Marktbericht 20:09 Uhr

Dax größter Verlierer in Europa Anleger verschmähen deutsche Aktien

Stand: 04.02.2014, 20:09 Uhr

Wer hochgejubelt wird, fällt um so tiefer: Der Dax, im vergangenen Jahr noch Europas Überflieger, musste am Dienstag erneut Federn lassen. Andere Börsen kamen glimpflicher davon. Die Wall Street ging gar auf Erholungstour.

Schnäppchenjager nutzten den jüngsten Kursrutsch und deckten sich mit Aktien ein. Der Dow notierte zwei Stunden vor Handelsschluss gut 0,5 Prozent höher bei 15.444 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 legte um 0,8 Prozent zu. Noch besser lief es für die Nasdaq. Sie machte einen Sprung von über einem Prozent nach oben. Am Montag hatte die Wall Street einen schweren Rückschlag erlitten und den höchsten Tagesverlust seit dem Sommer 2013 verzeichnet.

Für Erleichterung sorgten am Dienstagnachmittag die neuesten Konjunkturdaten. Diese fielen nicht so schlimm aus wie befürchtet. Die Aufträge der US-Industrie sanken im Dezember um 1,5 Prozent, Volkswirte hatten einen noch stärkeren Rückgang von 1,8 Prozent vorhergesagt.

Europas Börsen stoppen Talfahrt

Im Zuge der Kurserholung an der Wall Street entspannte sich auch die Lage an Europas Aktienmärkten. Der EuroStopxx50 schloss nahezu unverändert, der französische Cac 40 zog sogar leicht an. Dagegen setzte der Dax seine Negativserie fort und war unter den wichtigsten europäischen Indizes der größte Verlierer. Das deutsche Börsenbarometer schloss 0,6 Prozent tiefer bei fast 9.128 Zählern. Im späten Parketthandel machte der Dax an Boden gut und beendete den Tag bei fast 9.145 Punkten. Zeitweise hatte es nach einem stärkeren Kursrutsch ausgesehen. In der Spitze fiel der Dax auf bis 9.071 Punkte.

Sorgen um die Weltkonjunktur

Besonders düster war die Stimmung an den asiatischen Börsen. Von der Aufbruchstimmung zum "Jahr des Pferdes" war wenig zu spüren. Der japanische Nikkei stürzte um über vier Prozent ab. Das Ausmaß des Ausverkaufs bezeichnete Analyst Marcus Silbe von Close Brothers Seydler als Warnsignal. Die jüngsten Konjunkturdaten aus den USA und China haben Sorgen geschürt, dass sich das globale Wirtschaftswachstum abkühlt.

"Aussie"-Dollar steigt, Gold fällt

An den Devisenmärkten war der australische Dollar gefragt. Er legte zum US-Dollar fast zwei Prozent zu, nachdem die Notenbank Australiens ein Ende ihres geldpolitischen Lockerungskurses signalisiert hatte. Der Euro behauptete sich derweil bei knapp über 1,35 Dollar. Der Goldpreis konnte nicht von den Börsen-Turbulenzen profitieren und notiert am Abend bei knapp über 1.250 Dollar je Feinunze.

Nadella wird neuer Microsoft-Boss

Für Gesprächsstoff sorgte der Machtwechsel bei Microsoft. Der gebürtige Inder Satya Nadella wurde am Nachmittag zum neuen Microsoft-Chef gekürt. Der Cloud-Spezialist und Microsoft-Veteran soll den Windows-Konzern fit machen für das Smartphone- und Tablet-Zeitalter. Die Anleger begrüßten das Ende der monatelangen Chefsuche: die Microsoft-Aktie legt leicht zu.

UBS-Zahlen beflügeln Commerzbank

Im Dax gab es nur wenige Gewinner. Ganz oben in der Anlegergunst stand die Commerzbank mit einem Plus von knapp zwei Prozent. Händler verwiesen auf die gute Branchenstimmung nach den starken Zahlen der UBS. Das starke Investmentbanking-Geschäft und eine Steuergutschrift von 470 Millionen Franken haben der Schweizer Großbank im vierten Quartal 2013 zu einem Gewinnsprung von 58 Prozent verholfen. Im Gesamtjahr fuhr die UBS einen Überschuss von 3,2 Milliarden Franken ein – nach einem Milliardenverlust ein Jahr zuvor. Damit schnitten die Schweizer besser ab als die Deutsche Bank. Analysten hoben positiv die die starke Kernkapitalquote von 12,8 Prozent hervor. Die UBS-Aktie zog um fünf Prozent an.

Lob für Adidas und Lanxess

Positive Analystenkommentare trieben Adidas und Lanxess an. Die Berenberg Bank gab eine Kaufempfehlung für Lanxess ab und hob das Kursziel um neun Euro auf 61 Euro an. Die Commerzbank äußerte sich zuversichtlich zu Adidas. Die jüngsten Verluste erscheinen übertrieben, hieß es in einer Studie. Der zuständige Analyst riet deshalb Anlegern, in die aktuelle Kursschwäche hinein zu kaufen.

Münchener Rück überrascht

Mit starken Zahlen horchte die Münchener Rück am Dienstag auf. t. Trotz Jahrhundertflut und Hagelstürmen in Deutschland und Europa konnte der weltgrößte Rückversicherer 2013 überraschend seinen Gewinn steigern. Der Überschuss erhöhte sich auf 3,3 Milliarden Euro. Analysten hatten mit einem Gewinnrückgang gerechnet. Die Dividende will der Konzern um 25 Cent auf 7,25 Euro anheben. Die MüRü-Aktie büßte dennoch über ein Prozent ein. Das operative Ergebnis habe sich verschlechtert, und dieser Abwärtstrend dürfte auch in den nächsten Jahren anhalten, monierte Analyst Thomas Seidl von Bernstein Research. Es werde zunehmend schwieriger für den Rückversicherer, sinkende Kapitalanlagerenditen an anderer Stelle auszugleichen.

Schlechter Tag für konjunktursensible Werte

Schlusslicht im Dax war BASF wegen seiner hohen Konjunkturabhängigkeit. Auch die Aktien von ThyssenKrupp verzeichneten deutliche Abschläge. Händler verwiesen auf eine negative Studie der UBS. Der europäische Stahlmarkt zeige eine triste Realität trotz der hohen Erwartungen, hieß es darin. Die Exporte gingen per Saldo zurück, und der Druck aus China dürfte weiter steigen. Somit seien die Bewertungen in dem Sektor überzogen.

Deutsche Autos bleiben beliebt in Amerika

Der heftige Wintereinbruch in den USA hat die Autonachfrage gebremst. Bei VW brach der Absatz um 19 Prozent auf knapp 23.500 Fahrzeuge ein. Die deutschen Rivalen Mercedes und BMW schlugen sich auf dem wichtigen US-Markt besser: Die Daimler-Marke meldete ein Plus von 1,5 Prozent auf 24.400 Fahrzeuge, die Münchner konnten mit knapp 20.800 Wagen drei Prozent mehr verkaufen. Die Auto-Aktien entwickelten sich uneinheitlich. Während VW nachgab, schlossen Daimler und BMW nahezu unverändert.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
53,03
Differenz relativ
+2,20%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
149,84
Differenz relativ
+1,27%
BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
75,88
Differenz relativ
+2,68%

Kaufempfehlung für Sky Deutschland

Aus dem MDax ragte Sky Deutschland mit einem Plus von vier Prozent heraus. Grund: Die Berenberg Bank hat die Aktie zum Verkauf empfohlen und das Kursziel auf 7,60 Euro belassen. In zwei Tagen veröffentlicht Sky seine Jahreszahlen. Dann wird sich zeigen, ob der Pay-TV-Anbieter endlich den operativen Sprung in die schwarzen Zahlen geschafft hat.

TAG Immobilien verstärkt sich im Osten

TAG Immobilien: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
21,30
Differenz relativ
+1,24%

Leichte Kursgewinne gab's für TAG Immobilien. Der Wohnimmobilienkonzern aus Hamburg hat in den neuen Bundesländern wieder zugeschlagen. Für 120,5 Millionen Euro kauft TAG knapp 400 Wohnungen in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt , darunter vor allem in Jena, Erfurt und Weimar. Der gesamte Wohnungsbestand von TAG erhöht sich damit auf 74.000.

Jetter verlässt die börse

Die Jetter AG gab nach Xetra-Schluss eine Gewinnwarnung aus. Demnach rechnet der Vorstand für das gesamte Geschäftsjahr 2013/14 nur noch mit einem stabilen Umsatz und einem leicht positiven Ergebnis. In den ersten neun Monaten drückten eine Rückrufaktion und ein latenter Steueraufwand das Unternehmen in die roten Zahlen. Das Ebit lag bei minus 708.000 Euro. Jetter kündigte den Rückzug von der Börse für den 30. April dieses Jahres an. Die Aktien legten über drei Prozent zu.

Rekordgewinn der Umweltbank

Aus der dritten Reihe hat die Umweltbank starke Zahlen vorgelegt. Der Gewinn kletterte um fast zwölf Prozent auf das Rekordniveau von 13,4 Millionen Euro. Die Einlagen der Kunden stiegen um elf Prozent. Vor allem Solarkredite waren gefragt. Die Aktien der Umweltbank schlossen nahezu unverändert.

Vestas-Wende vom Winde verweht

Auch ein anderes grünes Unternehmen ist wieder rentabel: der Windanlagenbauer Vestas. Die Dänen schafften im Abschlussquartal erstmals seit Mitte 2011 wieder einen Gewinn. Im Gesamtjahr reduzierte sich das Minus auf 36 Millionen Euro nach 713 Millionen vor einem Jahr. Vestas nutzte die guten Nachrichten für eine Kapitalerhöhung. Mit der Ausgabe von über 20 Millionen neuen Aktien erlöste der Windanlagenbauer rund 440 Millionen Euro.  Die Aktie fiel um rund vier Prozent.

Toyota fährt auf und davon

Beim weltweit führenden Autobauer Toyota läuft es ebenfalls wieder rund. Im dritten Quartal haben die Japaner ihren Gewinn verfünffacht und die Analysten-Schätzungen klar übertroffen. Für das bis Ende Marz dauernde Geschäftsjahr 2013/14 hob Toyota die Jahresprognose an. Der schwache Yen beflügelte die Exporte.

BP scheffelt weniger Gewinn

Europas zweitgrößter Ölkonzern BP dagegen hat im vierten Quartal angesichts sinkender Margen weniger verdient. Der bereinigte Gewinn fiel von 3,9 Milliarden US-Dollar im Vorjahreszeitraum auf 2,8 Milliarden Dollar. Damit traf das Unternehmen die Erwartungen der Analysten. Auch andere Ölkonzerne wie Exxon Mobil und Shell hatten in den vergangenen Tagen über einbrechende Gewinne berichtet.

10. Geburtstag von Facebook

Facebook: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
126,27
Differenz relativ
-1,22%

Zum 10. Geburtstag wurde Facebook von den Anlegern mit Kursgewinnen "beschenkt". Die Titel legten um 2,5 Prozent im frühen New Yorker Handel zu und näherten sich dem vor kurzem erreichten Rekordhoch von 63,77 Dollar. Facebook-Chef Marc Zuckerberg versprach im Fernsehsender NBC, dass das Beste noch komme.

Schluckt Lenovo auch noch die Sony-PCs?

Spekulationen über den Kauf der verlustreichen PC-Sparte von Sony belasteten Lenovo-Aktien. Die Titel des weltgrößten Computerherstellers sackten zweistellig ab. Sony verhandele laut einem Medienbericht mit dem Investmentfonds Japan Industrial Partners über einen Verkauf des Geschäftszweigs mit der Marke Vaio. Der japanische Sender NHK hatte am Wochenende berichtet, dass Sony mit dem Computerkonzern Lenovo über ein Joint Venture berät, um das Vaio-Auslandsgeschäft zu übernehmen. Sony nannte den Bericht ungenau, räumte aber ein, derzeit verschiedene Optionen für Vaio zu prüfen.

nb

Tagestermine am Mittwoch, 14. November

Unternehmen:
Merck KGaA: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
RWE: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Eon: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Wirecard: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Linde: Q3-Zahlen, 19:00 Uhr
BMW: Absatzzahlen für Oktober, 09:00 Uhr
Salzgitter: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Zooplus: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bechtle: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ado Properties: Q3-Zahlen
Patrizia Immobilien: Q3-Zahlen
Deutsche Wohnen: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Adler Real Estate: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Deutsche Euroshop: Q3-Zahlen, 16:00 Uhr
ProSiebenSat.1: Kapitalmarkttag
Leoni: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr Uhr
Sixt Leasing: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
MLP: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Biotest: Q3-Zahlen
Shop Apotheke: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Indus: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Tele Columbus: Q3-Zahlen
Leifheit: Q3-Zahlen
Maersk: Q3-Zahlen, 08:00 Uhr
Raiffeisen Bank Internationa: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Alstom: Q2-Zahlen, 07:30 Uhr
Pirelli: Q3-Zahlen
Philip Morris: Pk zu Zahlen und Daten von Iqos, 10:00 Uhr
Cisco Systems: Q1-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Japan: BIP Q3, 00:50 Uhr
China: Einzelhandelsumsatz und Industrieproduktion im Oktober, 03:00 Uhr
Deutschland: BIP Q3, 08:00 Uhr
Großbritannien: Verbraucherpreise im Oktober, 10:30 Uhr
Deutschland: Finanzstabilitätsbericht der Bundesbank, 11:00 Uhr
EU: BIP Euro-Zone Q3, 11:00 Uhr
EU: Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr
USA: Realeinkommen und Verbraucherpreise im Oktober, 14:30 Uhr
USA: Rede des stellvertretenden Fed-Vorsitzenden Quarles vor dem House Financial Services Committee, 16:00 Uhr

Sonstiges:
IEA: World Energy Outlook, PK mit IEA-Chef Birol, 09:00 Uhr
Euro Finance Week: (bis 16. November): mit Rede von Bundesbank-Vorstand Balz