Anleger verharren in Wartestellung

Stand: 13.06.2012, 20:01 Uhr

Vor dem sogenannten "Hexensabbat" am Freitag und den Parlamentswahlen in Griechenland am Sonntag halten sich die Anleger an den Aktienmärkten zurück. Für Verunsicherung sorgt eine Anleiheauktion Italiens.

Trotz der Reformbeteuerungen der Regierung muss das hoch verschuldete Land den Investoren die höchsten Zinsen seit Dezember zahlen. Die durchschnittliche Rendite für einjährige Anleihen steigt auf knapp vier Prozent, nach zuletzt rund 2,3 Prozent.

Die Aktienmärkte drehen daraufhin ins Minus. Der Dax rutscht in der Spitze bis auf 6.093 Punkte ab. Am Vormittag war er noch auf 6.221 Punkte geklettert. Dank einer robusten Wall Street kann der deutsche Leitindex seine Verluste aber fast vollständig wettmachen und schließt bei 6.152 Punkten, nur 0,14 Prozent tiefer als gestern.

In Mailand rutschte der Leitindex FTMib 0,7 Prozent ins Minus, während in Madrid der Ibex 1,4 Prozent zulegte. Der EuroStoxx50 schloss unverändert.
bei 2143,50 Zählern.

Ungewisser Ausgang
Vor allem der ungewisse Ausgang der Wahlen in Griechenland am Sonntag sorgt für Nervosität. Börsianer erklären damit auch die dünnen Umsätze an den Aktienmärkten: "Kein Händler möchte am Sonntagabend erkennen, dass er die Lage falsch eingeschätzt hat, und dass er am Montag seinen Stuhl räumen muss", sagte Marktstratege Lars Kremkow von Activtrades.

Im Dax betrug der Umsatz am Mittwoch lediglich 2,8 Milliarden Euro, während der Durchschnitt in den vergangenen 90 Tagen bei rund 3,3 Milliarden Euro gelegen hatte.

An der Wall Street sorgen schlechter als erwartet ausgefallene Einzelhandelsumsätze für eine verhaltene Stimmung. Der Dow Jones-Index bewegt sich praktisch nicht vor der Stelle und notiert mit 12.585 Punkten rund zehn Zähler über seinem Vortagesniveau.

Euro erholt
Erholt zeigt sich dagegen der Euro. Er klettert bis zum Börsenschluss auf 1,2595 Dollar, nachdem er am Morgen noch bei 1,2488 Dollar gelegen hatte. Auch am Devisenmarkt blicken die Märkte gebannt auf die Entwicklung der Schuldenkrise.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
148,00
Differenz relativ
+0,46%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
58,64
Differenz relativ
+0,65%
BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
80,75
Differenz relativ
-0,06%
MAN ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
95,80
Differenz relativ
-0,31%

VW muss tiefer in die Tasche greifen
Relevante Unternehmensnachrichten gibt es nach wie vor nur wenige. Zu den größten Verlierern im Dax gehören heute die Autowerte, allen voran Volkswagen. Die Wolfsburger müssen nach einem Bericht der "FTD" für die Übernahmen von Porsche voraussichtlich 600 Millionen Euro mehr zahlen als geplant. Statt der ursprünglich angenommenen 3,9 Milliarden Euro könnte die Übernahme der zweiten Hälfte des operativen Geschäfts der Porsche AG demzufolge mit rund 4,5 Milliarden Euro zu Buche schlagen, berichtet das Blatt.

Auch die Aktien von Daimler, BMW und MAN stehen weit oben auf der Liste der Verlierer.

Versorger obenauf
Eine Pressemeldung, wonach die heimischen Energieversorger Eon und RWE rund 15 Milliarden Euro Schadenersatz für den Atomausstieg in Deutschland einklagen wollen, beschert den Aktien der beiden Unternehmen teils deutliche Zuwächse und befördert sie zu den größten Gewinnern im Dax.

Solarwerte wieder im Kommen?
Etwas zulegen können auch die beiden im TecDax notierten Solarwerte SMA und Solarworld. Grund ist offenbar ein überraschend starker Anstieg der Aufträge des US-Photovoltaikunternehmens First Solar. Die Firma verschiebt daher ihre Werksschließungen in Frankfurt/Oder von Oktober auf Dezember. Zudem werteten Händler den Start der Branchenmesse Intersolar in München positiv für die Aktienkurse.

Die Hoffnung auf einen neuen Solarboom schiebt auch die Aktie von Wacker Chemie an und befördert sie zeitweise an die Spitze des MDax.

Volvo beflügelt Deutz
Im MDax sind die Papiere von Deutz zeitweise um 25 Prozent angesprungen. Grund ist eine geplante Aufstockung der Anteile von Volvo an dem Motorenbauer auf mehr als 25 Prozent. Derzeit hält das schwedische Unternehmen nach eigenen Angaben 6,7 Prozent der Anteile. Nun sollen 22,1 Millionen Aktien für je 5,88 Euro hinzukommen. Volvo will demnach insgesamt rund 130 Millionen Euro auf den Tisch legen. Dennoch geht Deutz nur mit einem Plus von 12 Prozent aus dem Handel bei 4,35 Euro.

Zeichnungsfrist für KTG Energie beginnt
Heute hat die Zeichnungsfrist für die KTG-Agrar-Tochter, KTG Energie, begonnen. Interessierte Anleger können voraussichtlich bis zum 26. Juni für 13,80 Euro je Aktie zeichnen. Insgesamt werden 2.700.000 Aktien angeboten, die Aufnahme des Handels im Entry Standard der Frankfurter Börse ist für den 29. Juni geplant. KTG Agrar will mit mindestens 55 Prozent weiterhin Mehrheitsaktionär bleiben.

Sainsbury enttäuscht trotzdem
Um rund vier Prozent abwärts geht es mit der Aktie der britischen Supermarktkette Sainsbury. Dabei haben die Feierlichkeiten zum Thronjubiläum von Queen Elizabeth die Klassen von Sainsbury klingeln lassen. Die Vorbereitungen auf das "Jubilee" im ganzen Land hätten die Umsätze deutlich angeschoben. Dadurch seien die Umsätze im ersten Geschäftsquartal bis zum 9. Juni in Großbritannien um 3,6 Prozent gestiegen und damit schneller als bei den größeren Rivalen Wal-Mart - vertreten mit der Kette Asda - und Tesco. Experten zeigten sich dennoch enttäuscht und erklärten, ohne das schlechte Wetter und die Wirtschaftsflaute hätte der Umsatz noch viel höher ausfallen können.

Inditex gut gestartet
Kräftig zulegen kann dagegen die Aktie von Zara-Mutter Inditex. Der Modehändler hat im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2012/13 seinen Nettogewinn um 30 Prozent auf 432 Millionen Euro gesteigert. Dies war mehr als Analysten erwartet hatten. Der Umsatz stieg um 15 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro. Die Aktie legt kräftig zu.

JP Morgan und das "isolierte Ereignis"
JPMorgan-Chef Jamie Dimon hat das Milliarden-Spekulationsdesaster der Investmentbank mit einer schlechten Überwachung der Händler und deren Ahnungslosigkeit begründet. Die Verantwortlichen hätten mit komplexen Finanzpapieren eigentlich die Gefahren für das Geldhauses reduzieren wollen und dabei ihre eigene Strategie nicht ganz verstanden, räumte Dimon in einem vorab verbreiteten Text einer Rede ein, die er am Mittwoch vor dem Bankenausschuss des US-Senats halten wollte. Er beschrieb die Verluste als "isoliertes Ereignis" - ansonsten befinde sich die Bank in hervorragender Verfassung und werde im laufenden Quartal trotz allem einen soliden Gewinn verbuchen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 20. Juli

Unternehmen:
Faurecia: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Hermès: Q2 Umsatz, 07:00 Uhr
Rémy Cointreau: Q4-Zahlen
Thales: Q1 Umsatz, 07:30 Uhr
Stanley Black & Decker: Q2-Zahlen, 12:00 Uhr
General Electric: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Schlumberger: Q2-Zahlen, 13:00 Uhr
Honeywell: Q2-Zahlen, 14:30 Uhr

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise für Juni, 01:30 Uhr
Deutschland: Juli-Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Deutschland: Erzeugerpreise im Juni, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Euro-Zone im Mai, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Farnborough: Fortsetzung der Internationalen Messe für die Luft- und Raumfahrt (bis 22. Juli)