Marktbericht 20:05 Uhr

Nach der Rekordrally Anleger treten auf die Bremse

Stand: 16.01.2014, 20:05 Uhr

Am Aktienmarkt hat der Börsenzug seine Rekordfahrt erst einmal unterbrochen. Der Dax verliert leicht, hat aber die Marke von 9.700 Punkten verteidigt. Die magischen 10.000 sind weiter drin - nur rund drei Prozent fehlen noch.

Der Leitindex Dax beendete den Handel am Donnerstag mit einem leichten Tagesverlust von 0,17 Prozent auf 9.717 Punkte. Der Index bewegte sich innerhalb einer engen Schwankungsbreite zwischen 9.702 und 9.747 Zählern. Nachbörslich tat sich wenig, der L/E-Dax schloss ebenfalls bei 9.718 Zählern.

Nachdem der deutsche Leitindex in den beiden vergangenen Handelstagen über 300 Punkte hinzu gewonnen hat, ließen es die Anleger heute ruhiger angehen. Vereinzelt gab es Gewinnmitnahmen.

10.000 Dax-Punkte bleiben fest im Blick

Die Stimmung bleibt aber konstruktiv und die magische Marke von 10.000 Punkten dürfte den Marktteilnehmern nicht aus dem Kopf gehen. Schließlich sind es nur noch rund drei Prozent bis dahin. Daniel Saurenz von Feingold Research bleibt weiter optimistisch: "Ordentliche Konjunkturdaten, ein guter Start in die Quartalssaison der USA sowie das frische Investorengeld vom Jahresanfang treiben den Dax Richtung 10 000 Punkte", so seine Prognose.

Es gab aber auch vorsichtigere Stimmen. Denn inzwischen mahnen einige Indikatoren zur Vorsicht, erklärte Sarah Brylewski, Deutschland-Chefin des Brokerhauses Gekko Global Markets. Bis auf Lanxess notieren nämlich sämtliche Dax-Werte über ihrem Durchschnittskurs der vorangegangenen 200 Handelstage, stellte die Expertin heraus. Erfahrungsgemäß deutet dies auf eine Konsolidierung, mindestens aber auf eine Seitwärtsbewegung hin. Auch am Devisenmarkt gab es wenig Bewegung, der Euro notiert stabil etwas über der Marke von 1,36 Dollar.

US-Märkte ebenfalls im Minus

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
25.199,29
Differenz relativ
+0,32%

Die maue Tagestendenz ist auch auf die schwächere Wall Street zurückzuführen, wo der Dow-Jones-Index zur Stunde ein halbes Prozent verliert. "Wir haben einen guten Lauf hingelegt, und jetzt darf der Markt sich konsolidieren und eine abwartende Haltung einnehmen, was die Bilanzen angeht", sagte Aktienstratege Terry Morris von National Penn Investors Trust Company. Die Aktie der Elektronik-Kette Best Buy bricht nach einer schwachen Weihnachtsbilanz aktuell um 28 Prozent ein.

Auch die neuesten Konjunkturdaten haben keine neuen Impulse gegeben. Die wöchentlichen Arbeitsmarktdaten und die Verbraucherpreise lagen im Rahmen der Erwartungen. Neue Quartalszahlen aus dem Bankensektor haben ebenfalls nicht für Aufbruchstimmung gesorgt, obwohl die Branche im bisherigen Wochenverlauf wieder deutlich gestiegene Gewinne präsentierte.

Beiersdorf überzeugt

Tagessieger war die Aktie des Nivea-Herstellers Beiersdorf mit einem Aufschlag von 1,7 Prozent. Das Unternehmen hatte am Morgen gemeldet, dass die Umsätze 2013 um 7,2 Prozent auf 6,14 Milliarden Euro gestiegen sind. Wie zwischenzeitlich bekannt wurde, ist der Vertrag von Vorstandschef Stefan Heidenreich vorzeitig um fünf Jahre bis 2019 verlängert worden.

Mit FMC fand sich ein neben Beiersdorf ein weiterer defensiver Wert in der Spitzengruppe. Kalihersteller K+S schob sich gegen handelsende noch in die Spitzengruppe und setzte seinen jüngsten Aufwärtstrend fort.

Lanxess gefragt, Telekom und Banken verlieren

Auch Lanxess gehörte zu den besten Dax-Werten. Die Experten der US-Investmentbank Morgan Stanley haben ihr Kursziel für den Spezialchemiekonzern von 46 auf 48 Euro erhöht, hauptsächlich aus Bewertungsründen, wie Analyst Paul Walsh in einer Studie schreibt. Auf die europäische Chemieindustrie komme 2014 ein hartes Jahr zu schreibt Walsh, der bei Lanxess hauptsächlich Preisrisiken sieht. Fundamental bleibt er bei seiner Halteempfehlung.

Zu den Verlierern gehörte die T-Aktie, die bei 12,44 Euro mit einem Abschlag von 1,5 Prozent schloss. Allerdings war das Papier zuvor gut gelaufen und hatte am Morgen in der Spitze schon bei 12,67 Euro gestanden. Laut Händler Markus Huber vom Broker Peregrine & Black könnten die T-Aktien unter den Nachwirkungen eines Medienberichts vom Mittwoch gelitten haben, wonach eine Übernahme der US-Tochter T-Mobile US durch den US-Mobilfunkanbieter Sprint Nextel als eher unwahrscheinlich bezeichnet wurde.

Gewinnmitnahmen gab bei der Commerzbank, nachdem das Papier zuletzt ebenfalls zu den Favoriten der Anleger gehört hatte. Die Bank war mit einem Minus von zwei Prozent schwächster Dax-Wert. Auch Branchenkollege Deutsche Bank ging nach durchwachsenen Quartalsberichten aus dem US-Bankensektor mit Verlusten aus dem Handel. Nachbörslich erklärte BaFin-Chefin Elke König, dass deutsche Großbanken nach dem anstehenden Stresstest von EZB und der europäischen Bankenaufsicht EBA möglicherweise mehr Eigenkapital brauchen würden.

ThyssenKrupp im Blick

ThyssenKrupp legten 0,9 Prozent zu, die Aktie konnte ihr Tageshoch aber nicht verteidigen. Das Unternehmen hält am morgigen Freitag seine mit Spannung erwartete Hauptversammlung ab. Ex-Telekom-Chef Rene Obermann soll dort als Aufsichtsratsmitglied bestätigt werden, was der Fondsgesellschaft Union Investment missfällt. Deren Pressesprecher hält Obermann für den "falschen Mann".

Letzte ProSiebenSat1-Anteile verkauft

Die beiden Finanzinvestoren KKR und Permira trennen sich von ihrem verbliebenen Aktienpaket am Medienkonzern. 36,3 Millionen Aktien sollen über Nacht bei institutionellen Investoren platziert werden, erklärte das Unternehmen am Donnerstag nach Börsenschluss. Das Paket ist 1,27 Milliarden Euro wert, basierend auf dem Xetra-Schlusskurs von 35 Euro. Die Aktie gab nachbörslich leicht nach.

KlöCo setzt Aufstieg fort

Aktien des Stahlhändlers kommen bei Analysten und Anlegern immer besser an. Am Donnerstag hat das Bankhaus Hauck & Aufhäuser den Titel empfohlen. Die Aussicht auf die Wiedereinführung einer Dividende könnte den Kurs weiter treiben, hieß es zur Begründung. Im MDax lag das Papier an der Indexspitze.

Air Berlin pumpt sich 75 Millionen Euro

Air Berlin: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
0,03
Differenz relativ
+5,08%

Die Aktie der angeschlagenen Fluglinie war im SDax schwächster Wert und verlor drei Prozent. Das Unternehmen hat sich bei institutionellen Anlegern 75 Millionen Euro geliehen und dafür eine im Jahr 2011 begebene Schuldverschreibung mit einem Kupon von 8,25 Prozent von 150 auf 225 Millionen Euro aufgestockt. Mit dem Geld soll unter anderem eine andere Anleihe getilgt werden, die im November ausläuft und für die 11,25 Prozent Zinsen gezahlt werden müssen. Air Berlin befindet sich seit Jahren in der Krise und hat sich eine umfassende Schrumpfkur verordnet.

Bang & Olufsen haussieren

Die Aktie des Herstellers von Luxus-Elektro-Geräten ist an der dänischen Heimatbörse in Kopenhagen in der Spitze um bis zu 24 Prozent gestiegen, einer der größten Tagesgewinne in der Unternehmensgeschichte. Grund waren gute Quartalszahlen. Die Dänen lagen vor allem in den Schwellenländern und Nordamerika gut im Rennen. Der Gewinn sprang um 20 Prozent auf 31 Millionen dänische Kronen (rund 4,15 Millionen Euro). Das Unternehmen befindet sich aktuell im Umbau. "Die Sanierungsbemühungen tragen offenbar erste Früchte", sagte Sydbank-Analyst Soren Lontoft-Hansen.

Goldman auf den zweiten Blick ganz gut

Die New Yorker Bank hat 2013 zwar ihren Jahresgewinn zwar um sechs Prozent auf 7,7 Milliarden Dollar gesteigert, im vierten Quartal aber gab es Gegenwind. Vor allem das Handelsgeschäfte schwächelte, da sich die Anleger wegen des Haushaltststreits und dem unklaren Kurs der Notenbank zurückhielten. Die Erwartungen des Marktes wurden aber übertroffen. Die Aktie, die zunächst leicht im Plus lag, ist mittlerweile mit dem Markt ins Minus gedreht.

Citigroup unter Erwartungen

Auch die Aktie des Konkurrenten Citigropup muss nach enttäuschend aufgenommenen Quartalszahlen aktuell Federn lassen. Die Bank weist zwar für 2013 einen um Buchungseffekte bereinigten Gewinnanstieg von 15 Prozent auf 13,8 Milliarden Dollar aus, Experten hatten im Vorfeld aber mehr erwartet. Hinzu kam, dass die Bank im Schlussquartal, wie andere Institute auch, im wichtigen Geschäft mit Anleihen enttäuschte.

J&J mit Milliardenverkauf

Der Medizintechnik- und Konsumgütermulti Jonhson & Johnson verkauft für 4,15 Milliarden Dollar sein Diagnostikgeschäft an den Finanzinvestor Carlyle. Die gab das im Dow-Jones-Index notierte Unternehmen am Donnerstag bekannt. Dem Milliardendeal müssen noch die Behörden zustimmen, im Laufe des Jahres soll er über die Bühne gehen. Die J&J-Aktie zeigt sich unbeeindruckt, steht aber bei aktuell etwas über 94 Dollar am Rekordhoch und befindet sich in einem mustergültigen Aufwärtstrend. Beeindruckender Chart!

rm

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr