Anleger verlassen sich auf Bernanke

Stand: 27.01.2011, 20:00 Uhr

Der Dax markierte zwar zeitweise den höchsten Stand seit rund zweieinhalb Jahren, dennoch verlief der Aktienhandel eher schleppend. Die Investoren hatten unerwartet schwache US-Konjunkturdaten zu verdauen: Die Freude am Risiko scheint nachzulassen.

Ein Indiz für die nachlassende Kraft der Aufwärtsbewegung im Dax lieferte der Derivatehandel: "Die Stimmung ist eher bearish", sagte Derivatehändler Simon Görich von der Baader Bank. Gefragt waren dort Verkaufsoptionen sowie Bonus- oder Discountzertifikate, die Risikopuffer enthalten.

Für Inspiration war am Donnerstag einmal mehr die US-Notenbank zuständig: Die Zentralbanker um Fed-Gouverneur Ben Bernanke hatten beschlossen, die im Herbst begonnenen Käufe von Staatsanleihen im Volumen von 600 Milliarden Dollar fortzusetzen.

"Das beruhigt die Anleger", kommentierte ein Händler. Zeitweise notierte der Deutsche Leitindex bei 7.180,15 Punkten und damit auf dem höchsten Stand seit Mai 2008. Bei 7155,58 Punkten ging der Dax aus dem Handel. Auch Quartalsberichte hätten die Stimmung gestützt, sagten Marktteilnehmer. Die Wall Street lieferte bis zum Handelsschluss in Europa keine Impulse: Der marktbreite S&P 500 pendelte um sein Vortagesniveau.

Der Grund waren durchwachsene US-Konjunkturdaten, die nicht die erhofften Erholungssignale sendeten: Zwar war im Dezember die Zahl der noch nicht abgeschlossenen Hausverkäufe überraschend deutlich gestiegen. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche stieg jedoch unerwartet stark um 51.000 auf 454.000. Ökonomen hatten lediglich mit 410.000 Anträgen gerechnet. Auch die Auftragseingänge langlebiger Güter im Dezember enttäuschten.

Allianz überspringt die 100-Euro-Marke

Grund zur Freude hatten dagegen die Aktionäre der Allianz: Mit einem Plus von 3,8 Prozent bei 100,90 Euro schlossen sie an der Dax-Spitze. Positive Studien von HSBC und Cheuvreux mit Kurszielerhöhungen auf 125 und 112 Euro hätten die Aktien über das jüngste Hoch getrieben, sagten Händler. Der damit erreichte höchste Stand seit Oktober 2008 habe weitere Käufer angelockt. Seit Jahresbeginn ist der Versicherungstitel mit plus 13 Prozent stärkster Dax-Wert.

FMC bereitet Einkaufstour vor

Aktien von FMC rückten um mehr als ein halbes Prozent vor. Der Dialysespezialist hat mit der Ausgabe von Anleihen seinen jüngsten Zukauf finanziert und sich für weitere Übernahmen gerüstet. Durch die Platzierung von zwei Bonds habe das Unternehmen 1,033 Milliarden Dollar eingenommen, teilte die Tochter des Gesundheitskonzerns Fresenius mit. Die Mittel sollten für Akquisitionen einschließlich Übernahme des Blutwäschespezialisten IDC sowie für allgemeine Geschäftszwecke verwendet werden, erklärte FMC.

Software AG schwingt sich an die Spitze

Aktien der Software AG gingen mit einem Aufschlag von 7,3 Prozent aus dem Handel. Das Unternehmen schnitt im Schlussquartal 2010 besser ab, als Analysten erwartet hatten. Der Umsatz stieg um zwölf Prozent auf 326,7 Millionen Euro und der Gewinn wuchs um 36 Prozent auf 64,7 Millionen Euro. Im laufenden Jahr sollen die Erlöse währungsbereinigt um fünf bis sieben Prozent zulegen. Beim Gewinn traut sich das TecDax-Mitglied ein Plus von 10 bis 15 Prozent zu.

Wirecard mit roter Laterne

Wirecard: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der Zahlungsabwickler Wirecard hat im vergangenen Jahr seinen Umsatz von 229 auf 272 Millionen Euro und sein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 56,5 auf 67,5 Millionen Euro verbessern können. Im laufenden Jahr soll der Wert auf 81 bis 89 Millionen Euro steigen. "Die Aktie ist seit Jahresanfang bombig gelaufen, deshalb werden auch mal Gewinne mitgenommen", sagte ein Händler. Recht hat er: Das Papier verbilligte sich um mehr als vier Prozent.

Air Berlin unter Normalnull

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin hat nach vorläufigen Berechnungen ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) "im negativen einstelligen Millionenbereich" erzielt. Das im SDax notierte Unternehmen machte dafür das harte Winterwetter und einen Fluglotsenstreik in Spanien verantwortlich. Bisher hatte Air Berlin ein Ebit von mehr als 28,5 Millionen Euro angekündigt. Die Aktie des büßt fast über vier Prozent ein, im Schlepptau sanken Lufthansa-Papiere ans Ende des Dax.

Großaktionär verlässt Deutsche Wohnen

Wegen des überraschenden Ausstiegs des Großaktionärs Oaktree belegt Deutsche Wohnen das Schlusslicht im MDax. Oaktree platzierte seine verbleibenden Anteile von 11,35 Prozent am Markt. Erst im Oktober hatte der Finanzinvestor seinen Anteil halbiert. Seit November haben die Deutsche-Wohnen-Papiere rund 18 Prozent an Wert gewonnen, deshalb sehe Oaktree einen guten Zeitpunkt zum Ausstieg, so die Analysten von Silvia Quandt Research.

Bechtle erzielt Rekordumsatz

Der IT-Dienstleister Bechtle steigerte den Umsatz auf Basis vorläufiger Zahlen um fast ein Viertel im Vergleich zum Vorjahr auf 1,7 Milliarden Euro. Im branchenüblich sehr starken Schlussquartal sei ein Umsatzplus von 35 Prozent auf rund 560 Millionen Euro erzielt worden, hieß es weiter. Das Vorsteuerergebnis wuchs um 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die vollständige Bilanz will das in Neckarsulm ansässige Unternehmen, das seinen Börsenwert heute um mehr als drei Prozent erhöhte am 17. März veröffentlichen.

Zooplus hat sich verrechnet

Die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) hat den Konzernabschluss von Zooplus zum 31. Dezember 2009 sowie den Konzernlagebericht 2009 überprüft und Fehler festgestellt: Im Ergebnis seien die Umsatzerlöse und das Ergebnis vor Steuern im Konzernabschluss 2009 jeweils um 616.000 Euro und das Eigenkapital um rund 1.7 Millionen Euro zu hoch ausgewiesen, teilte das Unternehmen mit. "Nach detaillierter Prüfung des Sachverhalts hat der Vorstand der zooplus AG beschlossen, sich dieser Feststellung anzuschließen und den im Rahmen der DPR-Prüfung identifizierten Fehler anzuerkennen", heiß es in der Unternehmensmitteilung. Die Aktie büßte knapp sechs Prozent ein.

Fiat zurück in der Gewinnzone

Der italienische Autobauer Fiat übertraf bei allen wesentlichen Kennzahlen die selbst gesteckten Ziele und verdiente unterm Strich im vergangenen Jahr wieder Geld. Der Gewinn kletterte auf 600 Millionen Euro, nachdem im Vorjahr noch ein Verlust von 848 Millionen Euro angefallen war. Die Erlöse legten im Vergleich zum Vorjahr um mehr als zwölf Prozent auf 56,3 Milliarden Euro zu. Die Aktie verlor dennoch.

Novartis mit Punktlandung

Der Schweizer Pharmakonzern Novartis hat im vergangenen Jahr bei Umsatz und Gewinn deutlich zugelegt. Der Umsatz erhöhte sich um 14 Prozent auf 50,6 Milliarden US-Dollar. Der Reingewinn kletterte um 18 Prozent auf 9,97 Milliarden. Damit traf der Konzern die Analystenerwartungen.

Pharmakonzerne zittern vor Zukunft

Auch die Konkurrenten Astrazeneca und die US-Konzerne Eli Lilly und Bristol- Myers Squibb stellten heute ihre Zahlen vor. Allen vier gemeinsam war der verhaltene Ausblick in die Zukunft. Die US-Unternehmen sorgen sich um die Auswirkungen der Gesundheitsreform in der Heimat und Astrazeneca fürchtet den Patentablauf eines lukrativen Krebsmittels. Novartis erwartet ebenfalls Gegenwind und zwar aus beiden Gründen: Patentabläufe und Gesundheitsreformen.

Potash düngt die Welt

Der weltgrößte Düngemittelhersteller Potash hat dank der anziehenden Nachfrage und steigender Preise seinen Gewinn im vergangenen Jahr fast verdoppelt. Der kanadische K+S-Konkurrent verdiente netto 1,8 Milliarden US-Dollar. Vor allem in der zweiten Jahreshälfte hätten die Düngerbestellungen aus der Landwirtschaft kräftig angezogen. Der Gewinn wäre höher ausgefallen, wenn sich Potash nicht gegen einen Übernahmeversuch des Bergbaukonzerns BHP Billiton hätte verteidigen müssen, erklärte der Vorstand.

iPhone hilft AT&T nicht mehr weiter

Beim US-Telekomkonzern AT&T ist der Gewinn wegen hoher Kosten für Pensionen und die Trennung von Mitarbeitern im vierten Quartal eingebrochen. Der Umsatz erhöhte sich dagegen leicht von 30,7 auf 31,4 Milliarden US-Dollar. AT&T bot in den USA im vierten Quartal das iPhone noch exklusiv an, deren Nutzer üblicherweise besonders hohe Umsätze einbringen. Mit der Exklusivität ist es ab dem laufenden Quartal aus. Nicht zuletzt deshalb ist das Unternehmen mit einem Minus von rund drei Prozent Schlusslicht im Dow Jones.

Caterpillar - eine Goldgrube

Der weltgrößte Baumaschinenhersteller Caterpillar steigerte den Jahresumsatz um 31 Prozent auf 42,6 Milliarden Dollar. Unterm Strich verdreifachte sich der Gewinn auf 2,7 Milliarden Dollar. In diesem Jahr will Caterpillar seinen Umsatz auf mehr als 50 Milliarden Dollar hochschrauben und sein Ergebnis um annähernd 45 Prozent verbessern. "Der Ausblick spiegelt unsere Meinung wider, dass sich die Weltwirtschaft weiter erholen wird", sagte Konzernchef Oberhelman. Trotzdem verteuerte sich die Aktie in New York nur minimal.

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier