Marktbericht 20:00 Uhr

"Sorgen, Sorgen, nichts als Sorgen!" Anleger verlieren die Nerven

Stand: 28.09.2015, 20:00 Uhr

Zinswende, China, Konjunktursorgen, die VW-Krise: Die Anzahl der Probleme vertreibt die Anleger aus dem Aktienmarkt. Der Dax schließt unter 9.500 Punkten, auch die anderen europäischen Indizes sacken tief in die Verlustzone.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der Dax schloss mit einem Abschlag von 2,1 Prozent auf 9.483,55 Punkten. Den tiefsten Stand des Tages markierte er bei 9.479,40 Zählern. Seit Jahresstart hat der Dax nun mehr als drei Prozent eingebüßt. Der Late-Dax gab um 2,2 Prozent auf 9.492,82 Punkte nach. In den USA lag der Dow Jones am Abend um 1,6 Prozent im Minus. In London büßte der FTSE 100 2,5 Prozent auf 5.958,86 Punkte ein und in Paris gab der Cac 40 2,8 Prozent auf 4.357,05 Punkte nach.

"Hartnäckig hält sich der Konjunkturpessimismus in den Köpfen der Anleger", kommentiert Andreas Paciorek, Marktstratege bei CMC Markets. "Der erneute Einbruch der Unternehmensgewinne in der chinesischen Industrie im August, dazu das Taumeln des Rohstoffhändlers Glencore bei weiter fallenden Rohstoffpreisen, das alles nährt die Sorgen um die weitere globale Konjunkturentwicklung", so der Experte: "Sorgen, Sorgen, nichts als Sorgen." Die Gewinne der chinesischen Industrie sind im August so stark eingebrochen wie seit 2011 nicht, sie fielen binnen Jahresfrist um 8,8 Prozent.

"Das Verwirrspiel geht weiter"

Janet Yellen

Janet Yellen. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Auch die Unsicherheit über die Fed-Politik bleibt ein Faktor, der auf die Stimmung drückt. Frische Konjunkturdaten brachten jedenfalls keine neuen Erkenntnisse. Während Daten vom Immobilienmarkt schlechter als erwartet ausfielen, übertraf der US-Konsum die Schätzungen. Das gab dem Euro Auftrieb und belastete damit den Dax. Die US-Notenbank wird nach den Worten ihres Führungsmitglieds William Dudley aber wahrscheinlich noch 2015 die Zinsen erhöhen. Der Chef der Notenbank von New York sagte, die geldpolitische Straffung komme wohl im weiteren Verlauf des Jahres.

Zuletzt hatte auch Fed-Chefin Janet Yellen entsprechende Signale gegeben. Wieder einmal wird der US-Arbeitsmarktbericht am kommmenden Freitag von den Investoren als wichtiges Indiz für die kommende Zinsentscheidung betrachtet.

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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Börse 18.00 Uhr

Robert Halver, Chefstratege bei der Baader Bank sieht die jüngste Fed-Info-Politik kritisch: "Das Verwirrspiel geht weiter. Es kann nicht sein, dass zinspolitische Verlautbarungen der Fed zu Momentaufnahmen verkommen, die heute das eine und morgen das andere Element beinhalten. Frau Yellen muss das spekulative Element aus der Zinsdiskussion herausnehmen. Ansonsten wird die bedeutendste Beruhigungsanstalt der Finanzwelt zum größten Verunsicherungselement."

VW-Ex-Boss Winterkorn: Staatsanwaltschaft ermittelt

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Wieder einmal zogen die Autowerte den deutschen Leitindex nach unten. Die VW-Vorzugsaktie war der größte Verlierer im Dax. Das Minus summierte sich seit Bekanntwerden des Skandals nunmehr auf 38,9 Prozent. Der Abgas-Skandal bestimmt auch zu Beginn der neuen Woche die Schlagzeilen. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt nun wegen Betrugsverdachts gegen den zurückgetretenen Konzern-Chef Martin Winterkorn. Der Schwerpunkt der Untersuchungen liege auf dem Vorwurf, dass Fahrzeuge mit manipulierten Abgaswerten verkauft worden seien, teilte die Ermittlungsbehörde mit.

Der Mehrheitsaktionär Porsche Automobil Holding hat seinen Anteil an der VW-Stammaktien ausgebaut. Porsche übernahm dazu von japanischen Autokonzern Suzuki Motor 1,5 Prozent der Stammaktien. Dadurch steige der Anteil an Volkswagen auf 52,2 Prozent der Stammaktien und am gezeichneten Kapital auf 32,4 Prozent, hieß es.

Daimler äußert sich

Daimler-Chef Dieter Zetsche bescheinigt seinem Konzern eine weiße Weste. "Wir halten uns grundsätzlich an die gesetzlichen Vorgaben und haben keinerlei Manipulationen an unseren Fahrzeugen vorgenommen", sagte Zetsche der "FAS". Neben VW verloren auch die Papiere von Daimler, Conti und BMW überdurchschnittlich.

Ermittlungen gegen Deutsche Bank

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Schweizer Wettbewerbskommission (Weko) ermittelt gegen die Deutsche Bank und andere Geldhäuser wie unter anderem HSBC und Barclays wegen möglicher illegaler Absprachen beim Handel mit Edelmetallen. Es bestehe der Verdacht, dass Banken Kauf- und Verkaufspreise abgestimmt hätten, hieß es.

BASF will profitabler werden

BASF will sein Geschäft mit einem neuen Sparprogramm profitabler machen. Es soll von 2016 bis 2018 laufen und das Ergebnis von Ende 2018 an jährlich um eine Milliarde Euro verbessern, wie das Unternehmen mitteilte. Die Dividende soll weiter jährlich steigen. Zudem bekräftigte BASF, dass das Unternehmen in den kommenden Jahren etwas schneller wachsen will als der weltweite Chemiemarkt, für den BASF ein Plus von 3,9 Prozent erwartet.

Salzgitter und Aurubis im Blick

Der Chef des Stahlkonzerns Salzgitter, Jörg Fuhrmann, denkt über eine Fusion mit Europas größtem Kupferhersteller Aurubis nach. "Ich kann mir gut vorstellen, dass eines Tages aus Aurubis und Salzgitter ein Konzern wird", sagte Fuhrmann der Wirtschaftszeitung "Euro am Sonntag". Dafür gebe es eine wirtschaftliche Logik. Aurubis schloss an der MDax-Spitze. Einen Zusammenschluss mit ThyssenKrupp schließe er hingegen aus.

Dialog bleibt wohl doch einziger Interessent

Um den vom deutsch-britischen Halbleiterhersteller Dialog Semiconductor umworbenen US-Rivalen Atmel entbrennt offenbar doch kein Übernahmekampf. Das US-Unternehmen Cypress erklärte am Montagabend, zwar jüngst ein Angebot für Atmel vorgelegt zu haben. Inzwischen habe Cypress aber kein Interesse mehr an dem Zukauf.

Tele Columbus Tagessieger im SDax

Der größte Gewinner im SDax war die Aktie Tele Columbus. Die Papiere des Kabelnetzbetreibers profitieren von einer Kaufempfehlung der Berenberg Bank. Im jüngsten Kursverfall sieht der zuständige Analyst eine gute Einstiegschance. Die Übernahme der Konkurrenten Primacom und Pepcom ließen das Unternehmen in eine neue Dimension vorstoßen. Die laufende Kapitalerhöhung zur Finanzierung werde bei den Aktionären auf äußerst hohe Unterstützung stoßen.

Deutsche Office erhöht Prognose

Zu den Gewinnern im SDax gehörte auch das Immobilien-Unternehmen DO Deutsche Office AG. Das Unternehmen rechnet im Gesamtjahr mit einem FFO von rund 54 Millionen Euro nach bisher 52 Millionen.

Apple: Starker Start für neues iPhone

Die beiden neuen iPhone-Modelle von Apple sind am ersten Wochenende über 13 Millionen Mal verkauft worden. Das ist ein neuer Bestwert für den Konzern nach über zehn Millionen Geräten beim Start des iPhone 6 und des größeren iPhone 6 Plus vor einem Jahr. Diesmal gehörte jedoch der Riesen-Markt China zur ersten Welle bei der Markteinführung. Das iPhone ist mit Abstand das wichtigste Produkt für Apple und sorgt für mehr als 60 Prozent der Erlöse.

Alcoa spaltet sich auf

Der Aluminiumkonzern Alcoa will sich in zwei Konzerne aufspalten. Das Traditionsgeschäft der Aluminiumförderung werde von der Sparte, die höherwertige weiterverarbeitete Produkte unter anderem für die Autobranche anbietet, getrennt, kündigte die von Ex-Siemens -Chef Klaus Kleinfeld geführte Firma an. Alcoa will die Abspaltung in der zweiten Jahreshälfte 2016 vollzogen haben und bezeichnete den Schritt als zwangsläufig, da beide Geschäftsbereiche kaum noch Überschneidungspunkte hätten.

Multi-Milliarden-Übernahme im Bier-Bereich?

Der Bier-Weltmarktführer Anheuser-Busch InBev will laut einem Bericht der britischen Zeitung "Sunday Times" rund 106 Milliarden Dollar für den Branchenzweiten SABMiller bieten. Ein erstes Angebot des Brauereikonzerns für den britischen Rivalen sei bereits am Montag zu erwarten. Beide Seiten hätten bereits Gespräche aufgenommen. SABMiller werde zwar wahrscheinlich mit harten Bandagen kämpfen, um einen hohen Preis herauszuschlagen.

Shell rudert zurück

Der britisch-niederländische Ölkonzern Shell stoppt seine umstrittene Ölsuche vor der Küste Alaskas. Grund sind die hohen Kosten und der nicht ausreichende Erfolg. Die Entscheidung beschert dem Konzern finanzielle Belastungen von drei Milliarden US-Dollar auf den Buchwert des Projekts. Weitere 1,1 Milliarden Dollar dürften für zukünftige Vertragsverpflichtungen anfallen.

Glencore hat Probleme

Die Aktien des Bergbaukonzerns und Rohstoffhändlers Glencore brachen ein. Die hohe Verschuldung könnte zu einem existenzbedrohenden Problem werden, wenn sich die Rohstoffpreise nicht erholten und der Konzern nicht umfassend umgebaut werde, warnten die Analysten von Investec in einem Kommentar.

Ryanair hat große Pläne

Die irische Fluggesellschaft Ryanair will ihren Gewinn in den kommenden sechs bis acht Jahren fast verdoppeln. Konzernchef Michael O'Leary sagte der "Financial Times", er dabei einen Gewinn von zwei Milliarden Euro an.

Hapag-Lloyd will IPO...

Die Containerreederei Hapag-Lloyd will noch in diesem Jahr an die Frankfurter Börse gehen. Das Unternehmen strebt dabei Bruttoerlöse von 500 Millionen US-Dollar an. Die Einnahmen aus dem Börsengang will Hapag-Lloyd für weitere Investitionen in Schiffe und Container verwenden.

...Symetis nicht mehr

Angesichts des widrigen Börsenumfelds verzichte der Hersteller von künstlichen Herzklappen vorerst darauf, sich dem Publikum zu öffnen, sagte ein Sprecher der Firma. Symetis wollte mit der Ausgabe neuer Aktien bei Anlegern 80 Millionen Franken (73 Millionen Euro) einsammeln. Die Titel sollten 35 bis 46 Franken kosten und erstmals am Dienstag an der Schweizer Börse SIX gehandelt werden . Symetis wäre der vierte Neuzugang an der Schweizer Börse in diesem Jahr gewesen.

ts

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr