichtlich, im Gesamtjahr wie geplant eine operative Umsatzrendite von drei Prozent zu erreichen.

Google greift Uber frontal an

Alphabet A: Kursverlauf am Börsenplatz Tradegate für den Zeitraum Intraday
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1.061,94
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Laut dem "Wall Street Journal" geht Google mit einem eigenen Mitfahrdienst in San Francisco auf Konfrontationskurs zum Platzhirsch Uber. Die Alphabet-Tochter werde ein rund um die Konzernzentrale südlich von San Francisco gestartetes Pilotprojekt auf Metropole ausdehnen.

rm

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 20. August

Konjunktur
Deutschland: Erzeugerpreise 07/18, 8 Uhr
Deutschland: Monatsbericht der Bundesbank 08/08, 12:00 Uhr

Sonstiges:
Treffen der Handelsberater von EU und USA zur Beilegung des Handelsstreits.