Marktbericht 20:05 Uhr

Dax schließt leicht im Plus Anleger verdrängen Notenbank-Frust

Stand: 28.04.2016, 20:05 Uhr

Die wieder anziehenden Ölpreise und Rückenwind von der Wall Street haben den Dax am Donnerstag doch noch ins Plus gehievt. Zuvor hatte er lange im Minus notiert – wegen der zögerlichen Notenbanken.

Lieber nichts tun - so lautet momentan die Devise der großen Notenbanken. Die japanische Notenbank hielt überraschend ihre Füße still und ihre Geldpolitik nicht weiter. Börsianer hatten auf neue Geldspritzen zur Ankurbelung der Konjunktur und eine Senkung der Kreditzinsen auf unter null Prozent spekuliert. Auch die US-Notenbank Fed ließ offen, ob und wann sie die Zinsen weiter anheben wird. "Das ewige Hin und Her ist für Marktteilnehmer nervenaufreibend", sagte Commerzbank-Analystin Antje Praefcke.

Dax schafft den Turn-Around

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Das drückte die Börsenkurse zunächst deutlich nach unten. der japanische Nikkei sackte um 3,6 Prozent ab. Der Dax fiel in der Spitze um 1,6 Prozent, bevor er sich im Laufe des Nachmittags allmählich erholte. Im Sog der sich erholenden Wall Street drehte er gar noch ins Plus und schloss 0,2 Prozent höher. Damit notiert der deutsche Leitindex in etwa wieder da, wo er Anfang der Woche stand. Der Turnaround des Dax "kann durchaus als Zeichen der Stärke gewertet werden", sagte Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets.

US-Wirtschaft verliert an Fahrt

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
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Börse 08.00 Uhr: Hexensabbat und Airbus

Der Dow lag zwei Stunden vor Handelsschluss 0,4 Prozent im Minus. Anleger waren hin- und hergerissen zwischen starken Quartalszahlen der Firmen und schwachen Konjunkturdaten. Im ersten Quartal wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) aufs Jahr hochgerechnet nur noch um 0,5 Prozent. Experten hatten mit einem Plus von 0,7 Prozent gerechnet.

Ford und Facebook glänzen

Dagegen glänzte eine Reihe von Unternehmen mit ihren Zahlen. So hat Ford dank boomender Verkäufe von SUV- und Pick-up-Trucks den Gewinn auf 2,5 Milliarden Dollar im ersten Quartal mehr als verdoppelt. Auch Facebook überraschte mit seiner Bilanz positiv. Dank zunehmender Werbung auf Smartphones zog der Umsatz um rund 52 Prozent hoch, der Gewinn verdreifachte sich auf 1,5 Milliarden Dollar . Die Facebbok-Aktie erreichte zeitweise ein Rekordhoch. Bei Dow Chemical brach dagegen der Überschuss um 88 Prozent auf 169 Millionen Dollar ein. Schuld war eine kostspielige gerichtliche Einigung. Der Umsatz schrumpfte um über 13 Prozent auf 10,7 Milliarden Dollar.

Ölpreise steigen wieder

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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77,10
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Die wieder anziehenden Ölpreise konnten die Wall Street nicht stabilisieren. Ein Barrel der Nordseesorte Brent verteuerte sich auf 47,65 Dollar. Die US-Sorte WTI stieg ebenfalls an auf 45,62 Dollar.

Comeback des Yen

Der Euro hielt sich über 1,13 Dollar und notierte am Abend bei 1,1322 Dollar. Einen noch kräftigeren Sprung nach oben machte der Yen. Er legte gegenüber dem US-Dollar gut drei Prozent zu. Ein Dollar kostete nur noch knapp über 108 Yen.

Euro in Yen: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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US-Dollar in Yen: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Deutsche Bank an der Dax-Spitze

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Spitzenreiter im Dax war die Deutsche Bank mit einem Plus von fast vier Prozent. Der deutsche Branchenprimus hat im ersten Quartal überraschend schwarze Zahlen geschrieben. Im ersten Quartal brach der Überschuss zwar um 58 Prozent ein. Analysten hatten mit einem Verlust von 300 Millionen Euro gerechnet. Niedrigere Kosten federten den deutlichen Rückgang bei den Erträgen etwas ab.

Deutsche Börse nicht gut genug

Deutsche Börse: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Für den Frankfurter Börsenbetreiber ist die Bilanz der ersten drei Monate des Jahres gemischt ausgefallen. Während der Umsatz um acht Prozent auf 648,5 Millionen Euro stieg, ging der Überschuss um knapp acht Prozent auf 205,4 Millionen Euro zurück. Analysten hatten mit 206 Millionen Euro gerechnet. Die Aktie büßte über ein Prozent ein.

VW-Chef rechnet mit weiteren Belastungen

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der Chef des VW-Konzerns, Michael Müller, hat sich auf der mit Spannung erwarteten Bilanzpresskonferenz zur Zukunft des Unternehmens geäußert. Er schließt nicht aus, dass man auch Geschäftsteile verkaufen könnte. Wegen der Kosten unter anderem für technische Lösungen, den Rückkauf von Fahrzeugen oder mögliche Strafzahlungen könnten sich "erhebliche weitere finanzielle Belastungen" ergeben, hieß es am Donnerstag. VW will 2016 wieder in die Gewinnzone zurückkehren.

Vorsicht Dividendenabschlag!

Der vermeintlich schwächste Dax-Wert war die Aktie der Münchener Rück. Die Papiere wurden nach der gestrigen Hauptversammlung ex Dividende gehandelt. Der Rückversicherer hat 8,25 Euro je Anteil ausgeschüttet.

RWE und Eon wieder im Minus

Unter den größten Dax-Verlierern rangierten die Gewinner von gestern, die Versorgerwerte. Die Vorschläge zur Finanzierung des Atomausstiegs seien schlecht für die deutschen Versorger, meinten die Analysten von Morgan Stanley. Das stelle ein Risiko für die Energieversorger dar. Zudem wiesen die Atomkraftwerksbetreiber die Empfehlungen der Atomkommission für die Finanzierung des Atomausstiegs als überzogen zurück. Schließlich muss RWE nun auch noch um die Bewertung seiner Kreditwürdigkeit bangen.

Airbus hat wieder Probleme mit dem A400M

Airbus: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Im MDax war Airbus Schlusslicht mit einem Minus von fast fünf Prozent. Wegen der Modellumstellung musste Airbus im ersten Quartal einen deutlichen Gewinnrückgang hinnehmen. Unter dem Strich ging der Überschuss um die Hälfte auf 399 Millionen Euro zurück. Das Ebit vor Einmaleffekten sank auf 501 Millionen Euro von zuvor 651 Millionen Euro. Der Flugzeugbauer befürchtet höhere Kosten durch die Getriebe-Probleme seines Militärfrachters A400M.

Ströer kontert Muddy Waters

Der in die Schusslinie des Short-Sellers Muddy Waters geratene Werbespezialist Ströer hat seine Prognose fürs laufende Jahr verbessert. Das MDax-Mitglied rechnen mit einem um Sondereffekte bereinigten Ebitda von mehr als 280 Millionen Euro. Bislang hatte die Prognose zwischen 270 und 280 Millionen gelegen.

Am Nachmittag erneuerte der Hedgefonds Muddy Waters seine Vorwürfe. Das ausgewiesene signifikante organische Wachstum bleibe überhöht. Die Rechtfertigungen von Ströer zum operativen Ebitda seien nicht stichhaltig. Die Beschwerden von Udo Müller und Dirk Ströer seien unaufrichtig. Muddy Waters hatte vor ein paar Tagen den Aktienkurs mit kritischen Anmerkungen zum Geschäftsmodell stark unter Druck gebracht.

Krones-Maschinen gut abgefüllt

Der Getränkeabfüllanlagen-Hersteller Krones hat seinen Umsatz in den ersten drei Monaten um 4,5 Prozent auf 772,1 Millionen Euro verbessert. Der Gewinn legte dank eines Sparprogramms sogar um zehn Prozent auf 38,4 Millionen Euro zu. Dennoch verloren die Aktien fast vier Prozent.

MTU im Aufwind

Der Triebwerksbauer MTU hat im ersten Quartal vor allem vom Rüstungsgeschäft und profitablen Wartungsverträgen profitiert. Das operative Ergebnis legte auf vergleichbarer Basis um gut ein Drittel auf 131,3 Millionen Euro zu. Damit übertraf das MDax-Mitglied die Analystenerwartungen. Die Aktie gab nach.

Wacker Chemie traut sich mehr zu

Spitzenreiter im MDax war Wacker Chemie mit einem Plus von fünf Prozent. Der Konzern hat seine Prognose fürs laufende Jahr angehoben. Das Ebitda soll auf vergleichbarer Basis ohne Berücksichtigung von Sondererträgen um fünf bis zehn Prozent zulegen. Bisher hatte Wacker nur einen leichten Anstieg erwartet. Hoffnung gibt Wacker unter anderem das Silizium-Geschäft.

Siltronic bremst

Die im TecDax notierte Halbleitertochter von Wacker, Siltronic, blickt indes pessimistischer als bisher ins neue Jahr. Das TecDax-Mitglied rechnet mit einem Umsatzrückgang im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich. Bisher hatte Siltronic ein leichtes Umsatzminus erwartet. Siltronmic verlor über fünf Prozent.

Telefonica Deutschland enttäuscht

Größter TecDax-Verlierer war Telefonica Deutschland mit einem Minus von 6,5 Prozent. Der Telekomkonzern hat im ersten Quartal sein um Sondereffekte bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Oibda) um sechs Prozent auf 401 Millionen Euro verbessert. Analysten hatten auf mehr gehofft. Der Umsatz sank um zwei Prozent auf 1,86 Milliarden Euro.

Gerücht um Aktienplatzierung drückt Hella

Im späten Börsenhandel gerieten die Aktien von Hella unter Druck. Sie rutschten um fast drei Prozent ab. Das Bankhaus Lampe platziert laut einem Händler 1,7 Millionen Aktien des Autozulieferers. Die Titel würden in einer Spanne von 32,50 bis 33,50 Euro angeboten.

Verlässt Hummels den BVB?

Die Wechselgerüchte um Abwehrstar Mats Hummels veranlasste Borussia Dortmund am Abend zu einer Adhoc-Mitteilung. Hummels habe um eine Freigabe gebeten. Seine Zustimmung macht der BVB von einer saftigen Ablöse für den Abwehrchef abhängig. Es wird spekuliert, dass die Münchner mindestens 30 Millionen Euro für den 27-Jährigen locker machen müssen. Möglich ist auch, dass Mario Götze im Tausch mit Hummels nach Dortmund zurückkehrt. Die BVB-Aktie schloss nahezu unverändert.

Vossloh fängt sich

Der Bahntechnikkonzern Vossloh hat zum Jahresauftakt trotz eines Umsatzrückgangs um acht Prozent auf 240 Millionen Euro mit seinem Ergebnis die Rückkehr in die Pluszone geschafft. Das Ebit lag bei plus 2,3 Millionen Euro, nach einem Minus von 2,2 Millionen im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Mit dem restlichen Verkauf des Lokomotivgeschäfts hofft der Vorstand auf eine weitere Verbesserung der Profitabilität.

Takkt bleibt im Takt

Der Spezialversandhändler Takkt hat im ersten Quartal Umsatz seinen Umsatz 8,5 Prozent auf 274 Millionen Euro zu und das Ebitda von 43,8 auf 47,2 Millionen Euro verbessert. Rückenwind brachte insbesondere das Geschäft in den USA. Die Aktie legte gut ein Prozent zu.

Tui gibt Online-Buchungsportal ab

Der weltgrößte Reisekonzern Tui hat sein Online-Buchungsportal Hotelbeds an den britischen Finanzinvestor Cinven verkauft. Der Verkaufspreis liegt bei 1,2 Milliarden Euro. Für TUI passte Hotelbeds nicht mehr zur Strategie. Der größte Reisekonzern der Welt sieht seine Zukunft darin, Flüge und Übernachtungen stärker aus einer Hand und unter eigener Marke zu verkaufen.

Sanofi will Milliarden in die Hand nehmen

Der französische Pharmakonzern Sanofi will die US-Firma Medivation übernehmen. Dazu hat man ein feindliches Übernahmeangebot in Höhe von 9,3 Milliarden Dollar vorgelegt. Sanofi bietet 52,50 Dollar je Aktie. In den vergangenen Wochen hatten Übernahmegerüchte bereits den Medivation-Aktienkurs nach oben befördert. Medivation hat ein Mittel gegen Prostatakrebs auf dem Markt.

Samsung im Galaxy-Fieber

Der südkoreanische Elektronikkonzern Samsung hat im ersten Quartal seinen Gewinn um 14 Prozent auf 5,25 Billionen Won (umgerechnet etwa vier Milliarden Euro) verbessert. Der Umsatz kletterte um sechs Prozent auf fast 50 Billionen Won. Der Konzern profitierte von der Markteinführung seiner neuen Spitzenmodelle Galaxy S7 und Galaxy S7 Edge.

Sony spielt sich wieder reich

Der japanische Elektronikkonzern Sony hat dank der guten Nachfrage nach Playstation-Spielen so gut wie seit acht Jahren nicht mehr verdient. Das operative Ergebnis sprang im abgelaufenen Geschäftsjahr um fast 330 Prozent auf umgerechnet 2,3 Milliarden Euro nach oben.

Gazprom verfünffacht Gewinn

Der russische Energieriese Gazprom ist wieder in die Erfolgsspur zurückgekehrt. Der vom Kreml gesteuerte Konzern erwirtschaftete 2015 einen Überschuss von 787 Milliarden Rubel (10,6 Milliarden Euro) - fünf Mal mehr als im Vorjahr. Der Umsatz legte um fast neun Prozent auf 6,1 Billionen Rubel zu.

Großfusion im Medizintechnik-Bereich...

Im US-Medizinsektor bahnt sich eine neue Mega-Fusion an: Das Pharma- und Medizintechnik-Firma Abbott Laboratories kündigte am Donnerstag die Übernahme von St. Jude Medical für 19,3 Milliarden Dollar an. Der neue Konzern träte in direkte Konkurrenz zu den Marktführern Medtronic und Boston Scientific.

... und im Trickfilm-Bereich

Auch im Medienbereich kommt es zu einem Milliarden-Deal. Der Kabelanbieter Comcast bietet 3,8 Milliarden Dollar für den "Shrek"-Produzenten Dreamworks Animation. Die Dreamworks-Aktien sprangen um 24 Prozent nach oben.

nb

Tagestermine am Dienstag, 23. Oktober

Unternehmen:
Sartorius: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Talanx: Telefon-Pk zum Kapitalmarkttag, 7:30 Uhr
Anglo American: Q3 Production Report, 8:00 Uhr
Eli Lilly: Q3-Zahlen, 12:25 Uhr
United Technologies: Q3-Zahlen, 12:55 Uhr
Lockheed Martin: Q3-Zahlen, 13:30 Uhr
Verizon Communications: Q3-Zahlen, 13:30 Uhr
Caterpillar: Q3-Zahlen, 13:30 Uhr
3M: Q3-Zahlen, 13:30 Uhr
McDonald`s: Q3-Zahlen, 14:00 Uhr
Texas Instruments: Q3-Zahlen, 22:01 Uhr
Logitech: Q3-Zahlen
Harley-Davidson: Q3-Zahlen
Biogen: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise 9/18, 8:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen 10/18 (vorab), 16:00 Uhr