Marktbericht 20:03 Uhr

Dax schließt erneut im Minus Anleger verlieren den Mut

Stand: 06.10.2016, 20:03 Uhr

Spekulationen über eine baldige Zinserhöhung in den USA haben am Donnerstag die Börsenstimmung getrübt. Dow und Dax kamen nicht auf die Beine. Derweil stehen zwei weitere deutsche Hightech-Firmen im Visier der Chinesen.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10.865,77
Differenz relativ
-0,54%

Goldener Oktober? Von wegen. Die europäischen Aktienmärkte zeigen sich seit Mittwoch ziemlich lethargisch und kommen kaum noch vom Fleck. Am Donnerstag schaffte es der Dax nur kurze Zeit ins Plus, drehte dann aber wieder in die Verlustzone ab. Er beendete den Handel 0,2 Prozent tiefer bei knapp 10.569 Punkten. Das Börsenbarometer blieb damit in der Bandbreite der vergangenen Wochen. Der EuroStoxx50 gab ebenfalls um 0,2 Prozent nach.

Dow verringert Verluste

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
24.198,75
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-1,60%

Von der Wall Street fehlte der Rückenwind. Der Dow eröffnete 0,5 Prozent tiefer, dämmte dann seine Verluste auf minus 0,1 Prozent zwei Stunden vor Handelsschluss ein. Vor den mit Spannung erwarteten US-Arbeitsmarktdaten hielten sich die Anleger tunlichst zurück. Der überraschende Rückgang der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe um 5.000 auf 249.000 deutet auf gute Daten hin und stärkte die Annahme, dass die US-Notenbank im Dezember an der Zinsschraube drehen werde, sagten Händler. "Gute Nachrichten aus der Wirtschaft können schlechte Nachrichten für die Finanzmärkte sein", sagte ein Analyst.

WTI über 50 Dollar

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
51,16
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-1,56%

Da konnten auch die höheren Ölpreise nicht helfen. Erstmals seit Ende Juni kletterte der Preis der US-Rohölsorte WTI wieder über die Marke von 50 Dollar. Am Mittwoch hatte das US-Energieministerium einen unerwarteten Rückgang der Rohöllagerbestände in der vergangenen Woche mitgeteilt.

Deutsche Industrie überrascht positiv

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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Börse 19.00 Uhr

Positive Konjunkturdaten trudelten auch aus Deutschland ein. Die deutsche Industrie sammelte im August ein Prozent mehr Aufträge ein als im Vormonat und damit viel mehr als erwartet. Der Branchenverband BDI hob daraufhin seine Prognose für das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr von 1,7 Prozent auf 1,9 Prozent an.

Euro rutscht ab

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1303
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-0,49%

Der Euro konnte davon nicht profitieren. Die europäische Gemeinschaftswährung lag am Abend bei 1,1165 US-Dollar. Am Vormittag hatte sie kurzzeitig noch knapp über 1,12 Dollar gelegen. Dem Devisenmarkt fehlt es laut Commerzbank derzeit an Impulsen. "Denn von  Zentralbank-Seite kommen momentan wenig mehr als Gerüchte. Und die haben nun einmal kurze Beine", schreibt Devisenexperte Ulrich Leuchtmann.

Kaufempfehlung treibt BASF

Mit einem Plus von 1,6 Prozent eroberte Infineon die Dax-Spitze. Knapp dahinter landete BASF. Eine Kaufempfehlung der UBS trieb die Aktien des Chemiekonzerns um über ein Prozent nach oben. In den letzten Wochen haben die BASF-Titel kräftig angezogen.

Deutsche Bank treibt Jobabbau voran

Lage Zeit lagen auch die Aktien der Deutschen Bank im Plus, schlossen dann aber leicht im Minus. Das Geldinstitut kommt mit dem Stellenabbau in Deutschland voran. Neben 3.000 Jobs im Privatkundengeschäft sollen im Heimatmarkt 1.000 weitere Stellen in anderen Bereichen wegfallen. Zudem hat die Deutsche Bank Insidern zufolge wegen ihres Geldwäsche-Skandals in Russland von der Finanzaufsicht Bafin keine große Strafe zu befürchten.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
7,85
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-0,15%

Dennoch steht der Deutschen Bank weiterhin das Wasser bis zum Hals, meint Marktbeobachter Jens Klatt von JFD Brokers. "Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis die nächste Hiobsbotschaft über den Ticker läuft, die Aktie unter 10 Euro rutscht und auch den Dax mit sich in die Tiefe reißt."

Hedgefonds wettet gegen Commerzbank

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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6,64
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-3,04%

Zu den größten Dax-Verlierern zählte die Commerzbank mit einem Minus von über einem Prozent. Der britische Hedgefonds Marshall Wace hat sich nach der Deutschen Bank die Commerzbank als Ziel seiner Spekulationen auf fallende Aktienkurse ausgesucht. Am Mittwoch meldete der Fonds eine Leerverkaufsposition von 0,72 Prozent der Commerzbank-Aktien. Das entspricht einem Wert von 52 Millionen Euro. Zuletzt hatte Marshall Wace 2013 gegen steigende Kurse bei der Commerzbank gewettet. Mit Leerverkäufen von Deutsche-Bank-Aktien hatte Marshall Wace bereits in den vergangenen Wochen Schlagzeilen gemacht.

Versorger auf der Verliererseite

Unter Druck standen ebenfalls die Versorgerwerte. Laut einem Bericht der "Börsen-Zeitung" drohen Eon und RWE höhere Kosten bei der Atommüll-Entsorgung. Da half auch nicht, dass die RWE-Ökostromtochter Innogy die Preisspanne für den Börsengang voll ausreizt. Innogy kündigte am Donnerstag an, ihre Aktien zu je 36 Euro zuzuteilen. "Angebote unter 36 Euro können nicht berücksichtigt werden", hieß es in einer Notiz an die Investoren kurz vor dem Ende der Zeichnungsfrist. Innogy geht morgen an die Börse.

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,23
Differenz relativ
+0,12%
RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
19,52
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-0,38%

Luftfahrt-Aktien auf der Verkaufsliste

Schlusslicht im Dax war die Lufthansa. Sie rutschte um über zwei Prozent ab. Nach einem Gewinneinbruch bei Easyjet nahmen Anleger von Luftfahrtwerten Reißaus. Die Billigairline verdiente im abgelaufenen Geschäftsjahr 25 Prozent weniger. Wegen der Angst vor Terroranschlägen und des schwachen Pfunds mieden viele Briten Auslandsreisen. Die Easyjet-Aktien sackten um sechs Prozent ab.

Osram auf Rekordhoch

Osram: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
38,32
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-0,26%

In der zweiten Börsenreihe stand Osram im Fokus: Die MDax-Aktie sauste um über zehn Prozent nach oben. und führt den MDax an. Wie die "Wirtschaftswoche" berichtet, will der chinesische Halbleiterkonzern San‘an Optoelectronics bis Mitte des Monats ein "qualifiziertes Angebot" für Osram vorlegen. Die Rede sei von einem Preis von etwa 70 Euro pro Aktie. Am Mittwoch notierte das Papier auf einem Rekordhoch von fast 60 Euro.

Dialog glänzt

Top-Gewinner im TecDax war Dialog Semiconductor mit einem Plus von über sieben Prozent. Der deutsch-britische Chip-Entwickler hat im dritten Quartal seinen Umsatz um fünf Prozent auf etwa 345 Millionen US-Dollar verbessert. Damit hätten die Erlöse um 13 Prozent über der Mitte der Prognosespanne gelegen, teilte Dialog mit. Grund waren vorgezogene Aufträge in China.

Chinesen sind an Aixtron dran

Zweitgrößter TecDax-Gewinner war Aixtron mit einem Kursaufschlag von über sechs Prozent. Der chinesische Investor Fujian Grand Chip Investment (FGC) hat gute Chancen, den Chip-Anlagenbauer zu übernehmen. Der Investmentfonds des Geschäftsmanns Zhendong Liu will sich mit einer Beteiligung von mindestens 50,1 Prozent an Aixtron begnügen. Bisher hatte FGC mindestens 60 Prozent gefordert, um die Übernahme nicht scheitern zu lassen. Nun sind die Chinesen fast am Ziel: 43,9 Prozent der Aixtron-Aktionäre hatten bis zum Donnerstag ihre Anteilsscheine angedient. Wegen der gesenkten Mindestschwelle hat FGC nun zwei Wochen länger Zeit, die noch fehlenden 6,2 Prozent an Aixtron einzusammeln.

Ellington platziert Evonik-Aktien

Im MDax gaben die Aktien von Evonik im späten Handel in Frankfurt etwas nach. Der Investor Ellington Investments platziert Aktien des Spezialchemiekonzerns im Umfang von 2,8 Prozent des Grundkapitals. Die Preisspanne liegt Händlern zufolge zwischen 30,08 Euro und dem Xetra-Schlusskurs von 30,915 Euro.

Gewinnsprung bei Gerresheimer

Die Aktie von Gerresheimer schloss ein Prozent tiefer. Der Verpackungsspezialist hat seinen Umsatz im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um gut acht Prozent auf 373 Millionen Euro verbessert. Dazu trug auch die Übernahme des US-Kunststoffspezialisten Centor bei. Der Gewinn legte um 59 Prozent auf 32 Millionen Euro zu.

Großauftrag für Bilfinger

Die Bilfinger-Aktie machte einen Sprung von fast sechs Prozent nach vorn. Der Baudienstleister hat in Norwegen Großaufträge der Öl- und Gasindustrie reingeholt. Insgesamt liegt das Gesamtvolumen mit den langjährigen Kunden bei 270 Millionen Euro.

Dürr herabgestuft

Am MDax-Ende rangierte die Dürr-Aktie. Goldman Sachs hat das Papier mit "Sell" und einem Kursziel von 60 Euro bewertet. Für den Anlagen- und Maschinenbauer komme Gegenwind auf, es gebe entsprechende Anzeichen mit Blick auf das Investitionsverhalten der Autoindustrie. Die Markterwartungen würden die mittelfristigen Risiken nicht ausreichend widerspiegeln.

KTG wird abgewickelt

Der insolvente Agrarkonzern KTG Agrar wird abgewickelt und von der Börse genommen. Die Gläubigerversammlung in Hamburg habe dem Delisting der Aktie und der Anleihen zum Ende des Jahres und der Stilllegung des Unternehmens zugestimmt, teilte KTG Agrar am späten Donnerstagabend im Anschluss an die Gläubigerversammlung mit. Damit dürften die Gläubiger weitgehend leer ausgehen.

Twitter stürzt ab

Der jüngste Höhenflug der Twitter-Aktien endete am Donnerstag abrupt. Der Kurs von Twitter stürzte um 19 Prozent ab. Einem Medienbericht zufolge wollen weder Disney noch Google für den Kurznachrichtendienst bieten. Angeblich ist nun nur noch Salesforce als Kaufkandidat im Rennen. Twitter hat nach Angaben von Insidern Interessenten mitgeteilt, dass es die Verkaufsverhandlungen bis Ende Oktober abgeschlossen haben möchte.

Samsung könnte sich aufspalten

Samsung GDR: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
772,13
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-1,85%

Der südkoreanische Technologiekonzern Samsung denkt über eine Aufspaltung und eine Sonderdividende nach. Man wolle den Vorschlag des Hedgefonds Elliott sorgfältig prüfen und glaube an einen konstruktiven und offenen Dialog mit Investoren, teilte Samsung einen Tag vor dem neusten Quartalsbericht mit. Die Samsung-Aktie kletterte an der Börse in Seoul auf ein Rekordhoch.

nb

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr