Marktbericht 20:10 Uhr

Dax und Dow verharren auf Vortagesniveau Anleger treten auf die Bremse

Stand: 20.10.2015, 20:10 Uhr

Nach den jüngsten Kursgewinnen ist dem Dax am Dienstag die Luft ausgegangen. Durchwachsene Signale von der US-Berichtssaison und abebbende Spekulationen auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik in Europa bremsten die Kauflaune.

Offenbar beginnen die massiven Geldspritzen inzwischen zu wirken. Wie die Europäische Zentralbank (EZB) in einer Umfrage feststellte, hat sich die Vergabe von Bankkrediten inzwischen belebt. Damit fließt mehr Geld in die Wirtschaft. Die Nachricht nehme den Druck von der EZB, schon bald aktiv zu werden und die Anleihenkäufe auszuweiten, meinten Börsianer.

"Dynamik ist raus"

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Aktienmärkte reagierten ernüchtert. Der EuroStoxx50 gab 0,5 Prozent nach. Der Dax ging mit einem Minus von 0,2 Prozent in den Feierabend. "Die nach oben gerichtete Dynamik ist erst einmal raus", sagte Andreas Paciorek von CMC Markets. Die Erholung der vergangenen zwei Wochen sei am Widerstand um 10.190/10.200 Punkte zum Stillstand gekommen. Sollte die EZB am Donnerstag die Erwartungen der Börse nicht erfüllen, könnte sich die Enttäuschung ihren Weg wieder unter die Marke von 10.000 Punkten bahnen, prophezeit er. In zwei Tagen treffen sich die Währungshüter zu ihrer monatlichen Sitzung - diesmal in Malta.

Wall Street tritt auf der Stelle

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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Börse 20.15 Uhr

Die Wall Street kam ebenfalls nicht vom Fleck. Der Dow stagnierte zwei Stunden vor Handelsschluss bei knapp über 17.200 Punkten. Kaum Impulse brachten die neuesten Immobiliendaten. Die Wohnungsbaubeginne stiegen im September stärker als erwartet um 6,5 Prozent auf 1,206 Millionen. Die Baugenehmigungen sanken um fünf Prozent auf rund 1,1 Millionen. Volkswirte hatten mit einem geringeren Rückgang gerechnet.

IBM enttäuscht, United Technologies glänzt

Ein enttäuschender Quartalsbericht von IBM lastete auf den US-Börsen. Der starke Dollar hat den Umsatz des weltgrößten IT-Servicekonzerns überraschend stark einbrechen lassen. Besonders die Geschäfte in China waren betroffen, erklärte Big Blue. Die Aktien von IBM sackten um fast sechs Prozent ab. Dagegen übertraf United Technologies die Erwartungen und schickte seine Aktien um gut fünf Prozent nach oben. Auch der US-Mobilfunkprimus Verizon schnitt besser ab als von Experten vorhergesagt. Der Gewinn kletterte um neun Prozent auf 4,04 Milliarden Dollar. Die Aktien legten zwei Prozent zu.

Euro kann Gewinne nicht halten

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Euro legte eine Berg- und Talfahrt hin. Die robusten Daten zur Kreditvergabe in Europa unterstützten zunächst. Bis zum frühen Abend gab die Gemeinschaftswährung aber wieder einen Großteil ihrer Gewinne ab und notierte bei 1,1338 Dollar.

Goldman mag die T-Aktie

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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15,13
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Gewinner des Tages im Dax war die T-Aktie mit einem Plus von über zwei Prozent. Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat den Titel von "Neutral" auf "Buy" hochgestuft. Zudem wurde die Aktie auf die "Conviction Buy List" gesetzt. Das Kursziel wurde von 18,30 auf 20,00 Euro angehoben. Am Abend gab es zudem Spekulationen, dass die Telekom den Verkauf ihres niederländisdchen Mobilfunkgeschäfts erwäge. Das könnte bis zu fünf Milliarden Euro einbringen, berichtete Bloomberg unter Berufung auf Insider.

SAP macht Hoffnung

Mit einem Plus von rund 0,5 Prozent reihte sich SAP ebenfalls unter die Dax-Gewinner. Der Software-Konzern hat endgültige Zahlen vorgelegt. SAP habe laut Vorstandschef Bill McDermott "eine Chance", sein Jahresziel für den Cloud-Umsatz zu übertreffen.

Lufthansa droht neuer Streik

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Zu den größten Dax-Verlierern zählte mal wieder die Lufthansa. Bei der Airline droht erneut ein Streik. Der Lufthansa ist mit ihrem Angebot zur Lösung des seit fast zwei Jahren anhaltenden Tarifstreits mit den Flugbegleitern kein Durchbruch gelungen. Nach jetzigem Stand sei man gescheitert, sagte der Chef der Gewerkschaft Ufo. Es werde keine weiteren Verhandlungen mehr geben.

Überweisungspanne bei der Deutschen Bank

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Über ein Prozent büßte die Aktie der Deutschen Bank ein. Händler verwiesen auf eine peinliche Überweisungspanne. Ein Mitarbeiter des Geldinstituts habe versehentlich sechs Milliarden Dollar auf ein Konto eines US-Hedgefonds überwiesen. Als Grund nannte die Deutsche Bank einen "fat finger", also einen Vertipper. Ein finanzieller Schaden entstand nicht. Das Geld sei auf einem Zwischenkonto gelandet und sofort wieder zurückgeholt worden, hieß es.

Jungheinrich geht "down under"

Im MDax gehörte die Jungheinrich-Aktie zu den größten Gewinnern. Die Commerzbank hat die Einstufung für den Gabelstaplerbauer nach einem Zukauf in Australien auf "Buy" mit einem Kursziel von 63 Euro belassen. Durch die Mehrheitsbeteiligung an NTP Forklifts dürfte der Gewinn je Aktie von Anfang an gesteigert werden.

Biotest warnt

Eine Gewinnwarnung kurz vor Xetra-Schluss lieferte Biotest. Das im SDax notierte Pharmaunternehmen warnte vor Abschreibungen von insgesamt 84 Millionen Euro auf das USA-Geschäft. Dies werde zu einem negativen operativen Ergebnis (Ebit) führen. Im vierten Quartal werde es aber wieder ein positives Ebit geben, versprach Biotest. Die Aktie rutschte um über sieben Prozent ab und war Schlusslicht im SDax.

Sartorius im Minus trotz Prognoseanhebung

Im TecDax hob Sartorius seine Umsatz- und Ergebnisprognose an. Für 2015 rechnet der Laborausrüster aus Göttingen nun mit einem wechselkursbereinigtem Umsatzwachstum von 15 Prozent (bisher: 12 Prozent) und einer Ebitda-Marge von rund 23 Prozent (bisher: 22,5 Prozent). Dennoch schloss die Aktie gut ein Prozent im Minus, nachdem sie zunächst deutlich gestiegen war.

Adidas-Deal beflügelt Manz

Manz: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Größter Kursgewinner im TecDax war die Manz-Aktie mit einem Plus von knapp sechs Prozent. Manz entwickelt gemeinsam mit Adidas eine Fertigungstechnologie für die Sportartikelproduktion. Dadurch werde das Geschäftsmodell von Manz weiter diversifiziert, mittelfristig gebe es "deutliche Effekte" mit Blick auf die Umsatz- und Ertragslage, so Manz.

Villeroy & Boch wächst solide

In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2015 konnte der Villeroy & Boch-Konzern seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 3,5 Prozent auf 578,4 Millionen Euro steigern. Das operative Ergebnis (Ebit) legte um 5,5 Prozent auf 21,1 Millionen Euro zu. Die Aktie gab leicht nach.

Auftragsflut für SLM Solutions

Der 3D-Druck-Anbieter SLM Solutions hat den Auftragseingang in den ersten neun Monaten 2015 mehr als verdoppelt auf 41,8 Millionen Euro. Die SLM-Kunden kommen aus der Luft- und Raumfahrt, dem Energiesektor, dem Automobilsektor oder dem Medizintechnikbereich. Die SLM-Aktie zieht an und kann damit nach dem scharfen Einbruch im August wieder etwas Boden gutmachen.

Actelion hebt Prognose an

Die Schweizer Biotechnologiefirma Actelion traut sich dank der kräftig anziehenden Verkäufe ihres neuen Lungenmedikaments Opsumit ein stärkeres Gewinnwachstum zu und hat ihre Prognose erneut angehoben. Der um Sonderfaktoren bereinigte Gewinn dürfte dieses Jahr unter Ausschluss von Wechselkursschwankungen um mehr 20 Prozent steigen (bislang: 15 bis 19 Prozent).

Crédit Agricole kommt glimpflich davon

Die französische Großbank zahlt an die USA wegen mutmaßlicher Verstöße gegen politische Sanktionen 787 Millionen Dollar. Dartauf einigten saich beide Seiten, teilten die amerikanischen Behörden am Abend mit. Insgesamt wurden wegen Sanktionsversatößen schon rund 14 Milliarden Dollar seit 2009 fällig. BNP Paribas musste mit 8,9 Milliarden Dollar eine Rekordbuße zahlen.

Ferrari rast... an die Börse

Gespannt fiebern die Wall-Street-Anleger dem morgigen Börsenstart von Ferrari entgegen. Die Aktien des Sportwagenherstellers waren bereits am Dienstag laut italienischen Medienberichten stark überzeichnet. Der Ausgabepreis werde deutlich über der vorgegebenen Preisspanne zwischen 48 und 52 US-Dollar liegen, schrieb die Zeitung "La Repubblica" am Dienstag. Wahrscheinlich seien etwa 60 Dollar.

nb

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"