Marktbericht 20:07 Uhr

Dax schließt im Minus Anleger trauen dem Öl-Frieden nicht

Stand: 29.09.2016, 20:07 Uhr

Zuerst Begeisterung, dann immer mehr Skepsis. Die Einigung des Ölkartells Opec auf eine Deckelung der Förderung hat am Aktienmarkt nur ein kurzes Strohfeuer entfacht. Danach bröckelten die Gewinne kontinuierlich ab, die sich auch nachbörslich fortsetzten.

Bis auf 10.575 Punkte und damit um rund 1,4 Prozent war der deutsche Leitindex am Vormittag schon gestiegen. Aber das Blatt wendete sich im Verlauf, zum Handelsschluss war nicht nur von den Gewinnen nichts mehr übrig, der Dax schloss auch mit 0,31 Prozent im Minus. 10.405 Punkte standen am Ende auf der Anzeigetafel, damit lag der Schlusskurs nicht weit weg vom Tagestief bei 10.370 Punkten. Auch im Späthandel ging es weiter bergab. Der L/E-Dax folgte der schwächeren Wall Street und schloss nochmals deutlich schwächer bei 10.298 Punkten.

Auslöser des zunächst freundlichen Handelsverlaufs war die überraschende Einigung der Mitglieder des Opec-Kartells, die Förderung auf den aktuellen Stand zu begrenzen. Die Preise für Öl der Sorten Brent und WTI konnten ihre Gewinne sogar ausbauen auf deutlich über zwei Prozent. Unklar bleibt allerdings, wie die Einigung konkret umgesetzt werden soll. Ein Faktor, der nicht nur am Aktienmarkt immer wieder genannt wurde und für Skepsis bei den Anlegern sorgte.

"Investoren und Händler sind skeptisch - aus gutem Grund", sagte Michael McCarthy, Chef-Anlagestratege des Brokerhauses CMC Markets. Experten bleiben skeptisch, ob die geplanten Kürzungen ausreichten, um die seit zwei Jahren herrschende Ölschwemme einzudämmen.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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11.341,00
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Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Die vorläufigen deutschen Verbraucherpreisdaten haben derweil für wenig Bewegung gesorgt. Trotzdem, die Preise steigen, wenn auch noch bescheiden. Die Teuerung stieg zum Vormonat um 0,1 Prozent, etwas stärker als erwartet. Im Jahresvergleich lag der Preisanstieg bei 0,7 Prozent wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in einer ersten Schätzung mitteilte. Die Werte lagen allerdings weiter weit unter dem Zielkorridor der EZB von 2,0 Prozent.

ARD-Börsenstudio: Konrad Busen
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Börse 19.00 Uhr

Dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise gelten als Risiko für die Konjunktur. Unternehmen und Verbraucher könnten Anschaffungen aufschieben, weil sie erwarten, dass es noch billiger wird. Um die Inflation anzuheizen, flutet die EZB die Märkte mit billigem Geld.

US-Märkte tendieren schwächer

Das Öl-Thema beherrscht derzeit auch die Wall Street, die ebenfalls schwächer tendiert. Experten sprechen zudem von Gewinnmitnahmen, nachdem der Markt zuletzt gut gelaufen war. Der Leitindex Dow Jones hat mittlerweile seine Verluste ausgebaut und liegt deutlicher um rund 1,2 Prozent im Minus.

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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25.414,77
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Rohstoffexperten glauben nicht so recht an eine wirkliche Förderbegrenzung beim Erdöl. Sie verweisen auf die mangelnde Disziplin der Opec-Mitglieder, auf eine weiter schwache Nachfrage sowie auf die anderen großen Akteure am Markt wie Russland und die USA. Apropos Russland: Das Land kündigte am Donnerstag an, seine Ölförderung unverändert auf Rekordniveau zu belassen.

Auch einige Konjunkturdaten gab es. So wurde das BIP im zweiten Quartal endgültig mit plus 1,4 Prozent festgestellt nach bisher plus 1,3 Prozent. Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fielen mit 254.000 besser aus erwartet. Prognostiziert warten 260.000 Anträge.

Euro ohne klare Richtung

Nach den US-Konjunkturdaten fiel der Euro am Nachmittag zunächst in Richtung 1,12 Dollar und damit auf sein Tagestief zurück. um sich danach aber wieder zu erholen. Im Späthandel ging es dann wieder bergab mit der Gemeinschaftswährung - ein perfekter Zick-Zack-Tag, der allgemeinen Nervosität an den Märkten passt. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1221 (Mittwoch: 1,1225) Dollar fest.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1419
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Der Förderbeschluss der Opec hatte zuvor den Devisenmarkt schon kräftig durcheinander gewirbelt. Währungen von ölexportierenden Staaten legten zunächst gegen den Dollar zu, so etwa die norwegische Krone oder der russische Rubel. Bis zum Nachmittag gaben die Währungen jedoch einen Teil der Gewinne wieder ab.

Versorger gefragt

Ansonsten liefen Versorgerpapiere überdurchschnittlich. Marktbeobachter begründeten das mit der anhaltenden Rally der Großhandelspreise für Strom. Seit zwei Wochen kennen die Preise nur den Weg nach oben und kletterten inzwischen um 20 Prozent auf das höchste Niveau seit Herbst des Vorjahres. Auch die Aktie der Eon-Tochter Uniper legte zu.

Commerzbank: Nun ist es offiziell

Die Commerzbank wird insgesamt 9.600 Arbeitsplätze streichen, gleichzeitig rund 2.300 neue in Wachstumsfeldern entstehen. Der Umbau soll 1,1 Milliarden Euro kosten. Deshalb will die Bank ihren Aktionären vorerst die Dividende streichen. Die Coba-Aktie war Dax-Schlusslicht und verlor 3,09 Prozent.

Nach Börsenschluss wurde aus Insiderkreisen verlautbart, dass der für die Mittelstandsbank zuständige 52-jährige Vorstand Markus Beumer die Bank zum 31.10. verlassen werde. Die Bank wollte die Gerüchte nicht kommentieren. Insider berichten ebenfalls darüber, dass der Commerzbank-Turm in Frankfurt für 620 Millionen Euro an eine südkoreanisches Konsortium um die Samsung Life Insurance verkauft worden ist. Auch hierzu gab es keine Stellungnahme der Bank.

Das Papier des Konkurrenten Deutsche Bank legte im Gegensatz zur Coba-Aktie heute hingegen 1,02 Prozent zu. Nach dem Treffen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und EZB-Chef Mario Draghi in Berlin bleibt offen, ob das Thema Deutsche Bank angeschnitten wurde. "Kein Kommentar zur Deutschen Bank", sagte ein Sprecher der Europäischen Zentralbank am Donnerstag.

VW gründet weitere Marke

Der Volkswagen-Konzern will für das geplante neue Geschäft mit Mobilitätsdiensten seine dreizehnte Marke gründen. "Künftig wird längst nicht mehr jeder ein eigenes Auto besitzen. Aber jeder kann auf die eine oder andere Art Kunde von Volkswagen sein", sagte Vorstandschef Matthias Müller am Mittwochabend vor dem Beginn des Pariser Autosalons.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Wird Osram bald chinesich?

Papiere des im MDax notierten Unternehmens haben im Späthandel kräftig zugelegt. Das "Hahndelsblatt" zitiert in einer Vorabmeldung (Freitag-Ausgabe) Industriekreise mit den Worten "die Chinesen sind in Sachen Osram unterwegs". An seiner ehemaligen Leuchtensparte hält Siemens noch 17,5 Prozent der Anteile. Siemens gab keinen Kommentar, von Osram hieß es: "Wir befinden uns fortlaufend mit bestehenden und potenziellen Investoren im Gespräch, kommentieren aber keine einzelnen Gespräche". Im Juli hatten chinesiche Investoren bereits die Osram-Glühbirnensparte gekauft.

Stada Hauptversammlung wird angefochten

Die Hauptversammlung des Arzneimittelherstellers Stada hat ein juristisches Nachspiel. Der Investor Active Ownership Capital (AOC) hat beim Landgericht Frankfurt Klage gegen Beschlüsse des Aktionärstreffens eingereicht, wie ein AOC-Sprecher am Donnerstag erklärte. Es geht um die Wahl zweier Kandidaten für den Aufsichtsrat, deren Rechtmäßigkeit von AOC in Frage gestellt wird.

Birgit Kudlek, zuletzt Vorstand beim Pharma-Auftragshersteller Aenova, und Gunnar Riemann, ehemaliger Bayer-Manager, hatten sich gegen die AOC-Kandidaten durchgesetzt. AOC hatte nur einen seiner vier Gegenkandidaten für den Aufsichtsrat durchgebracht, aber mit der Abwahl von Aufsichtsratschef Martin Abend einen Teilerfolg gefeiert. Der Investor war seit Monaten auf Konfrontationskurs.

Krones empfohlen

Die Krones-Aktie lag im MDax ganz vorne. Die britische HSBC hat das Papier von "Hold" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel von 89 auf 95 Euro angehoben. Die HSBC lobte die starke Bilanz und eine gute Kostenkontrolle. Zudem habe die Branche gelernt, mit dem sich intensivierenden Preisdruck umzugehen.

DIC ist auf gutem Kurs

Das Gewerbe-Immobilien-Unternehmen DIC hat seine Prognose für die wichtige Ergebnisgröße Funds From Operations angehoben. Das SDax-Mitglied rechnet nun mit einem FFO von 46 bis 47 Millionen Euro nach bisher 43 bis 45 Millionen Euro. "Grund für die höhere Jahresprognose sind erfolgreiche Vermietungsleistungen, die sich besser als prognostiziert entwickelt haben", teilte DIC mit.

Air Berlin verordnet sich eine Radikalkur

Die angeschlagene Fluggesellschaft Air Berlin schrumpft drastisch. Die Flotte soll auf 75 Flugzeuge in etwa halbiert werden und der Konkurrent Lufthansa soll per Leasing bis zu 40 Maschinen übernehmen. Außerdem sollen bis zu 1.200 Mitarbeiter entlassen werden. Sowowhl das Air Berlin-Papier, als auch das der Lufthansa fielen deutlich zurück.

Gleichzeitig hat Lufthansa-Vorstand Karl-Ulrich Garnadt erklärt, man wolle einen Streik bei der Billigflugtochter Eurowings mit einer neuen Verhandlungsrunde abwenden. Eurowings sei mit der Kabinenpersonalgewerkschaft Ufo wieder in Gesprächen, sagte Garnadt am Donnerstag. Ufo hatte die Tarifverhandlungen vor einer Woche abgebrochen und massive Arbeitskampfmaßnahmen bei Eurowings in Aussicht gestellt. Ufo und die Eurowings-Spitze versuchten zwei Jahre lang, sich auf neue Tarifverträge über die Arbeitsbedingungen und die Bezahlungen zu einigen.

Hornbach legt leicht zu

Die Baumarktkette Hornbach Holding hat im zweiten Quartal 2016/17 das Betriebsergebnis leicht gesteigert. Das operative Ergebnis (Ebit) erhöhte sich in den Monaten Juni bis August um 2,2 Prozent auf 76,0 Millionen Euro. Vor allem in den insgesamt 154 Baumärkten lief das Geschäft gut, so dass hohe Digitalisierungskosten überkompensiert werden konnten. Der Umsatz der gesamten Gruppe stieg um 6,8 Prozent auf 1,07 Milliarden Euro. Hornbach bekräftigte die Prognose für das Gesamtjahr, in dem der Gesamtumsatz erneut im mittleren einstelligen Prozentbereich zulegen soll.

Geldregen für Medigene

Die Medigene-Aktie machte einen großen Sprung nach oben. Das Biotech-Unternehmen hat eine Kooperation mit Bluebird Bio abgeschlossen und so genannte T-Zell-Therapien zur Behandlung von Krebs zu entwickeln. Medigene erhält dafür eine Vorabzahlung von 15 Millionen Dollar.

OfficeFirst Börsengang wohl bis zu 800 Millionen Euro schwer

Die Preisspanne für Aktien der IVG-Nachfolgegesellschaft OfficeFirst soll nach Informationen aus Branchenkreisen bei 21 bis 23 Euro liegen und damit dem Immobilienunternehmen zwischen 750 und 800 Millionen Euro in die Kassen spülen. Damit soll rund die Hälfte der Aktien nach dem Börsengang im Streubesitz sein. Am unteren Ende der Spanne käme OfficeFirst auf einen Börsenwert von rund 1,7 Milliarden Euro. Die Muttergesellschaft IVG wollte sich zu den Informationen nicht äußern. Der Börsenprospekt wird Ende der Woche erwartet.

PepsiCo über Erwartungen

Der Coca-Cola-Erzrivale PepsiCo hat im dritten Geschäftsquartal zwar weniger umgesetzt, Erlös- und Gewinndaten lagen aber über den Erwartungen. Auch der Ausblick fiel etwas besser aus als erwartet. Das PepsiCo-Papier legt aktuell an der NYSE über ein Prozent zu.

rm

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"